Artikel „Stehvermögen“ in der SZ (Süddeutsche Zeitung) vom 05.09.2014

Artikel „Stehvermögen“ in der SZ (Süddeutsche Zeitung) vom 05.09.2014

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Bildlegende, siehe Link zum Artikel oben: „Kevin Arpino ist der Kreativdirektor bei Adel Rootstein, einer der bekanntesten Manufakturen für Schaufensterpuppen mit Sitz in London. Arpino ist so etwas wie der Stardesigner der Branche. Seine Puppen werden zu Ralph Lauren, Tom Ford oder Harvey Nichols in die Welt geschickt.“

Natürlich war ich selber etwas verblüfft, während sich in den Anfangsjahren von meiner Sammelleidenschaft meine Kenntnisse über Schaufensterpuppen allmählich vertieften, als ich erfuhr, dass die meisten Mannequins von der Edelmarke Adel Rootstein Kopien von echten Models sind – in Kunstharz gegossen. Inzwischen besitze ich mehrere dieser Schönen, welche einst über die berühmten Laufstege der Welt stakten, u.a. Yasmin le Bon, die sich liegend auf meiner Empore räkelt.

Blogbeitrag über Yasmin le Bon

„Ralph hat wieder Yasmin bestellt. Schmaler Kopf, klassische Gesichtszüge, perfekte Brüste. Erst Mitte zwanzig, aber schon ihr ganzes Leben lang im Geschäft. Mal soll sie nur dastehen, mal die Hände in die Hüfte stemmen. Meistens hat sie lange Haare, manchmal trägt sie große Ohrringe, immer ist sie leicht gebräunt, Nuance »Macoccino«.“ heisst es im oben verlinkten Artikel der SZ. Mit „Ralph“ ist Ralph Lauren gemeint, ein berühmter Modedesigner aus den USA.

„Ralph ist der amerikanische Designer Ralph Lauren, und wenn er Anfang September eine neue Boutique in New York eröffnet, hat dort eine ganze Armada von Carolines und Yasmins zu stehen. Aufwendige Haare, natürliche Augen, volles Make-up – sie sehen wirklich fast aus wie echte Models. »Sie sind nur ein bisschen weniger zickig«, sagt Kevin Arpino mit einem Grinsen. Arpino, Anfang sechzig, ist der Kreativdirektor von Adel Rootstein, einer der bekanntesten Manufakturen für Schaufensterpuppen. Arpino hat Hunderte von ihnen entworfen. Modelliert werden sie nach dem Vorbild echter Models, nach Twiggy aus den Sechzigern oder Pat Cleveland aus den Siebzigern – oder, wie »Yasmin«, nach Yasmin Le Bon, dem britischen Topmodel der Achtziger, das mit Simon Le Bon verheiratet ist, dem Sänger von Duran Duran. Anschließend werden die Kopien aus Fiberglas in die Welt verschickt. Wo sie dann sieben Tage pro Woche in den Schaufenstern stehen, rund um die Uhr, ohne mit der Wimper zu zucken.“ (siehe Link)

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Echt und Kopie: gleiche Pose, gleiches Kleid und identische Schuhe (Bild oben). Nur die Haut- und Haarfarben differieren und lassen den Schluss zu, dass es sich links um die Schaufensterpuppe handelt.

„Was gilt denn in der Branche derzeit als schön, was für Puppen sind gefragt? »Mehr Make-up, mehr Haare, mehr Pose«, sagt Kevin Arpino, der sich damit selbst nicht besser beschreiben könnte. Er trägt das ganze Jahr gut gebräunten Teint, Undercut-Frisur, schwarze enge Jeans. Mit seiner durchgerauchten Stimme sagt er: »Die guten Mädchen müssen sich wieder abheben von all den gesichtslosen Puppen da draußen.« Denn bis vor Kurzem waren vor allem die »Abstrakten« gefragt, wie sie in der Branche heißen: Schaufensterpuppen ohne Gesichtszüge, ohne Ohren, ohne Haare. Sie sollten nicht ablenken von der Kleidung, sich jedem Stil anpassen. Nicht durch Hautfarbe und Körperform zu sehr einen Typ Kunden ansprechen – und andere abschrecken. Außerdem sparte man sich die ewigen Streitfragen: Zähne oder keine Zähne? Stilisierte oder echte Haare? Brustwarzen sichtbar: ja/nein?“ 

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Reparatur und Headchange: drei sitzende Iras von Adel Rootstein werden erneuert, d.h. durch ein Make-Over wieder für ein Schaufenster aufgepeppt. Die zwei Figuren links tragen skulpturierte Haare, wonach keine Perücke mehr notwendig ist. Bei Sammlern sind solche nur sehr selten anzutreffen.

