Das Model Alison Fitzpatrick aus der Mannequinserie „Barbelle“ von Adel Rootstein mit der Nr. BB09

„I love Alison’s pouty face :)“ kommentierte ein Sammlerkollege das auf flickr gepostete Bild der Alison Fitzpatrick von Adel Rootstein mit der Nummer BB09. Ob man nun die besondere Mimik von ihr als „Schmollgesicht“ interpretieren darf, sei dahingestellt. Die halb gesenkten Augenlider, sowie der etwas strenge Zug in beiden Mundwinkeln und das seitlich blickende, erhobene Haupt assoziieren bei mir eher die Begriffe „Stolz und Selbstbewusstsein“, was natürlich auch als arrogant und abweisend angesehen werden kann. So schickt der selbe Sammlerkollege noch einen ergänzenden Kommentar hinzu, in dem er schreibt, sie sehe „snooty“ (dt. „hochnäsig“) aus.

flickr, Danny Letton, Alison BB09; siehe Kommentare von Tim

Als ich dieses Mannequin das erste Mal sah, dachte ich im ersten Augenblick schon auch daran, sie könnte mir zu arrogant wirken. Dann aber entdeckte ich eine Interpretation von Hasan (SanVision), bei der er die Alison BB09 als spanische Flamencotänzerin stylte und es ihm so gelang, aus ihrer würdevollen Haltung, die unbeschreibliche Anmut aus ihr herauszuschälen. Die Bewegungen dieses Tanzes wirken manieriert. Aber dieser lebt von der darin dargestellten Leidenschaft, vom Pathos, von einer gewissen Theatralik, die in der Gestik und Mimik Ausdruck findet.

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Rootstein – Webseite, Hall of Fame, Alison Fitzpatrick

Auf der Webseite von Adel Rootstein, finden man einen Link unter dem Titel „Hall of Fame“, mit diversen Bildern zu den berühmten Models, die Rootstein als Mannequins anfertigte (im Untermenü auf der Webseite etwas nach unten scrollen). Dort sind auch die echte Alison Fitzpatrick und die Schaufensterfigur BB09 als ihr Double zusammen abgebildet, wobei Erstere (links) verschmitzt lächelnd sich über ihr Kunstharz-Pendent ein wenig lustig zu machen scheint, so als wollte sie sagen: „Schaut her, ich bin nicht so ernst und ‚hochnäsig‘ wie meine Doppelgängerin“. 

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„Shaping the 90’s“ heisst das Motto zu dieser Serie mit dem Titel „Barbelles“, die anfangs der 90er-Jahre von Rootstein herausgebracht wurde und in welcher der Zeitgeist gegen das Ende des zweiten Jahrtausends nach Christus vermittelt werden sollte. Die im letzten Jahrzehnt vor dem dritten Jahrtausends sich ausbreitende Emanzipation der Frauen, in dessen Zusammenhang u.a. auch eine Unabhängigkeitserklärung einher ging, worin die Befreiung aus gewissen gesellschaftlichen Zwängen und konventionellen Vorstellungen verstanden wurde, war prägend für diese Zeit. Was sich bereits einige Jahrzehnte zuvor entwickelte, stand nun in voller Blüte und der Blick der BB09-Figur scheint zu sagen: „Ich bin unabhängig und glücklich, auch ohne Mann.“ Aber die links von ihr stehende, echte Alison lächelt diesen falschen Eindruck freundlich und selbstbewusst weg… (Bild oben).  Die BB09 ist ebi Rootstein immer noch erhältlich:

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Adel Rootstein (Webseite), Alison Fitzpatrick, Serie Barbelles, BB09

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Alison Fitzpatrick wurde 1991 eine besondere Ehre zuteil: nur berühmten und speziell ausgewählten Fotomodellen ist es vorbehalten für den ehrenwerten „Pirelli-Kalender“ vor der Kamera zu stehen. Sie schaffte es gleich als „Marianne“ auf das Frontblatt (Bild unten), mit französischer Tricolore und Gewehr in den Händen, jene Kämpferin auf dem berühmten Bild von Eugene Delacroix (1830) verkörpernd.

https://www.tutti.ch/de/vi/zuerich/sammeln/pirelli-kalender/18253470

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„Die Freiheit führt das Volk“ heisst der Titel des Gemäldes, das im Louvres Museum in Paris hängt und ein Sinnbild für die Revolution von 1798 und dessen Wiederherstellung 1830 ist.

