Über Rootstein’s Sam Curtis in der US-Komödie „Mannequin“ aus dem Jahre 1987 und andere in diesem Film vorkommende Schaufensterfiguren

Ich finde es immer besonders spannend, wenn ich versuche nicht deklarierte Schaufensterfiguren zu identifizieren. Dabei trainiere ich mein umfangreiches Wissen über Mannequins, lerne aber auch immer wieder Neues hinzu. So sehe ich mir wöchentlich dutzende Inserate im Internet an, ohne diese aber zu kaufen, einfach so aus Neugierde und einer Art Bildungshunger, den ich schon in meinen Kindertagen ausgeprägt entwickelte. Waren es vor 50 Jahren die sorgfältig gesammelten Briefmarken, welche ich in den Katalogen suchte und entsprechend den Serien und Ländern in die Bücher einsortierte, sind es heute Schaufensterpuppen, welche ich so gut wie möglich versuche zu identifizieren und damit einem Hersteller, bzw. in eine Serie zuzuordnen. Eine besondere Herausforderung, wie ich meine, ist die Bestimmung von Mannequins, die in Filmen vorkommen. Im Film „Mannequin“ aus dem Jahre 1987 stachen mir in erster Linie die beiden Figuren von Sam Curtis (X12) und Helen Greenwood (V09) – beide von Rootstein – ins Auge, was aber auch nicht unbedingt eine hohe Kunst bedeutet, da ich beide in meiner Sammlung habe.

Blogbeitrag über Sam Curtis

Rootstein’s Sam Curtis X12 im Film „Mannequin“ aus dem Jahr 1987

Mit diesem angewinkelten Arm und der gesamten Körperhaltung sticht Sam Curtis natürlich schon aus allen anderen Mannequins heraus, wodurch sie zumindest für Profis leicht wiederzuerkennen ist.

Die Hauptdarstellerin – hier noch im Lebendig-Modus – schreitet durch das Schaufenster und gesellt sich zu Sam Curtis X12 (rechts) und Helen Greenwood V09 (links im roten Kleid). Szene aus dem Film „Mannequin“ (1987)

Auch Helen Greenwood (V09) fällt sofort durch ihre eigentümliche Pose auf, mit den beiden vom Körper weggestreckten Armen (s. Link)

https://faszination-mannequins-schaufensterfiguren.blog/2018/02/21/helen-greenwood-adel-rootstein-mannequin-aus-der-serie-styles-for-places-spaces-no-v9/

Ein Einbrecher im Laden (Film „Mannequin“. Die Identifizierung ist schwierig….

Vermeintlich lebendig: eine Schaufensterpuppe im Film „Mannequin“ von 1987 gibt einem Einbrecher Rätsel auf. Doch nur der Hauptdarsteller kann sie als eine lebendige Frau sehen (zumindest vorerst). Nachts zum Leben erweckt, will sie mit Jonathan im Einkaufscenter, aber auch ausserhalb des Gebäudes viele gemeinsame Abenteuer erleben.

Sie düsen auf dem Motorrad zusammen durch die Gegend. Der Hauptdarsteller in „Mannequin“ und seine zeitweise lebendig werdende Freundin, die tagsüber unbeweglich als Schaufensterfigur im Laden steht.
Jonathan und Emma verlieben sich……
„Handgepäck“…. Schnell die Freundin unter den Arm geklemmt; Emma als Schaufensterpuppe (tagsüber).

Ich habe mir einige Bilder (Stills) dieser Schaufensterfigur angesehen, die Emma darstellen soll. Leider ist es mir bis jetzt nicht gelungen die Manufaktur zu eruieren.

https://de.wikipedia.org/wiki/Mannequin_(1987)

Eine Schaufensterpuppe wird zeitweise lebendig – Emma….

Jonathan wählt diese Figur in der Herstellerfirma und weiss noch nicht, dass sie eines Tages lebendig wird…..

Die obigen beiden Fotos (Auskopplungen aus dem Video) zeigen das Mannequin, welches im Film lebendig und Emma heissen wird. Selbst wenn man viel von ihr sieht und im Hintergrund die Manufaktur sichtbar ist, gelang es mir bisher nicht, diese Figur einem Hersteller rund einer Serie zuzuordnen. Falls es ein US-amerikanischer Hersteller ist, käme noch D.G. Williams in Frage. Eine Rootstein ist es eher nicht….

