Die atemberaubende „Leslie“ mit der Seriennummer PW03 aus der Serie „Beauties“ von new John Nissen

Jenny, Leslie und Grace sind die drei Kopfvarianten innerhalb der Serie „Beauties“ von New John Nissen. Über die verträumte Grace habe ich bereits einen Artikel geschrieben: 

Lady Caroline Percy aus der Serie „Aristocrats“ von Adel Rootstein mit der Seriennummer AG01

Aufgrund der weltweiten Vernetzung über die sozialen Medien und Kontakte zu vielen professionellen Sammlerinnen und Sammler von Schaufensterpuppen, rund um den Globus, erhielt ich von einem in der Branche sehr bekannten US-Amerikaner im Juli 2021 den Hinweis, dass es sich bei dem von mir gezeigten Mannequin der Firma Adel Rootstein, aus der Serie „Aristocrats“ mit der Seriennummer AG01 nicht um Lady Jacqueline Rufus Isaacs handeln kann, wie ursprünglich angenommen. Bei der Identifikation verwendete ich eine Liste aller Rootstein-Serien, mit den dazu gehörenden Nummern und Namen, wobei einige der Nummern mit dem in rot geschriebenen Vermerk „not identified“ (nicht identifiziert) gekennzeichnet sind. Von einigen dutzend Serien, sowie einigen hundert verschiedenen Figuren, sind gerade einmal zwei Serien („Go Go“ von 1960 und „Aristocrats“ von 1968) und ein knappes Dutzend Namen von diesem Umstand betroffen. Sie gehören zu den ältesten Serien von Adel Rootstein – über 50 und bis zu 60 Jahre alt – , da kann es verständlicherweise zu Fehlern bei der Identifikation kommen. In der mir zur Verfügung stehenden, offiziellen Liste steht bei der Serienbezeichnung „Aristocrats“ unter Nummer AG01 Lady Jacqueline Rufus Isaacs, weshalb ich umfangreiche Recherchen über diese Person anstellte und am 12.06.2021 hier publizierte (siehe Link unten, bald auch mit der korrigierten Fassung).

https://faszination-mannequins-schaufensterfiguren.blog/2021/07/

Diese Figur war kein „Schläppi“-, sondern ein Rootstein-Mannequin, mit der Seriennummer AG01 aus dem Jahr 1968.

Bereits beim Ankauf des Mannequins war ich am Anfang etwas irritiert, da der Verkäufer im Inserat schrieb, es handle sich um eine Figur von der Schweizer Firma Schläppi und ich mir dazu keinen Reim machen konnte. Zu verschieden sind die typischen Merkmale. Bei der Abholung war mir schnell klar, dass es eine Rootstein-Figur war und nachdem ich die Seriennummer ablesen konnte, begann ich mit den Nachforschungen. Dazu gesellte sich die Hilfe von zwei Sammlerkollegen, David Williams und Zsolt Poka, welcher mir sogar einige Seiten des originalen Katalogs zuschickte; ein unverzichtbares Instrument, bei der Identifikation einer Schaufensterpuppe (siehe Bilder unten). 

Titelseite des Rootsteinkatalogs der Serie „Aristocrats“ aus dem Jahr 1968
Lady Caroline Percy mit der Seriennummer AG01 von Adel Rootstein, Serie „Aristocrats“.
Bild der real lebenden Lady Caroline Percy https://www.flickr.com/photos/fawbs/7494216402

Mir fiel natürlich schon auf, dass meine neu erworbene Schaufensterpuppe eine andere Gesichtsphysiognomie besass als Lady Jacqueline Rufus Isaacs. Doch ich vertraute der oben genannten Liste, in der Lady Caroline Percy nicht enthalten war. Doch Letztere stand für die Figur AG01 Modell – und somit kann von den „not identified“-Figuren eine zweifelsfrei zugeordnet werden.