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Wikipedia: Bild „Die Freiheit führt das Volk“ (1830), Eugene Delacroix

Das Kleid ist im Bereich des Oberkörpers zerrissen, wonach der blanke Busen sichtbar wird. Marianne hebt die Fahne und scheint den Mitstreitern und Kämpfer hinter ihr ein Signal zum Angriff zu geben. Schon als kleiner Junge, als wir im Geschichtsunterricht die französische Revolution behandelten, war mir ein Rätsel, weshalb diese anmutige Frau oben ohne abgebildet ist. Ist beim Heben des Armes das Kleid zerrissen? Wir wissen es nicht; es bleiben nur Vermutungen, Lösungen des Rätsels, die im metaphorischen Sinn eher verständlich werden. Befreiung, Entschlossenheit – Freiheit. So wird vermutet, dass der Maler Delacroix von einem Gedicht zu dieser Figur inspiriert wurde, in dem die Freiheit als „ein kraftvoll Weib mit mächtigen Brüsten,/ mit rauer Stimme und derben Reizen“ bezeichnet wird (siehe Wikipedia).

Mir scheint die Nähe zur mythischen Gestalt der griechischen Amazone, die auf antiken Vasen auch oben ohne abgebildet wurde, plausibler. Dahin geht meine Vermutung, weil oft starke Frauen und Kriegerinnen erotisch dargestellt werden.

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„Nicht nur die Schönheit der Frau, sondern auch ihre heroischen Eigenschaften und ihren Mut sollte der Pirelli-Kalender des Jahrgangs 1991 abbilden. Für weibliche Helden halten die Geschichtsbücher genügend Beispiele parat.“

Artikel in „Auto Motor & Sport“, 06.11.2009, zum Thema „Frauenhelden der Geschichte“ im Pirelli Kalender 1991

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Alison von Adel Rootstein, die BB09, besitzt doch genau diesen kraftvollen Ausdruck in ihrer Mimik und in ihrer Haltung. Sie verkörpert Unerschütterlichkeit, Standhaftigkeit, Entschlossenheit und heldenhaften Mut, gepaart mit weiblicher Anmut, Schönheit und zurückhaltender Erotik. Sie ist meiner Meinung nach eines der schönsten Mannequins, die es gibt. Diese BB09 im Bild oben und unten wurde von Hasan (SanVision) aufwändig restauriert und neu koloriert. Ganz toll gemacht!

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Nun gibt es von der Alison Fitzpatrick und Adel Rootstein’s BB09 eine Sonderanfertigung, die in einem aussergewöhnlichen Make-over, inkl. einer Brustvergrösserung,  von einem Freund hergestellt wurde. Hier steht sie noch beim Vorbesitzer….

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….. und hier steht sie umgestylt bei mir zuhause, neben meiner Hindsgaul Deauville. Dies soviel zum Thema „Pamela Anderson, Baywatch & Co.“. Sie ist unbeschreiblich schön und toll gemacht.

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Letztes Bild: Äusserst reizvolle Interpretation eines Sammlerkollegen…..

flickr, Dolls Village, Rootstein Alison BB09 und Roxanne BB11

….. Neben der Rootstein-Figur BB09 (Alison Fitzpatrick) steht links die BB11 (Roxanne). Beide sind in einem viktorianischen Stil eingekleidet worden. Er nennt sie „Victorian Queens“.

flickr, „Dolls village“, BB09 und BB11

 

 

Von Adel Rootstein bis zu Window-Display: Die Palette der wichtigsten Manufakturen von Mannequins

