Bemerkenswert

Mannequins / Schaufensterpuppen als Spiegel der Schönheitsideale im Wandel der Zeit

Haute Couture als zentrales Thema im Elternhaus

Die Hochglanz-Modezeitschriften und Magazine von Vogue und Harper’s Bazaar lagen in meinem Elternhaus teils stapelweise herum, wobei ich mir die innere Ordnung nie erschliessen konnte, denn chronologisch schienen sie kaum zu sein. Mir ist es bis heute also nicht vergönnt, auch rückblickend, ein System der Priorisierungen erkannt haben zu dürfen – das soll auch so sein, denn Schönheit, Ästhetik, Mode sind ganz persönliche Empfindungen, die von Formen und Farben, von Licht und Schatten beeinflusst sind. Es gab zwar Versuche aus Milliarden von menschlichen Individuen ein Schönheitsideal aus der breiten Masse hervorheben zu lassen und dies je nach Epoche immer wieder neu. In den 80er-Jahren des letzten Jahrhunderts wollten gewiefte Werbepsychologen dahinter kommen, nach welchen Kriterien unser Unterbewusstsein ein Schönheitsideal bewertet. Das Ergebnis war recht simpel: je symmetrischer ein Gesicht ist, desto schöner erscheint es dem Betrachter. Eine solche Erklärung kann aber nicht die breite Empfindungspalette abdecken, die Menschen in ästhetischer Hinsicht besitzen. Dennoch ist es rätselhaft, wie sehr Mode und Schönheitsempfinden dem jeweiligen Zeitgeist unterworfen sind und es eine erstaunliche suggestive Kraft gibt, die Trends zu fokussieren vermag. Jedenfalls kann ich mich schwach erinnern, das Wort Haute Couture so oft als Kind im Elternhaus gehört zu haben, dass es zu meinem Grundwortschatz im Vorschulalter gehörte.

Meine Tante war eine begnadete professionelle Schneiderin, sowie meine Grossmutter mütterlicherseits. Neben ihrer täglichen Arbeit, fertigten sie auch Kleider für meine Mutter an, die mit etwas über 1.80 Meter Grösse damals gültige Modellmasse besass. Ansatzweise lässt sich vermuten, dass nach der Reihenfolge der in Auftrag gegebenen Kleider auch die Hefte bereit lagen, die ich oft durchblätterte, sogar öfters als ein Spielwarenkatalog. Manche waren so dick wie die in ländlichen Gegenden damals gebräuchlichen Telefonbücher. Die Fotos in den Katalogen wurden in den berühmten Mode-Metropolen Paris, London, Mailand und New York gemacht – Grossstädte in denen Trends gesetzt wurden.

Ausbildung zum Werbe- und Modefotografen

Am Anfang begeisterte mich schon eher die Landschaftsfotografie, als ich das erste Mal mit 12 Jahren eine Nikon F Spiegelreflexkamera in die Hand nahm und im Alter von 15 die Dunkelkammertechnik erlernte. Ein Jahr später war mir klar, dass ich eine Lehre als Fotograf beginnen wollte und so arbeitete ich nach der Schule u.a. für Achille Wieder, der in Zürich ein sehr bekannter Modefotograf war. Wenn während dem Fototermin die schlanken, sich wie Gazellen bewegenden, schönen Geschöpfe über das Parkett stakten, gab es am Anfang schon das eine oder andere Mal, dass mir beinahe die Augen aus dem Kopf fielen. Doch ich gewöhnte mich an die ein- und ausgehenden Supermodells und mit der Zeit war es nicht mehr so ausserordentlich aufregend. Aber es waren schon Wesen die mich zuweilen verzaubern konnten; betörend, in einer magischen Atmosphäre. Die Disco-Glitzerwelt von Ende der 70er- und Anfang der 80er-Jahre war ohnehin magisch.

