Hindsgaul „Twenty2“, Nummer 7102 – die ganze Story

Als ich meine erste Hindsgaul-Schaufensterpuppe aus der Serie „Twenty2“ kaufte (Nr. 7115), suchte ich nach dem Katalog im Internet und fand einige aufschlussreiche Seiten, auf denen das folgende Bild einer Hindsgaul-Figur aus der Serie „Twenty2“ auffindbar war. Es ist eine 7102, die mit einem dicken, roten Mantel in einem Waldstück unterwegs ist mit einer männlichen Figur und einem Hund, der echt ist.

Links die Hindsgaul nr. 7102 aus der Serie „Twenty2“

Ich war von diesem Bild so begeistert, dass ich dieses Gefühl nicht in Worte fassen kann. Es hat so etwas magisches! Es scheint ein Moment, ein Augenblick eingefroren zu sein, in dem zwei Menschen unbeschwert und glücklich auf einem Weg im Frühling durch den Wald spazieren gehen und sie scheinen sich zu mögen. Er achtet auf sie und sie strahlt über das ganze Gesicht; eine ganz tolle Szene, wie ich finde – und man darf nicht vergessen, für die damalige Zeit (1972) etwas völlig neues. Mit langem gestreckten Schritt geht sie neben ihm, selbstbewusst, modern (mit Hosen) und blond gelockt, sehr weiblich. Ich sagte in einem Telefongespräch zu einer Bekannten: „Die ist so wunderschön und hat eine so tolle Ausstrahlung! Ich wünschte mir, ich könnte irgendwann einmal so eine finden.“ Doch so alte Figuren sind extrem selten, selbst wenn diese Serie zu einen der grössten dieses Herstellers zählt. 15 Frauen und 10 Männer sind sie alle zusammen. Doch Hindsgaul hat dutzende von Serien mit hunderten von Figuren über Jahrzehnte produziert. Ich sah es ja bereits als grosses Glück an eine 7115 erwerben zu können. 

Dann entdeckte ich im Internet dieses Bild mit einer Schaufensterpuppe im Gegenlicht, mit einem Handy aufgenommen. Aber ich wusste natürlich sofort, das ist sie, die 7102, welche ich seit Jahren suche – und im ersten Augenblick wollte ich es kaum glauben, dass sie zum Verkauf stand, nur rd. 10 Minuten mit dem Auto von mir entfernt. Was für ein Glücksfall. Aber das Bein und die Arme waren kaputt und auch das Gesicht und die fahlen Augen zeugten von vielen Stunden, Wochen und Monaten, gar Jahren, in welchen sie einem direktem Sonnenlicht vermutlich ausgesetzt war. Sie war dreckig und hatte am Kopf ein riesiges Teppichband, womit man früher wohl Perücken festgeklebt hatte. Es gelang mir alles zu entfernen, sie sauber zu putzen und für die Restaurierung vorzubereiten.  

Die alten Wimpern sind ausgekratzt, die Leimspuren und Kleber alle entfernt und bevor ich sie auf die Reise zum Restaurator Hasan Akpinar schickte, gab es noch ein Selfie mit ihr zusammen und obwohl mir die Trennung schwer fiel, hatte ich ihr versprochen, dass sie die schönste „Twenty2“-Figur auf der ganzen Welt werden würde – und wie man sieht, freuten wir uns darauf. 

Das Makeup hatte ich mir ganz genau vorgestellt, wie es am Ende sein sollte. Doch liess ich Hasans Ideen und Vorschläge wie immer mit einfliessen, denn bisher hat er immer genau verstanden, was ich will und mit seinen Änderungen dann noch die Krone aufgesetzt. So wollte ich dieses freundliche Gesicht zum Strahlen bringen und sie sollte auf ihre Art Unbeschwertheit verkörpern, nicht luftig gedankenlos, schon erdverbunden, aber leicht, beschwingt, irgendwie sorglos, mit ansteckendem Lächeln. Gleichzeitig sollte es ein Makeup sein, das die beginnenden 70er-Jahre widerspiegelt, zeitgemäss bleibt, aber ebenfalls moderne Komponenten mit einfliessen lässt, als eine Art Interpretation auf die heutige Zeit adaptiert, in der seit kurzem die Mode der 70er-Jahre wieder voll im Trend liegt.

Dies bedeutete also helle, graublaue Augen, pastellfarbene Töne und nicht zu kräftige Lidschatten, wie dies in den 80er-Jahren aufkam. Ich wollte für die Lippen eine jugendliche, frische Farbe, die daran erinnert, dass „Twenty2“ – übersetzt „Zweiundzwanzig“) – von Hindsgaul eine Serie im Hinblick auf junge Käuferinnen und Käufer war. Twen’s eben, d.h. solche die schon nicht mehr im Teenageralter sind. Perlmutt Lipgloss war genau das Richtige, wie ich fand und ich war schon etwas überrascht, als ich las, dass dieser Style anfangs der 70er-Jahre tatsächlich total angesagt war.

Entscheidend war die Wahl der Farbe für den Lidschatten, den Lidstrich und die Brauen. Ich orientierte mich am dezenten 70er-Jahre Makeup, mit dem noch aussen im Spitz ausgezogenen Lidstrich.

Im ersten Foto unten sind die beiden Zeichnungen links gemeint. Das Makeup aus dem Jahr 1973 (Bild unten in der Mitte) hat zwar für die Zeit authentische Brauen, doch sie passen nicht zum Gesicht der Schaufensterpuppe. Rechts im Bild unten das typische 60er-Jahre Makeup von Jean Shrimpton. Das war mir zuwenig zeitgerecht. 