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Von einigen Sammlern sind speziell frisierte Hartschalenperücken von Adel Rootstein sehr beliebt. Im Bild wird ein Torso einer Ulla bei Rootstein mit einer Kurzhaarperücke gestylt. Weitere Informationen über Ulla van Zeller im Link unten:

Blogbeitrag über „Ulla van Zeller“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Rootsteins Drama Diva Ulla van Zeller mit der Nummer DI08

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Begriffe unterliegen einem kulturbedingten Wandel; und wenn das Wort „Diva“ direkt aus dem lateinischen Adjektiv „divus“ für „göttlich“ hergeleitet werden kann, gehören heute mehr Attribute zu einer „Diva“, wie in einer sehr intelligenten Aufarbeitung der Begriffsveränderung gezeigt wurde. „Diva – Die Inszenierung der übermenschlichen Frau“ heisst das Buch, auf dessen Inhalt wir hier nicht näher eingehen. Die in der Zürcher Universität publizierte Rezension von Barbara Straumann enthüllt uns schon einiges, was diesbezüglich in der Musik- und Kunstwissenschaft diskutiert wird. Im Kontrast zum gängigen Frauenbild des 19. und 20. Jh. verkörperten Diven Unabhängigkeit und Selbständigkeit, was aber mit den Moralvorstellungen absolut konform war. Heftig umstritten in der Schärfung des Begriffs sind zwei sich unterscheidende Standpunkte, wobei der Eine das Selbstreferenzielle und der Andere den künstlerischen Inhalt einer Darbietung im Vordergrund sehen möchte. Eine Diva inszeniere sich unablässig selbst, wobei die Bewunderung ihrer Kunst und nicht ihrer Persönlichkeit gelte. Dies liesse sich nicht so einfach trennen, meinen Blank und Grotjean, da das eigentliche Werk und das Image der Künstlerin sehr eng miteinander verwoben sei. Sehr interessant im letzten Abschnitt von Straumanns Arbeit wird Clemens Risi zitiert, der eine Verschiebung von der vokalen Selbstinszenierung früherer Diven hin zu einem visuellen Entwurf sieht, wobei er die Pose als „Ersatz- und Kompensationsstrategie“ bezeichnet. Vielleicht lässt sich daraus tatsächlich eine Kompensation „für das fehlende Geheimnis“ sowie „für das fehlende Unverwechselbare“ herleiten und interpretieren, was durch die Dramaturgie in einer Inszenierung viel leichter gelingt.

Rezension Barbara Straumann (Diva)

Vielleicht gelingt es viel eher, die verkrampften Gesten und diese aussergewöhnlichen Verrenkungen der Mannequins von Adel Rootstein aus der Serie „Drama Divas“  nach der Durchsicht des oben Gesagten zu verstehen. Zugegeben: als ich das erste Mal die „Irene“ sah, dachte ich, „was ist denn mit der los?“.

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Ich wüsste jetzt so spontan kein Hersteller von Schaufensterfiguren, der solch exaltierte Posen der in Kunstharz gegossenen Modells, wie z.B. bei der Ulla (Bild oben) zuerkannte.

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Hier sitzt die echte Ulla van Zeller neben ihrem Rootstein-Mannequin, welches eines von mehreren Posen des berühmten deutschen Fotomodells zeigt.

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Vergleichsweise moderat kommt die Ulla van Zeller aus der Rootstein-Serie „Drama Divas“ mit der Figurennummer DI08 daher. Erkennungszeichen: etwas wulstige, volle Lippen, markante Nase, grosse Augen, Körbchengrösse 75A und rd. 1,80 Meter gross.