Ein wenig Nostalgie…. „the Golden Ages“…

Wenn ich also heute, 40 Jahre später, Schaufensterfiguren ansehe, schwingen schon nostalgische Gefühle an diese sehr spannende Zeit des Aufbruchs mit, als sich in der Werbung neue Horizonte eröffneten und die Schaufenster sich in Erlebniswelten verwandelten und der Begriff „visuelles Merchandising“ sich verbreitete. Ansprechend sollten sie sein, sympathisch, die Schaufensterpuppen, die potentielle Kundschaft in ihren Bann ziehen sollten. Die heutigen Sammler von Vintage-Mannequins sprechen von den „Golden Ages“, von den goldenen Jahren, als die in Europa führenden Hersteller, wie Adel Rootstein, Hindsgaul und New John Nissen die wunderschönen, naturalistischen Schaufensterfiguren auf den Markt brachten. Heute sind die „Eierköpfe“ nur noch von den Körpermassen dem Menschen ähnlich. Man glaubt, der Betrachter sei durch die Stilisierung der Figur mehr auf das Kleid konzentriert, was verkaufsfördernd wirke. Man vergass dabei, dass der Mensch das „Gesamtpaket“ unterbewusst beurteilt und ein ästhetisches Empfinden besitzt, in dem das Gefühl für Schönheit entwickelt wird. Und so sind die stilisierten Mannequins von heute vielen zu abstrakt und ich bin nicht alleine, wenn Menschen sich nach den „Golden Ages“ zurücksehnen.

Mannequins: Träume in Kunstharz / visuelles Marketing und Gebrauchskunst

Dutzende Sammlerinnen und Sammler weltweit kümmern sich um die Erhaltung von Mannequins, der speziellen Form von Werbeplastik. An dieser Schaufensterkunst aus mehreren Jahrzehnten, lässt sich die Entwicklung in Gesellschaft und Mode ablesen und sie ist ein Spiegel der Zeit, in der sich das Schönheitsideal immer wieder veränderte. Als ich die erste Schaufensterpuppe ca. 1994 in einem Brockenhaus kaufte, fungierte sie als Objekt für die Voreinstellung des Studiolichtes, um mit dem lebendigen Modell später keine unnötige Zeit dafür zu verschwenden. Noch konnte ich nicht ahnen, dass mich rd. 14 Jahre später die Leidenschaft erfassen würde, in der ich nun begeistert Mannequins sammle. Inzwischen sind es über 140 Figuren, welche ich mir vom Sommer 2008 in den letzten zehn Jahren erwarb.

Dieses Blog hat zum Ziel, dem interessierten Leser eines der am wenigsten erforschten Gebiete im Bereich visuelles Marketing und Gebrauchskunst näher zu bringen. Es ist äusserst spannend, wenn z.B. ein „Dachbodenfund“ im Internet angeboten wird. Über Mannequins gibt es keine Fachliteratur, kein Bestimmungsbuch, wie bei Pflanzen und Schmetterlingen. Von den ahnungslosen Verkäufern werden öfters keine Angaben über den Hersteller, sowie die Seriennummer usw. gemacht und oft sind Aufnahmen mit dem Handy in schlechter Qualität gemacht worden, wonach es einiges an Fachwissen braucht und Erfahrung, um zweifelsfrei vor dem Erwerb die Figur einordnen zu können. Diese Phase erzeugt ein wenig Goldgräberstimmung, wobei mir diese Herausforderung enorm Spass macht. So werden Artefakte einer Kunstform gerettet, die sonst in Vergessenheit geraten würden. In der zweiten Phase werden die Schaufensterfiguren von mir gestylt und wenn nötig restauriert. Durch eine fachkundige Bestimmung bekommen sie nicht nur ihre eigentliche Identität zurück, sondern sie erhalten nicht selten ein sog. „Make-over“, ein Face- und Bodylifting, das ihnen zu einem zweiten Leben verhilft.

Mein Blog „Faszination Mannequins“ stellt hier nicht nur einige meiner sehr schönen Exponate vor, sondern hier werden auch einige Informationen über dieses Thema der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt, die u.a. auch in meinem Fachbuch erwähnt sind. Ich hoffe Sie also auch zum Staunen zu bringen; viel Spass!

Patina V-Mannequin aus der Serie „Belle Monde“ mit der Nummer BLM7 MP – Martina (Head)

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Kürzlich habe ich mir eine BLM7 (Belle Monde, übers. „Schöne Welt“) mit dem Kopf von Martina (MP) gekauft. Sie ist wirklich eine sehr schöne Schaufensterfigur.

Dieser Artikel ist noch im Aufbau begriffen. Fotos folgen….