Der Bewegungsspielraum war also ziemlich schmal und der Balanceakt in der Wahl der Vintage-Komponenten mit moderner Interpretation herausfordernd.

Sowohl die unteren drei Bilder waren für mich enorm inspirierend, die aus den frühen 70er-Jahren stammen…….

…als auch folgendes, modernes Makeup, das durch die Vintage-Komponente der 70er-Jahre einen faszinierenden, anziehenden Aspekt erhalten sollte. Mit dem Vorschlag von Hasan für den Lidschatten die lila Fliederfarbe mit weichem Rouge vermengt zu benutzen, klang für mich einfach überzeugend und perfekt. Und heute 12.03.2022 bekam ich von ihm bereits die ersten Bilder der noch nicht ganz vollendeten Figur zugeschickt. Ich bin so gespannt, wie sie am Ende nach den kleinen kosmetischen Feinheiten, die nun noch dazu kommen aussehen wird. Was für eine Verwandlung! 

Copyright Hasan Akpinar, SanVision GmbH, 2022

75’000 Besucher /Visitors of this unique blog, dieses einzigartigen Blogs

Dear visitor of this blog, lieber Besucher von diesem Blog (please use Google translate for the text; thank you. Enjoy the articles):

Für alle bisherigen und zukünftigen Spenden, mit denen Sie die aufwändige Arbeit, die hinter dem Aufbau dieses Mannequin-Informationstools steckt, unterstützen, bedanke ich mich ganz speziell. So ist der freie Zugang ohne Mitgliederbeitrag, sowie die Nutzung ohne Werbebanner – zumindest bis jetzt – möglich (bitte benutzen Sie den Spendebutton / please use the donatonbutton).

Thank you very much, merci beaucoup, grazie mille, vielen Dank für das rege Interesse an den Inhalten und Artikeln, sowie Bildern und Information in diesem in dieser Form weltweit einzigartigen Blog über Schaufensterfiguren „Faszination Mannequins“

Wie die Blogstatistik verrät, besuchen diese Seite natürlich schon überwiegend deutschsprachige Interessierte, aber auch Menschen aus der ganzen Welt, von Neuseeland über ganz Europa den USA bis Südamerika. Die Beliebtheit kann ich aus allen diesen positiven Zuschriften ableiten, die ich von Sammlern, aber auch Laien erhalte, die mich vor allem über Google-Suche finden, da ich in den meisten sozialen Medien, wie Twitter, ausser Facebook, nicht vertreten bin (also keinen Account besitze). 

„Wenn man sich über Schaufensterpuppen informieren will, kommt man an Ihrem Blog nicht vorbei! Super gemacht…. dort haben wir auch schon oft gestöbert.“ (Juni 2020, Tanja’s Mannequins). Nun, eines der Motive, welches für mich im Vordergrund steht dieses Blog zu publizieren ist, in einem Informationspool möglichst viele Daten zu sammeln, die ich in stundenlangen Recherchen im Internet (es gibt keine Fachliteratur!), oder in persönlichen Gesprächen mit Sammlern zusammengetragen habe. Irgendwann, in zehn, zwanzig Jahren ist das Wissen sonst verloren und die „goldene Ära“ der Mannequins nur noch als matt und fahl wirkende Erzählungen im Geschichtsbewusstsein der Menschen präsent, wenn überhaupt. Mit diesem Blog möchte ich die Geschichte lebendig behalten, den Laien diese Gebrauchskunst näher bringen, von der eine ganz spezielle Form der Ästhetik ausgeht, die Zeitzeugen von Modetrends, ja sogar von sozialen Strukturwandeln sind. Mannequins aus Kunstharz sind in ihrer Form und in ihrem Ausdruck als industrielles Erzeugnis dem Menschen, d.h. ihrem Schöpfer am ähnlichsten.

Aufgrund aktueller Ereignisse habe ich etwas wenig Zeit gefunden in den letzten paar Monaten weitere Artikel zu schreiben. Themen und Ideen habe ich genug. Die Nachfrage nach Informationen ist sehr gross.

WICHTIG / IMPORTANT: Besonders bei sehr alten Schaufensterfiguren ist es oft kaum mehr möglich absolut genau Informationen zu erhalten. Recherchen sind sehr aufwändig und für die hier gemachten Angaben übernehme ich keine Gewähr. Entdeckte Fehler werden zeitnah geändert und ernst zu nehmenden Hinweisen gehe ich unmittelbar nach. Danke für Ihr Verständnis.

Die atemberaubende „Leslie“ mit der Seriennummer PW03 aus der Serie „Beauties“ von new John Nissen

Jenny, Leslie und Grace sind die drei Kopfvarianten innerhalb der Serie „Beauties“ von New John Nissen. Über die verträumte Grace habe ich bereits einen Artikel geschrieben: 

Lady Caroline Percy aus der Serie „Aristocrats“ von Adel Rootstein mit der Seriennummer AG01

