Bemerkenswert

Mannequins / Schaufensterpuppen als Spiegel der Schönheitsideale im Wandel der Zeit

Haute Couture als zentrales Thema im Elternhaus

Die Hochglanz-Modezeitschriften und Magazine von Vogue und Harper’s Bazaar lagen in meinem Elternhaus teils stapelweise herum, wobei ich mir die innere Ordnung nie erschliessen konnte, denn chronologisch schienen sie kaum zu sein. Mir ist es bis heute also nicht vergönnt, auch rückblickend, ein System der Priorisierungen erkannt haben zu dürfen – das soll auch so sein, denn Schönheit, Ästhetik, Mode sind ganz persönliche Empfindungen, die von Formen und Farben, von Licht und Schatten beeinflusst sind. Es gab zwar Versuche aus Milliarden von menschlichen Individuen ein Schönheitsideal aus der breiten Masse hervorheben zu lassen und dies je nach Epoche immer wieder neu. In den 80er-Jahren des letzten Jahrhunderts wollten gewiefte Werbepsychologen dahinter kommen, nach welchen Kriterien unser Unterbewusstsein ein Schönheitsideal bewertet. Das Ergebnis war recht simpel: je symmetrischer ein Gesicht ist, desto schöner erscheint es dem Betrachter. Eine solche Erklärung kann aber nicht die breite Empfindungspalette abdecken, die Menschen in ästhetischer Hinsicht besitzen. Dennoch ist es rätselhaft, wie sehr Mode und Schönheitsempfinden dem jeweiligen Zeitgeist unterworfen sind und es eine erstaunliche suggestive Kraft gibt, die Trends zu fokussieren vermag. Jedenfalls kann ich mich schwach erinnern, das Wort Haute Couture so oft als Kind im Elternhaus gehört zu haben, dass es zu meinem Grundwortschatz im Vorschulalter gehörte.

Meine Tante war eine begnadete professionelle Schneiderin, sowie meine Grossmutter mütterlicherseits. Neben ihrer täglichen Arbeit, fertigten sie auch Kleider für meine Mutter an, die mit etwas über 1.80 Meter Grösse damals gültige Modellmasse besass. Ansatzweise lässt sich vermuten, dass nach der Reihenfolge der in Auftrag gegebenen Kleider auch die Hefte bereit lagen, die ich oft durchblätterte, sogar öfters als ein Spielwarenkatalog. Manche waren so dick wie die in ländlichen Gegenden damals gebräuchlichen Telefonbücher. Die Fotos in den Katalogen wurden in den berühmten Mode-Metropolen Paris, London, Mailand und New York gemacht – Grossstädte in denen Trends gesetzt wurden.

Ausbildung zum Werbe- und Modefotografen

Am Anfang begeisterte mich schon eher die Landschaftsfotografie, als ich das erste Mal mit 12 Jahren eine Nikon F Spiegelreflexkamera in die Hand nahm und im Alter von 15 die Dunkelkammertechnik erlernte. Ein Jahr später war mir klar, dass ich eine Lehre als Fotograf beginnen wollte und so arbeitete ich nach der Schule u.a. für Achille Weider, der in Zürich ein sehr bekannter Modefotograf war. Wenn während dem Fototermin die schlanken, sich wie Gazellen bewegenden, schönen Geschöpfe über das Parkett stakten, gab es am Anfang schon das eine oder andere Mal, dass mir beinahe die Augen aus dem Kopf fielen. Doch ich gewöhnte mich an die ein- und ausgehenden Supermodells und mit der Zeit war es nicht mehr so ausserordentlich aufregend. Aber es waren schon Wesen die mich zuweilen verzaubern konnten; betörend, in einer magischen Atmosphäre. Die Disco-Glitzerwelt von Ende der 70er- und Anfang der 80er-Jahre war ohnehin magisch.