 

 

 

 

 

 

 

Rootsteins Drama Diva Ulla van Zeller mit der Nummer DI08

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Begriffe unterliegen einem kulturbedingten Wandel; und wenn das Wort „Diva“ direkt aus dem lateinischen Adjektiv „divus“ für „göttlich“ hergeleitet werden kann, gehören heute mehr Attribute zu einer „Diva“, wie in einer sehr intelligenten Aufarbeitung der Begriffsveränderung gezeigt wurde. „Diva – Die Inszenierung der übermenschlichen Frau“ heisst das Buch, auf dessen Inhalt wir hier nicht näher eingehen. Die in der Zürcher Universität publizierte Rezension von Barbara Straumann enthüllt uns schon einiges, was diesbezüglich in der Musik- und Kunstwissenschaft diskutiert wird. Im Kontrast zum gängigen Frauenbild des 19. und 20. Jh. verkörperten Diven Unabhängigkeit und Selbständigkeit, was aber mit den Moralvorstellungen absolut konform war. Heftig umstritten in der Schärfung des Begriffs sind zwei sich unterscheidende Standpunkte, wobei der Eine das Selbstreferenzielle und der Andere den künstlerischen Inhalt einer Darbietung im Vordergrund sehen möchte. Eine Diva inszeniere sich unablässig selbst, wobei die Bewunderung ihrer Kunst und nicht ihrer Persönlichkeit gelte. Dies liesse sich nicht so einfach trennen, meinen Blank und Grotjean, da das eigentliche Werk und das Image der Künstlerin sehr eng miteinander verwoben sei. Sehr interessant im letzten Abschnitt von Straumanns Arbeit wird Clemens Risi zitiert, der eine Verschiebung von der vokalen Selbstinszenierung früherer Diven hin zu einem visuellen Entwurf sieht, wobei er die Pose als „Ersatz- und Kompensationsstrategie“ bezeichnet. Vielleicht lässt sich daraus tatsächlich eine Kompensation „für das fehlende Geheimnis“ sowie „für das fehlende Unverwechselbare“ herleiten und interpretieren, was durch die Dramaturgie in einer Inszenierung viel leichter gelingt.

Rezension Barbara Straumann (Diva)

Vielleicht gelingt es viel eher, die verkrampften Gesten und diese aussergewöhnlichen Verrenkungen der Mannequins von Adel Rootstein aus der Serie „Drama Divas“  nach der Durchsicht des oben Gesagten zu verstehen. Zugegeben: als ich das erste Mal die „Irene“ sah, dachte ich, „was ist denn mit der los?“.

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Ich wüsste jetzt so spontan kein Hersteller von Schaufensterfiguren, der solch exaltierte Posen der in Kunstharz gegossenen Modells, wie z.B. bei der Ulla (Bild oben) zuerkannte.

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Hier sitzt die echte Ulla van Zeller neben ihrem Rootstein-Mannequin, welches eines von mehreren Posen des berühmten deutschen Fotomodells zeigt.

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Vergleichsweise moderat kommt die Ulla van Zeller aus der Rootstein-Serie „Drama Divas“ mit der Figurennummer DI08 daher. Erkennungszeichen: etwas wulstige, volle Lippen, markante Nase, grosse Augen, Körbchengrösse 75A und rd. 1,80 Meter gross.

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Meine Ulla (DI08) ist in einem sehr guten Zustand, muss einfach noch gründlich gereinigt und etwas restauriert werden. Neu lackiert mit einem tollen Make-Up ausgestattet, ist sie eine wahre Augenweide, wie ich eine vollständig restaurierte Ulla van Zeller im Internet auf einer amerikanischen Plattform entdeckte:

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Hier in Ergänzung dazu noch einige schöne Fotos dieser „Gazelle“ mit den ellenlangen Beinen:

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Linkm folgt

 