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Meine Ulla (DI08) ist in einem sehr guten Zustand, muss einfach noch gründlich gereinigt und etwas restauriert werden. Neu lackiert mit einem tollen Make-Up ausgestattet, ist sie eine wahre Augenweide, wie ich eine vollständig restaurierte Ulla van Zeller im Internet auf einer amerikanischen Plattform entdeckte:

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Hier in Ergänzung dazu noch einige schöne Fotos dieser „Gazelle“ mit den ellenlangen Beinen:

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Linkm folgt

 

Adel Rootstein’s Kathy Davies, mit der Nummer M6 aus der Serie „Runway GEO“

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„…. you will be caught by that Runway Magic. (dt. „…Sie werden ergriffen sein von dieser Laufsteg Magie)“

So klingt ein Ausschnitt aus dem Werbetext von Adel Rootstein’s Serie von 1986 „Runway GEO“, in welcher drei Models mit den Namen Fiona Hamilton, Kathy Davies und GEO in Kunstharz verewigt wurden.

flickr, Runway GEO Katalog, Zsolt Poka

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flickr, Chase Connery, Runway GEO Katalog

Die wunderschöne Fiona Hamilton (Nr. M2) mit dem Grübchen am Kinn (untrügliches Erkennungsmerkmal von ihr) habe ich hier vor über einem Jahr einmal vorgestellt:

Beitrag im Blog über Fiona Hamilton M2

Auch eine GEO aus dieser Serie (Nr. M7) ist ein Bestandteil meiner Sammlung:

Beitrag im Blog über GEO Nr. M7

Der Sammler Danny Letton hat freundlicherweise die Liste auf „flickr“ veröffentlicht, in welcher die Seriennummern den Mannequinnamen gegenübergestellt sind. Thank you!

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flickr, Chase Connery, Liste von Danny Letton (Serie Runway GEO)

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Vor kurzem erwarb ich eine Kathy Davies M6 aus der Serie „Runway GEO“ von Rootstein, die noch restauriert werden muss (beide Ohren beschädigt).

Sie besitzt eine fantastische Haltung:

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Im Internet findet man nur sehr wenige Informationen über diese Vintage-Figur.

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Zur Zeit ist diese Schaufensterfigur in komplett überarbeiteter und restaurierter Form (sog. „Make-over“) in den USA für $ 700.- zu haben.

Kathy Davies M6, komplett restauriert bei „CultureVultureVintage“ in den USA

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Die vier „B’s“: Betty, Belle, Bonnie und Britt aus der New John Nissen / Schläppi-Serie „Liberty“, mit den Nummern A01 bis A18

Betty, Belle, Bonnie und Britt heissen die Damen in Kunstharz, die zusammen in einer Serie namens „Liberty“ von New John Nissen und Schläppi auf den Markt gebracht wurden. Achtzehn Figuren in verschiedenen Stellungen sind es insgesamt. Man konnte sie mit vier verschiedenen Kopfformen bestellen……

Frei sein, frei denken wollen und dürfen – Freiheit im erweiterten Sinne auch als eine Befreiung und Emanzipation gedacht. So dürfte dieses Schlagwort der 70er und 80-er Jahre bei der Konzeption dieser Mannequinserie „Liberty“ von New John Nissen / Schläppi bewusst eingesetzt worden sein. Während Schaufensterfiguren aus den 50er- und 60er Jahren eher steif und wie Litfasssäulen dastanden, präsentierten sich damals die Mannequins der neuen Zeit entsprechend in emotionalen Posen. Die Figur Nr. A12 von der Serie „Liberty“ ist ein perfektes Beispiel, wie Gesten auf das Unterbewusstsein des Betrachters einwirken sollten. Hinter Glas, in den Schaufenstern, standen doch die Trägerinnen jener schönen Kleidung, welche Sehnsüchte auszulösen hatten. „The heart will go on…“ singt Céline Dion in einer der romantischsten Szenen der Filmgeschichte, während Kate Winslet die Arme ausbreitend am Bug der „Titanic“ steht und sich von Leonardo di Caprio haltend in sicheren Händen wähnt.

