Von den Schwierigkeiten ein Mannequin zu bestimmen. – Vermeintliche Bonami ist eine Almax, Americana Nr. 232, bzw. eine Phase II Nr. 232

Über zwei Dutzend Hersteller haben in den letzten 50 bis 60 Jahren Schaufensterfiguren für die vorwiegend westliche Konsumgesellschaft produziert. Zu den Marktführern bei naturalistischen Mannequins gehörten Adel Rootstein, Hindsgaul und Almax in Europa, sowie Decter, Patina V und andere in den USA. Im Blog-Beitrag „Von Adel Rootstein bis Window-Display“ habe ich eine Liste jener 26 Hersteller aufgeführt, die unter Sammlern bekannt und mehr oder weniger beliebt sind. Wählerische Zeitgenossinnen und Zeitgenossen beschränken sich aber aus bestimmten Motiven auf nur sehr wenige Manufakturen, im Gegensatz zu mir, der meines Wissens zu den wenigen Sammlern in ganz Europa mit der breitesten Palette von Labels gehört. Von der Liste (s. Link unten) besitze ich Schaufensterfiguren von 15 Herstellern und würde mir natürlich die kniende Muckle, die liegende Vaudeville und eine von Decter bei günstiger Gelegenheit kaufen; dann besässe ich Figuren von 18 Herstellern.

Von Adel Rootstein bis zu Windows-Display

Einige Manufakturen stellten dutzende von Serien, mit wiederum mehr als ein bis zwei Dutzend Figuren pro Serie her. Sich in diesem auch für Profis ziemlich anspruchsvollen „Dschungel“ von Mannequins zurechtzufinden, kann eine grosse Herausforderung sein. So erhalte ich immer häufiger von Fachleuten, aber auch von Laien positive Feedbacks in Bezug auf diese weltweit einzigartige Webseite über Schaufensterfiguren und danken mir für das Sammeln und Publizieren von sonst teilweise nur sehr schwer (bzw. wenn überhaupt!) auffindbare Informationen. Da steckt meinerseits viel Recherchearbeit im Internet, aber auch eigene Studien an und Erfahrungen mit meinen eigenen Figuren  dahinter und wenn ich mal grübelnd, mit vielen Fragezeichen nicht mehr weiter kam und es um Figuren von Rootstein ging, holte ich mir auch schon Rat von anderen Profis. Doch kenne ich aber einen Sammler, dem die Identifikation seiner Mannequins nicht so wichtig ist. Sie müssen ihm gefallen, basta. Das ist ja auch ok.

Für mich ist die Identifikation einer Schaufensterpuppe hingegen sehr wichtig und ich denke, dieses Wissen sollte irgendwie für die Nachwelt erhalten werden. So zeige ich hier auch auf, anhand welcher Merkmale und Kriterien Schaufensterpuppen einem Hersteller und einer Serie zugeordnet werden können, was mitunter ziemlich spannend ist. In diesem Beitrag hier, geht es spezifisch um die norditalienische Firma Almax und um eine sehr schöne Figur aus der Serie „Americana“ aus den frühen 80er-Jahren, mit der Nummer 232. Mit der selben Seriennummer wurde sie aber auch unter dem Namen „Phase II“ produziert (siehe weiter unten), was etwas Verwirrung stiftet.

Wie an diesem Beispiel gezeigt, lässt sich eine Almax ab einer bestimmten Epoche bis heute relativ einfach identifizieren, da am Boden des Torso und auf den Innenseiten der Arme bei den Schulterkupplungen meistens das Signet „Ai“ für „Almax international“ und eine drei-, bzw. vierstellige Seriennummer eingestanzt ist. Die „Americana“-Serie hat nur eine dreistellige Ziffernfolge und man sieht bei untenstehendem Bild deutlich die Zahl 232.

(Link zu den Bildern weiter unten)

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Bei dieser Almax Americana mit der Seriennummer 232 ist diese auf dem Boden des Torso eingestanzt.

