Almax und das Baukastenprinzip bei der Mannequin-Serie „Phase II“ – Die Idee der Kombination von Körperteilen, am Beispiel von Nr. 238 (Torso), 224 (Arme) und Beine (229)

Mannequins von Adel Rootstein, Hindsgaul und New John Nissen sind bei Sammler generell begehrter, als solche von Almax, von Jung-Figuren und Moch. Das hat diverse Gründe. Ich werde diese bei Gelegenheit in einem separaten Beitrag etwas näher ausleuchten. So sind von den drei erstgenannten Herstellern Kataloge zugänglicher (z.B. im Internet), als von den Letztgenannten. Eine Almax zu identifizieren kann zu einer echten Knacknuss werden, da man ausser einem Label und einer Nummer sehr oft keine anderen Informationen zur Verfügung hat. Mit der Zeit lernt man die Merkmale zu erkennen, die auf eine bestimmte Epoche bezogen augenfällig sind, z.B. das Make-Up, die Gesichtsform, oder andere, auch technische Attribute, wie runde Schulterkupplungen usw.. Dieses schöne Mannequin (Bild unten) weckte sofort meine Neugierde, als ich es in einem Inserat im Internet entdeckte; eine Pose, wie ein Engel ohne Flügel, dachte ich. Noch am selben Tag erwarb ich diese Schaufensterfigur und ging anhand der Merkmale von der Annahme aus, es handle sich um eine Almax-Figur aus der Serie „Phase II“, von denen ich schon einige besass und deshalb bereits ziemlich gut kannte (und bis zu diesem Zeitpunkt gewisse Eigenheiten studierte).

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Anhand verschiedener Attribute, die typisch für Almax-Figuren aus einer bestimmten Epoche sind, ging ich beim Kauf (hier steht die Schöne noch beim Verkäufer) von einer Figur aus der Serie „Phase II“ aus, was richtig war. Dennoch musste ich genau recherchieren, da sie aus verschiedenen Figuren im Baukastenprinzip ursprünglich zusammengestellt wurde….

Das gesamte Gesicht, die Stirn, die hohen Wangen, die Augen, das Kinn und der Mund, aber auch die Form der Knie, sowie der Brüste, die Art der Schulterkupplung und die Proportionen im Taillen- / Beckenbereich deuteten unzweifelhaft auf eine e.t. cranston / Almax Schaufensterfigur hin. Im Inserat stand nichts anderes als „Schaufensterpuppe“; das war nicht viel. Trotz meines Verdachts, der sich nach dem Kauf dann bestätigte, es handle sich um eine Almax aus der Serie „Phase II“, war ich trotzdem mit Recherchen beschäftigt, als ich diese Pose im Katalog von der Serie „Phase II“ nicht 1:1 fand.

Bereits von den anderen Figuren aus dieser Serie, die meine Sammlung bevölkerten, kannte ich dieses eigentümliche Baukastenprinzip der Mannequins aus den 80er-Jahren. Bereits Hindsgaul und Moch hatten ein System entwickelt, bei dem die Körperteile, wie Torso, Beine und Arme im Kupplungsbereich, wo sie miteinander verbunden werden so konstruiert sind, dass sie quasi wie Lego-Elemente austauschbar sind. Almax zog nach und kopierte dieses System, in der Hoffnung mit den Marktführern mitziehen zu können und konkurrenzfähig zu bleiben. „Phase II“ war damals eine der erfolgreichsten Serien von Almax international.

Von der Almax-Serie „Phase II“ gibt es insgesamt 28 verschiedene Modelle, wobei davon 7 in sitzenden und 21 in stehenden Positionen im Katalog abgebildet sind (s. Bilder):

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Beim näheren Hinsehen erkennt man, dass einige Bein- und Armstellungen, sowie die Körperhaltungen bei den Torsos identisch sind. Wir finden sowohl bei der Figur mit der Seriennummer 223, als auch bei denjenigen mit den Nummern 227 und 246, identisch geformte Beine und die angewinkelten, in die Taille hineingestützten Arme, mit den dort anliegenden Handflächen mit eingeknickten Handgelenken, sind bei den Modellen 222, 227, 228 und 238 beidseitig zu sehen, sowie beim linken Arm der Posen 220 und 237 und beim rechten Arm schliesslich bei der Seriennummer 252. Dank diesem neuartigen System, konnte man kostengünstig identische Bauteile herstellen, die untereinander für die grösstmögliche Kompatibilität sorgte. Bei den Bajonettverbindungen im Hüftbereich sind die Begrenzungslinien der Abschlussdeckplatten so geformt, dass sie passgenau sind und die meisten stehenden Figuren besitzen kreisrunde Schulterkupplungen, wonach so eine sehr hohe Zahl von Kombinationsmöglichkeiten entsteht, die natürlich nicht alle im Katalog aufgeführt sind. Almax bot überdies noch 8 verschiedene Köpfe an, die man als Kunde nach den individuellen Bedürfnissen bestellen konnte. So war es möglich mit nur einer Serie ganze Ladenausstattungen und Schaufenstermeilen trotzdem vielfältig zu gestalten.

