Ein Hindsgaul-Mannequin von der „Christel“-Serie aus dem Jahre 1966

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Ich fand sie auf einem Flohmarkt, vor Jahren und wusste gleich, dass sie alt sein musste. So vermutete ich bereits zu Beginn, aufgrund einiger stimmiger Merkmale, dass sie eine Hindsgaul sein müsste; aber dann begann die Suche nach Informationen im Internet und ich kam mit den Recherchen nur schleppend vorwärts. Diese Figur ist alt und sehr selten. Viele Sammlerinnen und Sammler, die ich anfragte, waren ebenfalls etwas ratlos und so gelangte ich gestern an jenen Sammler, der ein enorm umfangreiches Wissen über Mannequin besitzt. Danke Hasan! Er bestätigte meine Vermutung, dass es sich bei der Figur um eine „Christel“ aus dem Jahre 1966 handelt, die ich einzig auf zwei Seiten einer Broschüre im Internet entdeckte – nach Jahren, zusammen mit der Rytmica und der Focus in einer alten Broschüre abgebildet.

flickr, Serge O., Hindsgaul Broschüre 1966

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Zitat aus dem Werbetext oben: „Hindsgaul. Modische Mannequins. Überlegene Qualität, exclusives Design sind die Merkmale der drei verschiedenen Hindsgaul-Mannequin-Serien mit je 16 Modellen.“

Die oben abgebildete Broschüre hilft uns insofern nur weiter, dass 13 weitere Figuren zur Serie gehören, nebst den drei abgebildeten Mannequins, dessen Aussehen absolut unbekannt ist. Auch mit der im rechten Arm, innenseitig der Schulterkupplung, in roter Farbe gestempelte Seriennummer 6826, kann man vorerst nicht sehr viel anfangen, weil sie in der Historien-Liste auf der Hindsgaul Fanseite nirgends auftaucht.

Hindsgaul Mannequin-Historie ab 1972

Wenn man auf der im Link angegebenen Seite etwas nach unten scrollt, gelangt man zur Serie „Intuition“, die im Jahr 1993 mit 14 Modellen (Nr. 6801-6814) auf den Markt kam. Es herrscht selbst unter versierten Sammlerinnen und Sammlern die irrige Meinung, diese vierstelligen Seriennummern bestünden aus einer Modellnummer (letzte beiden Ziffern) und einer der Serie vorbehaltenen Seriennummer (erste beiden Ziffern). Dem ist nicht so. Die Ziffern 68xx wurden auch an andere Serien vergeben, wobei aber die gesamte Zifferfolge, also mit der Modellnummer, nie doppelt vorkommt. Darauf muss hier nicht weiter eingegangen werden, dass die „Intuition“-Serie nicht im Entferntesten mit der „Christel“-Serie vergleichbar ist. Nun gibt es eine „Christel“-Serie aus dem Jahr 1975, mit genau 16 Modellen, mit den Nummern 8201-8216. Sie ist vor allem durch die lachenden Figuren (s. unten) berühmt geworden, die durch ihre Aussergewöhnlichkeit auffielen (siehe Hindsgaul Mannequin-Historie ab 1972 – zu 1975 scrollen).

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Die teils lachenden „Christel“-Figuren von 1975 unterscheiden sich aber markant von den gleichnamigen „Christel“-Modellen von 1966; und weil Letztere kaum bekannt und in keiner Liste aufgeführt sind, wurde mir schon unterstellt, ich würde bei der „Christel“ -Serie etwas durcheinander bringen und Hindsgaul habe keine zwei identisch lautende Serien mit unterschiedlichen Seriennummern und einem zeitlichen Abstand von 9 Jahren lanciert. Dem ist nicht so. Meine Argumente für die Existenz beider „Christel“ -Serien lauten:

a.) Sämtliche „Christel“-Figuren von 1975 lassen sich auf der Höhe der Hüften teilen, um so besser transportieren und bekleiden zu können. Bei der „Christel“ von 1966 ist der Torso und ein Bein an einem Stück. Statt aus 7 Teilen besteht sie nur aus 6 Teilen (siehe weiter unten)

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b.) Die Brüste und das Gesicht sind ganz anders geformt, weisen aber durch die Art der gemalten Brustwarzen eindeutig auf Hindsgaul hin.