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Kate Winslet im Film „Titanic“ mit der berühmten Geste

Frei sein wie ein Vogel! Die A12 hat gemäss Katalog eine (Flügel-)Spannweite von 1,67 Meter.

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Nun ist eine meiner Figuren in der Schulterkupplung mit „A12“ angeschrieben. Die selbe Beinstellung finden wir bei der A01, A05 und A06. Die Ausrichtung des Kopfes ist bei der A05, A06 und A12 geradeaus, während der Blick bei der A01 etwas nach links gedreht ist. Für jede Stellung gibt es vier verschiedene Köpfe. Während die A12 im Katalog den Kopf von Britt besitzt, wurde meine A12 mit dem Kussmund von Belle ausgestattet. Doch die Arme sind falsch.

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Links wurde ein Arm einer PW 18 oder PW 04 Figur aus der Serie „Beauties“ eingesetzt.

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Auf dem rechten Arm steht ziemlich unleserlich PW 21. Dieser stammt ebenfalls aus der Serie „Beauties„.

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Meine zweite Schaufensterfigur aus der Serie „Liberty“ von New John Nissen / Schläppi weist seitlich die Bezeichnung „A05“ auf, die aber durchgestrichen scheint. Es ist mit sehr grosser Wahrscheinlichkeit eine A05 mit Belle-Kopf.

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Bei diesem rechten Arm wurde die Bezeichnung in rot „A5“ durchgestrichen; hingegen weist die Gravur „A6“ auf die ursprüngliche Bezeichnung hin.

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Beim linken Arm wurde alles durchgestrichen und nur noch die Gravur „D9“ zeigt, dass es sich hier um einen Arm aus einer anderen (mir unbekannten) Serie handelt.

Wie schon an anderen Stellen hier im Blog erwähnt, haben die Dekorateure damals die Komponenten ausgetauscht, weil sie grundsätzlich innerhalb einer Serie, oder mehreren Serien, untereinander kompatibel waren.

Die New John Nissen / Schläppi Figur „Liberty“ A05 hält den linken Arm mit gespreizten Fingern in einer eher seltenen Pose hoch, weshalb bei meiner A05 ein komplett anderer Arm verwendet wurde. Im Katalog ist die A05 mit Britt-Kopf abgebildet. Das Mannequin von mir besitzt einen Belle-Kopf, wie bei jener Schaufensterpuppe von Dolls‘ Village.

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Dolls‘ Village, flickr, New John Nissen A05 mit Belle-Kopf

Der gesamte „Liberty“-Katalog ist bei Zsolt Poka (flickr) abrufbar:

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Zsolt Poka, flickr, New John Nissen Katalog „Liberty“

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Nachruf zum Tod von Ralf Bischoff

