Hindsgaul Mannequin, vermutl. aus der Zeit von anfangs bis Mitte der 50er-Jahre…. noch ohne konkrete Identität

Mein kürzlich etwas aktualisiertes Bildarchiv über Mannequins umfasst 797 Ordner und 17’753 Bilddateien. Viele Schaufensterfiguren kenne ich auswendig. Andere erkenne ich an ihren typischen Merkmalen und wieder andere sind sehr alt, oder selten, sowie kaum dokumentiert, was Recherchen erschweren, aber für mich auch eine Herausforderung darstellt. Dabei wird mein Forschergeist geweckt und ich stöbere u.a. im Bildarchiv und im Internet nach brauchbaren Informationen, um sie hier im Blog zu publizieren und der interessierten Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Doch kürzlich erwarb ich eine Schaufensterfigur, die mir grosse Rätsel aufgab. Sie muss viel älter sein, als sämtliche Mannequins, die ich besitze und so selten, dass ich weder im Internet etwelche Spuren, noch in meinem Bildarchiv irgend eine vergleichbare Illustration gefunden habe. Das ist sonderbar und aussergewöhnlich, aber nicht weniger spannend.

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Beim Kauf der Schaufensterfigur fehlten die Hände, nicht unüblich bei uralten Vintage-Mannequins. Die gingen irgendwann mal verloren…. schade. Dann drehte ich die Puppe und sah ein rhombus-förmiges, aufgedrucktes Label im Kreuzbereich des Körpers, mit der Aufschrift „Hindsgaul“. Meine Stirnfalten kräuselten sich, denn von Hindsgaul bin ich mir runde (60er-Jahre) und rechteckige (von den 70er-Jahren bis heute) Aufkleber an derselben Stelle gewohnt. So etwas hatte ich zuvor noch nie gesehen. In der Mitte dieses Parallelogramms ist in Terracottafarben ein männlicher 3/4-Torso ohne Kopf abgebildet, der vom Namen der Manufaktur und dem des Hauptsitzes „Copenhagen“ in Dänemark überschrieben ist.

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Noch mehr erstaunt haben mich die Schulterkupplungen, dessen Metallteile verchromt sind. Offenbar wurde diese Veredelung mit Beginn der 60er-Jahre und später aufgegeben und damit vermutlich auch Herstellungskosten gespart. Von diesem Zeitpunkt an waren sie aus rostfreiem, sonst nicht veredeltem Stahl. Also eine ziemliche Überraschung für mich, als ich mal einen der Arme aus der Kupplung löste. In die verchromte Metallplatte ist der Hersteller „Hindsgaul“ eingraviert und der dänische Name der Hauptstadt in der Landessprache „Cobenhavn„. Am Oberarmansatz bei der Schulter ist die Nummer 18AA gestanzt, die Rätsel aufgibt. Darunter ist eine vierstellige Zahl in Rot gestempelt, die ganz in der Hindsgaul-Tradition steht. Sie waren und sind für Damen bis heute vierstellig und bis 1970 rot, danach schwarz. Man kann leider nur die mittleren beiden Ziffern gut lesen und ist bei den Endziffern auf ein gutes Vorstellungsvermögen und auf die Kenntnis der von Hindsgaul verwendeten Zifferformen angewiesen. Ich lese jedenfalls „8588“, obwohl eben die Endziffern unsicher sind.

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Beim zweiten Arm ist die beiden ersten Ziffern sehr gut lesbar „85xx“. Aussergewöhnlich ist der verchromte, kugelförmige Verbindungsbolzen in der Mitte der Kupplung, die auf eine sehr massive Konstruktion hinweist. Diese Form wurde später mehrmals geändert.