Mehr als zwei Dutzend Hersteller von Schaufensterfiguren haben sich in den letzten 60 Jahren den Markt geteilt und jeder versuchte sich vom Konkurrenten abzuheben. Dabei entstand eine breite Palette von Mannequins, denen sogar lebende Menschen als Vorlage dienten (wie bei Adel Rootstein), oder andere Besonderheiten aufweisen, wie z.B. die erstaunlich naturgetreue Modellierung bei New John Nissen-Figuren. Sammler besitzen ihre Vorlieben; und so gibt es einige, die fokussiert Adel Rootstein-Mannequins, oder Hindsgaul-Figuren sammeln, weshalb man bei diesen Marken in der Regel tiefer in die Tasche greifen muss, als bei anderen Mannequin-Marken. Im teuersten Preissegment sind Schaufensterfiguren zu finden, die aber neu restauriert und in einem sehr guten Zustand sind. Da sich die Kosten für ein sog. Make-Over erst bei seltenen Mannequins sich wirklich lohnt, bleiben die eher weniger beliebten Figuren oft im Originalzustand und sind durch falsche Teile, Risse, Brüche, Kratzer und Abplatzer minderwertig. Meine Sammlung umfasst zur Zeit 14 verschiedene Hersteller, mit insgesamt über 140 Figuren, was sie schweizweit zur grössten und breitestpalettierten Kollektion macht. Die unten aufgeführte Liste folgt keiner bestimmten Logik, Chronologie, oder einem Alphabet, sondern stellt quasi hierarchisch die Reihenfolge meiner persönlichen Vorlieben dar, obwohl die „Grenzen“ nicht klar gezogen sind. Die Yasmin le Bon von Rootstein, die 8424 (Young Look) von Hindsgaul, die liegende Almax, die L9 Act 1 von New John Nissen: sie alle gehören zu meinen Favoriten und sind in diesem Blog beschrieben. Auf die „Sarah“ von New John Nissen habe ich rd. 7 Jahre gewartet. Gegen eine Mitnacht habe ich sogar eine sitzende Ira von Rootstein eingetauscht…. Schönheitsempfinden ist relativ….

Einige der Hersteller produzieren heute noch realistische Schaufensterfiguren, lassen sogar alte Serien wieder aufleben (z.B. „Classic“ bei Adel Rootstein). Wie man sich in diesem „Dschungel“ von Mannequins zurechtfindet, soll eines der Hauptziele dieses Blogs sein. Zudem gibt es von Loutoff z.B. billige Asien-Kopien von hochwertigen Hindsgaul-Figuren (z.B. „Angie“), die offiziell korrekt, aber von Privat auch schon als „echte Vintagepuppe“ im Internet angeboten wurde, was sie definitiv nicht ist. Hier erhält man auch Informationen, die der Bestimmung einer Schaufensterfigur dienen. Anhand der Kolorierung, der Schminke, der Körperproportionen, des Gesichtsausdrucks und der Hüft- und Handverbindungen, sowie Schulterkupplungen kann ein Hersteller eruiert werden, wenn eingestanzte, oder aufgeklebte Labels und Seriennummern (meist gestempelt) fehlen und die Identifikation so erschwert ist. Weitere Erkennungszeichen sind in den jeweiligen Beiträgen zu finden, wie z.B. die Schraube oder Flügelmutter am Rücken der älteren Moch-Figuren, oder dem Gewindebolzen am Handgelenk der Almax usw.

Hier die Liste (zur vorherigen Version vom Februar 2018 etwas abgeändert):

01 Adel Rootstein (England) / 02 Hindsgaul (Dänemark) / 03 New John Nissen (Belgien) / 04 Almax (Italien) / 05 Schläppi (Schweiz) / 06 Hans Boodt (Holland) / 07 Jung-Figuren (Deutschland) / 08 Patina V (USA) / 09 Vaudeville (USA) / 10 Moch (Deutschland) / 11 Decter (USA) / 12 Mitnacht (Deutschland) / 13 Greneker (USA) / 14 Bonami (Belgien) / 15 La Rosa (Italien) / 16 Wolf-Vine (USA) / 17 Filoso (Italien) / 18 Window (Frankreich) / 19 Muckle (Deutschland) / 20 Eurodisplay (Deutschland / Asien) / 21 Siègel (Frankreich) / 22 Loutoff (Asien) / 23 Euroton (Asien) / 24 Bergdorf (Deutschland) / 25 Obermeier (Deutschland) / 26 Levine (?)