Konvolut mit einigen Highlights

In einem Zeitraum von rd. 50 Jahren haben weltweit über 30 Manufakturen Mannequins produziert. Sie wurden jeweils in mehreren dutzend verschiedenen Serien angeboten, um den Bedürfnissen der Kunden gerecht zu werden. Auch innerhalb einer Serie standen teilweise bis zu 24 Figuren mit unterschiedlichen Posen zur Verfügung, wobei noch zwischen mehreren Köpfen gewählt werden konnte. Bei einzelnen Boutiquen und exklusiven Modegeschäften spielte eine solche Diversität kaum eine Rolle. Aber bei den landesweiten Ladenketten, wie beispielsweise Karstadt (Deutschland) und Manor, sowie EPA (Schweiz) war dies aufgrund des Wiedererkennungswertes enorm wichtig. Kleider wurden mit Schaufensterfiguren des selben Herstellers und oft mit verschiedenen Posen aus der selben Serie präsentiert. Schliesslich sollte ein Kunde in einem Einkaufszentrum in München die selbe Vertrautheit mit dem Produkt erleben, wie in einer anderen Stadt. Dies führte auch dazu, dass die Marktführer der Mannequin-Hersteller jährlich komplett neue und den jeweiligen Modetrends angepasste Serien auf den Markt brachten und auf den zahlreichen Messen dem staunenden Publikum vorstellten. Dabei sind grundsätzlich vier Marken zu nennen: Adel Rootstein, Hindsgaul, New John Nissen und Almax. Da von diesen Manufakturen für den europäischen Markt die grösste Auswahl bestand, werden von den Sammlern diese in der Regel auch bevorzugt. Auch andere Gründe sind zudem relevant, nach denen sich eine Kollektion richtet.

Erwirbt man nun ein Konvolut mit mehreren Schaufensterfiguren, ohne Angaben zum Hersteller, oder zur Serie, dann kann man aus oben genannten Gründen ziemlich sicher einmal die damaligen Marktführer Rootstein, Hindsgaul, New John Nissen und Almax priorisieren, wenn es um die Identifizierung der einzelnen Figuren geht, wobei man sich u.a. auch mittels meines Beitrags hier im Blog unter dem Titel „ZEN in der Kunst ein Mannequin zu bestimmen“ orientieren kann.

Beitrag: ZEN, in der Kunst ein Mannequin zu bestimmen

Aber – wie sich immer wieder zeigt – auch versierte Sammler und Sammlerinnen stossen bei der Identifikation eines Mannequins immer wieder an Grenzen, wenngleich sie ein ansonsten mehr oder weniger breit angelegtes Fachwissen über einige tausend Puppen besitzen. Mit etwas Glück kleben noch die Labels an den Figuren, oder die Nummern der Serien sind am Kopf eingestanzt (teilweise bei Rootstein), oder mit Filzstift geschrieben (Innenseite der Schulterkupplung bei New John Nissen). Dies erleichtert die Suche nach der ursprünglichen Identität, welche man als Sammler den Figuren wieder zurückgeben möchte.

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So sieht ein Konvolut vor dem Abtransport aus; und bei zwei Schaufensterfiguren habe ich natürlich sofort gewusst, aus welcher Manufaktur sie stammen und zu welcher Serie sie gehören, weil sie u.a. schon seit langem zuoberst auf meiner Wunschliste gestanden haben. Allen voran die „Grace“ aus der Serie „Beauties“ mit der Nummer PW11 von New John Nissen, die von der Firma Schläppi AG in der Schweiz in Lizenz hergestellt und für den hiesigen Markt vertrieben wurde.

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Sie ist einfach eine traumhaft schöne Schaufensterfigur, die hier im Originalkatalog aus den 80er-Jahren mit einem echten Mann in Lederkleidung äusserst sinnlich abgebildet ist.

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Auf dem Foto oben erkennt man nochmals das selbe Bild auf der Katalogseite mit der Angabe der Seriennummer (unten links, Grace, PW11).

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Meine neue „Grace“ noch schmutzig, mit fehlender rechter Hand, falschen Armen und mit einem Riss am Abschluss des Torsos bei der Hüftverbindung, wie man unschwer feststellen kann. Aber sonst ist sie in Ordnung.

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Die beiden falschen Arme sind auf der Innenseite der Schulterkupplung in blauer Schrift mit der Seriennummer „A12“ markiert. Nun besitze ich aber seit langem eine „Britt“ aus der Serie „Liberty“ von New John Nissen / Schläppi mit den falschen Armen und der Nr. „A12“:

Mein Blogbeitrag: „Die vier B’s“

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Die Arme im Konvolut, die auch bei „Grace“ gut aussehen, sind eigentlich die originalen Arme der „A12“ aus der Liberty-Serie von New John Nissen / Schläppi.

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Die nächste Schaufensterfigur ist auch eine New John Nissen / Schläppi AG aus den 80er-Jahren, in einem ordentlichen Zustand, mit einem Originalarm links, der aber klemmt und einem falschen „A12“-Arm rechts, wobei beide Hände fehlen. Es ist mit grösster Wahrscheinlichkeit eine „Sandra“ (die Köpfe sind sehr ähnlich) aus der Serie „Chic“, mit der Nummer BG9, von der ich u.a. bereits die BG1 und die liegende BG17 (Sarah) besitze, welche den Header meines Blog’s „Faszination Mannequins“ ziert.