Dies ist eindeutig eine Rootstein; doch den Seriennamen kenne ich nicht….

flickr New John Nissen Katalog Zsolt Poka

Aus meiner Sicht ergibt sich aus der Analyse beinahe zweifelsfrei, dass bei der Präsentation auf dem Bootsdeck im Film „Mannequin“ (1987) sich keine Figuren von Rootstein, sondern von New John Nissen befinden. 

Die Dame ganz rechts hinten an der Reling im blauen Kleid, die über die rechte Schulter schaut und den linken Arm in die Taille gestützt hat und der rechte Arm gerade ist, mit der Hand auf dem Oberschenkel und das rechte Bein leicht nach vorne gestellt, ist die Leslie von New John Nissen aus der Serie „Beauties“ mit der Seriennummer PW08 (siehe Katalog). 

Manche Figuren  sind mit einigen, kleinen Abweichungen baugleich; so ist die Leslie PW06 lediglich mit einem rechts auch mit einem in die Taille gestützten Arm ausgestattet (s. mein Beitrag über die PW06).

Blogbeitrag über Leslie PW06 von New John Nissen aus der Serie „Beauties“

Die beiden gelb und weiss gekleideten Mannequins links sind ebenfalls New John Nissen Figuren, möglicherweise Jenny PW 22 (links) aus der Serie „Beauties“ und Leslie PW 13 aus der selben Serie.

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Die Figur unter dem dem Disney-Logo im obigen Standbild ganz links, die eine Art Hosenanzug in orange-roter Farbe trägt, ist schwierig zu identifizieren, weil sie eine Haltung aufweist, die mindestens drei Figuren in einer ähnlichen Pose aufweisen und man leider keine wirklichen Details erkennen kann. Unbestreitbar ist es ein New John Nissen-Mannequin aus der „Beauties“-Serie; aber es könnte eine Leslie (PW07), oder eine Jenny (PW10), oder eine Grace (PW12) sein. Würde man das Gesicht sehen, wäre die Einschätzung einfacher….

Blogbeitrag über Grace PW12

New John Nissen, Leslie mit der Nummer PW 21, aus der „Beauties“-Serie

Inzwischen bin ich mit der „Beauties“-Serie von New John Nissen / Schläppi ziemlich vertraut, weshalb ich bei einer Schaufensterfigur wie dieser (siehe untenstehendes Foto) sofort sowohl den Hersteller, wie auch die Bezeichnung der Serie und der Name der Figur identifizieren kann. Nur die Seriennummer hatte ich vor der Abholung falsch geraten. Ich dachte es sei eine PW06 (aus der „Beauties“-Serie mit Leslie-Kopf, doch es ist ein PW21-Torso, wie ich dann vor Ort erkannte. Letztlich ist es aber der selbe Torso, wie bei der PW06:

New John Nissen, „Beauties“-Serie, Leslie-Kopf mit dem PW21-Torso, aber „Liberty“-Beinen.

Mit etwas geübtem Blick erkennt man aber sofort, dass die Proportionen nicht stimmen und die Beine scheinen auch eine Nuance dunkler zu sein. Wie von mir schon vor dem Kauf vermutet, handelte es sich um A6-Beine aus der „Liberty“-Serie von New John Nissen. Wie man anhand dieses Beispiels sehr gut erkennen kann, sind die Abschlusskanten der Torsen und der Beine serienübergreifend bündig, was den Schaufensterdekorateuren in jener Epoche die Freiheit verlieh, aus einer sehr hohen Kombinationsvielfalt eine Auswahl treffen zu können; ich bezeichne dies manchmal gerne auch als ein vielleicht von „LEGO“ inspiriertes Baustein-System. Doch die Modellierungen im Hüftbereich differieren, was bei angezogenen Mannequins wohl kaum aufgefallen sein dürfte. Doch Sammler sind da etwas anspruchsvoller. Nur die Kombination, welche jener im Katalog entspricht und deshalb original zusammengehört, besitzt den vollen Wert – und wenn wie hier die Arme fehlen, der Schädel gespalten ist und das eine, im Prinzip demontierbare Bein so vermurkst ist, dass es sich nicht mehr entfernen lässt, dann ist die Puppe sozusagen wertlos.

New John Nissen A06-Beine aus der Serie „Liberty“, die zwar technisch, aber optisch nicht ganz zum „Beauties“-Torso passen.

Leslie mit gebrochenem Schädel….. Die muss einen extremen Sturz gehabt haben, da New John Nissen-Figuren sehr massiv und widerstandsfähig sind.

Den Torso versuche ich zu retten, den Rest habe ich entsorgt. Irgendwo liegen noch ein paar PW21-Beine und PW06-Arme im Lager herum – da werde ich bei Gelegenheit den Versuch unternehmen, ein Make-over (Restauration) zu starten.