Typisch auch der Metallbolzen an der oberen Abschlussplatte der Beine, das Gegenstück, das hier in einem ausserordentlich guten Zustand zu sein scheint. Der Torso und die Beine werden mittels dieser Bajonettverschlusstechnik miteinander verbunden. Doch in den vielen Jahren, in denen ich Almaxfiguren von Serien aus dieser Epoche erwarb, musste ich feststellen, dass der Bolzen nicht aus rostfreiem Stahl besteht. Bei manchen Figuren sind diese tragenden Metallteile komplett durchgerostet, da sie ganzjährig in Schaufenstern, oder sonst unbeheizten Räumen der Feuchtigkeit ausgesetzt waren. So saubere, vom Rost freie Verbindungsstücke bei Almax-Mannequins aus den 80er-Jahren sind eher selten anzutreffen und zeugen von einem Aufenthalt in beheizten, trockenen Räumen (siehe Foto unten).

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Auf der oberen Abschlussplatte der Beine ist ein Metallbolzen für den Bajonettverschluss montiert. Dieser ist bei manchen Figuren oft rostig, weil er nicht aus rostfreiem Stahl besteht.

Ebenfalls typisch für Almax aus dieser Serie und verwandten Serien: die flachen Bolzen an den Innenseiten der Arme für die Verbindung in der Schulterkupplung. Auch da sieht man das eingestanzte Label „Ai“ und die dreistellige Seriennummer.

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Ein weiterer Schwachpunkt ist die Gewindebolzenverbindung am Handgelenk. Manche Dekorateure haben die Hände so stark hineingedreht, dass an der Verbindungsstelle gut sichtbare Stauchungsschäden entstanden sind. Bei dieser Figur sieht man deutlich eine sorgsame Behandlung durch die Besitzerin (Foto oben). Deshalb ist der Vermerk „sehr guter Zustand“ im ebay-Inserat von meiner Sammlerkollegin S. absolut zutreffend.

Ebenfalls ein Indiz für eine Almax ist die Modellierung der Bauchdecke, angrenzend zum deutlich sichtbaren Verlauf der Rippen, sowie der generellen Wahl sehr weiblichen Rundungen in der Linienführung von Taille und Hüfte. Diese Schaufensterfiguren zeigen den damaligen Trend sportlicher durchtrainierter Körper, weg von Twiggy & Co. der 60-iger und 70-iger Jahre.

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Weibliche Rundungen und eine sportlich-muskuläre Figur war seit Anfang der 80er-Jahre wieder im Trend. Deshalb wirkt bei der Serie Americana von Almax der Körper auch durchtrainiert, was durch die Modellierung der Bauchdecke, bzw. des musculus rectus abdominis verdeutlicht wird. Bei der Konkurrenz sind diese Merkmale weniger bis gar nicht anzutreffen.
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Almax Americana Nr. 232 in sinnlicher Pose… Viele Sammlerinnen und Sammler stören sich oft an Details, wie z.B. die zu dominant wirkenden Kniescheiben, mit der diese umgebenden (zu) deutlichen Muskulatur bei einigen Figuren, vor allem bei dieser Serie.

…in anmutiger Haltung mit einer sehr sinnlichen Ausstrahlung“… steht weiter im eBay-Inserat meiner Sammlerkollegin S. (grashopperde), was ich durchaus auch so sehe. Die eingefleischten Rootsteinsammler hingegen stören sich an den proportional zu kräftigen Oberarmen (innerhalb der gesamten Serie) und dem etwas zu dominant modellierten Bereich um die Kniescheiben, die bei der Konkurrenz im Topsegment der Mannequins etwas weniger muskulös und dadurch femininer ausfällt. Der Vorteil dieser Figuren von Almax ist eindeutig ihre Robustheit, weshalb sie auch im Vergleich zu den Figuren aus anderen Manufakturen schwerer sind. Montiert werden sie auf einer Standplatte mit Vierkantdorn, wie sie auch bei Hindsgaul verwendet wird.

