Das Mannequin aus der Manufaktur von Hans Boodt mit der Nr. F4201 aus der Serie „Blend“

Blättert man zurück in der Filmgeschichte, dann erkennt man als Protagonistin im Film „Alien“ von 1979 die Schauspielerin Sigourney Weaver als (Zitat) „Blaupause für harte Hollywoodheldinnen“. In einem Spiegel-Interview vom 16.09.2004 wurde sie so genannt, da später sich in den 80er-Jahren das Frauenbild entscheidend wandelte. Zitat aus „1980er Jahre: das Supermodell“: „Sie alle waren groß, athletisch und berühmt für ihre langen Beine. Gesunde Kurven waren wichtig für die Amazonen der 80er und damit auch für normale Frauen realisierbar. Sport wurde essentiell, um an die neue Traumfigur zu kommen, am liebsten mit den Aerobic-Videos von Jane Fonda.“ (Zitat aus The stylebook – Das Schönheitsideal im Wandel der Zeit ) „Elle „The Body“ Macpherson wurde mit ihren 182 cm Körpergröße zum Model-Favoriten.“ 

Starke Frauen erschienen auf den Kinoleinwänden, sowohl in Hollywood, als auch in Frankreich, wo einer meiner Lieblingsregisseure Luc Besson, 1990 den Film „Nikita“ herausbrachte und seine besondere Qualität als Avantgardist unter Beweis stellte. Einen Vorgeschmack auf sein Frauenbild, erhält man bereits im Film „Subway“ mit Isabelle Adjani in der weiblichen Hauptrolle, aber im Film „Nikita“ wird die Frau selbstbewusst, kämpferisch und stark, hingegen auch erotisch, zerbrechlich und mit allen Bedürfnissen zur Weiblichkeit dargestellt. Einerseits war man von dieser Frauenpower angetan, doch andererseits zerstörte sie manche Vorstellung von herkömmlichen Geschlechterrollen, in denen bis spät in die 70er-Jahre hinein Weiblichkeit mit „schwach“ assoziiert wurde. Als der Siegeszug der Emanzipation die Frauen auf ihre Positionen der Gleichberechtigung setzte, mag der eine oder andere Mann schon gedacht haben, die mythische Xanthippe sei in einigen dieser kämpferischen Wesen erwacht. Solch erstrittene Unabhängigkeit war gewöhnungsbedürftig. Doch bereits emanzipierte Männer sollten keine Angst vor starken, selbstbewussten Frauen haben, was uns ebenfalls Luc Besson in seinem Kultfilm „Das fünfte Element“ vor Augen führen will. Die weibliche Hauptrolle Leeloo wird von Milla Jovovich gespielt, einem Topmodel der 90er-Jahre. Das Drehbuch entstand bereits 1990. Der Film kam 1997 in die Kinos. Besson lässt den Pater sagen: „Wecken Sie sie auf. Ich bin gleich wieder da. Aber bitte seien Sie vorsichtig. Sie ist das wertvollste, was die Menschheit besitzt. Sie ist einfach perfekt.“ Leeloo ist das Konglomerat von Macht, sowie Sex-Appeal, verbunden mit etwas Mysteriösem; ist eine geballte Ladung Frauenpower, in der eben perfekten Mischung. Nadja Atwal durfte sich „die schönste Powerfrau der USA und aller Zeiten“ nennen, als sie vom berühmten US-Mode- und Schönheitsmagazin „Viva Glam“ entsprechend gekürt wurde und namhafte Grössen wie Gisela Bündchen und Heidi Klum hinter sich liess (Die Welt – Interview mit Nadja Atwal ).

Nun bedeutet das englische Wort „blend“ dieses Mischungsverhältnis, welches sich auch auf die miteinander verschmelzenden, unterschiedlichen Eigenschaften eines Menschen beziehen kann, wie einerseits Powerfrau und andererseits weiblich, sowie sexy sein und  Familienmensch bleiben. „Ihren Erfolg sieht Atwal auch in ihrer Familie begründet, die einen sehr hohen Stellenwert für sie hat. „Ich bin eine glückliche Geschäftsfrau“, sagt sie. „Aber ich bin eine noch glücklichere Ehefrau und Mutter.“ Und das mache für sie auch eine wirkliche Powerfrau aus.“ Genau diesen Typ Frau will die Firma Hans Boodt mit ihrer Mannequins-Serie „Blend“ sinngemäss, wie oben erklärt ansprechen.