Blogbeitrag: New John Nissen „Chic“, Sarah BG17

Die dritte Figur (leider ohne Arme und mit eingedellter Nase) ist aufgrund von Indizien zu 99,9% eine alte „Mitnacht“ aus den 60er-Jahren. Nirgends ist ein Seriennummer, oder ein Label zu finden, aber eine „Mitnacht“ erkennt man am Fussdorn und an der Hüfte.

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Der Fussdorn der Standplatte ist rund und der wird in eine metallene Hülse unten an der Fusssohle eingeführt. Das eine Bein ist demontierbar. Zusätzlich sind die Beine getrennt, in der Mitte der Hüfte, wie bei Hindsgaul, aber innen verschraubt. Das Make-Up und der lachende Gesichtsausdruck deutet auf eine sehr alte Schaufensterfigur hin.

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Zwei solche Mädchenfiguren sind im Konvolut dabei, alte originale Schläppi AG-Figuren, schätzungswiese aus den 70er-Jahren. Sie weisen skulpturierte Haare auf und mehrere sichtbare Gebrauchsschäden.

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Eine etwas exzentrische New John Nissen / Schläppi mit der Seriennummer S6 nur mit einem Arm und ohne Hände war dabei…. und im selben Stil noch eine Stehende, die so defekt ist, dass sie entsorgt werden muss.

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Dieses kniende Bein-Teilstück war auch dabei, das weder ein Label, noch eine Nummer, noch eine gestanzte Serienbezeichnung aufweist. Aber es hat ein Erkennungsmerkmal, welches ich bereits mehrmals in diesem Blog erwähnte, welches vorwiegend bei alten Almax-Schaufensterpuppen vorkommt: der metallene Verbindungsbolzen in der Hüfte dieser italienischen Nobelmarke ist durch jahrelange Einwirkung von Feuchtigkeit oft rostig, bis sogar durchgerostet, weshalb ich manchmal defekte Almax ankaufe, um die Ersatzteile zur Verfügung zu haben. Allenfalls habe ich noch einen passenden Torso.

Beim Kauf von Almaxfiguren aus den späten 70er- und frühen 80er-Jahren ist es ratsam den Verkäufer vorgängig zu bitten Fotos von diesem Verbindungsbolzen zu schicken, da die Figur ohne die Verfügbarkeit von Ersatzteilen zur Reparatur absolut wertlos ist.

 

Das sitzende Mannequin Grace aus der Serie „Beauties“ von New John Nissen mit der Seriennummer PW12. Unikat.

Eine „Leslie“ (PW06) und eine „Jenny“ (PW22) gehören bereits zu den Highlights meiner Sammlung und vor wenigen Wochen äusserte ich gegenüber einem Sammlerkollegen die Worte, es fehle mir eine „Grace“, die Dritte im Bunde in dieser Serie.

Blogbeitrag über „Leslie“, New John Nissen PW6

Blogbeitrag über „Jenny“, New John Nissen PW22

Schon lange hatte ich die „Grace“ auf der Wunschliste, mit ihrem sinnlichen Mund und den verträumt geschlossenen Augen, sowie mit dem etwas nach hinten geneigten Kopf. Ein Traum, so ein schönes Mannequin zu besitzen; und nun wurde mein Traum erfüllt. Gestern zog bei mir eine „Grace“ aus der Serie „Beauties“ von New John Nissen mit der Seriennummer PW12 ein, deren rechter Arm nicht original ist.

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New John Nissen-Katalogseite von der Serie „Beauties“. Die sitzende „Grace“ mit der Seriennummer PW12 ist links unten im Bild zu sehen

Flickr, Zsolt Poka, NJN Katalogseite mit PW12

Flickr, Zsolt Poka, Katalogseite mit div. Figuren

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Sie wurde bereits einem Make-Over unterzogen, wobei man Arme, Hände und Beine verkittete, sodass dieses Mannequin an einem Stück nun ein weltweites Unikat ist. Der rechte Arm ist aber falsch und stammt von einer anderen Figur; entweder von einer PW1, PW6, PW10, PW18, oder PW22.