Schaufensterpuppe weiblich gebraucht (ebay Inserat v. der Almax Americana 232)

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Da innerhalb Deutschlands die Marke Almax durch die starke Konkurrenz inländischer Hersteller wie z.B. Moch, Jung-Figuren usw. weniger bekannt ist und kaum gesammelt wird, gibt es oft Verwechslungen, durch die erschwerte, eindeutige Identifizierung. So steht im Inserat der Name des vermeintlichen Herstellers Bonami (Belgien), statt Almax (Italien).

Auf einer der Katalogseiten der Almax „Americana“-Serie, auf die ich an anderer Stelle noch näher darauf eingehen werde, sind einige der Posen dargestellt (s. Bild unten), die dreistellige Seriennummern eingestanzt haben. Die mit dem Buchstaben „E..“ angefügte Zahl ist die sog. Kopfnummer. Es gab diverse Kopfstellungen und Gesichtsausdrucke, welche Kunden nach Wunsch beim Hersteller bestellen konnten. Bei der „Americana“-Serie gibt es deshalb viele Varianten aus Posen und diversen Köpfen.

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Katalogseite vom Hersteller Almax, Serie „Americana“, mit der Seriennummer 232 unten links.

In der beindruckenden Mannequinsammlung von Jeanette in Deutschland, befindet sich ebenfalls eine Almax „Americana“ (bzw. eine „Phase II“) mit der Seriennummer 232 (Kopfnummer E21), also in der selben Pose. Hier ein paar schöne Bilder aus ihrem flickr-Account (Jeanette / beauty mannequins):

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Eine sehr schöne Almax „Americana“ (bzw. „Phase II“) mit der Seriennummer 232, in einer Variante, d.h. mit Kopfnummer E21, von Jeanette (s. flickr).
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Steht ihr gut, die kupferfarbene Zopffrisur, zum schönen Make-Up (Jeanette, flickr, s. Link)
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Jeanette’s Almax „Americana“ (bzw. „Phase II“) Nr. 232 mit blonder Perücke….

flickr, Jeanette (beauty mannequins), Almax Nr. 232 / E21

Nun entsteht bei der Identifizierung der Almax-Figur mit der Nummer 232 das Problem der Zuordnung, denn sie ist auch in der Serie „Phase II“ gelistet und (Bild unten, zweite Reihe, zweite Pose von rechts) im Katalog abgebildet. Dieser hier nicht vollumfänglich erklärbarer Umstand, stiftet einige Verwirrung.

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Vom selben Hersteller (Almax) taucht die Schaufensterfigur mit der Seriennummer 232 in zwei verschiedenen Serien auf: „Americana“ und „Phase II“. Hier mit Kopfnummer E21

flickr, James D. (Doiron)_Almax Katalog der Serie „Phase II“

Weitere Beiträge über diese Serie folgen….

siehe auch mein Beitrag: „ZEN in der Kunst ein Mannequin zu bestimmen“:

ZEN in der Kunst ein Mannequin zu bestimmen

 

 

 

 

Das Mannequin mit der Nummer 3018 von e.t. Cranston / Almax, aus der Serie „The romantics“; Kopf Nr. 306

Vermutlich wurde von der italienischen Firma e.t. Cranston / Almax die hier gezeigte Serie „The romantics“ Mitte der 80er-Jahre auf den Markt gebracht.            

Vermutlich wurde von der italienischen Firma e.t. Cranston / Almax die hier gezeigte Serie „The romantics“ Mitte der 80er-Jahre auf den Markt gebracht. Ich habe vor Jahren einmal das Mannequin mit der Seriennummer 3018 gekauft, vor allem weil ich von ihrer Haltung fasziniert war.