So heisst es im Begleittext zu dieser Serie von Hans Boodt auf ihrer Webseite: „Unsere realistische Schaufensterpuppen BLEND Kollektion zeigt auf ganzer Linie eine selbstbewusste Ausstrahlung, die städtischen Chic und Robustheit mit einem urbanen Look kombiniert und gleichzeitig einen Touch von High-Society ausstrahlt.“

 

serie-blend-001.jpg

So einfach ihre nicht exaltierte Pose wirkt: als ich zum ersten Mal vor der F4201 stand, wurde ich sofort in ihren Bann gezogen und mit ihren 185 cm Körpergrösse, sowie ihren wohlproportionierten Körper, wirkte sie genau auf diese Weise wie oben beschrieben: stark, selbstbewusst, weiblich und sexy – eben „blend“.

Sigourney Weaver wurde nach dem Thema gefragt überaus deutlich: „Angelina (Jolie) ist eine tolle Schauspielerin, aber ihre Rolle (in Lara Croft) beschränkt sich darauf, das Böse mit simpler Waffengewalt zu bekämpfen. Ich finde es ziemlich schade, dass man einer Schauspielerin vom Kaliber einer Angelina Jolie nicht mehr Spielraum lässt, um diesen Charakter Lara Croft mit einem Hauch mehr Intelligenz zu gestalten. Man hat sie zu sehr reduziert auf die Figur aus dem gleichnamigen Videospiel. Dicke Brüste, enge Shorts und eine Knarre in der Hand, das allein reicht in meinen Augen noch nicht, um einen weiblichen Hero zu kreieren.“

1977 begegnete ich einer strohblonden, grossen Holländerin. Sie war sexy, weiblich und sehr selbstbewusst und vor allem ausserordentlich sportlich. Marthe L. wurde Dritte in den Europameisterschaften im Eisschnelllauf der Frauen. Nach meiner Erinnerung war es die erste wirkliche Powerfrau und Amazone, welcher ich in meinem Leben begegnete! Nein, ich habe keine Angst vor starken Frauen, auch von der F4201 nicht, die mich sehr an Marthe und an ihre Zwillingsschwester Alide L. erinnert.

 

 

 

x

Dianne de Witt, ein Topmodel der 80er-Jahre. In der Serie Lipstick & Compact von Adel Rootstein gibt es sie in vier Posen: LS5, LS8a, LS10 und LS11.

Wenn ich an Dianne de Witt denke, dann fallen mir zuerst die beiden Worte ein: „Pure glamour!“ Sie ist ein Star auf dem Laufsteg! Sie ist nicht nur schön, sondern verströmt eine besondere Aura, einen Glanz, der sie zu einer unvergleichlichen, eleganten Frau macht. Aus meiner Sicht spielt sie auf dem Laufsteg in einer eigenen Liga. Sie besitzt eine sagenhafte Ausstrahlung; und die Sammlerinnen und Sammler von Mannequins lieben diese lebensechten Figuren von Adel Rootstein. Es gibt sie in vier Posen, wobei sie einmal sitzt (LS10) und drei Mal steht (LS5, LS8a und LS11). Bei der Schaufensterfigur mit der Nummer LS8a nimmt sie die selbe Pose ein wie Alessandra Signorelli (LS8) und schaut seitlich, stolz über die linke Schulter.

Die Google-Suchmaschine verrät uns, dass nicht alle Autoren, die über Dianne schreiben und Fotos ins Internet stellen, ihren Namen richtig schreiben. So kommen die Varianten „Diane deWitt“ und „Dianne DeWitt“, sowie weitere vor. Richtig ist hingegen „Dianne de Witt“.

Ursprünglich hiess die Serie „Lipstick & Compact“, in welcher die Figuren von Dianne integriert waren. Diese wurde aber verkleinert und als Serienname aus dem Programm entfernt, wobei einzelne Mannequins in der neuen Serie „Classics“ eingebunden wurden, darunter sämtliche Dianne de Witt-Figuren mit den ursprünglichen Seriennummern. In dieser Serie sind auch Mannequins wie Jan Strimple (V1), Victoria (X10) und Kim Harris (X3), aus der ehemaligen Serie „Body Gossip“, sowie die liegende Sascha (H9) integriert.

Rootstein Serie „Classics“

Gisela Mindt z.B. ist nicht mehr dabei. Wer noch die alten Kataloge besitzt, oder weiss, wie man im Internet zu Informationen kommt, kann noch die Personennamen mit den Seriennummern in Verbindung bringen. In der neuen „Classics“-Serie fehlen die Namen.

Als ich vor einigen Jahren die ersten Fotos einer Schaufensterfigur mit tiefblauen Augen aus Glas auf dem Account von Ivan sah, war ich sprachlos. „Enchanting“ stand unter dem Bild; zauberhaft, tatsächlich (siehe Bild unten)!