New John Nissen, Leslie, PW 21 im Katalog von damals (Figur rechts im Bild)

Eine Figur aus der Serie „Dorothy“ (ca. 1974) von New John Nissen / Schläppi mit der Nr. AW 24

Die New John Nissen Serie „Dorothy“, die auch von der Schweizer Firma Schläppi in Lizenz hergestellt wurde, lässt sich etwa ins Jahr 1974 datieren. Informationen sind rar, Kataloge kaum mehr erhältlich. Jedenfalls müssten sie geraume Zeit vor den „Beauties“– und „Chic“-Serien auf den Markt gekommen sein. das sieht man an der Machart, an den Proportionen, die noch nicht anatomisch ausserordentlich stilsicher wirken. Ich besass aus dieser Serie zwei Figuren. Die Eine (Bilder unten) habe ich wieder verkauft und die Zweite diente als Ersatzteillager. Hier ein paar Bilder:

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flickr, Serge O, New John Nissen, „Dorothy“ AW 24

Meine AW 24 ist die Figur links, mit leicht gesenktem Kopf…. (Bild oben).

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Seltenes Doppellabel von New John Nissen und von Schläppi

Torso und Beine AW 24. Die Arme sind von einer AW 8….. sind innerhalb der Serie kompatible….DSC_0613 DSC_0614.JPG

Unverwechselbares Gesicht. Seit zwei Tagen in meinem Besitz: eine weitere „Dorothy“ mit der Nummer AW02

Es folgen weitere Bilder, wenn sie geputzt ist….

Die verträumte Grace aus der „Beauties“-Serie von New John Nissen mit der Seriennummer PW11 (und A12-Armen aus der „Liberty“-Serie)

Aus meiner Sicht ist sie eine der schönsten Figuren von allen jemals produzierten Mannequins. Unglaublich schön, diese hingebungsvolle Pose! Schon lange wollte ich die Grace aus der „Beauties“-Serie von New John Nissen. Dann entdeckte ich ein Inserat im Internet von der PW12, die kurz darauf meine Sammlung bereicherte und veredelte:

Blogbeitrag über die sitzende PW12 aus der „Beauties“-Serie von New John Nissen

Kurze Zeit später – ich traute meinen Augen nicht – war eine PW 11 aus der selben Serie zu kaufen, als Bestandteil eines Konvoluts von alten Schläppi’s und einer Arthema.

Konvolut New John Nissen / Schläppi und Arthema

Alle Figuren waren zum Teil schwer beschädigt, oder Teile fehlten. Die untere Abschlussplatte des Torsos bei der PW11 war erheblich eingerissen. Diese musste ich zuerst wieder verleimen, bevor ich sie reinigen und danach stylen konnte.

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Aber das Ergebnis ist phantastisch! Aber etwas fällt einem im Vergleich zum Originalbild im New John Nissen-Katalog sofort auf: die Arme sind horizontal weit ausgebreitet!

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Bei der Originalfigur sind sie etwas nach unten geneigt. Das rührt daher, weil der beim Kauf nur zwei Arme mit der Bezeichnung „A12“ dabei waren, welche an der Kupplung bei der Schulter aber kompatibel sind, obwohl sie aus der „Liberty“-Serie stammen.

Blogbeitrag über die Liberty-Serie von New John Nissen

Ich besitze aber eine „A12“ aus der „Liberty“-Serie mit falschen Armen und mit dem etwas schöneren „Belle“-Kopf, statt dem „Britt“-Kopf, wie im Originalkatalog. Diese hatte ich ca. 2008 aber mit den falschen Armen mit den Bezeichnungen „PW18“ und „PW21“ gekauft, damals nicht ahnend, dass sie aus der „Beauties“-Serie stammen. Teile aus diesen Serien sind untereinander meist kompatibel. Nun kaufte ich also kürzlich mit dem Konvolut die Originalarme für meine „Belle“ (A12) und hätte nun beim Tausch der Arme zwei „Beauties“-Arme für die PW11. Aber ich finde die Kombination „Grace“ mit den „A12-Liberty“-Armen einfach überwältigend schön!

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Weitere Bilder folgen bei Gelegenheit…..