Ein wenig Nostalgie…. „the Golden Ages“…

Wenn ich also heute, 40 Jahre später, Schaufensterfiguren ansehe, schwingen schon nostalgische Gefühle an diese sehr spannende Zeit des Aufbruchs mit, als sich in der Werbung neue Horizonte eröffneten und die Schaufenster sich in Erlebniswelten verwandelten und der Begriff „visuelles Merchandising“ sich verbreitete. Ansprechend sollten sie sein, sympathisch, die Schaufensterpuppen, die potentielle Kundschaft in ihren Bann ziehen sollten. Die heutigen Sammler von Vintage-Mannequins sprechen von den „Golden Ages“, von den goldenen Jahren, als die in Europa führenden Hersteller, wie Adel Rootstein, Hindsgaul und New John Nissen die wunderschönen, naturalistischen Schaufensterfiguren auf den Markt brachten. Heute sind die „Eierköpfe“ nur noch von den Körpermassen dem Menschen ähnlich. Man glaubt, der Betrachter sei durch die Stilisierung der Figur mehr auf das Kleid konzentriert, was verkaufsfördernd wirke. Man vergass dabei, dass der Mensch das „Gesamtpaket“ unterbewusst beurteilt und ein ästhetisches Empfinden besitzt, in dem das Gefühl für Schönheit entwickelt wird. Und so sind die stilisierten Mannequins von heute vielen zu abstrakt und ich bin nicht alleine, wenn Menschen sich nach den „Golden Ages“ zurücksehnen.

Mannequins: Träume in Kunstharz / visuelles Marketing und Gebrauchskunst

Dutzende Sammlerinnen und Sammler weltweit kümmern sich um die Erhaltung von Mannequins, der speziellen Form von Werbeplastik. An dieser Schaufensterkunst aus mehreren Jahrzehnten, lässt sich die Entwicklung in Gesellschaft und Mode ablesen und sie ist ein Spiegel der Zeit, in der sich das Schönheitsideal immer wieder veränderte. Als ich die erste Schaufensterpuppe ca. 1994 in einem Brockenhaus kaufte, fungierte sie als Objekt für die Voreinstellung des Studiolichtes, um mit dem lebendigen Modell später keine unnötige Zeit dafür zu verschwenden. Noch konnte ich nicht ahnen, dass mich rd. 14 Jahre später die Leidenschaft erfassen würde, in der ich nun begeistert Mannequins sammle. Inzwischen sind es über 140 Figuren, welche ich mir vom Sommer 2008 in den letzten zehn Jahren erwarb.

Dieses Blog hat zum Ziel, dem interessierten Leser eines der am wenigsten erforschten Gebiete im Bereich visuelles Marketing und Gebrauchskunst näher zu bringen. Es ist äusserst spannend, wenn z.B. ein „Dachbodenfund“ im Internet angeboten wird. Über Mannequins gibt es keine Fachliteratur, kein Bestimmungsbuch, wie bei Pflanzen und Schmetterlingen. Von den ahnungslosen Verkäufern werden öfters keine Angaben über den Hersteller, sowie die Seriennummer usw. gemacht und oft sind Aufnahmen mit dem Handy in schlechter Qualität gemacht worden, wonach es einiges an Fachwissen braucht und Erfahrung, um zweifelsfrei vor dem Erwerb die Figur einordnen zu können. Diese Phase erzeugt ein wenig Goldgräberstimmung, wobei mir diese Herausforderung enorm Spass macht. So werden Artefakte einer Kunstform gerettet, die sonst in Vergessenheit geraten würden. In der zweiten Phase werden die Schaufensterfiguren von mir gestylt und wenn nötig restauriert. Durch eine fachkundige Bestimmung bekommen sie nicht nur ihre eigentliche Identität zurück, sondern sie erhalten nicht selten ein sog. „Make-over“, ein Face- und Bodylifting, das ihnen zu einem zweiten Leben verhilft.

Mein Blog „Faszination Mannequins“ stellt hier nicht nur einige meiner sehr schönen Exponate vor, sondern hier werden auch einige Informationen über dieses Thema der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt, die u.a. auch in meinem Fachbuch erwähnt sind. Ich hoffe Sie also auch zum Staunen zu bringen; viel Spass!