Eine der schillerndsten Persönlichkeit unter den Sammlern von Schaufensterfiguren ist am 31. Mai 2018 von uns gegangen. Die Nachricht hat mich erschüttert, nachdem ich sie gestern von einer Kollegin erfuhr. Es war nicht ungewöhnlich, dass wir über Tage, oder einige Wochen lang keinen Kontakt hatten, während es wiederum Phasen gab, wo wir uns praktisch täglich Bilder schickten und Informationen austauschten. Ralf wusste viel über Mannequins und arbeitete früher rd. 10 Jahre lang für einen der Marktführer in der Branche, für Adel Rootstein. Er war ein Perfektionist; in diesem Punkt waren wir uns in gewisser Weise ähnlich und er stylte seine Schaufensterfiguren sehr aufwändig. Wenn ich in unseren Gesprächen den Begriff „Schaufensterpuppe“ verwendete, zischte er „das sind keine Puppen… Das sind Mannequins!“, wobei er das „..uins..“ deutlich hervorhob. Als er bemerkte, dass ich ihn ab und an mit dem Begriff etwas necken wollte, gab er es auf mich zu korrigieren. Für ihn gab es einerseits die Laien und andererseits die Profis; und es störte ihn manchmal, dass ich als professioneller Sammler wie ein Laie den Begriff „Puppe“ verwendete. Natürlich gehört eine distinguierte Ausdrucksweise in die Branche der Schönen und Reichen, wo die bestbezahltesten Modells Gazellen gleich herumlaufen; und selbstverständlich wären diese Damen, welche von Rootstein kopiert und aufwändig in Kunstharz gegossen wurden, nicht sehr erfreut nur als „Doll“ (= Puppe) bezeichnet zu werden. Aber in der Schweiz hat sich der Begriff „Mannequin“ für Schaufensterpuppen noch nicht so herumgesprochen. Diese Geschichte hier verdeutlicht einen Charakterzug von Ralf, der ein deutliches Wesensmerkmal von ihm war. Je mehr man sein Vertrauen gewinnen konnte und je besser man ihn kennenlernen durfte, desto eher zeigte er auch langsam seine verwundbarste Seite. Korrektheit war ihm sehr wichtig. Zudem besass er einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Manchmal lauschte ich seinen Anekdoten, die er aus der Zeit bei Adel Rootstein zu erzählen wusste, wonach ich ihm vorschlug, er möge doch diese alle aufschreiben, um sie später in meinem Mannequin-Blog zu publizieren. Nun, nachdem er gestorben ist, mache ich mir ein wenig Vorwürfe, nicht mehr darauf gedrängt zu haben, denn die Geschichten waren spannend, manchmal sehr amüsant und allgemein unterhaltsam. Unlängst erklärte er mir am Telefon, anlässlich des Besuchs von Dianne Brill in Zürich diesen Frühling, wie er in den Besitz seiner Figur von Dianne Brill gekommen war. Leider kann ich diese tolle Geschichte nicht in der selben Authentizität und Frische wiedergeben, wie er es vermochte. Als er als junger Mann bei Adel Rootstein arbeitete, war er natürlich auch immer an den diversen Präsentationen von Neuheiten eingeladen. So war er auch an einer Veranstaltung anlässlich der Markteinführung der Schaufensterfigur von Dianne Brill, an welcher sie persönlich anwesend war. Sie stand wie ein Hollywood-Star im Mittelpunkt der Party und für viele war es schon ein Erfolg, ein Autogramm bekommen zu haben. Nachdem Ralf die begehrte Unterschrift erhalten hatte, schien sich diese umschwärmte Dame für den jungen Angestellten von Rootstein zu interessieren, von seinem Charme so angetan, dass sie am Ende ihm ein Mannequin von ihr schenkte (ich weiss aber nicht mehr, ob sie diese auch signierte), welche dann zu jenen Figuren verständlicherweise in seiner Sammlung avancierte, die er niemals und für kein Geld der Welt hergegeben hätte. Da gibt es auch diese Geschichte, wonach ein Designer mit dem möglichst realitätsnahen Szenario einer Pool-Situation beauftragt wurde. Dieser nahm dies so wörtlich und liess einen echten Swimming-Pool mit Wasser im Ausstellungsraum bauen, dass er das Budget um ein Mehrfaches überschritt, wonach er gefeuert wurde. Als Ralf mir erzählte, er sei in London bei einem Event einmal Rachel, der echten, 178 cm grossen, jungen Frau in Begleitung ihrer Mutter begegnet, machte er mich schon ein wenig neidisch….. (siehe meinen Beitrag zur Rachel im Blog).

Nun hat der Wind seine Worte, seine Erzählungen hinweg getragen und uns bleiben die Erinnerungen an einen hilfsbereiten Menschen, der (wenn man es brauchte) auch mal ein offenes Ohr und Verständnis für ein persönliches Anliegen hatte. In diesem Sinne wünsche ich ihm den verdienten Frieden und seinen Angehörigen viel Kraft den Verlust eines geliebten Menschen zu überwinden.

In aufrichtiger Anteilnahme

Todesanzeige von Ralf Bischoff

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Ralf schickte mir am 20.05.2018 dieses Bild mit der Zypressenallée im Hintergrund und mit drei seiner Mannequins…… alle in Schwarz gekleidet… Eine Blonde, eine Rothaarige und die Angie in einer schwarzen Kurzhaarfrisur…