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Die Kopfnummern E 20, E 21, E 30 und E 37 sind am Kopf eingestanzt und helfen bei der Identifizierung, wenn sie nicht standartmässig zu den Posen wie im Katalog, sondern auf Wunsch bestellt wurden.
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Manche Gesichtsausdrucke sind doch schwer auseinanderzuhalten. Bei der Identifizierung einer Almax Schaufensterpuppe aus der Serie „Phase II“ helfen die am Kopf eingestanzten, zweistelligen E-Nummern. Hier: E22, E33, E 34 und E 36.

Leider steht der Link zum Katalog nicht mehr zur Verfügung.

Meine unten abgebildete Figur ist eine Kombination aus den Beinen von Nr. 229 (Nr. 241 wären ebenfalls identisch), den Armen von Nr. 224 (von Nr. 248 wären auch möglich) und dem Torso mit der Nr. 238 / E 37 (Kopfnummer). Ich finde diese Kombination sehr schön, vor allem, weil sie in der sinnlichen Pose zum sanften Blick von E 37 gut passt.

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Bei Gelegenheit gibt es hier weitere Bilder und Infos. Zu den typischen Merkmalen bei Almax-Figuren aus den Serien „Americana“ und „Phase II“ kann man hier, beim Link, interessante Details nachlesen.

Blogbeitrag „Von den Schwierigkeiten ein Mannequin zu bestimmen“ (Thema Almax)

 

 

 

 

Liegendes Mannequin von der Firma Almax in Italien, aus der Serie „Portia II“, Nr. 564 (E-61)

Als ich 2008 in ein Dekorationsgeschäft eintrat und mehrere, übereinander auf Tablaren liegende Schaufensterpuppen sah, war mir sofort klar, dass ich eine dieser Schönheiten gleich unter den Arm klemmen und mit nach Hause nehmen würde; es war nur noch die Kostenfrage zu klären, denn gerade günstig waren sie nicht. Vor zehn Jahren war meine Sammlung noch bescheiden und sie meine zweite Almax. Sie gehört zur Serie „Portia II“, mit der Nummer 564 (Kopf E-61) und ist ein richtiges Schmuckstück. Ich besass später die selbe Figur in neutralem Weiss, mit skulpturierten Haaren. Diese verkaufte ich aber an einen Händler, der mittels eines sog. Head-Changes und einem kompletten Make-Over eine neue Figur daraus machte. Nun besitzt jene einen New John Nissen-Kopf.

 

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Sechs Jahre später, im August 2014, stürzte während Renovationsarbeiten die Fassade der Firma Dekoplus ein und riss rd. 200 Schaufensterpuppen mit in die Tiefe. Dort hatte die Besitzerin des Ladens auch die liegenden 564-Portia II-Figuren gelagert. Davon gibt es seither mindestens 15 Stück weniger und ich denke manchmal dankbar daran, dass ich wenigstens eine retten konnte, bevor sie unter den Trümmern des Mini-Ground Zero ihr Ende gefunden hätte. Für ein Mannequin-Sammler ist dies ein grauenhafter Anblick!

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In einem Satin-Negligé in Weiss sieht sie toll aus, wobei ich aber das neue Abendkleid von Vilavi in der Farbe „coral“, welches ich ihr kürzlich kaufte, perfekt finde. Sie geniesst die Gesellschaft von Yasmin le Bon auf der Empore in meiner Wohnung.

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Tolle Schaufensterfiguren werden in Asien von Billigherstellern oft nachgemacht. Doch die Kopien aus Fernost haben niemals diese Ausstrahlung wie die Originale. Wenn aber ein Profi-Restaurator Hand anlegt, dann werden diese Mannequins ebenfalls zu kleinen Kunstwerken, wie die Fotos aufzeigen.

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Michelle von Mannequin Makeover

Obwohl selbst das Six-Pack am Bauch dieser durchtrainierten Fitnesstrainerin kopiert wurde, sieht das aufmerksame Auge und der fachkundige Profi sofort, dass es sich um eine billige Kopie handelt:

  • andere Gesichtszüge (Kinn, Augen, Nase)
  • Faust von linker Hand viel weiter weg vom Kopf (und nicht stützend)
  • rechte Hand absolut unschön verarbeitet, schon ab Werk
  • am Handgelenk keine Trennung. Arme und Hände sind jeweils an einem Stück. So besteht die Figur aus 4 Teilen (Almax 6 Teile)

Im Vergleich nun meine weisse, liegende Almax Portia II mit skulpturierten Haaren (im Bild unten links), sowie der abgesägte Kopf einer New John Nissen / Schläppi aus der Serie „Chic“, deren Körper nur noch ein Wrack war.

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Ich muss zugeben, mit einem solchen Ergebnis hätte ich damals nicht gerechnet, sonst hätte ich vielleicht einen solchen Head-Change und Make-Over in Auftrag gegeben und die Puppen nicht verkauft. Auch wenn diese Figur nie an das Original herankommt, ist das Endprodukt beachtlich und überraschend gut gelungen.

Ergänzungen vom 06./07.06.2020:

Folgende Sequenz habe ich in einem Video gefunden, in der von einem Künstler eine Almax Portia II, Nr. 564 am Kopf verändert wird, während in der selben Stellung eine echte Frau nackt auf einem Tisch liegt und so Modell „steht“…

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Almax Video Produktion 02 (Frau)

Almax Video Produktion