Das Mannequin aus der Manufaktur von Hans Boodt mit der Nr. F4201 aus der Serie „Blend“

Blättert man zurück in der Filmgeschichte, dann erkennt man als Protagonistin im Film „Alien“ von 1979 die Schauspielerin Sigourney Weaver als (Zitat) „Blaupause für harte Hollywoodheldinnen“. In einem Spiegel-Interview vom 16.09.2004 wurde sie so genannt, da später sich in den 80er-Jahren das Frauenbild entscheidend wandelte. Zitat aus „1980er Jahre: das Supermodell“: „Sie alle waren groß, athletisch und berühmt für ihre langen Beine. Gesunde Kurven waren wichtig für die Amazonen der 80er und damit auch für normale Frauen realisierbar. Sport wurde essentiell, um an die neue Traumfigur zu kommen, am liebsten mit den Aerobic-Videos von Jane Fonda.“ (Zitat aus The stylebook – Das Schönheitsideal im Wandel der Zeit ) „Elle „The Body“ Macpherson wurde mit ihren 182 cm Körpergröße zum Model-Favoriten.“ 

Starke Frauen erschienen auf den Kinoleinwänden, sowohl in Hollywood, als auch in Frankreich, wo einer meiner Lieblingsregisseure Luc Besson, 1990 den Film „Nikita“ herausbrachte und seine besondere Qualität als Avantgardist unter Beweis stellte. Einen Vorgeschmack auf sein Frauenbild, erhält man bereits im Film „Subway“ mit Isabelle Adjani in der weiblichen Hauptrolle, aber im Film „Nikita“ wird die Frau selbstbewusst, kämpferisch und stark, hingegen auch erotisch, zerbrechlich und mit allen Bedürfnissen zur Weiblichkeit dargestellt. Einerseits war man von dieser Frauenpower angetan, doch andererseits zerstörte sie manche Vorstellung von herkömmlichen Geschlechterrollen, in denen bis spät in die 70er-Jahre hinein Weiblichkeit mit „schwach“ assoziiert wurde. Als der Siegeszug der Emanzipation die Frauen auf ihre Positionen der Gleichberechtigung setzte, mag der eine oder andere Mann schon gedacht haben, die mythische Xanthippe sei in einigen dieser kämpferischen Wesen erwacht. Solch erstrittene Unabhängigkeit war gewöhnungsbedürftig. Doch bereits emanzipierte Männer sollten keine Angst vor starken, selbstbewussten Frauen haben, was uns ebenfalls Luc Besson in seinem Kultfilm „Das fünfte Element“ vor Augen führen will. Die weibliche Hauptrolle Leeloo wird von Milla Jovovich gespielt, einem Topmodel der 90er-Jahre. Das Drehbuch entstand bereits 1990. Der Film kam 1997 in die Kinos. Besson lässt den Pater sagen: „Wecken Sie sie auf. Ich bin gleich wieder da. Aber bitte seien Sie vorsichtig. Sie ist das wertvollste, was die Menschheit besitzt. Sie ist einfach perfekt.“ Leeloo ist das Konglomerat von Macht, sowie Sex-Appeal, verbunden mit etwas Mysteriösem; ist eine geballte Ladung Frauenpower, in der eben perfekten Mischung. Nadja Atwal durfte sich „die schönste Powerfrau der USA und aller Zeiten“ nennen, als sie vom berühmten US-Mode- und Schönheitsmagazin „Viva Glam“ entsprechend gekürt wurde und namhafte Grössen wie Gisela Bündchen und Heidi Klum hinter sich liess (Die Welt – Interview mit Nadja Atwal ).