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Nachdem ich meine Grace geputzt hatte, versuchte ich an ihr mal blonde, dann schwarze Haare, gestreckte und auch lockige, sowohl kurz als auch lang… und eine schien mir den sinnlichen Gesichtsausdruck besonders zu untermalen. Es war diese rotbraune, gelockte Perücke, die mir am Ende am Besten gefiel und in mir plötzlich eine leise Erinnerung an ein Bild von Sandro Botticelli weckte. Hatte nicht die Venus auf dem berühmten Bild eine solche wilde rotbraune Mähne? Tatsächlich!

 

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„Geburt der Venus“ von Sandro Botticelli

Die Göttin Aphrodite / Venus

Wie lodernde Flammen sieht die Haarpracht aus, ungekämmt, wild. Sie ist die Schönste der Schönen, die Göttin der Liebe und der Erotik. Aber nicht nur deswegen wurde sie im Altertum verehrt. Es gerieten die Menschen ob ihrer Anmut in Verzückung, denn sie war die Verkörperung von Liebreiz, sanft in ihrem Wesen, zart wie ein Schmetterling, heiter und sonnig im Gemüt, klar wie das türkisfarbene Wasser in den Lagunen der Südsee in ihrer Präsenz, charakterstark in ihrer Funktion als Schutzgöttin, aber verführerisch als weibliches, einem die Sinne raubenden Wesen. Sie ist unwiderstehlich, weshalb einige antike Liebesgedichte schwärmerisch vom Liebesakt erzählen, in dem die Liebenden ins Feuer der Lust sanken, um vor Wonne zu zerrinnen. Pure Sinnlichkeit!

Als Symbol der Geburt wird eine sich geöffnete Muschel dargestellt, in der sich eine Perle befindet. Sie ist aus dem Schaum der Wellen emporgestiegen….. Auch Lindsay Archer sieht Aphrodite mit langen, welligen, wilden Haaren, dunkelblond, aus einer Muschel steigend, im Schaum der sich am Strand brechenden Wellen des Meeres. Toll!

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Link folgt….

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Heute beim Recherchieren entdeckte ich das phantastische Bild von Brenda Burke, auf dem die Aphrodite im Akt des Auftauchens aus den Wellen gezeigt wird, mit dem sanften Schaum des Meeres auf ihrer Haut angeschmiegt, mit wilden, rotblonden, langen Haaren und mit geschlossenen Augen, in ihrer freudig-sinnlichen Versenkung in den Augenblick der Wonne. Ganz tolles Bild!

Link folgt…..

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Meine Aphrodite und Königin der Liebe hat die Augen geschlossen, den sinnlichen Mund halb geöffnet… „Beauties“ (Schönheiten) heisst die Serie von New John Nissen; was für ein treffender Seriennamen. Atemberaubend die PW12, auch mit „falschem“ rechten Arm.

Weitere Bilder folgen….

 

 

 

 

 

 

Fiona Hamilton mit der Nr. M9, aus der Serie „Runway GEO“ von Adel Rootstein

Einer der ersten Beiträge in diesem Blog habe ich der wunderschönen Fiona Hamilton mit der Seriennummer M2 (Runway GEO) von Adel Rootstein gewidmet, weil sie eine der faszinierendsten Mannequins ist, das mir bisher begegnete.

Blog-Beitrag, Fiona Hamilton M2

Fiona Hamilton, Kathy Davies und GEO, sind die drei Laufsteg-Elfen, die in insgesamt 10 Posen die Serie „Runway GEO“ umfassen. Nun kam vor einiger Zeit eine M9 von einem Freund in meine Sammlung, eine aussergewöhnlich schöne Fiona, die er selbst mit viel Können und einem wunderbaren Gefühl für Ästhetik geschminkt hatte.

Sie stand nun eine Zeit lang ohne Styling herum, wartend auf meine Inspiration, welches Outfit und welche Perücke wohl am Besten zu ihr passen würde, um ihrem Wesen, das sie ausstrahlt, gerecht zu werden. Das ist nun das Ergebnis, mit dem ich sehr zufrieden bin.

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Die M9 im Originalkatalog ist sehr viel härter geschminkt….

Rootstein, Runway GEO Katalog, bei flickr (Connery)

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Kein Vergleich!

 

 

 

 

Die Pixie- und Buzz-Frisur von Angie Hill, einem Supermodel der 80er-Jahre, ist wieder cool und trendy.