 

 

 

 

 

Konvolut mit einigen Highlights

In einem Zeitraum von rd. 50 Jahren haben weltweit über 30 Manufakturen Mannequins produziert. Sie wurden jeweils in mehreren dutzend verschiedenen Serien angeboten, um den Bedürfnissen der Kunden gerecht zu werden. Auch innerhalb einer Serie standen teilweise bis zu 24 Figuren mit unterschiedlichen Posen zur Verfügung, wobei noch zwischen mehreren Köpfen gewählt werden konnte. Bei einzelnen Boutiquen und exklusiven Modegeschäften spielte eine solche Diversität kaum eine Rolle. Aber bei den landesweiten Ladenketten, wie beispielsweise Karstadt (Deutschland) und Manor, sowie EPA (Schweiz) war dies aufgrund des Wiedererkennungswertes enorm wichtig. Kleider wurden mit Schaufensterfiguren des selben Herstellers und oft mit verschiedenen Posen aus der selben Serie präsentiert. Schliesslich sollte ein Kunde in einem Einkaufszentrum in München die selbe Vertrautheit mit dem Produkt erleben, wie in einer anderen Stadt. Dies führte auch dazu, dass die Marktführer der Mannequin-Hersteller jährlich komplett neue und den jeweiligen Modetrends angepasste Serien auf den Markt brachten und auf den zahlreichen Messen dem staunenden Publikum vorstellten. Dabei sind grundsätzlich vier Marken zu nennen: Adel Rootstein, Hindsgaul, New John Nissen und Almax. Da von diesen Manufakturen für den europäischen Markt die grösste Auswahl bestand, werden von den Sammlern diese in der Regel auch bevorzugt. Auch andere Gründe sind zudem relevant, nach denen sich eine Kollektion richtet.

Erwirbt man nun ein Konvolut mit mehreren Schaufensterfiguren, ohne Angaben zum Hersteller, oder zur Serie, dann kann man aus oben genannten Gründen ziemlich sicher einmal die damaligen Marktführer Rootstein, Hindsgaul, New John Nissen und Almax priorisieren, wenn es um die Identifizierung der einzelnen Figuren geht, wobei man sich u.a. auch mittels meines Beitrags hier im Blog unter dem Titel „ZEN in der Kunst ein Mannequin zu bestimmen“ orientieren kann.

Beitrag: ZEN, in der Kunst ein Mannequin zu bestimmen

Aber – wie sich immer wieder zeigt – auch versierte Sammler und Sammlerinnen stossen bei der Identifikation eines Mannequins immer wieder an Grenzen, wenngleich sie ein ansonsten mehr oder weniger breit angelegtes Fachwissen über einige tausend Puppen besitzen. Mit etwas Glück kleben noch die Labels an den Figuren, oder die Nummern der Serien sind am Kopf eingestanzt (teilweise bei Rootstein), oder mit Filzstift geschrieben (Innenseite der Schulterkupplung bei New John Nissen). Dies erleichtert die Suche nach der ursprünglichen Identität, welche man als Sammler den Figuren wieder zurückgeben möchte.

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So sieht ein Konvolut vor dem Abtransport aus; und bei zwei Schaufensterfiguren habe ich natürlich sofort gewusst, aus welcher Manufaktur sie stammen und zu welcher Serie sie gehören, weil sie u.a. schon seit langem zuoberst auf meiner Wunschliste gestanden haben. Allen voran die „Grace“ aus der Serie „Beauties“ mit der Nummer PW11 von New John Nissen, die von der Firma Schläppi AG in der Schweiz in Lizenz hergestellt und für den hiesigen Markt vertrieben wurde.

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Sie ist einfach eine traumhaft schöne Schaufensterfigur, die hier im Originalkatalog aus den 80er-Jahren mit einem echten Mann in Lederkleidung äusserst sinnlich abgebildet ist.

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Auf dem Foto oben erkennt man nochmals das selbe Bild auf der Katalogseite mit der Angabe der Seriennummer (unten links, Grace, PW11).

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Meine neue „Grace“ noch schmutzig, mit fehlender rechter Hand, falschen Armen und mit einem Riss am Abschluss des Torsos bei der Hüftverbindung, wie man unschwer feststellen kann. Aber sonst ist sie in Ordnung.

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Die beiden falschen Arme sind auf der Innenseite der Schulterkupplung in blauer Schrift mit der Seriennummer „A12“ markiert. Nun besitze ich aber seit langem eine „Britt“ aus der Serie „Liberty“ von New John Nissen / Schläppi mit den falschen Armen und der Nr. „A12“:

Mein Blogbeitrag: „Die vier B’s“

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Die Arme im Konvolut, die auch bei „Grace“ gut aussehen, sind eigentlich die originalen Arme der „A12“ aus der Liberty-Serie von New John Nissen / Schläppi.