__7004310860_fe81238d0e_o.jpg

flickr Ivan, Dianne de Witt, „Enchanting“

Bei einem anderen Bild verrät der Sammler Ivan, der dieses Mannequin bei Dash-n-dazzle in den USA komplett restaurieren liess (sog. „Make over“), dass es sich um die Dianne de Witt handelt und ich nahm mir fest vor auch irgendwann eine Dianne zu Hause zu haben. Inzwischen habe ich die LS5 drei Mal, die LS8a doppelt und die LS10 ein Mal.

Beim Recherchieren, fand ich faszinierende Bilder von ihr im Internet, u.a. dieses (Bild unten) von ihr auf dem Cover der italienischen Modezeitschrift Harper’s Bazaar. Es ist unglaublich; dieser Blick zieht einem fast in Bann:

__907full-dianne-dewitt.jpg

Dianne de Witt. Cover bei Harper’s Bazaar

042- Dianne de Witt (ijbhouston_hiveminer).jpg

Dianne de Witt 02 (Jim J) Neiman Marcus, geschäft).jpg

Hinweis: Leider ist kein Link mehr auf dieses Foto verfügbar.

Video mit Dianne de Witt

__11311611_1637210429863558_1848836929_n.jpg

imgrum, Dianne de Witt

__Dianne Elegance 1978

imgrum, „Elégance“ Paris, Cover, Dianne de Witt 1978

Gemäss Link handelt es sich hier auch um Dianne de Witt, die für Frances Denney ein halbes Jahr früher (Herbst 1977), ein für damalige Zeiten typisches Smokey Eyes Makeup trug.

__54247835_165717560992739_6831142199467951765_n.jpg

Link zum obigen Bild

001-Dianne De Witt, 1984.jpg

Dianne de Witt 1984 in der italienischen Modezeitschrift „Vogue“ auf einem Foto, das zu einem Artikel unter dem Titel „Oro-Mania“ (Goldrausch) aufgenommen wurde.

Dianne de Witt „Vogue“ 1984

 

5708725498_1fd4b539a6_o.jpg

Dianne de Witt von Adel Rootstein mit der Seriennummer LS5 (oben), restauriert und mit Glasaugen versehen. Im Besitz von Ivan in Houston (USA).

flickr, Ivan, Dianne de Witt, Rootstein, LS5 mit Glasaugen

000a-rootstein-katalog-dianne-de-witt-ls5.jpg

Dianne de Witt in LS5-Pose im Rootstein-Katalog

315 Dianne De Witt.jpg

Die englische Firma „Mannequin Makeover“ hat diese Dianne de Witt (oben) komplett restauriert und ebenfalls Glasaugen eingearbeitet. Im Vergleich sieht man deutlich, dass die graublaue Farbe möglichst naturgetreu derer der echten Dianne de Witt angepasst wurde. Gewählt wurde ein „smokey eyes“-Makeup

314 Dianne De Witt.jpg

309 Dianne De Witt.jpg

Auch mit einer schwarzen Perücke sieht sie toll aus! Bei einer Restaurierung wird aber nicht nur das Makeup erneuert, sondern es werden auch die Fuss- und Fingernägel gestrichen und die Brustwarzen bemalt, damit die ganze Figur möglichst echt aussieht.

306 Dianne De Witt.jpg

Mannequin Makeovers, Adel Rootstein, Dianne de Witt, LS5 mit Glasaugen

Dieser Link ist nicht mehr verfügbar / This link is not anymore valid

Die Webseite von Mannequin-Makeover wird bald wieder aufgeschaltet / The Website of mannequin-makeover will be running soon.

Mannequin-Makeover Webseite

You Tube: Dianne de Witt

 

 

 

 

 

 

Jenny: ein Mannequin aus der Serie „Beauties“ von New John Nissen mit der Nummer PW22

Ein wenig herrisch wirkt sie schon, die Jenny, in der PW22-Pose von New John Nissen, dem belgischen Hersteller von Mannequins. Sässe man etwas tiefer vor ihr, würde sie auf einem herab blicken, dominant, mit in die Hüften gestützten Armen, so als wollte sie einem zur Rede stellen. Ich finde diese spezielle Haltung in der Serie „Beauties“ äusserst spannend und sehr attraktiv. Es scheint, als würde sie gleich sagen: „Du Kleiner, pass mal auf: ich sag‘ Dir schon wo’s lang geht…!“.

 

NJN Beauties PW22 01.jpg

New John Nissen, Beauties, PW22, Jenny (Zsolt Poka, flickr)

20180718_221251
Jenny aus einer tieferen (Sitz-)Position aus gesehen. Aus dieser Perspektive wirkt sie schon dominant und so, als wollte sie eben sagen: „Pass ‚mal auf Kleiner….!“

20180718_221413.jpg

20180718_221149.jpg

20180718_221630
Eine zweite Jenny PW22 von New John Nissen aus der Serie „Beauties“ ist stark beschädigt und nur mit einem Arm ausgestattet.