Aufgrund der weltweiten Vernetzung über die sozialen Medien und Kontakte zu vielen professionellen Sammlerinnen und Sammler von Schaufensterpuppen, rund um den Globus, erhielt ich von einem in der Branche sehr bekannten US-Amerikaner im Juli 2021 den Hinweis, dass es sich bei dem von mir gezeigten Mannequin der Firma Adel Rootstein, aus der Serie „Aristocrats“ mit der Seriennummer AG01 nicht um Lady Jacqueline Rufus Isaacs handeln kann, wie ursprünglich angenommen. Bei der Identifikation verwendete ich eine Liste aller Rootstein-Serien, mit den dazu gehörenden Nummern und Namen, wobei einige der Nummern mit dem in rot geschriebenen Vermerk „not identified“ (nicht identifiziert) gekennzeichnet sind. Von einigen dutzend Serien, sowie einigen hundert verschiedenen Figuren, sind gerade einmal zwei Serien („Go Go“ von 1960 und „Aristocrats“ von 1968) und ein knappes Dutzend Namen von diesem Umstand betroffen. Sie gehören zu den ältesten Serien von Adel Rootstein – über 50 und bis zu 60 Jahre alt – , da kann es verständlicherweise zu Fehlern bei der Identifikation kommen. In der mir zur Verfügung stehenden, offiziellen Liste steht bei der Serienbezeichnung „Aristocrats“ unter Nummer AG01 Lady Jacqueline Rufus Isaacs, weshalb ich umfangreiche Recherchen über diese Person anstellte und am 12.06.2021 hier publizierte (siehe Link unten, bald auch mit der korrigierten Fassung).

https://faszination-mannequins-schaufensterfiguren.blog/2021/07/

Diese Figur war kein „Schläppi“-, sondern ein Rootstein-Mannequin, mit der Seriennummer AG01 aus dem Jahr 1968.

Bereits beim Ankauf des Mannequins war ich am Anfang etwas irritiert, da der Verkäufer im Inserat schrieb, es handle sich um eine Figur von der Schweizer Firma Schläppi und ich mir dazu keinen Reim machen konnte. Zu verschieden sind die typischen Merkmale. Bei der Abholung war mir schnell klar, dass es eine Rootstein-Figur war und nachdem ich die Seriennummer ablesen konnte, begann ich mit den Nachforschungen. Dazu gesellte sich die Hilfe von zwei Sammlerkollegen, David Williams und Zsolt Poka, welcher mir sogar einige Seiten des originalen Katalogs zuschickte; ein unverzichtbares Instrument, bei der Identifikation einer Schaufensterpuppe (siehe Bilder unten). 

Titelseite des Rootsteinkatalogs der Serie „Aristocrats“ aus dem Jahr 1968
Lady Caroline Percy mit der Seriennummer AG01 von Adel Rootstein, Serie „Aristocrats“.
Bild der real lebenden Lady Caroline Percy https://www.flickr.com/photos/fawbs/7494216402

Mir fiel natürlich schon auf, dass meine neu erworbene Schaufensterpuppe eine andere Gesichtsphysiognomie besass als Lady Jacqueline Rufus Isaacs. Doch ich vertraute der oben genannten Liste, in der Lady Caroline Percy nicht enthalten war. Doch Letztere stand für die Figur AG01 Modell – und somit kann von den „not identified“-Figuren eine zweifelsfrei zugeordnet werden.

Wie in meinem Blog hier schon an anderer Stelle beschrieben, sind bei diversen Herstellern (Rootstein, Hindsgaul, New John Nissen usw.) innerhalb einer Serie die diversen Teile (Arme, Beine, Torsen) untereinander austauschbar, da die Verbindungen absichtlich so konstruiert wurden. Manchmal waren die Teile sogar serienübergreifend kompatibel. Sofort fällt auf, dass meine Caroline nicht die selben Beine hat, wie im Katalog. Sie besitzt die Beine von der Figur AG12 (siehe Bild) und die Arme sind auch von anderen Posen zusammengestellt worden. 

Manchmal wurden innerhalb einer Serie von Schaufensterfiguren die untereinander kompatiblen Einzelteile (Arme, Beine und Torsen) individuell zusammengestellt, nicht „streng“ nach Massgabe des Kataloges. Bei meiner neuen Lady Caroline Percy mit der Nummer AG01 (Torso), sind die Beine von der Pose AG12 und die Arme auch von anderen Posen innerhalb der Serie.

Lady Caroline Percy ist am 03.05.1947 in England als Tochter des 10. Duke of Northumberland (Hugh Percy) und der Duchesse of Northumberland (Elizabeth Diana Percy) geboren (Quelle: peoplepill.com).  In der Serie „Aristocrats“ sind einige britische Berühmtheiten der damaligen Zeit repräsentiert: Lady Mary Gaye Curzon, Lady Caroline Percy, Lady Jacqueline Rufus Isaacs und  Mrs Laurie Newton Sharp. Die Serie wurde 1968 gefertigt (siehe Link).

https://www.rootstein.com/collections/aristocrats

Meine Lady Caroline Percy geputzt und neu gestylt…..
„Hand made“: 1968 wurden die Schaufensterfiguren noch von Hand und mit dem Pinsel bemalt, weshalb bei diesen alten Mannequins die Struktur sichtbar ist und eine moderne Restaurierung diese zerstören würde….