Wie in meinem Blog hier schon an anderer Stelle beschrieben, sind bei diversen Herstellern (Rootstein, Hindsgaul, New John Nissen usw.) innerhalb einer Serie die diversen Teile (Arme, Beine, Torsen) untereinander austauschbar, da die Verbindungen absichtlich so konstruiert wurden. Manchmal waren die Teile sogar serienübergreifend kompatibel. Sofort fällt auf, dass meine Caroline nicht die selben Beine hat, wie im Katalog. Sie besitzt die Beine von der Figur AG12 (siehe Bild) und die Arme sind auch von anderen Posen zusammengestellt worden. 

Manchmal wurden innerhalb einer Serie von Schaufensterfiguren die untereinander kompatiblen Einzelteile (Arme, Beine und Torsen) individuell zusammengestellt, nicht „streng“ nach Massgabe des Kataloges. Bei meiner neuen Lady Caroline Percy mit der Nummer AG01 (Torso), sind die Beine von der Pose AG12 und die Arme auch von anderen Posen innerhalb der Serie.

Lady Caroline Percy ist am 03.05.1947 in England als Tochter des 10. Duke of Northumberland (Hugh Percy) und der Duchesse of Northumberland (Elizabeth Diana Percy) geboren (Quelle: peoplepill.com).  In der Serie „Aristocrats“ sind einige britische Berühmtheiten der damaligen Zeit repräsentiert: Lady Mary Gaye Curzon, Lady Caroline Percy, Lady Jacqueline Rufus Isaacs und  Mrs Laurie Newton Sharp. Die Serie wurde 1968 gefertigt (siehe Link).

https://www.rootstein.com/collections/aristocrats

Meine Lady Caroline Percy geputzt und neu gestylt…..
„Hand made“: 1968 wurden die Schaufensterfiguren noch von Hand und mit dem Pinsel bemalt, weshalb bei diesen alten Mannequins die Struktur sichtbar ist und eine moderne Restaurierung diese zerstören würde….

Almax International, Serie „Mavis“ mit der Seriennummer 3700 – 3720

Vor gut 30 Jahren (1992) hat Almax , eine italienische Manufaktur für Mannequins, welche damals auf allen Kontinenten vertreten war, die Serie „Mavis“ auf den Markt gebracht. Sie taucht in den diversen Sammlungen von Schaufensterfiguren rund um den Globus selten bis gar nicht auf. Zu sehr sind die drei Marken Adel Rootstein, Hindsgaul und New John Nissen im Fokus, wonach Figuren von Almax untervertreten sind, oder ganz fehlen. Von der Serie „Mavis“ wüsste ich spontan niemand, der diesen Figuren noch Aufmerksamkeit schenkt, aus mir nicht näher bekannten Gründen. Umso wichtiger erscheint mir, sie hier zu erwähnen, auch wenn ich selber die Gesichtsphysiognomie nicht als wirklich „grossen Wurf“ bezeichnen würde. Aber dieser Ausdruck ist so eigen und speziell, dass er – vor allem dem etwas geübten, geschulten Auge – sofort auffällt; und das ist und war auch das Ziel, ein Wiedererkennungswert mit einem Mannequin so zu verknüpfen, wonach auch die von ihr getragene Mode im Unterbewusstsein damit assoziiert wird. Jedenfalls brauchte ich nicht mehr als ein paar Sekunden beim erstmaligen Betrachten des Inserates (Bild unten) von einem Dekorationsgeschäft, in dem einige Schaufensterpuppen zum Verkauf standen, um von den Damenfiguren die „Mavis'“ zu identifizieren (die dritte von links, vorne und die zweite von rechts, hinten).