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Typisch für die Mannequins der damaligen Zeit, also auch bei vielen Konkurrenten, wie z.B. Moch, Siégel usw., war die Teilung des Torsos und der Beine auf Höhe der Taille. Erst später wurde sie auf Höhe der Hüften heruntergesetzt. Zudem äusserst typisch für diese Zeit: unteilbare Beine. Das war bis weit in die 60er-Jahre hinein nicht notwendig, da die Frauen noch keine Hosen trugen. Jupes, Röcke und festliche, bis zum Boden reichende Kleider bedurften keiner Trennung der Beine. Sie konnten über den Kopf gestülpt und von oben her angezogen werden. Erst mit der Emanzipation der Frau und den sich dadurch auch verändernden Modetrends, trugen Frauen vermehrt auch Hosenanzüge. „Erst Ende der 1960er Jahre wurden Frauenhosen gesellschaftlich akzeptiert.“

Wikipedia: „Hose“

Alleine schon anhand der Konstruktion und Teilung einer Schaufensterfigur, lässt sich ihr Alter ablesen, weil für Frauen das Tragen von Hosen erst vor 55 Jahren erlaubt war und die Mannequin-Manufakturen neue Techniken für die Teilung der Beine entwickeln mussten, um die neue Mode überhaupt präsentieren zu können. Dieses Thema wird in einem eigenen Artikel in diesem Blog noch vertieft behandelt werden. Diese Figur von Hindsgaul ist aufgrund der Indizien mit Sicherheit älter als 1960, zumal die Mannequins von Hindsgaul zwischen 1960 und 1965 vom Werk bereits modellierte Schuhe trugen, was vorher nicht der Fall war, sowie in den Jahren ab 1966.

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Wir finden an dieser Schaufensterfigur weitere Hinweise auf ihr Alter. Die Proportion der Schulterkupplung ist viel zu gross im Vergleich zum Körper dieses Teenagers, der sogar eher schmal und mädchenhaft wirkt. Der Detailreichtum wie z.B. bei einer „Revel“ von Hindsgaul aus den 80er-Jahren, wo man Schlüsselbein, Rückenwirbel usw. erkennen kann, ist hier noch nicht vorhanden. Die hochgezogenen, bogenförmigen Augenbrauen waren für die Zeit ganz im Stil von Marlene Dietrich gewählt und dann trat eine Diva im italienischen Film und in Hollywood auf, welche das Schönheitsideal der damaligen Zeit prägte: Sophia Loren.

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Sexy und selbstbewusst trat sie im Film „Zwei Nächte mit Cleopatra“ auf und dürfte wohl nicht nur Männerphantasien beflügelt haben (1953).

Film „Zwei Nächte mit Cleopatra“

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Sophia Loren

Die junge, schwarzhaarige Frau von Starregisseur Carlo Ponti, die auch Frauen mit ihren mandelförmigen, grossen Katzenaugen und dem ebenmässigen Gesicht in ihren Bann zog, wurde zur Filmdiva und zum Schönheitsideal der späten 50er- und der frühen 60er-Jahre. Inspiriert von der französischen Manufaktur „Siégel“, zogen auch „Hindsgaul“ und „Schläppi“ mit.

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etsy Siégel-Büste aus den 60er-Jahren

Die französische Firma „Siégel“ produzierte Ende der 50er- und anfangs der 60er-Jahre Mannequins mit mandelförmigen Katzenaugen und im Spitz zulaufende Gesichter, die sehr an das damalige Schönheitsideal Sophia Loren angelehnt waren.

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Da bei dieser Hindsgaulfigur noch keine Sophie-Loren-Gesichtszüge vorhanden sind, ist es nach meiner Einschätzung denkbar, dass sie vor 1955/56, also zwischen 1950 und 1954 produziert wurde. Wie bei den noch älteren Mannequins gleicht das Gesicht eher einer Puppe und ist im Vergleich zu realistischeren Figuren maskenhaft. Trotzdem gefiel sie mir auf Anhieb, vor allem die Stupsnase…. 😉

Mehr kann ich im Moment nicht dazu sagen; weitere Recherchen folgen.