Almax International, Serie „Mavis“ mit der Seriennummer 3700 – 3720

Vor gut 30 Jahren (1992) hat Almax , eine italienische Manufaktur für Mannequins, welche damals auf allen Kontinenten vertreten war, die Serie „Mavis“ auf den Markt gebracht. Sie taucht in den diversen Sammlungen von Schaufensterfiguren rund um den Globus selten bis gar nicht auf. Zu sehr sind die drei Marken Adel Rootstein, Hindsgaul und New John Nissen im Fokus, wonach Figuren von Almax untervertreten sind, oder ganz fehlen. Von der Serie „Mavis“ wüsste ich spontan niemand, der diesen Figuren noch Aufmerksamkeit schenkt, aus mir nicht näher bekannten Gründen. Umso wichtiger erscheint mir, sie hier zu erwähnen, auch wenn ich selber die Gesichtsphysiognomie nicht als wirklich „grossen Wurf“ bezeichnen würde. Aber dieser Ausdruck ist so eigen und speziell, dass er – vor allem dem etwas geübten, geschulten Auge – sofort auffällt; und das ist und war auch das Ziel, ein Wiedererkennungswert mit einem Mannequin so zu verknüpfen, wonach auch die von ihr getragene Mode im Unterbewusstsein damit assoziiert wird. Jedenfalls brauchte ich nicht mehr als ein paar Sekunden beim erstmaligen Betrachten des Inserates (Bild unten) von einem Dekorationsgeschäft, in dem einige Schaufensterpuppen zum Verkauf standen, um von den Damenfiguren die „Mavis'“ zu identifizieren (die dritte von links, vorne und die zweite von rechts, hinten).

Mein Verdacht, dass es beim Entfernen des Plastiks, der als Staubschutz diente, eine Überraschung geben könnte, bestätigte sich zwar teilweise. Die schwarzen Klebebänder haften äusserst hartnäckig und sind nur mit viel Geschick sowie Übung in nützlicher Zeit zu entfernen. Immerhin waren die beiden Figuren, die ich kaufte (von insgesamt 4 Damenfiguren von der Serie „Mavis“, welche zum Verkauf standen) unbeschädigt. Doch die Arme waren falsch montiert, was bei praktisch einheitlichen Schulterkupplungen noch schnell passieren kann. Oft stehen den Besitzern keine Kataloge zur Verfügung….. 

Titelseite, Almax Katalog „Mavis“ (Link leider nicht mehr verfügbar; Foto aus meinem Archiv).

Cool, lässig, frisch, dynamisch, modern – 30 Jahre her; Beginn der 90er-Jahre. Das Gesicht trägt schon lange nicht mehr dieses typisch Weibliche, was damals bis anhin geschlechtsspezifisch hervorgehoben wurde. Enge Hose, Stiefletten, kurze, stylische Lederjacke, welche auf die Taille geschnitten und mit kurzen Ärmeln als Blouson etwas Maskulines und Urbanes, Rebellisches an sich hat. Zufällig oder nicht, steht unscharf im Bild hinten rechts ein Motorrad. Das VOGUE-Lexikon verrät uns etwas mehr über die Geschichte und Bedeutung dieses noch bis heute mit einem leichten Stigmata behafteten Kleidungsstück.

https://www.vogue.de/mode/mode-trends/lederjacken

„Der Geschichte der Fliegerjacke zum Trotz kann sie mit ihrer Blouson-Silhouette sowohl von Männern als natürlich auch von Frauen getragen werden. Dabei eignet sie sich perfekt für frische Herbsttage sowie warme Wintertage.“ 

Portrait aus dem „Mavis“-Katalog von Almax. https://artsandculture.google.com/exhibit/almax-mannequins-between-craftsmanship-and-technology/aQKSfar4FgW0Jw

Es mag also durchaus sein, dass die Firma Almax mit der Serie „Mavis“ schon damals auf den frühen Trend reagierte, der sich heute ganz selbstverständlich in die aktuelle Begrifflichkeit einordnet, wobei sowohl männliche als auch weibliche Attribute im Zusammenhang mit der Genderdiskussion mehr und mehr ineinander verschmelzen. Ob diese Intention bei der Gestaltung des Gesichtes eine Rolle gespielt hat, entzieht sich meiner Kenntnis, ist also rein spekulativ, aber ein interessanter Standpunkt.

Das weltberühmte Model Kate Moss im Leder-Blouson https://www.pinterest.de/pin/322640760785239870/

Die Stilikone Kate Moss trägt schon seit Beginn der 90er-Jahre Lederjacken, wie dieses coole, kurzgeschnittene Blouson, wie es ähnlich die „Mavis“ auf dem Titelblatt der Almax-Serie trägt.

Almax International, Serie „Mavis“, Nr. 3700 (rechts) und 3708 (links), kurz nach dem Kauf und vor dem Verlad, bzw. dem Nachhauseweg. Einen Teil der schwarzen, silbernen und anderen Klebebänder habe ich bereits entfernt. Später hat eine Bekannte die Figuren mit viel Geduld sauber geputzt.

Die zwei gekauften Almax-Figuren aus der Serie „Mavis“ besitzen nun ihre adäquaten Arme, was unschwer einer Überprüfung mit dem Katalog standhält (Bilder unten).

Almax-Katalogseite der Serie „Mavis“. Im unteren Rechteck rechts (im Bild) erkennt man die Pose mit der Nr. 3700 und der Kopfnummer E 68.
Almax „Mavis“, die Figur oben rechts mit der Nr. 3708 ist die Figur links auf dem Foto oben der beiden gekauften Mannequins
Almax „Mavis“ 3700 im Zwischenlager, vor dem „Wellness-Weekend“….
Almax „Mavis“ Nr. 3700 geputzt und bereit für das Fotoshooting.
Almax „Mavis“ Nr. 3700
Almax „Mavis“ Nr. 3708

Lady Jacqueline Rosemary Margaret Rufus Isaacs von Adel Rootstein, in der Serie „Aristocrats“ von 1968

ACHTUNG / ATTENTION: Aufgrund der neusten Recherchen sind diese Angeben in diesem Artikel in Bezug auf die Figur mit der Seriennummer AG01 nicht mehr korrekt und dieser Beitrag wird entsprechend angepasst (vgl. „Lady Caroline Percy“

Lady Caroline Percy aus der Serie „Aristocrats“ von Adel Rootstein mit der Seriennummer AG01