Nun bedeutet das englische Wort „blend“ dieses Mischungsverhältnis, welches sich auch auf die miteinander verschmelzenden, unterschiedlichen Eigenschaften eines Menschen beziehen kann, wie einerseits Powerfrau und andererseits weiblich, sowie sexy sein und  Familienmensch bleiben. „Ihren Erfolg sieht Atwal auch in ihrer Familie begründet, die einen sehr hohen Stellenwert für sie hat. „Ich bin eine glückliche Geschäftsfrau“, sagt sie. „Aber ich bin eine noch glücklichere Ehefrau und Mutter.“ Und das mache für sie auch eine wirkliche Powerfrau aus.“ Genau diesen Typ Frau will die Firma Hans Boodt mit ihrer Mannequins-Serie „Blend“ sinngemäss, wie oben erklärt ansprechen.

So heisst es im Begleittext zu dieser Serie von Hans Boodt auf ihrer Webseite: „Unsere realistische Schaufensterpuppen BLEND Kollektion zeigt auf ganzer Linie eine selbstbewusste Ausstrahlung, die städtischen Chic und Robustheit mit einem urbanen Look kombiniert und gleichzeitig einen Touch von High-Society ausstrahlt.“

 

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So einfach ihre nicht exaltierte Pose wirkt: als ich zum ersten Mal vor der F4201 stand, wurde ich sofort in ihren Bann gezogen und mit ihren 185 cm Körpergrösse, sowie ihren wohlproportionierten Körper, wirkte sie genau auf diese Weise wie oben beschrieben: stark, selbstbewusst, weiblich und sexy – eben „blend“.

Sigourney Weaver wurde nach dem Thema gefragt überaus deutlich: „Angelina (Jolie) ist eine tolle Schauspielerin, aber ihre Rolle (in Lara Croft) beschränkt sich darauf, das Böse mit simpler Waffengewalt zu bekämpfen. Ich finde es ziemlich schade, dass man einer Schauspielerin vom Kaliber einer Angelina Jolie nicht mehr Spielraum lässt, um diesen Charakter Lara Croft mit einem Hauch mehr Intelligenz zu gestalten. Man hat sie zu sehr reduziert auf die Figur aus dem gleichnamigen Videospiel. Dicke Brüste, enge Shorts und eine Knarre in der Hand, das allein reicht in meinen Augen noch nicht, um einen weiblichen Hero zu kreieren.“

1977 begegnete ich einer strohblonden, grossen Holländerin. Sie war sexy, weiblich und sehr selbstbewusst und vor allem ausserordentlich sportlich. Marthe L. wurde Dritte in den Europameisterschaften im Eisschnelllauf der Frauen. Nach meiner Erinnerung war es die erste wirkliche Powerfrau und Amazone, welcher ich in meinem Leben begegnete! Nein, ich habe keine Angst vor starken Frauen, auch von der F4201 nicht, die mich sehr an Marthe und an ihre Zwillingsschwester Alide L. erinnert.

 

 

 

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Patina V-Mannequin aus der Serie „Belle Monde“ mit der Nummer BLM1 SH – Shannon (Head)

„Belle Monde“, was für eine „schöne Welt“ (dt.), wenn man sich mit diesen faszinierenden Mannequins umgibt. Dann taucht im Internet, wie so oft, eine namenlose Figur auf, weil der Besitzer weder den Hersteller kennt, noch wüsste, aus welcher Serie sie stammt. Das interessiert in der Regel ja auch nur eine Sammlerin, oder ein Sammler.

Hindsgaul-Schaufensterfiguren haben auch geteilte Beine, aber niemals etwas muskulös wirkende Oberschenkel. Dann gab es eine Reihe weiterer Indizien, die gegen eine Figur aus der Nobelschmiede Hindsgaul sprachen und die Identifikation sofort feststand: eine Patina V – aber welche Serie? Mir war diese Stellung irgendwie bekannt, doch konnte ich mich kaum entsinnen, wo ich sie einmal gesehen hatte. Bei so vielen Serien ist es eher schwierig, ohne Seriennummer zu recherchieren. Bei der Übergabe vom Verkäufer sah ich mir natürlich zuerst die Seriennummer an: „BLM1“. Ich war sprachlos; eine „Belle Monde“, aus der selben Serie wie dei „BLM7“, die ich bereits besitze und sehr schätze!