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Die nächste Schaufensterfigur ist auch eine New John Nissen / Schläppi AG aus den 80er-Jahren, in einem ordentlichen Zustand, mit einem Originalarm links, der aber klemmt und einem falschen „A12“-Arm rechts, wobei beide Hände fehlen. Es ist mit grösster Wahrscheinlichkeit eine „Sandra“ (die Köpfe sind sehr ähnlich) aus der Serie „Chic“, mit der Nummer BG9, von der ich u.a. bereits die BG1 und die liegende BG17 (Sarah) besitze, welche den Header meines Blog’s „Faszination Mannequins“ ziert.

Blogbeitrag: New John Nissen „Chic“, Sarah BG17

Die dritte Figur (leider ohne Arme und mit eingedellter Nase) ist aufgrund von Indizien zu 99,9% eine alte „Mitnacht“ aus den 60er-Jahren. Nirgends ist ein Seriennummer, oder ein Label zu finden, aber eine „Mitnacht“ erkennt man am Fussdorn und an der Hüfte.

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Der Fussdorn der Standplatte ist rund und der wird in eine metallene Hülse unten an der Fusssohle eingeführt. Das eine Bein ist demontierbar. Zusätzlich sind die Beine getrennt, in der Mitte der Hüfte, wie bei Hindsgaul, aber innen verschraubt. Das Make-Up und der lachende Gesichtsausdruck deutet auf eine sehr alte Schaufensterfigur hin.

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Zwei solche Mädchenfiguren sind im Konvolut dabei, alte originale Schläppi AG-Figuren, schätzungswiese aus den 70er-Jahren. Sie weisen skulpturierte Haare auf und mehrere sichtbare Gebrauchsschäden.

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Eine etwas exzentrische New John Nissen / Schläppi mit der Seriennummer S6 nur mit einem Arm und ohne Hände war dabei…. und im selben Stil noch eine Stehende, die so defekt ist, dass sie entsorgt werden muss.

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Dieses kniende Bein-Teilstück war auch dabei, das weder ein Label, noch eine Nummer, noch eine gestanzte Serienbezeichnung aufweist. Aber es hat ein Erkennungsmerkmal, welches ich bereits mehrmals in diesem Blog erwähnte, welches vorwiegend bei alten Almax-Schaufensterpuppen vorkommt: der metallene Verbindungsbolzen in der Hüfte dieser italienischen Nobelmarke ist durch jahrelange Einwirkung von Feuchtigkeit oft rostig, bis sogar durchgerostet, weshalb ich manchmal defekte Almax ankaufe, um die Ersatzteile zur Verfügung zu haben. Allenfalls habe ich noch einen passenden Torso.

Beim Kauf von Almaxfiguren aus den späten 70er- und frühen 80er-Jahren ist es ratsam den Verkäufer vorgängig zu bitten Fotos von diesem Verbindungsbolzen zu schicken, da die Figur ohne die Verfügbarkeit von Ersatzteilen zur Reparatur absolut wertlos ist.

 

Das sitzende Mannequin Grace aus der Serie „Beauties“ von New John Nissen mit der Seriennummer PW12. Unikat.

Eine „Leslie“ (PW06) und eine „Jenny“ (PW22) gehören bereits zu den Highlights meiner Sammlung und vor wenigen Wochen äusserte ich gegenüber einem Sammlerkollegen die Worte, es fehle mir eine „Grace“, die Dritte im Bunde in dieser Serie.

Blogbeitrag über „Leslie“, New John Nissen PW6

Blogbeitrag über „Jenny“, New John Nissen PW22

Schon lange hatte ich die „Grace“ auf der Wunschliste, mit ihrem sinnlichen Mund und den verträumt geschlossenen Augen, sowie mit dem etwas nach hinten geneigten Kopf. Ein Traum, so ein schönes Mannequin zu besitzen; und nun wurde mein Traum erfüllt. Gestern zog bei mir eine „Grace“ aus der Serie „Beauties“ von New John Nissen mit der Seriennummer PW12 ein, deren rechter Arm nicht original ist.

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New John Nissen-Katalogseite von der Serie „Beauties“. Die sitzende „Grace“ mit der Seriennummer PW12 ist links unten im Bild zu sehen

Flickr, Zsolt Poka, NJN Katalogseite mit PW12

Flickr, Zsolt Poka, Katalogseite mit div. Figuren

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Sie wurde bereits einem Make-Over unterzogen, wobei man Arme, Hände und Beine verkittete, sodass dieses Mannequin an einem Stück nun ein weltweites Unikat ist. Der rechte Arm ist aber falsch und stammt von einer anderen Figur; entweder von einer PW1, PW6, PW10, PW18, oder PW22.