______________________________________>>>>

1968. Adel Rootstein entschliesst sich, eine junge, schöne und begehrte Frau in der aristokratischen High Society in ihre damals neue Mannequin-Kollektion aufzunehmen: Lady Jacqueline Rosemary Margaret Rufus Isaacs hiess sie mit vollem Namen – kurz Jackie – , die durch eine angebliche Affäre mit dem Gemahl der Prinzessin Margaret, Lord Snowdon, sowie den entsprechenden Storys auf den Titelseiten der Boulevardpresse berühmt wurde. Antony Charles Robert Armstrong-Jones – kurz Tony (Lord Snowdon) – lernte Jackie bereits im Alter von 14 Jahren kennen, da ihre Eltern (Lord and Lady (Margot) Reading in der Nachbarschaft wohnten. Als Jackie 21 Jahre alt war, begann die Affäre mit dem berühmten Fotografen, der aber Hausverbot erhielt, als diese aufflog, bzw. der dringende Verdacht aufkam, da könnte ein Skandal die königliche Familie in Ungnade bringen. (Quelle, siehe Link)

PressReader.com – Zeitungen aus der ganzen Welt

Lady Jacqueline Rufus Isaacs mit Lord Snowdon (ca. 1971) Quelle: Lord Snowdon: Final part of Anne De Courcy’s biography | Daily Mail Online

By 1968, at the age of 21, she was a favourite of the gossip columns – slim, blonde, sexy, well-educated and sharp-witted, a model and an acknowledged beauty.“  Im Jahr 1968, im Alter von 21, war sie bevorzugt in den Klatschspalten (der Presse) erwähnt – schlank, blond, sexy, gebildet und scharfsinnig, ein Model und eine anerkannte Schönheit. (Quelle: The Lady & The Lord: Lord Snowdon & Lady Jacqueline Rufus Isaacs | The Esoteric Curiosa )

Schlank, blond, sexy und gebildet…. Lord Snowdon erlag dem Charme der jungen, 21-jährigen Lady Jacqueline Rufus Isaacs. Irgendwie verständlich 😉

Im März 1969 wurden die neuen Mannequins von Adel Rootstein in den USA präsentiert, mit dem zutreffenden Seriennamen für die neue Kollektion „Aristocrats“, wie auch einem Zeitungsauschnitt zu entnehmen ist (Quelle: (1) Vintage mannequins : Rootstein announces The Aristocrats line, March 1969. | Facebook)

Neben Lady Jacqueline Rufus Isaacs gehören Lady Carolyn Percy, Lady Mary Gaye Curzon und Laurie Newton Sharp in diese Serie von 1968.

Titelbild de Originalkatalogs von 1968 der Serie „Aristocrats“ von Adel Rootstein. (Quelle: (1) Facebook) > Adel Rootstein
Ein wirklich aussergewöhnliches Zeitdokument (Screenshot aus einem Video / Copyright Pathé-film, England): Freundlich, aber bestimmt, richtet Adel Rootstein persönlich den Kopf von der jungen, schönen Lady Jacqueline Rufus Isaacs so aus, dass ihre Haltung ihrem Ebenbild – links neben ihr – als Mannequin entspricht. (Quelle: (101) Debs Model For Display Dummies (1969) – YouTube)

In einem „tumblr“-Blogbeitrag fragt ein gewisser „lieutenant-sommers“, ob der Autor etwas mehr Informationen über Jeremy Brett liefern könne, der ebenfalls von Adel Rootstein als Schaufensterfigur produziert wurde. In diesem Zusammenhang fällt der Name Lady Jacqueline Rufus Isaacs (Quelle: …my healthy holmes obsession… — Can I ask you about the Brett Rootstein… (tumblr.com)

Jeremy Brett mit einer Schaufensterfigur unter dem Arm….. (siehe Link oben). Anhand der Beinstellung und dem Gesicht, gehe ich davon aus, dass es sich um die Figur Lady Jacqueline Rufus Isaacs, mit der Seriennummer AG 1 handeln muss.

Auf einem Foto trägt der echte Brett eine Schaufensterpuppe unter dem Arm. Es handelt sich dabei mit grösster Wahrscheinlichkeit um die Figur aus der Serie „Aristocrats“ mit der Nummer AG 1, d.h. um eine Pose mit parallel stehenden Beinen und einem leicht zur linken Schulter geneigten Kopf, was letztlich zur Identifikation von Lady Jacqueline Rufus Isaacs führt.

Meine neue Adel Rootstein Schaufensterfigur aus dem Jahre 1968 mit der Seriennummer AG 1, aus der Serie „Aristocrats“ – eine Lady Jacqueline Rufus Isaacs… Sie muss zuerst noch gereinigt und gestylt werden (Foto vom Verkäufer / eigene Fotos folgen). Möglicherweise ist der linke Arm nicht original…

Zur Serie „Aristocrats“ gehört noch die Figur (die Figuren) einer älteren Lady mit dem Namen Laurie Newton Sharp (siehe Bild unten).

Laurie Newton Sharp von der Serie „Aristocrats“ mit den Seriennummern AG 7, AG 8 und AG 9.