c.) Hier Angaben als kleiner Geheimtipp zur Identifizierung von Hindsgaul-Mannequins, die sonst nirgends auffindbar sind: bei Figuren, die vor 1972 produziert wurden, sind die gestempelten Seriennummern rot, danach waren sie und sind sie bis heute schwarz. Bis und mit der Serie „Rythmica“ sind die spitzen Schuhe an den Mannequins mit modelliert worden. Später, von der „Christel“- und der „Focus“-Serie an, konnte man den Hindsgaul Schaufensterpuppen auch individuelle Schuhe anziehen, selbst wenn sie durchbohrt werden mussten, da andere Befestigungsarten noch nicht erfunden waren. Erst mit der H2000 (1969/1970) fand eine technische Veränderung statt, indem die Beine mit dem Po prinzipiell wie bisher vom Torso getrennt werden konnte, aber nicht mehr in der Taille, sondern in Hüfthöhe, mit Ausnahme der „Christel“-Serie von 1966, die nur aus 6 Teilen besteht. Die nächste technische Revolution bei Hindsgaul begann mit der Serie 8701-8723 (International) im Jahre 1978, die bis heute weiter geführt und von anderen Herstellern auch kopiert wurde. Die Beine lassen sich vertikal voneinander in zwei gleichgrosse und gleich schwere Teile trennen.

Die „Christel“ aus dem Jahre 1966 hat ein unverkennbares Gesicht, ein bezauberndes Lächeln, wie die Mona Lisa – und ich verlieh ihr in meiner Version den verdienten Titel: „Miss Hindsgaul 1966“, mit Diadem und royalem Outfit. Ein wenig „Prinzessin auf der Erbse“ in einem Bühnenstück zu spielen, würde ihr auch gut stehen…..

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BB – Terry Minella setzt einer Ikone ein Denkmal. Ein von ihm angefertigtes Mannequin, als Ebenbild von Brigitte Bardot ist atemberaubend schön.

Ein 15-jähriges, brünettes Mädchen machte mit ihrer Mutter an einer Strandpromenade in Südfrankreich am Meer unbekümmert einen Spaziergang. Es ist Sommer 1950, als sie arglos an den vielen, ebenso promenierenden Menschen vorüber ging und vermutlich niemals daran dachte, dass sie in wenigen Augenblicken eine Begegnung mit einem Mann haben würde, der tiefer in ihr Leben nicht hätte eingreifen können. Sie wurde als Fotomodell entdeckt, zu Beginn einer beispiellosen Karriere, während der sie nicht nur eine berühmte Schauspielerin wurde, sondern zu einer Ikone einer ganzen Generation avancierte. Die Welt lag ihr zu Füssen. Sie war mindestens so prominent wie der Papst, oder Coca Cola. Zu diesem Olymp der grössten Persönlichkeiten auf unserem Globus gesellten sich danach nur noch wenige, ruhmreiche Menschen, so u.a. der Dalai Lama, Nelson Mandela und Michael Jackson, sowie Mutter Theresa.

Nachdem Mitte der 60er-Jahre das mich betreuende Kindermädchen aus England die Familie verliess und kündigte, stellte meine Mutter eine temperamentvolle Französin aus Besençon ein. Sie war genauso lieb wie ihre Vorgängerin, aber um ein Vielfaches unverkrampfter, woran ich rasch Gefallen fand und ich auf der Bettkante im kleinen Zimmerchen unter dem Dach unserer Villa sass, wo sie ihr winziges Reich hatte. Wir hörten gemeinsam am Transistorradio die Musik von Françoise Hardy und sie zeigte mir ihre zerknitterten Klatschhefte aus dem Bereich der Boulevardpresse, die viel bunter und spannender waren, als die täglich ins Haus flatternde Neue Zürcher Zeitung, die meine Eltern zur Erkundung von Politik und Wirtschaft als Lektüre besassen. Mir war mehr nach Bildern, nach knalligen Farben, schönen Fotos und hübschen Blondinen, die mir bereits im zarten Alter von 7 Jahren sofort auffielen. Durch mein Kindermädchen Danièlle, lernte ich schon früh die für viele Franzosen typische Nonchalence kennen, wodurch mir eine Welt geöffnet wurde, die mir sonst länger verwehrt geblieben wäre. Diese hübsche, quirlige, junge Frau liess mich teilhaben an einem der bedeutendsten gesellschaftlichen Veränderungen im vergangenen Jahrhundert, an dessen Umwälzung auch Brigitte Bardot in ihrer provokanten Art teilhatte und zu einem Sexsymbol der damaligen Welt wurde, die einem auf Titelseiten der französischen Regenbogenpresse entgegen lächelte. Sie war ein Männertraum – in meinem Fall ein Bubentraum – und sie wird oft als „die berühmteste Blondine der Mediengeschichte“ (Zitat Wikipedia, „Brigitte Bardot“) bezeichnet. Natürlich war ich als kleiner Junge in sie verliebt, aber auch in die schöne Sängerin Françoise Hardy.