 

 

 

Hindsgauls Serie Girlzone mit den Nummern 8510 bis 8514

Beim genaueren Hinschauen erkennt man sofort, dass die Hindsgaul-Seriennummern keiner nachvollziehbaren Logik folgen. Die Mannequin-Serie Revel von 1985 weist zum Beispiel die Nummern 5001 bis 5023 bei den Frauen und 501 bis 523 bei den Männern auf, während 1982 eine La Femme-Serie herauskam, die 22 Figuren von 8801 bis 8822 umfasst. So beginnen die Nummern 8501 bis 8504 im Jahre 1988 mit der Serie „Young ones“, welche im Jahr 2002 mit den Nummer 8508 und 8509, sowie im Jahr 1997 mit 8510 bis 8514 ihre Fortsetzung finden. Seit 1981 sind die Nummern 8541 bis 8544 für die Serie „Young Team“ vergeben. Mit den Nummern 8510 bis 8514 sind die weiblichen Figuren aus der Serie Girlzone / Boyzone gestempelt, die manchmal von Sammlern mit anderen Bezeichnungen genannt sind. Meines Wissens gibt es keine „Teen Zone“-Serie und auch keine mit dem Namen „Next Zone“.

Hindsgaul Fanseite (s. „Next Zone“)

Bezeichnung „Teen Zone“

Die Katalogseite mit der Bezeichnung „Girlzone / Boyzone“ findet man bei Serge O., dem russischen Sammler, auf flickr.

flickr, Serge O., Girlzone-Serie von Hindsgaul

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Ich besitze die Figur 8510-140 mit einer „Spannweite“ von 100 cm. Fotos folgen……

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hindsgaul-Mannequin „Young look“, Nr. 8419

 

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Auch meine Hindsgaul „Young look“ Nr. 8419 hat beide Arme falsch. Das wusste ich, als ich das Mannequin auf eBay kaufte. Beim Versand wurde aber das linke Bein ziemlich stark verletzt, weil die Verkäuferin nur lose Zeitungsknäuel zwischen die Teile stopfte, in der irrigen Annahme, dies schützen genügend. Die Metallplatte auf der Seite des Torsos bei der Schulterkupplung, lag neben dem Unterschenkel, in den sie mehrere tiefe Kerben hinein schlug. Das sind nicht die einzigen Schäden, die während dem Transport mit DHL und durch die völlig dilettantische Verpackungsweise der Verkäuferin entstanden. Auf dem Bild oben sind die relativ tiefen Kerben zu sehen…… Ärgerlich! Eine dünnwandige Asia-Schaufensterfigur hätte es in Stücke zerrissen. Zum Glück sind die alten Hindsgaul, Rootstein und vor allem Almax stabil gebaut. Dennoch muss man sie sehr gut verpacken und generell vorsichtig behandeln (Verpackungsanleitung demnächst auf diesem Blog!)

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Sie hat ein sehr schönes Gesicht……

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….und ein süsses Profil….!

Katalog Young Look (Danny Letton) 03b

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Titelseite des Originalkatalogs der Serie „Young look“. Links mit den gelben Hosen ist die Nr. 8419 und rechts mit den gekreuzten Beinen und dem gelben Hut befindet sich die Nr. 8406.

 

 

 

 

Hindsgaul-Mannequin „Young look“, Nr. 8407

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Ohne Frage: mein Hindsgaul-Mannequin Nr. 8407 aus der Serie „Young look“ hat eine Restauration nötig. Ich kaufte sie trotz dem grossen Loch in der Brust und trotz vieler Lackschäden. Es ist die eigenartigste Figur aus dieser Serie und wenn das Make-Up nicht perfekt ist, sieht sie mit ihrem Grinsen eher komisch, als wirklich schön aus.

10b Nr. 8407, ebay So war die selbe Figur einmal auf eBay in einem Inserat zu sehen……..

Hindsgaul Young look 8407_06 (Serge O)

….. und so entdeckte ich sie auf flickr: von Serge O wurde sie frisch restauriert, perfekt geschminkt, mit enorm ausdrucksstarken Augen versehen. Meine 8407 hat also Potential eines Tages nach einem Make-over ein „schöner Schwan“ zu werden. So bleibt sie auch der Nachwelt als besondere Figur erhalten.

Hindsgaul Young look 8407_05 (Serge O)

Hindsgaul Young look 8407_01 (Danny Letton)

flickr, Hindsgaul Katalog „Young look“, Nr. 8407