„Jackie“ Isaacs damals und heute (vor rd. 10 Jahren):

Foto Peter Sellers
Foto WSPA (Quelle Wild for WSPA committee member Lady Jacqueline Rufus-Isaac… | Flickr)

Viele Anfragen auf meinem „Püppipedia“-Blog

Liebe Leserinnen und liebe Leser, liebe am Thema Mannequin interessierte Besucher dieses Blogs. Mich erreichen täglich immer mehr Anfragen, welche ich aus zeittechnischen Gründen nicht alle beantworten kann. Manchmal sind es für mich sehr einfache Fragen, die ich sofort (d.h. innerhalb von wenigen Minuten) beantworten kann und mich auch selber interessieren, selbst wenn sie vielleicht für viele – selbst Fachkundige – eine echte Knacknuss darstellen, da das Internet kaum Informationen über bestimmte Hersteller und Serien hergibt. In meinem Archiv befinden sich weit über 36’000 Dateien mit Fotos und Infos zu über 35 Manufakturen, die innerhalb der letzten 50-60 Jahre Schaufensterfiguren produzierten und täglich kommen neue Daten dazu.

Bei einer Anfrage einer Leserin ging es um diese sitzende Figur, die aufgrund einiger klarer Merkmale mir sofort bekannt vorkam und ich in meinem Archiv ein Bild aus dem Originalkatalog fand und ihr die gewünschten Angaben zur Verfügung stellte. In solchen Fällen helfe ich gerne. Demnächst werde ich hier einen Beitrag über Désirée schreiben – nur soviel sei verraten.

Viele Komplimente erreichen mich, worüber ich mich natürlich sehr freue! „Wenn man etwas über Schaufensterfiguren erfahren will, kommt man an Ihrem Blog nicht vorbei!“, oder „Wirklich sehr interessant geschrieben“, oder wie heute Abend von einer Leserin „Diese Seite wurde mir als absoluter Mannequin-Kenner empfohlen“…. Toll, vielen Dank! Das macht aber die Sache nicht einfacher; im Gegenteil. Ich hätte gerne mehr Zeit und Musse, auch um auf Fragen eingehen zu können. Das gelingt mir nicht (aus bestimmten Gründen); da bitte ich Sie um Verständnis.

Mir ist natürlich klar, dass dieses Blog weltweit einzigartig ist – ich wollte ja vor drei Jahren etwas aussergewöhnliches schaffen, in dem breit gefächerte Informationen über Mannequins in einem zusammenfassenden und sehr informativen Tool für alle (kostenlos) nachzulesen sind, was ich mit einem zwinkernden Auge – analog zu „Wikipedia“ – hier „Püppipedia“ nenne. Wie die vielen Anfragen und Rückmeldungen zeigen, sind viele Menschen zwischen Moskau, Sidney und den USA (natürlich einschliesslich Europa) begeistert. Es wäre denkbar, dass sich die bisherige Besucherzahl von aktuell über 51’000 Personen vervielfachen würde, wenn ich auf den sozialen Medien präsent wäre (Twitter, Facebook & Co.); dort halte ich mich aber ganz bewusst (vorläufig und solange aus rückständiger Perspektive der Zensur offensichtliche Kunstobjekte gelöscht werden, wie mir zu Ohren kam..) nicht auf.

Expertisen für Museen, Produktionen mit Fernsehanstalten, Publikationen von Bildern in Print- und Internetmedien, sowie aufwändige Recherchen, welche im Zusammenhang mit privaten Anfragen stehen sind kostenpflichtig. Alle maximal unter 10 Minuten beantwortbaren Anfragen sind – wie Offerten – gratis. „Faszination Mannequins“ behält sich vor, Fragen nicht zu beantworten, oder nur diesen Link zu schicken, vor allem, wenn es um Figuren geht, die als sogenannte „Make-over“-Unikate gelten, oder ihr Alleinstellungsmerkmal erhalten, weil z.B. – wie aus der Anfrage einer Leserin heute Abend ersichtlich ist – ein sogenannter „Head-Change“ (Austausch des Kopfes) durchgeführt wurde. Zudem behält sich „Faszination Mannequins“ vor, keine verbindlichen Angaben zur Preis- und Marktentwicklung (z.B. auf ebay zu machen), sowie nur bei kostenpflichtigen Anfragen einen etwaigen Schätzwert anzugeben. Man sieht sich hier mit derart starken Schwankungen konfrontiert, wonach man keine Prognosen abgeben kann. Zur Zeit werden sehr viele Figuren von der Edelmarke „Hindsgaul“ aus der Serie „Revel“ angeboten, wobei besonders hier der Zustand eine herausragende, den Preis bestimmende Rolle spielt. Man kann sich also schon für EUR 20.- ein Mannequin mit Gebrauchsspuren und/oder nicht ganz originale, passgenaue Teile nach Hause holen, oder aber EUR 400.- und mehr ausgeben, für makellose, frisch restaurierte Sammlerstücke, die weltweit Unikate darstellen.

Ich danke Ihnen für Ihr Verständnis und wünsche Ihnen weiterhin viel Freude und Spass beim Lesen meiner Artikel, derer hier hoffentlich (inflationär ;-)) mehr werden, wenn ich die dazu notwendige Zeit finde. Im Übrigen möchte ich bei dieser Gelegenheit auch mitteilen, dass mit wohlwollenden Spenden das „Püppipedia“-Projekt unterstützt wird und mir damit die Möglichkeit gegeben wird, diese Informationsplattform weiter auszudehnen.

Ihr „Püppipedia“-Betreiber.