Verwuschelte blonde Mähne, knappes, geknöpftes, blütenweisses Oberteil und dann die weissen, damals (anfangs der 70er-Jahre) gerade in Mode gekommenen Hot Pants.

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Brigitte Bardot mit Hot Pants

1956 spielte sie die Hauptrolle im Film „Und immer lockt das Weib“, die ihr auf den Leib geschrieben wurde. Sie war die Göttin der Verführung.

Der Westen (Artikel): „Sie war die Göttin der Verführung“ > Brigitte Bardot

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gofeminin, Brigitte Bardot Fanalbum

Das selbe Lächeln als 15-jährige Brunette in St. Tropez. Legendär ist vor allem ihr Schmollmund, der pure Sinnlichkeit verströmt.

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Brigitte Bardot mit hinreissendem Lächeln

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gofeminin Brigitte Bardot, Fanalbum Bild 191

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flickr, Brigitte Bardot von Terry Minella

Terry Minella hat vor wenigen Jahren eine atemberaubend schöne Schaufensterfigur als Ebenbild von Brigitte Bardot erschaffen. Es sind begnadete Künstler, die Mannequins in dieser hohen Qualität herstellen, dei weltweite Unikate darstellen. Ich lassen hier einmal die Bilder (unten) sprechen:

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flickr Terry Minella, Brigitte Bardot

flickriver, Terry Minella, Brigitte Bardot u.a.

Nun hat Sam Levin 1959 eine der sinnlichsten Fotoserien in einem Studio von Brigitte Bardon gemacht, die über sie je veröffentlicht wurden. Darin spielt ein Handtuch in der Farbe Altrosa dabei eine entscheidende Rolle, wieviel verführerische Nacktheit sie zeigt.

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In meinem Buch „Und immer lockt das Weib“ über Brigitte Bardot findet man Fotos von Bardot, die vermutlich in der selben Sitzung bei Sam Levin entstanden, nur sind sie in Schwarz-Weiss, „seitenverkehrt“ und retouchiert abgedruckt. Das Buch kaufte ich etwa 2010, oder 2011.

Im Sommer 1979 hatte ich in Paris auf der Treppe vor dem Sacre Coeur gestanden, als ich entschied zu Fuss ins vor mir liegende Quartier hinunter zu gehen und am Fusse des Hügels durch den Flohmarkt zu schlendern. Ich hielt bei einem Stand an, entdeckte ein Schwarzweiss-Foto von Brigitte Bardot und kaufte es für ein paar Franc. Natürlich hielt ich es für einen Druck. Erst ein paar Jahre später, nach Beendigung der Ausbildung als Mode- und Werbefotograf, nahm ich es wieder einmal hervor und bemerkte, dass es für einen gewöhnlichen Druck zu dickes Papier war. Unter der Lupe entdeckte ich ein ganz feines Korn und keinen Raster, wie bei einem Druck es sein würde. Auf der Rückseite des Papiers konnte man ganz schwach noch einen blauen Agfa-Stempel erkennen; d.h. dieses Foto ist eine Originalvergrösserung, die aus der Dunkelkammer über den Flohmarkt zu mir gefunden hatte!

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Im Bild oben rechts erkennt man das Foto von Brigitte Bardot im Studio, wie es im Buch abgedruckt ist. Links davon ist die echte Schwarzweiss-Vergrösserung vom selben Foto zu sehen, etwas kleiner, aber mit einem erstaunlich übereinstimmenden Kontrast. Der einzige Unterschied dieser beiden Aufnahmen besteht im linken, unteren Bildsektor, bei dem in der Originalvergrösserung aus Paris der hervorstehende Teil des Badetuchs noch sichtbar ist und auf dem Originalbild für die Publikation (rechts) weg retouchiert wurde.

Dieses Originalbild von Brigitte Bardot ist unverkäuflich!