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e.t. Cranston / Almax, Serie „The romantics“, Katalog

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Die Nummer 3018 steht rechts von der Gruppe, mit der linken Hand am Décolletée und mit dem Kopf Nr. 306 ausgestattet. Wie bei anderen Manufakturen, standen den Serien zum Teil verschiedene Köpfe zur Verfügung (Nr. 306 unten rechts):

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Da alle Hände (Schraubgewinde) untereinander austauschbar sind und die Arme an der Schultergelenkkupplung ebenfalls, sind die passgenauen, beweglichen Teile kompatibel, was manchmal beim Zusammenbau (z.B. von einem Dekorateur) dazu führte, dass Arme und Hände verwechselt wurden. So hat meine Figur zwar den richtigen, linken Arm mit der Nr. 3018, aber der rechte Arm trägt die Nr. 3005. Die beiden Hände sind sicher von der Figur mit der Nr. 3008 (siehe Bild oben Mitte), also auch nicht original dem Mannequin Nr. 3018 zugehörig, aber aus der selben Serie. Durch die fehlerhafte Hand, habe ich die Stellung mit der Handfläche nach aussen gewählt, was auch nicht schlecht aussieht.

20190325_182211.jpg Sehr typisch für diese Almax-Serien aus dieser Epoche sind die weiblichen Rundungen, wobei sehr realitätsnah auch die Brust- und Bauchpartien wohlproportioniert betont sind. Die abdominale Region um den Bauchnabel herum ist vom Relief her erstaunlich naturalistisch modelliert. Im Unterschied zum eher maskulinen „Sixpack“, verbirgt sich der weibliche Musculus rectus abdominis unter einer leicht gewölbten Fettschicht am Oberbauch zwischen Taille und Becken, der mittig von der Linea alba in zwei Hälften geteilt wird.  Ich finde diese Körperregion bei den Almax-Mannequins aus dieser Serie anatomisch sehr korrekt wiedergegeben, während die Schulterpartie doch sehr kräftig wirkt. Aber im Unterschied zur etwas älteren „Phase II“-Serie, hat Almax sich bezüglich naturgetreu dem Menschen nachgebildeten Schaufensterfiguren schon sehr verbessert. Schönheit ist bekanntlich auch eine Frage des ästhetischen Empfindens, weshalb ich von den Köpfen die Nr. 302, der Nr. 306 (nächstes Bild) eindeutig vorziehe.

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Auch aus dieser Perspektive ist die feminine Linienführung sehr schön herausmodelliert worden, wobei eine auch kräftige Rückenmuskulatur zu sehen ist. Das Loch im Hintern ist nicht ein Schaden, sondern für die Einführung eines vom Boden aufragenden Dorns von der Standplatte aus gedacht, vergleichbar mit den Fuss- und Wadendorn. Auf der Pobacke ist ein goldenes Label der Firma Ernst Glanzmann AG in Aarau angebracht, der vor Jahren Generalimporteur von Almax-Schaufensterfiguren war.

Erkennungszeichen für diese Periode in der Herstellung von Schaufensterfiguren von Almax Italien ist das Loch im Scheitel, in welches eine Halterung, oder Schraube man hat eindrehen und befestigen können. Ein praktisch unsichtbarer, starker Silchfaden wurde zwischen der Metallöse der Schraube und der Decke gespannt, um zu verhindern, dass die doch sehr schweren Figuren umstürzen und dabei Schaden nehmen könnten. Auf dem Kopf ist auch die Kopfnummer eingraviert (hier die Nr. 306), was das Rätselraten im Katalog verhindert.

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Die Nummer 306 bezeichnet die Kopfnummer

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Hier ein Bild von der Schultergelenkkupplung auf der Seite des Torsos, mit eingelassener runder Metallplatte mit länglicher Führungsnut für die Arretierung des Bolzens, welcher seitens des Oberarms in die kreisrunde Aussparung steckt und hinunter zieht. Die hier sichtbare schwarze Seriennummer ist zwar korrekt, wurde aber vermutlich nicht von der Firma, sondern vom Geschäft vermerkt, welches die Figur ins Schaufenster stellte. Herstellerseitig sind die Nummern auf der Innenseite des Oberarms bei der Kupplung, neben dem Bolzen vermerkt, was ein typisches Erkennungszeichen einer älteren Almax Schaufensterpuppe ist.  Das eingestanzte Label „Ai“ (Almax international) kam erst in späteren Produktionen zum Einsatz.

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Die Seriennummer 3018 ist hier am linken Arm gestempelt und gestanzt worden
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Am rechten Arm ist die Nummer 3005 eingestanzt, der zu einer anderen Figur gehört.