 

 

Mannequins / Schaufensterpuppen als Spiegel der Schönheitsideale im Wandel der Zeit

Haute Couture als zentrales Thema im Elternhaus

Die Hochglanz-Modezeitschriften und Magazine von Vogue und Harper’s Bazaar lagen in meinem Elternhaus teils stapelweise herum, wobei ich mir die innere Ordnung nie erschliessen konnte, denn chronologisch schienen sie kaum zu sein. Mir ist es bis heute also nicht vergönnt, auch rückblickend, ein System der Priorisierungen erkannt haben zu dürfen – das soll auch so sein, denn Schönheit, Ästhetik, Mode sind ganz persönliche Empfindungen, die von Formen und Farben, von Licht und Schatten beeinflusst sind. Es gab zwar Versuche aus Milliarden von menschlichen Individuen ein Schönheitsideal aus der breiten Masse hervorheben zu lassen und dies je nach Epoche immer wieder neu. In den 80er-Jahren des letzten Jahrhunderts wollten gewiefte Werbepsychologen dahinter kommen, nach welchen Kriterien unser Unterbewusstsein ein Schönheitsideal bewertet. Das Ergebnis war recht simpel: je symmetrischer ein Gesicht ist, desto schöner erscheint es dem Betrachter. Eine solche Erklärung kann aber nicht die breite Empfindungspalette abdecken, die Menschen in ästhetischer Hinsicht besitzen. Dennoch ist es rätselhaft, wie sehr Mode und Schönheitsempfinden dem jeweiligen Zeitgeist unterworfen sind und es eine erstaunliche suggestive Kraft gibt, die Trends zu fokussieren vermag. Jedenfalls kann ich mich schwach erinnern, das Wort Haute Couture so oft als Kind im Elternhaus gehört zu haben, dass es zu meinem Grundwortschatz im Vorschulalter gehörte.

Meine Tante war eine begnadete professionelle Schneiderin, sowie meine Grossmutter mütterlicherseits. Neben ihrer täglichen Arbeit, fertigten sie auch Kleider für meine Mutter an, die mit etwas über 1.80 Meter Grösse damals gültige Modellmasse besass. Ansatzweise lässt sich vermuten, dass nach der Reihenfolge der in Auftrag gegebenen Kleider auch die Hefte bereit lagen, die ich oft durchblätterte, sogar öfters als ein Spielwarenkatalog. Manche waren so dick wie die in ländlichen Gegenden damals gebräuchlichen Telefonbücher. Die Fotos in den Katalogen wurden in den berühmten Mode-Metropolen Paris, London, Mailand und New York gemacht – Grossstädte in denen Trends gesetzt wurden.

Ausbildung zum Werbe- und Modefotografen

Am Anfang begeisterte mich schon eher die Landschaftsfotografie, als ich das erste Mal mit 12 Jahren eine Nikon F Spiegelreflexkamera in die Hand nahm und im Alter von 15 die Dunkelkammertechnik erlernte. Ein Jahr später war mir klar, dass ich eine Lehre als Fotograf beginnen wollte und so arbeitete ich nach der Schule u.a. für Achille Wieder, der in Zürich ein sehr bekannter Modefotograf war. Wenn während dem Fototermin die schlanken, sich wie Gazellen bewegenden, schönen Geschöpfe über das Parkett stakten, gab es am Anfang schon das eine oder andere Mal, dass mir beinahe die Augen aus dem Kopf fielen. Doch ich gewöhnte mich an die ein- und ausgehenden Supermodells und mit der Zeit war es nicht mehr so ausserordentlich aufregend. Aber es waren schon Wesen die mich zuweilen verzaubern konnten; betörend, in einer magischen Atmosphäre. Die Disco-Glitzerwelt von Ende der 70er- und Anfang der 80er-Jahre war ohnehin magisch.