Mein Verdacht, dass es beim Entfernen des Plastiks, der als Staubschutz diente, eine Überraschung geben könnte, bestätigte sich zwar teilweise. Die schwarzen Klebebänder haften äusserst hartnäckig und sind nur mit viel Geschick sowie Übung in nützlicher Zeit zu entfernen. Immerhin waren die beiden Figuren, die ich kaufte (von insgesamt 4 Damenfiguren von der Serie „Mavis“, welche zum Verkauf standen) unbeschädigt. Doch die Arme waren falsch montiert, was bei praktisch einheitlichen Schulterkupplungen noch schnell passieren kann. Oft stehen den Besitzern keine Kataloge zur Verfügung….. 

Titelseite, Almax Katalog „Mavis“ (Link leider nicht mehr verfügbar; Foto aus meinem Archiv).

Cool, lässig, frisch, dynamisch, modern – 30 Jahre her; Beginn der 90er-Jahre. Das Gesicht trägt schon lange nicht mehr dieses typisch Weibliche, was damals bis anhin geschlechtsspezifisch hervorgehoben wurde. Enge Hose, Stiefletten, kurze, stylische Lederjacke, welche auf die Taille geschnitten und mit kurzen Ärmeln als Blouson etwas Maskulines und Urbanes, Rebellisches an sich hat. Zufällig oder nicht, steht unscharf im Bild hinten rechts ein Motorrad. Das VOGUE-Lexikon verrät uns etwas mehr über die Geschichte und Bedeutung dieses noch bis heute mit einem leichten Stigmata behafteten Kleidungsstück.

https://www.vogue.de/mode/mode-trends/lederjacken

„Der Geschichte der Fliegerjacke zum Trotz kann sie mit ihrer Blouson-Silhouette sowohl von Männern als natürlich auch von Frauen getragen werden. Dabei eignet sie sich perfekt für frische Herbsttage sowie warme Wintertage.“ 

Portrait aus dem „Mavis“-Katalog von Almax. https://artsandculture.google.com/exhibit/almax-mannequins-between-craftsmanship-and-technology/aQKSfar4FgW0Jw

Es mag also durchaus sein, dass die Firma Almax mit der Serie „Mavis“ schon damals auf den frühen Trend reagierte, der sich heute ganz selbstverständlich in die aktuelle Begrifflichkeit einordnet, wobei sowohl männliche als auch weibliche Attribute im Zusammenhang mit der Genderdiskussion mehr und mehr ineinander verschmelzen. Ob diese Intention bei der Gestaltung des Gesichtes eine Rolle gespielt hat, entzieht sich meiner Kenntnis, ist also rein spekulativ, aber ein interessanter Standpunkt.

Das weltberühmte Model Kate Moss im Leder-Blouson https://www.pinterest.de/pin/322640760785239870/

Die Stilikone Kate Moss trägt schon seit Beginn der 90er-Jahre Lederjacken, wie dieses coole, kurzgeschnittene Blouson, wie es ähnlich die „Mavis“ auf dem Titelblatt der Almax-Serie trägt.

Almax International, Serie „Mavis“, Nr. 3700 (rechts) und 3708 (links), kurz nach dem Kauf und vor dem Verlad, bzw. dem Nachhauseweg. Einen Teil der schwarzen, silbernen und anderen Klebebänder habe ich bereits entfernt. Später hat eine Bekannte die Figuren mit viel Geduld sauber geputzt.

Die zwei gekauften Almax-Figuren aus der Serie „Mavis“ besitzen nun ihre adäquaten Arme, was unschwer einer Überprüfung mit dem Katalog standhält (Bilder unten).

Almax-Katalogseite der Serie „Mavis“. Im unteren Rechteck rechts (im Bild) erkennt man die Pose mit der Nr. 3700 und der Kopfnummer E 68.
Almax „Mavis“, die Figur oben rechts mit der Nr. 3708 ist die Figur links auf dem Foto oben der beiden gekauften Mannequins
Almax „Mavis“ 3700 im Zwischenlager, vor dem „Wellness-Weekend“….
Almax „Mavis“ Nr. 3700 geputzt und bereit für das Fotoshooting.
Almax „Mavis“ Nr. 3700
Almax „Mavis“ Nr. 3708