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Nachdem ich meine Grace geputzt hatte, versuchte ich an ihr mal blonde, dann schwarze Haare, gestreckte und auch lockige, sowohl kurz als auch lang… und eine schien mir den sinnlichen Gesichtsausdruck besonders zu untermalen. Es war diese rotbraune, gelockte Perücke, die mir am Ende am Besten gefiel und in mir plötzlich eine leise Erinnerung an ein Bild von Sandro Botticelli weckte. Hatte nicht die Venus auf dem berühmten Bild eine solche wilde rotbraune Mähne? Tatsächlich!

 

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„Geburt der Venus“ von Sandro Botticelli

Die Göttin Aphrodite / Venus

Wie lodernde Flammen sieht die Haarpracht aus, ungekämmt, wild. Sie ist die Schönste der Schönen, die Göttin der Liebe und der Erotik. Aber nicht nur deswegen wurde sie im Altertum verehrt. Es gerieten die Menschen ob ihrer Anmut in Verzückung, denn sie war die Verkörperung von Liebreiz, sanft in ihrem Wesen, zart wie ein Schmetterling, heiter und sonnig im Gemüt, klar wie das türkisfarbene Wasser in den Lagunen der Südsee in ihrer Präsenz, charakterstark in ihrer Funktion als Schutzgöttin, aber verführerisch als weibliches, einem die Sinne raubenden Wesen. Sie ist unwiderstehlich, weshalb einige antike Liebesgedichte schwärmerisch vom Liebesakt erzählen, in dem die Liebenden ins Feuer der Lust sanken, um vor Wonne zu zerrinnen. Pure Sinnlichkeit!

Als Symbol der Geburt wird eine sich geöffnete Muschel dargestellt, in der sich eine Perle befindet. Sie ist aus dem Schaum der Wellen emporgestiegen….. Auch Lindsay Archer sieht Aphrodite mit langen, welligen, wilden Haaren, dunkelblond, aus einer Muschel steigend, im Schaum der sich am Strand brechenden Wellen des Meeres. Toll!

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Link folgt….

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Heute beim Recherchieren entdeckte ich das phantastische Bild von Brenda Burke, auf dem die Aphrodite im Akt des Auftauchens aus den Wellen gezeigt wird, mit dem sanften Schaum des Meeres auf ihrer Haut angeschmiegt, mit wilden, rotblonden, langen Haaren und mit geschlossenen Augen, in ihrer freudig-sinnlichen Versenkung in den Augenblick der Wonne. Ganz tolles Bild!

Link folgt…..

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Meine Aphrodite und Königin der Liebe hat die Augen geschlossen, den sinnlichen Mund halb geöffnet… „Beauties“ (Schönheiten) heisst die Serie von New John Nissen; was für ein treffender Seriennamen. Atemberaubend die PW12, auch mit „falschem“ rechten Arm.

Weitere Bilder folgen….

 

 

 

 

 

 

Mannequin aus der Manufaktur New John Nissen / Schläppi aus der Serie „Liberty“ mit der Nummer A15 (Beine A1) und dem „Britt“-Kopf

Zu den 4 „B’s“ in der Serie „Liberty“ von New John Nissen / Schläppi habe ich in einem anderen Blogbeitrag bereits einiges geschrieben, vor allem zu „Belle“.

Blogbeitrag zu NJN Liberty-Serie Blogbeitrag zu NJN Liberty-Serie

Hier noch einmal kurz zusammenfassend, die wesentlichsten Punkte, welche diese Serie betreffen:

a.) Die Schweizer Firma Schläppi AG in Wollerau hatte in Lizenz Mannequins der Firma New John Nissen aus Belgien hergestellt und vertrieben, weshalb bei einigen Figuren nur das Label „Schläppi“, bei anderen nur das Label „New John Nissen“ und ganz selten bei einigen Mannequins beide Label gleichzeitig hinten am Rücken, oberhalb der Kante zur Verbindung auf Hüfthöhe angebracht wurden.