Blogbeitrag über die „BLM7“

Zuhause ging ich dann auf die Suche nach der Kopfbezeichnung „SH“, die ebenfalls an der Schulter und an den Kupplungen bei den Oberarmen fein eingraviert ist. Bei der Serie „Bellisima“ wurde ich fündig; „SH“ für „Shannon“. „Welcome to your new home!“

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BLM1 (links oben) ist wirklich traumhaft schön. Aber auch die anderen Posen sind sehr elegant und sexy.

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flickr, Bob H., Katalog Patina V „Bellisima“

Shannon (drittes Bild obiges Foto) findet man unter der Kollektion „Bellisima“, in der sie auch eine äusserst faszinierende, sitzende Pose einnimmt (Bild unten links).

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Shannon neu eingekleidet…..

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Bild oben: kurz nach der Übergabe durch den Verkäufer machte ich (wie meistens) die ersten Fotos für’s Archiv. Da ist die Dame noch etwas schmutzig….,

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….weshalb die ganze Figur vor dem Styling gereinigt wird.

 

 

 

 

New John Nissen / Schläppi Mannequin aus der Serie „Act 1“, Nr L3

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Atemberaubend schön und graziös in der Pose! Die L3 von New John Nissen / Schläppi aus der Serie „Act 1“ ist eine Ikone. Ich konnte sie vor längerer Zeit als zweite Figur aus dieser Serie, noch vor der L9, in einem sehr guten Zustand und vor allem mit sämtlichen Originalteilen erwerben. Da die Köpfe von Chloe und Judith einander sehr gleichen und der Hersteller leider keine Head-Identification-Nummern auf der Figur vermerkt hat, kann ich nicht mit Bestimmtheit sagen, welches Gesicht bei meiner L3 verwendet wurde.

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Bei Gelegenheit werden hier noch ergänzend Bilder gezeigt.

 

 

 

 

Patina V-Mannequin aus der Serie „Belle Monde“ mit der Nummer BLM7 MP – Martina (Head)

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Kürzlich habe ich mir eine BLM7 (Belle Monde, übers. „Schöne Welt“) mit dem Kopf von Martina (MP) gekauft. Sie ist wirklich eine sehr schöne Schaufensterfigur.

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Der Martina habe ich mal vorläufig mein Sofa freigemacht. Da fühlt sie sich sichtlich wohl.

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Auf der metallenen Innenplatte des Armes, neben dem Bolzen der Schulterkupplung, steht die Seriennummer „BLM7“ und die Bezeichnung für den Kopf „MP“ (für „Martina“).

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Sie bekam von mir eine Zopffrisur von New John Nissen und ein leicht transparentes Oberteil mit Leopardenmuster auf violett eingefärbtem Stoff, was sehr gut zu ihrem Teint, Make-up und zu der gesamten Erscheinung passt.

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Ich finde die gesamte Körperhaltung sehr faszinierend; sie impliziert Aufmerksamkeit und totale Präsenz, wenn auch in einer entspannten Pose. Typisch Patina V eben; eine Augenweide!

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Wie auch immer man „Zufall“ definieren mag; ich fand im Internet ein Bild von Emma Watson, der britischen Schauspielerin, die man aus den Harry-Potter-Filmen her kennt. Sie posiert 2013 für das „Wonderland magazine“ und nimmt die beinahe selbe Haltung ein wie Martina. Die Blickrichtung, der gesamte Ausdruck, die Handstellungen und wie die Beine übereinander gelegt sind. Man könnte meinen, der Fotograf habe im Internet die BLM7 bei Patina V gesehen und sein Model so posieren lassen. Faszinierend!

Interview von Emma Watson mit Derek Blasberg

The Bloom of the wallflower (Interview und Bild)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Patina V-Mannequin aus der Serie „Adagio“ mit der Nummer AD4A KK, also mit Karen-Head.