Ein wenig Nostalgie…. „the Golden Ages“…

Wenn ich also heute, 40 Jahre später, Schaufensterfiguren ansehe, schwingen schon nostalgische Gefühle an diese sehr spannende Zeit des Aufbruchs mit, als sich in der Werbung neue Horizonte eröffneten und die Schaufenster sich in Erlebniswelten verwandelten und der Begriff „visuelles Merchandising“ sich verbreitete. Ansprechend sollten sie sein, sympathisch, die Schaufensterpuppen, die potentielle Kundschaft in ihren Bann ziehen sollten. Die heutigen Sammler von Vintage-Mannequins sprechen von den „Golden Ages“, von den goldenen Jahren, als die in Europa führenden Hersteller, wie Adel Rootstein, Hindsgaul und New John Nissen die wunderschönen, naturalistischen Schaufensterfiguren auf den Markt brachten. Heute sind die „Eierköpfe“ nur noch von den Körpermassen dem Menschen ähnlich. Man glaubt, der Betrachter sei durch die Stilisierung der Figur mehr auf das Kleid konzentriert, was verkaufsfördernd wirke. Man vergass dabei, dass der Mensch das „Gesamtpaket“ unterbewusst beurteilt und ein ästhetisches Empfinden besitzt, in dem das Gefühl für Schönheit entwickelt wird. Und so sind die stilisierten Mannequins von heute vielen zu abstrakt und ich bin nicht alleine, wenn Menschen sich nach den „Golden Ages“ zurücksehnen.

Mannequins: Träume in Kunstharz / visuelles Marketing und Gebrauchskunst

Dutzende Sammlerinnen und Sammler weltweit kümmern sich um die Erhaltung von Mannequins, der speziellen Form von Werbeplastik. An dieser Schaufensterkunst aus mehreren Jahrzehnten, lässt sich die Entwicklung in Gesellschaft und Mode ablesen und sie ist ein Spiegel der Zeit, in der sich das Schönheitsideal immer wieder veränderte. Als ich die erste Schaufensterpuppe ca. 1994 in einem Brockenhaus kaufte, fungierte sie als Objekt für die Voreinstellung des Studiolichtes, um mit dem lebendigen Modell später keine unnötige Zeit dafür zu verschwenden. Noch konnte ich nicht ahnen, dass mich rd. 14 Jahre später die Leidenschaft erfassen würde, in der ich nun begeistert Mannequins sammle. Inzwischen sind es über 140 Figuren, welche ich mir vom Sommer 2008 in den letzten zehn Jahren erwarb.

Dieses Blog hat zum Ziel, dem interessierten Leser eines der am wenigsten erforschten Gebiete im Bereich visuelles Marketing und Gebrauchskunst näher zu bringen. Es ist äusserst spannend, wenn z.B. ein „Dachbodenfund“ im Internet angeboten wird. Über Mannequins gibt es keine Fachliteratur, kein Bestimmungsbuch, wie bei Pflanzen und Schmetterlingen. Von den ahnungslosen Verkäufern werden öfters keine Angaben über den Hersteller, sowie die Seriennummer usw. gemacht und oft sind Aufnahmen mit dem Handy in schlechter Qualität gemacht worden, wonach es einiges an Fachwissen braucht und Erfahrung, um zweifelsfrei vor dem Erwerb die Figur einordnen zu können. Diese Phase erzeugt ein wenig Goldgräberstimmung, wobei mir diese Herausforderung enorm Spass macht. So werden Artefakte einer Kunstform gerettet, die sonst in Vergessenheit geraten würden. In der zweiten Phase werden die Schaufensterfiguren von mir gestylt und wenn nötig restauriert. Durch eine fachkundige Bestimmung bekommen sie nicht nur ihre eigentliche Identität zurück, sondern sie erhalten nicht selten ein sog. „Make-over“, ein Face- und Bodylifting, das ihnen zu einem zweiten Leben verhilft.

Mein Blog „Faszination Mannequins“ stellt hier nicht nur einige meiner sehr schönen Exponate vor, sondern hier werden auch einige Informationen über dieses Thema der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt, die u.a. auch in meinem Fachbuch erwähnt sind. Ich hoffe Sie also auch zum Staunen zu bringen; viel Spass!