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Label von Schläppi AG in Wollerau

b.) Die einzelnen Serien, wie z.B. die „Liberty“, bestanden aus bis zu 18 Figuren, deren einzelne Teile untereinander kompatibel waren. Hüft- und Schulterverbindungen, wie auch Kupplungen an den Handgelenken waren so konstruiert, dass die Teile individuell kombiniert und z.B. bei Beschädigungen ausgetauscht werden konnten. Die Dekorateure in der damaligen Zeit, hatten in grösseren Geschäften oft die Aufgabe ganze Auslagen mit dutzenden von Mannequins beim Saisonwechsel neu zu gestalten. Beim Stylen der Schaufensterfiguren achtete man nicht immer auf die originale Zusammensetzung der einzelnen Teile, wie es im Katalog ersichtlich war, weshalb dem Sammler diese aus den 70er-Jahren stammende Figuren öfters völlig zusammengestückelt angeboten werden und sie sehr selten in der originalen Kombination zu erwerben sind. Je kleiner also die Boutique war, desto grösser ist die Chance auf eine Zusammenstellung der Teile (Torso, Beine, Arme, Hände), wie sie im Katalog abgebildet sind.

c.) Aufgrund der in Absatz b. oben beschriebenen Umstände, haben Dekorateure damals auch Teile nach ihren eigenen Bedürfnissen umbenannt und originale Markierungen durchgestrichen, was sehr verwirrend sein kann, wenn man versucht ein Mannequin genau zu bestimmen.

Bei meiner Figur (Bild unten) ist der Torso von einer New John Nissen „Liberty“ A15 und die Beine sind von einer „Liberty“ A01.

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Die Seriennummer A15 ist auf der Innenseite der Schulterkupplung beim Torso abzulesen.

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Leider gibt es online nur den einen Katalog von dieser Serie, bei welchem aber die A15 ganz am Rande steht, im Falz des Aufklappbildes, wonach man nicht wirklich alles sehen kann (auf der rechten Seite ganz rechts unten und auf der linken Seite ganz links unten).

flickr, Zsolt Poka, Katalog New John Nissen, „Liberty“

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Die A15 entspricht im Grunde der Pose von der Figur A10, einfach mit einer anderen Armstellung, bei der die gespreizten Hände in die Hüften gestützt sind. Die gekreuzten Beine sind aber dieselben. Der Kopf ist von „Britt“.

Das „Puzzlespiel“ beginnt aber eigentlich erst jetzt richtig, denn der linke Arm hat eine eingravierte Nummer („A7“), die mit der Armstellung im Katalog nicht übereinstimmt. Die schwarze mit Filzstift markierte Nummer „A6“ ist korrekt, aber fälschlicherweise durchgestrichen (siehe unten), genau wie die Seriennummer A15 am Torso (nur links).

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Die Armstellung der „Liberty“ A06 ist die selbe, wie diejenige der A15. Nur meine A15 hat links einen Arm mit gespreizter Hand von der A06, was im weitesten Sinne als „original“ zu betrachten wäre und rechts einen komplett anderen Arm, mit einer anderen Hand, die in dieser Serie überhaupt nicht vorkommt.

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Die eingravierte Nummer „D94“ hilft uns nicht sehr viel weiter. Doch die mit schwarzem Filzstift geschriebene Serienbezeichnung „PW1“, was zur Serie „Beauties“ führt.

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Der rechte Arm stammt also von der „Jenny“ mit der Seriennummer „PW1“, aus der Serie „Beauties“ von New John Nissen / Schläppi (oben links) und anhand von diesem Beispiel ist eindeutig zu erkennen, dass serienübergreifend Teile kompatibel konstruiert worden waren, was bei der Identifizierung eines Mannequins viel Fachwissen voraussetzt und manchmal ganz schön knifflig ist. „Leslie“ mit der Nummer „PW4“ (oben rechts) hat die selbe rechte Armstellung mit der Hand, an der die Finger eingebogen sind, wie die „PW1“, die durch die Taille verdeckt, bei dieser Figur etwas schlechter zu sehen ist.

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Leslie vom Mannequin-Hersteller New John Nissen / Schläppi ist soeben bei mir eingezogen. Sie stammt aus der Serie mit dem Namen „Beauties“ mit der Serien-Nr. PW 6.

Manchmal gibt es Momente im Leben, in denen das intuitive innere Gefühl stärker ist als der rationale Verstand, nach dem ich eigentlich hätte nach Hause fahren sollen. Ich tat es nicht und fuhr einen kleinen Umweg, mit dem Ziel, bei einem Brockenhaus vorbei zu schauen, das ich gut kenne und seit Jahrzehnten Stammkunde bin. Aber diesmal habe ich nichts gebraucht, sondern bin einfach diesem Gefühl gefolgt, das ich inzwischen zu deuten wisse. Ich betrat das Geschäft und von weitem sah ich sie, angezogen in einer Tracht mit Schlapphut verhüllt. Schon auf diese Distanz erkannte ich sofort, dass es sich um eine New John Nissen / Schläppi aus der „Beauties“-Serie handelte, mit dieser sehr eigentümlichen Armstellung und Körperhaltung mit hohem Wiedererkennungswert. In meiner Erinnerung tauchte das Bild eines Schweizer Sammlers auf, der u.a. auch eine „Liberty“ A5 besass, welches ich im Juni 2017 im Internet entdeckte.