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Es handelt sich um die Figur unten links.

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Ich fand das Kleid (unten) doch viel besser…….

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Karen und Shannon… Da haben sich zwei Freundinnen gefunden 😉

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Rootsteins Drama Diva Ulla van Zeller mit der Nummer DI08

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Begriffe unterliegen einem kulturbedingten Wandel; und wenn das Wort „Diva“ direkt aus dem lateinischen Adjektiv „divus“ für „göttlich“ hergeleitet werden kann, gehören heute mehr Attribute zu einer „Diva“, wie in einer sehr intelligenten Aufarbeitung der Begriffsveränderung gezeigt wurde. „Diva – Die Inszenierung der übermenschlichen Frau“ heisst das Buch, auf dessen Inhalt wir hier nicht näher eingehen. Die in der Zürcher Universität publizierte Rezension von Barbara Straumann enthüllt uns schon einiges, was diesbezüglich in der Musik- und Kunstwissenschaft diskutiert wird. Im Kontrast zum gängigen Frauenbild des 19. und 20. Jh. verkörperten Diven Unabhängigkeit und Selbständigkeit, was aber mit den Moralvorstellungen absolut konform war. Heftig umstritten in der Schärfung des Begriffs sind zwei sich unterscheidende Standpunkte, wobei der Eine das Selbstreferenzielle und der Andere den künstlerischen Inhalt einer Darbietung im Vordergrund sehen möchte. Eine Diva inszeniere sich unablässig selbst, wobei die Bewunderung ihrer Kunst und nicht ihrer Persönlichkeit gelte. Dies liesse sich nicht so einfach trennen, meinen Blank und Grotjean, da das eigentliche Werk und das Image der Künstlerin sehr eng miteinander verwoben sei. Sehr interessant im letzten Abschnitt von Straumanns Arbeit wird Clemens Risi zitiert, der eine Verschiebung von der vokalen Selbstinszenierung früherer Diven hin zu einem visuellen Entwurf sieht, wobei er die Pose als „Ersatz- und Kompensationsstrategie“ bezeichnet. Vielleicht lässt sich daraus tatsächlich eine Kompensation „für das fehlende Geheimnis“ sowie „für das fehlende Unverwechselbare“ herleiten und interpretieren, was durch die Dramaturgie in einer Inszenierung viel leichter gelingt.

Rezension Barbara Straumann (Diva)

Vielleicht gelingt es viel eher, die verkrampften Gesten und diese aussergewöhnlichen Verrenkungen der Mannequins von Adel Rootstein aus der Serie „Drama Divas“  nach der Durchsicht des oben Gesagten zu verstehen. Zugegeben: als ich das erste Mal die „Irene“ sah, dachte ich, „was ist denn mit der los?“.

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Ich wüsste jetzt so spontan kein Hersteller von Schaufensterfiguren, der solch exaltierte Posen der in Kunstharz gegossenen Modells, wie z.B. bei der Ulla (Bild oben) zuerkannte.

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Hier sitzt die echte Ulla van Zeller neben ihrem Rootstein-Mannequin, welches eines von mehreren Posen des berühmten deutschen Fotomodells zeigt.

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Vergleichsweise moderat kommt die Ulla van Zeller aus der Rootstein-Serie „Drama Divas“ mit der Figurennummer DI08 daher. Erkennungszeichen: etwas wulstige, volle Lippen, markante Nase, grosse Augen, Körbchengrösse 75A und rd. 1,80 Meter gross.