Nachruf zum Tod von Jeanette Wonneberger

Jeanette ist am 25.02.2021 infolge ihrer schweren Erkrankung gestorben; dies erfuhr ich heute vor wenigen Stunden – und meine Gedanken sind bei den Hinterbliebenen, den um sie Trauernden, welchen ich mein Beileid aussprechen möchte. Aber ich lasse, ganz still in mich gekehrt, soeben die Bilder vor meiner inneren Leinwand bei geschlossenen Augen ablaufen und ich spüre etwas sehr Warmes, neben dem Klammen, das auch vom schmerzlichen Verlust zeugt, ein helles Licht…. ja, genau, diese sonnendurchflutete Veranda, wo sie wohnte, die sie mit liebevoll gestylten Mannequins besetzte, kunstvoll in Szene gesetzt und andere Sammlerinnen und Sammler von Schaufensterfiguren inspirierend. Es war August 2017……

2017-08-29_11-35-57 | Jeanette | Flickr

Auf diesem wunderschönen Bild, zwischen der vornüber gebeugten Jung-Figur mit der Seriennummer SX-21 (über die ich einen Artikel im Blog schrieb) und links daneben der Caroline von Adel Rootstein, lehnen sich weitere Rootstein-Girls vornüber, zurück und seitwärts, so perfekt und spannend, mit luftigen und sehr die Weiblichkeit betonenden Kleider ausstaffiert, dass einem diese Unbeschwertheit, mit dieser Üppigkeit an Entspanntheit und Farbenpracht buchstäblich ins Auge springt. Bei so manchen anderen SammlerInnen sind die Gruppierungen von Mannequins eher zufällig, wild zusammengewürfelt und nicht harmonisch aufeinander abgestimmt. manche behaupteten, man könne Figuren unterschiedlicher Hersteller kaum zusammen in einer Gruppe zeigen. Jeanette bewies eindrücklich, dass dies möglich ist. Sie hatte diese erstaunliche Begabung regelrechte Bildkompositionen zu schaffen, die mich immer wieder aufs Neue faszinierten, aber auch für die eigene Kreativität inspirierten.

Weihnachtsstube 2017 (5) | Jeanette | Flickr

Mit so viel Liebe dekoriert und umgestaltet: Weihnachten 2017. Vorne rechts wieder die Jung-Figur SX-21, dann hinten an der Wand die beiden Alessandra Signorelli’s LS07 und LS08, festlich und wunderschön gestylt….

Alessandra Signorelli aus der Serie Lipstick & Compact von Adel Rootstein mit den Seriennummern LS7 und LS8 – Faszination Mannequins – Schaufensterfiguren aus fünf Jahrzehnten (faszination-mannequins-schaufensterfiguren.blog)

Nur wenige Wochen später bekam Jeanette die niederschmetternde Diagnose, dass sie an einer unheilbaren Krankheit leide – schlimmer noch – nur noch ein paar Monate zu leben habe. Mit ihrer auch aus ihren Bildern sprechenden und mitunter mich sehr ansteckenden Lebensfreude wurden daraus drei Jahre, bis ihr Licht nun für immer erlosch.

Heute Abend habe ich mehrmals ihr letztes Lebenszeichen mir gegenüber vom 07.11.2020 gelesen und fühle, dass ein wichtiger Mensch aus meiner Mitte mir nun fehlt. Auch wenn wir eher selten Kontakt hatten und wir uns persönlich nie begegnet sind, war sie täglich präsent. Vor Jahren kaufte ich ihr eine Hindsgaul Options & Assets ab, die bei mir seither Spalier steht, mitten unter all den VIP’s, im Vorraum der Küche, in die ich jeden Tag als Erstes meinen Kaffee mache und so mein Tag beginnt – vorbei an jener Figur von Jeanette, welche mich immer an sie erinnert.

Genau heute, fast zeitgleich mit der schweizweiten Schweigeminute, in welcher der seit dem 05.03.2020 vor einem Jahr gezählten 9’330 Coronatoten gedacht wurde, erhielt ich die Nachricht über Jeanettes Ableben. Ich sehe mir die alten Whatsapp-Nachrichten an…; 18 Worte voller Herzlichkeit und mindestens 12 Smilies mit Glückskleeblättern und Küsschen dazu. Niemals überschwänglich und übertrieben, sondern einfach Jeanette pur, mit ihrer gewinnenden Art die Menschen (die sie verstanden) an einem Ort abzuholen, wo sich der Wortschatz erschöpft und wo sich die Magie des Moments nicht mehr in Begriffe kleiden lässt. Dieser Zauber, der aus Jeanettes Bildern spricht, der ist unsterblich und wird uns alle überdauern. Wie er mich vor vielen Jahren gefangen nahm, als ich zum ersten Mal ihre Fotos auf ihrer Webseite und auf dem Portal „flickr“ sah, wird er womöglich auch andere Menschen begeistert haben und wenn ich über die ganze Sammlung von Schaufensterfiguren hinweg einen Begriff für diese im gesamten Kontext geben müsste, fiele mir „Manege – ein Fest für die Sinne“ ein.

2016-05-05_12-11-05 | Jeanette | Flickr

Schnörkellose, einfache Bildelemente; geniale Komposition ohne Namen, ohne Untertitel, selbsterklärend: der Kuss. „Maybe it’s the most logical end of the story ;-))“ schrieb Massimo als Kommentar, ein bekannter Mannequinfreund aus Italien.

Im oberen Bild wirft man einen Blick in Jeanettes Werkstatt. Sie war nicht nur eine Sammlerin, sondern auch Restauratorin ihrer eigenen Mannequins; d.h. schleifen, spachteln, mit Farbe grundieren, schminken….; und so sind viele ihrer Schaufensterfiguren Unikate – einmalig auf der ganzen Welt und tragen ihre weithin sichtbare „Handschrift“.

test (beepworld.de)

Als Beispiel hier die GF1, die Caroline von Adel Rootstein, die nach dem sog. „Make-over“, als der Restauration durch ihre Künstlerhand so ausgesehen hat:

Die von Jeanette Wonneberger restaurierte Adel Rootstein Figur GF 01 Caroline.