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New John Nissen / Schläppi im Rolling Stones Leibchen

Die hier abgebildete New John Nissen-Figur wurde zum Verkauf ausgeschrieben, ohne Angaben über dessen Hersteller, oder der Serie, lediglich mit dem Zusatz: “ inhabituelle position cambrée“. Tatsächlich ist diese Position, wie oben erwähnt, sehr ungewöhnlich, nach hinten geneigt, mit hohlem Kreuz. Mangels detaillierter Kenntnisse nannte er sie „Angie“, in Anlehnung an die Ballade von der Popgruppe Rolling Stones, was auch die Gitarre und das Leibchen assoziieren soll.

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Aus der Nähe erkennt ein versierter Sammler sofort das etwas ernste, kantige Gesicht der „Jenny“, mit den geöffneten Augen und dem geschlossenen Mund.

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New John Nissen Katalog von 1986, Serie „Beauties“ (3)

Im Katalog (unten links im oberen Bild) ist die Figur hingegen mit dem Kopf von Leslie abgebildet. Sie weist die Seriennummer PW 6 auf.

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New John Nissen Mannequins, Serie Beauties, 1986 (2)

Mit der klassischen Herbst- / Wintermode von 1986 zusammen eher gewagt, aber sehr auffällig und gekonnt gestylt: die an den damals aktuellen New Wave Look angepasste Perücke (s. Bild oben). Die Frisuren waren wild und extravagant. Welches Mannequin könnte dies besser präsentieren, als die „Leslie“ mit der Nummer PW 6, von New John Nissen?

Schöne Katalogaufnahme von „Grace“ mit offenem Mund und geschlossenen Augen und einem echten, männlichen Model mit cooler Lederjacke. Sehr sinnlich und toll gestylt (PW 11)!

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New John Nissen Katalog, Grace PW 11

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Meine Leslie gestern, bereit zum Abtransport!

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Leslie darf vorne auf dem Beifahrersitz mitfahren…….

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Unter den kritischen Blicken ihrer neuen Freundinnen (links Gisela Mindt) präsentiert sie sich selbstbewusst. Kurze „Wareneingangskontrolle“ von mir: ausser einen wirklich geringfügigen Lackschaden am Kinn, seitlich der Nase und auf der Lippe, gibt es nichts zu beanstanden. Die 35 Jahre alte Figur ist in einem Topzustand und befand sich laut Aussagen der Verkäuferin jahrzehntelang in einem Schuppen.

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Die Augen bestätigen diese Information. New John Nissen und Schläppi verwendeten in den späten 70er- und 80er-Jahren einen Klarlack als Überzug bei den Augen, der nicht UV-resistent war (wie ich in meiner These vermute und hier im Blog schon an anderer Stelle erwähnte. Deshalb sind Augenweiss bei Figuren, die im Schaufenster der starken UV-Strahlung des Sonnenlichts ausgesetzt waren mit zunehmendem Alter vergilbt. Die Leslie war in einem lichtgeschützten Schuppen. Deshalb die helle noch weisse Farbe in den Augen.

Weitere Bilder folgen bei Gelegenheit…

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Jenny: ein Mannequin aus der Serie „Beauties“ von New John Nissen mit der Nummer PW22

Ein wenig herrisch wirkt sie schon, die Jenny, in der PW22-Pose von New John Nissen, dem belgischen Hersteller von Mannequins. Sässe man etwas tiefer vor ihr, würde sie auf einem herab blicken, dominant, mit in die Hüften gestützten Armen, so als wollte sie einem zur Rede stellen. Ich finde diese spezielle Haltung in der Serie „Beauties“ äusserst spannend und sehr attraktiv. Es scheint, als würde sie gleich sagen: „Du Kleiner, pass mal auf: ich sag‘ Dir schon wo’s lang geht…!“.

 

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New John Nissen, Beauties, PW22, Jenny (Zsolt Poka, flickr)

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Jenny aus einer tieferen (Sitz-)Position aus gesehen. Aus dieser Perspektive wirkt sie schon dominant und so, als wollte sie eben sagen: „Pass ‚mal auf Kleiner….!“

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Eine zweite Jenny PW22 von New John Nissen aus der Serie „Beauties“ ist stark beschädigt und nur mit einem Arm ausgestattet.