VAMD, Januar 2026, Schaufensterdekoration mit einer John Nissen CT 18 (?) auf einem Schlitten.

Seit 2021 hatte ich die Idee im Hinterkopf, von einer Inszenierung meiner sitzenden John Nissen Schaufensterpuppe auf einem alten Schlitten aus Metall, den ich in einem Brockenhaus fand und der mich an meine frühe Kindheit erinnert, als ich mit etwa 7 Jahren mit einem ebensolchen kleinen, roten Schlitten, wie die „Feuerwehr“ im Winter den kurzen, steilen Abhang vor dem Schulhaus „Heubeeribühl“ hinunter sauste. Als Jugendlicher wagte ich mich natürlich bereits auf die extra präparierte Schlittelbahn in Davos, bei welcher man schon durch einen extra präparierten Eiskanal schoss – oder eben dann mit 23 mit Freunden eher darum ging, wer als Erster im Zielraum am Ende der gewundenen Passstrasse ankam, die Wrestling-Attacken unterwegs auf den Schlitten „überlebend“.

Die Serie „Jeunesse“ (dt. „Jugend“) von John Nissen wurde gegen Ende der 70er-Jahre, Anfang der 80er-Jahre produziert und weltweit verkauft und hatte das Ziel, eher die junge Generation zu repräsentieren, während „Madame“ und die Serie „Fashionable“ eindeutig für die erwachsene Klientel entwickelt wurde.

Emotionale Gesichter und Gesten (oben Originalkatalogbilder von damals) sollte das Lebensgefühl der jungen Frauen verkörpern und anziehend wirken. Ich gehe davon aus, dass die Alterskategorie zwischen 18 und 23 liegen dürfte, was nur geschätzt ist und nicht überliefert. Leider sind auch die Kataloge nicht mehr in vollem Umfang auffindbar, weshalb nicht 100%-ig zweifelsfrei meine sitzende Figur (oben links mit den Stiefeln) die Seriennummer CT 18 trägt.

Was bei dieser Serie noch oft geschieht ist, dass irgendwann mit der Zeit und im Verlauf der Jahrzehnte von den jeweiligen Besitzern die Arme und Hände aus verschiedenen Gründen vertauscht wurden, oft weil man keine Referenzbilder aus Katalogen mehr hatte. Weil die Handgelenk- und Schulterverbindungen innerhalb der Serie und hier sogar serienübergreifend aus technischer Sicht kompatibel sind, hat man da vermutlich aus dem Lager einer Boutique einfach einen anderen Arm montiert, wenn einer kaputt ging, oder man sich die Zeit nicht nahm, gemäss der meistens bezeichneten (schwarzer Filzstift, von Hand) Seriennummern die Teile korrekt zusammenzusetzen, um auch dem Anspruch aus ästhetischer Sicht zu genügen.

So erkennt man spätestens beim Entwickeln von Ideen, wie man das Modell in Szene setzen will (hier links 2021 bei Probeaufnahmen mit dem roten Schlitten) und wo die ästhetische Problematik liegt, denn die Geste hat mit derjenigen im damaligen Originalkatalog nichts gemeinsam. Im angekleideten Zustand, stört dann in der Schulterverbindung auch der oft sichtbare Überhang in Bezug auf die Passgenauigkeit bei der Nut nicht, da ja dieser verdeckt ist. Doch für einen eingefleischten Sammler sind natürlich falsch angebrachte Teile sehr störend, es sei denn, man denke sich eine mögliche Geste auch während der Fahrt mit dem Schlitten aus: natürlich der unverzichtbare Blick auf’s Handy!

Aber genau dies ist das Reizvolle an der Kunst, weshalb mein Projekt auch „Vintage ART Mannequin Display“ heisst, wonach verschiedene Elemente zu einem Gesamtwerk zusammengefügt werden, nach meinen Vorstellungen von einem harmonischen Ganzen.

Natürlich muss der Schlitten schräg stehen, damit eine Dynamik in die Szene hinein kommt. Dieser Hügel und Abhang muss nur angedeutet sein, aber als schneebedeckt empfunden werden; stabil genug, dass der Schlitten mit dem Mannequin darauf auch in dieser Position hält. Mit Holzscheiten und einem weissen Tuch habe ich den Unterbau auf einem Salontischchen gebastelt und mit Stopfwatte den Schnee „verteilt“, der flauschiger und viel besser war zu verarbeiten, als normale Watte, aber etwas dunkler ist. Ich kaufte also eine Dose Glitter und schon sah dieser „Schnee“ wie echt aus, was vor allem von diesem Glitzereffekt her rührte. Dies funktioniert natürlich nur mit viel Licht und mit der idealen Positionierung der Lichtquellen. Bei dieser Arbeit kann ich auf die jahrelange Erfahrung als Werbe- und Modefotograf zurückgreifen, obwohl jedes Display wieder neue, ganz eigene Herausforderungen bietet. Ich liess vom vorangegangenen Display den Spiegel (links) stehen, sowie die Hauptleuchte am rechten Bildrand, die zwar ein Warmlicht ist, mir aber viel zu wenig von der gewünschten „Atmosphäre“ erzeugte. Also korrespondierend zum Bild im Hintergrund, das ich von einem Foto von mir vergrössern liess, brachte ich den weissen Lichterbaum mit dutzenden von kleinen LED-Lämpchen an. Dieser soll die LED-Hängelämpchen-Gardine an der linken hinteren Rückwand als Thema wieder aufnehmen und dem Ganzen einen „cozy touch“ geben, heimelig und gemütlich, noch etwas an Weihnachten erinnernd. Die Figur darf natürlich auf dem Schlitten in dieser Schräge nicht rutschen. Sieht kein Mensch: den blauen kleinen Streifen unter dem Hintern. Die Bodenschutzplatten vom Baumarkt aus einer Art festem Schaumstoff in der Grösse 50 cm x 50 cm geben den Dingen, die darauf gestellt werden einen rutschfesten Halt und lassen sich mit einer normalen Schere auf Wunschgrösse zuschneiden (und es gäbe sie auch in der Farbe grau).

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