Für ihre Bilder im Atelier brauchte Jeanette kein Copyright. Jeder Sammler und jede Sammlerin zwischen Sidney, Moskau und Kalifornien wusste, seit sie ihre Fotos im Internet veröffentlichte: dieses typische Blumenmuster vom Vorhang im Hintergrund gehört zu ihrem Markenzeichen und bewundernd blätterte man durch ihre Galerien. Nicht nur Edelmarken wie Rootstein, Hindsgaul und New John Nissen bevölkerten ihr Heim, sondern sie besass auch Figuren von Moch, Almax und Jung-Figuren, weil für Jeanette Schönheit einen ideellen und nicht einen quasi materiellen Wert besass. Bei der Restauration einer Almax, für die auf dem freien Markt gerade mal EUR 20.- – EUR 30.- bezahlt werden, war sie genau so leidenschaftlich, wie bei einer Karen Mulder.

Vor knapp 10 Jahren bald, hatte ich noch wenig Erfahrung auf dem Gebiet des Sammelns von Mannequins, wenngleich die Leidenschaft vorhanden war. Eines Tages entdeckte ich im Internet dieses Bild (unten) und war hin und weg.

Dieses Foto von Jeanette, von einer Rachel PA06 von Rootstein, hatte mir auf einem Schlag eine ganz andere Sichtweise auf die Mannequins eröffnet, worin sie zu sprechen schienen, uns eine Stimmung vermitteln, gar eine Geschichte zu erzählen scheinen. Diese Aufnahme ist einfach ein Kunstwerk, verströmt eine ganz eigene Atmosphäre. Melancholie und doch innere Stärke und eine unverbrüchliche Seele. Erwartungs-, aber auch hingebungsvoll, eindeutig in ihrer Absicht und doch alles annehmend, was ihr vom Schicksal zugestanden wird – ein Kuss (wir erinnern uns, weiter oben). Das ist ihre unverkennbare und unnachahmliche Handschrift, mit welcher sie mich damals so inspirierte, dass es mir half ein ganzes Universum einer kreativen Ausdrucksweise zu verstehen, ohne die ich heute, viele Jahre später nicht mehr leben könnte. Inzwischen habe ich selber mehrere Rachels, habe meinen eigenen Stil entwickelt, der aber vom Spirit her, vom Geist, der dahintersteht u.a. auf Jeanette zurückgeht. Und so möchte ich mich vor Dir Jeanette in tiefster Dankbarkeit verneigen, Dich immer ehren, als jemand, der in meinem Leben ein Licht angezündet hat. Dieses wurde mir so vertraut, dass es mir in den dunkelsten Zeiten, in denen der Tunnel nicht zu enden schien, Hoffnung bereitete.

Jeanettes Engel sind legendär! Ihre zum Teil selber restaurierten Figuren weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt.

Ruhe in Frieden, sei umsorgt von Engeln – Adieu!

Ihr Lieblingslied war eine alte Rockballade aus DDR-Zeiten mit dem Titel „Am Fenster“ (von der Gruppe City), hier in einer schönen Version von Matthias Reim:

Matthias Reim – Am Fenster 2014 – Bing video

Exotisches NoName-Produkt – Mannequin ohne Label

Es nützt nichts. Selbst jemand, der sich in der Mannequin-Branche auskennt, kann stundenlang im weltweiten Netz googeln und findet über sie nichts. Die Rede ist von einer Schaufensterfigur, die ich nur als Billigprodukt aus dem fernen Osten kenne, möglicherweise aber auch eine Kopie einer Pose von einem Mannequin aus dem Hause Patina V sein könnte. Den einzigen Hinweis über sie fand ich auf flickr bei Super Mannequin, der sie kniend und im Originalzustand abgebildet hat:

No Name Schaufensterfigur auf flickt von Super Mannequin (8-teilig)

11214237_10153567159206869_3778040139785881209_n | Super Mannequin | Flickr

Während die meisten Schaufensterfiguren aus 7 Teilen bestehen, ist dieses Mannequin aus 8 Teilen zusammengesetzt: 1 Rumpf mit Kopf (Torso), 1 linkes Bein, 1 rechtes Bein in zwei Teilen, 1 Paar Arme und 1 Paar Hände = 8. Da aus unerfindlichen Gründen der Vorbesitzer meiner NoName-Figur, bei welcher weder ein Herstellerlabel, noch eine Seriennummer zu erkennen ist, sie durch eine Überarbeitung (Make-over) einige Körperteile mit Spachtelmasse verband, besteht sie heute lediglich aus: 1 Rumpf mit Kopf, sowie alle Teile der Beine mit diesem verbunden, 2 Paar Arme und 2 Paar Hände = 5. Aufgrund einiger Stellen am Körper, wie jener am Po, der ganz flach ist, damit sie stabil liegen kann, ist es für mich naheliegend, dass sie als liegende Figur mit lasziver Pose gedacht war und nicht als Kniende – obwohl sie so auch sehr gut aussieht, aber weniger stabil ist.

Die Schulterkupplung ist ähnlich wie der Loutoff (siehe 1. Bild unten) und auch anhand der Bajonett-Verbindung am Handgelenk, kann man von asiatischen Billigpuppen ausgehen:

Ein untrügliches Zeichen für eine Herstellung in einem fernöstlichen Land ist die Verarbeitung der Kniekehle:

Sie steht zum Verkauf…