„The looks from the 1980s that we actually want bring back“ steht neben einem Portrait von der damaligen Superblondine Brigitte Nielsen. Gebleichte, kurze Haare im Pixie-Stil war ihr Markenzeichen. Sie war gross und durchtrainiert, machte eine gute Figur neben ihrem Ehemann Sylvester Stallone, galt aber als wild und ungezähmt. Ein Image, das sie pflegte und welches zur zunehmend selbst bestimmten Frau Ende des 20. Jahrhunderts gehörte.

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Brigitte Nielsen mit Pixie-Frisur

„This is surely the next stop of the Pixie train that everyone is recently hopping on“ schrieb die Blogerin Gabrielle Korn Ende 2013 und sie spürte diesen Retro-Trend sehr genau.

Pinterest: „wir wollen die Beauty-Trends der 80er-Jahre zurückbringen

„Die nächste Haltestelle vom Pixie-Zug“ kam schon kurz danach und ab 2018, vor allem seit diesem Jahr (2019), ist die coole Pixie-Frisur wieder voll im Trend!

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Auch die berühmte, französische Schauspielerin Natalie Portman trägt einen Pixie und zeigt ihr wunderschönes Gesicht. Dieser Haarschnitt gilt als frech und eigenwillig, was mit den Charaktereigenschaften der jeweiligen Trägerin verbunden wird. Jedenfalls ist mit diesem Look Offenheit und ein unkompliziertes Wesen signalisiert. Kurze Haare machen Frauen jugendlicher und fröhlicher, wird zum aktuellen Frisurentrend 2018 / 2019 geschrieben….:

Frisurentrend 2018 / 2019

Im Friseurlexikon steht: Pixie: Dieser freche Kurzhaarschnitt ist seit den 1960er Jahren bekannt. Heute hat er ein regelrechtes Comeback erlebt. Die Haare werden auf etwa 5 cm gekürzt und erhalten eine fransige Schnittlinie. Die Ohren liegen frei. Die Nackenpartie wird entweder stufig gestaltet oder anrasiert. Am besten steht dir der Pixie-Cut, wenn du ein schmales Gesicht mit feinen Zügen hast. Dann wirkt dieser Haarschnitt besonders weich und feminin.“

swiss-beauty-trends Friseur-Lexikon

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pinterest Haartrends 2019

Sehr schöne Pixie-Frisur (oben), die das Gesicht und die Augen hervorheben lässt!

Kurzhaarfrisuren-Trend 2019 (balancebeautytime)

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Der Undone- und Wet-Look ist total angesagt und sorgt beispielsweise im Buzz-Stil für einen „Wouw“-Effekt. Der Buzz-Cut „steht für mutige Frauen, die zu ihrer natürlichen Weiblichkeit stehen. (Zitat, siehe obigen Link balancebeautytime)“

Genau dies strahlt Angie Hill aus, wo sie nackt und mit Pixie-Kurzhaarfrisur für „4head“ wirbt (siehe Vimeo-Videoclip > Link)

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Vimeo-Clip „4head“ mit Angie Hill

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Lustig: Angie Hill mit unterschiedlichen Grimassen auf vier Schwarzweiss-Portraits, die 1987 zu ihrer Setkarte bei der Agentur „Bookings“ gehörten.

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Modelarchiv, modelcomposits, Angie Hill

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Angie Hill ist in Virginia (USA) geboren und wurde in Philadelphia als Model entdeckt.

Angie Hill (IMDb, Database)

 

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pinterest Bild Angie Hill (franz. ELLE 1986)

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pinterest, Angie Hill, VOGUE Australia 1988

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Angie Hill, ELLE 1986

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Angie Hill ist Angie von Hindsgaul mit den Seriennummern 5501 – 5515.

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Man konnte damals sogar eine Buzz-Frisur-Hartschalenperücke zum Mannequin kaufen, was die Figur noch authentischer aussehen liess.

Die sitzende Angie, Hindsgaul Nr. 5515, habe ich bereits in einem Beitrag in diesem Blog beschrieben:

Blogbeitrag über die sitzende Angie Hindsgaul Nr. 5515

Im Beitrag „The battle“ wird eine Loutoff-Angiekopie einer originalen Hindsgaul Angie als Vergleich gegenüber gestellt.

Loutoff vs. Hindsgaul > Angie

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Angie mit original blauen Augen… Über meine weiteren Angies werde ich noch berichten.