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Meine Ulla (DI08) ist in einem sehr guten Zustand, muss einfach noch gründlich gereinigt und etwas restauriert werden. Neu lackiert mit einem tollen Make-Up ausgestattet, ist sie eine wahre Augenweide, wie ich eine vollständig restaurierte Ulla van Zeller im Internet auf einer amerikanischen Plattform entdeckte:

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Hier in Ergänzung dazu noch einige schöne Fotos dieser „Gazelle“ mit den ellenlangen Beinen:

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Linkm folgt

 

Konvolut mit einigen Highlights

In einem Zeitraum von rd. 50 Jahren haben weltweit über 30 Manufakturen Mannequins produziert. Sie wurden jeweils in mehreren dutzend verschiedenen Serien angeboten, um den Bedürfnissen der Kunden gerecht zu werden. Auch innerhalb einer Serie standen teilweise bis zu 24 Figuren mit unterschiedlichen Posen zur Verfügung, wobei noch zwischen mehreren Köpfen gewählt werden konnte. Bei einzelnen Boutiquen und exklusiven Modegeschäften spielte eine solche Diversität kaum eine Rolle. Aber bei den landesweiten Ladenketten, wie beispielsweise Karstadt (Deutschland) und Manor, sowie EPA (Schweiz) war dies aufgrund des Wiedererkennungswertes enorm wichtig. Kleider wurden mit Schaufensterfiguren des selben Herstellers und oft mit verschiedenen Posen aus der selben Serie präsentiert. Schliesslich sollte ein Kunde in einem Einkaufszentrum in München die selbe Vertrautheit mit dem Produkt erleben, wie in einer anderen Stadt. Dies führte auch dazu, dass die Marktführer der Mannequin-Hersteller jährlich komplett neue und den jeweiligen Modetrends angepasste Serien auf den Markt brachten und auf den zahlreichen Messen dem staunenden Publikum vorstellten. Dabei sind grundsätzlich vier Marken zu nennen: Adel Rootstein, Hindsgaul, New John Nissen und Almax. Da von diesen Manufakturen für den europäischen Markt die grösste Auswahl bestand, werden von den Sammlern diese in der Regel auch bevorzugt. Auch andere Gründe sind zudem relevant, nach denen sich eine Kollektion richtet.

Erwirbt man nun ein Konvolut mit mehreren Schaufensterfiguren, ohne Angaben zum Hersteller, oder zur Serie, dann kann man aus oben genannten Gründen ziemlich sicher einmal die damaligen Marktführer Rootstein, Hindsgaul, New John Nissen und Almax priorisieren, wenn es um die Identifizierung der einzelnen Figuren geht, wobei man sich u.a. auch mittels meines Beitrags hier im Blog unter dem Titel „ZEN in der Kunst ein Mannequin zu bestimmen“ orientieren kann.

Beitrag: ZEN, in der Kunst ein Mannequin zu bestimmen

Aber – wie sich immer wieder zeigt – auch versierte Sammler und Sammlerinnen stossen bei der Identifikation eines Mannequins immer wieder an Grenzen, wenngleich sie ein ansonsten mehr oder weniger breit angelegtes Fachwissen über einige tausend Puppen besitzen. Mit etwas Glück kleben noch die Labels an den Figuren, oder die Nummern der Serien sind am Kopf eingestanzt (teilweise bei Rootstein), oder mit Filzstift geschrieben (Innenseite der Schulterkupplung bei New John Nissen). Dies erleichtert die Suche nach der ursprünglichen Identität, welche man als Sammler den Figuren wieder zurückgeben möchte.

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So sieht ein Konvolut vor dem Abtransport aus; und bei zwei Schaufensterfiguren habe ich natürlich sofort gewusst, aus welcher Manufaktur sie stammen und zu welcher Serie sie gehören, weil sie u.a. schon seit langem zuoberst auf meiner Wunschliste gestanden haben. Allen voran die „Grace“ aus der Serie „Beauties“ mit der Nummer PW11 von New John Nissen, die von der Firma Schläppi AG in der Schweiz in Lizenz hergestellt und für den hiesigen Markt vertrieben wurde.

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Sie ist einfach eine traumhaft schöne Schaufensterfigur, die hier im Originalkatalog aus den 80er-Jahren mit einem echten Mann in Lederkleidung äusserst sinnlich abgebildet ist.

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Auf dem Foto oben erkennt man nochmals das selbe Bild auf der Katalogseite mit der Angabe der Seriennummer (unten links, Grace, PW11).

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Meine neue „Grace“ noch schmutzig, mit fehlender rechter Hand, falschen Armen und mit einem Riss am Abschluss des Torsos bei der Hüftverbindung, wie man unschwer feststellen kann. Aber sonst ist sie in Ordnung.

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Die beiden falschen Arme sind auf der Innenseite der Schulterkupplung in blauer Schrift mit der Seriennummer „A12“ markiert. Nun besitze ich aber seit langem eine „Britt“ aus der Serie „Liberty“ von New John Nissen / Schläppi mit den falschen Armen und der Nr. „A12“:

Mein Blogbeitrag: „Die vier B’s“

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Die Arme im Konvolut, die auch bei „Grace“ gut aussehen, sind eigentlich die originalen Arme der „A12“ aus der Liberty-Serie von New John Nissen / Schläppi.

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Die nächste Schaufensterfigur ist auch eine New John Nissen / Schläppi AG aus den 80er-Jahren, in einem ordentlichen Zustand, mit einem Originalarm links, der aber klemmt und einem falschen „A12“-Arm rechts, wobei beide Hände fehlen. Es ist mit grösster Wahrscheinlichkeit eine „Sandra“ (die Köpfe sind sehr ähnlich) aus der Serie „Chic“, mit der Nummer BG9, von der ich u.a. bereits die BG1 und die liegende BG17 (Sarah) besitze, welche den Header meines Blog’s „Faszination Mannequins“ ziert.

Blogbeitrag: New John Nissen „Chic“, Sarah BG17

Die dritte Figur (leider ohne Arme und mit eingedellter Nase) ist aufgrund von Indizien zu 99,9% eine alte „Mitnacht“ aus den 60er-Jahren. Nirgends ist ein Seriennummer, oder ein Label zu finden, aber eine „Mitnacht“ erkennt man am Fussdorn und an der Hüfte.

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Der Fussdorn der Standplatte ist rund und der wird in eine metallene Hülse unten an der Fusssohle eingeführt. Das eine Bein ist demontierbar. Zusätzlich sind die Beine getrennt, in der Mitte der Hüfte, wie bei Hindsgaul, aber innen verschraubt. Das Make-Up und der lachende Gesichtsausdruck deutet auf eine sehr alte Schaufensterfigur hin.

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Zwei solche Mädchenfiguren sind im Konvolut dabei, alte originale Schläppi AG-Figuren, schätzungswiese aus den 70er-Jahren. Sie weisen skulpturierte Haare auf und mehrere sichtbare Gebrauchsschäden.

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Eine etwas exzentrische New John Nissen / Schläppi mit der Seriennummer S6 nur mit einem Arm und ohne Hände war dabei…. und im selben Stil noch eine Stehende, die so defekt ist, dass sie entsorgt werden muss.

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Dieses kniende Bein-Teilstück war auch dabei, das weder ein Label, noch eine Nummer, noch eine gestanzte Serienbezeichnung aufweist. Aber es hat ein Erkennungsmerkmal, welches ich bereits mehrmals in diesem Blog erwähnte, welches vorwiegend bei alten Almax-Schaufensterpuppen vorkommt: der metallene Verbindungsbolzen in der Hüfte dieser italienischen Nobelmarke ist durch jahrelange Einwirkung von Feuchtigkeit oft rostig, bis sogar durchgerostet, weshalb ich manchmal defekte Almax ankaufe, um die Ersatzteile zur Verfügung zu haben. Allenfalls habe ich noch einen passenden Torso.

Beim Kauf von Almaxfiguren aus den späten 70er- und frühen 80er-Jahren ist es ratsam den Verkäufer vorgängig zu bitten Fotos von diesem Verbindungsbolzen zu schicken, da die Figur ohne die Verfügbarkeit von Ersatzteilen zur Reparatur absolut wertlos ist.