Verschmitzt lächelndes Mannequin von der Firma Figuren_Jung mit der Nummer SX 24 / SY 24

Ein winziges Inserat erregte meine Aufmerksamkeit. Durch die komplett unscharfen Handybilder der Anbieterin konnte ich kaum erkennen, um welches Mannequin es sich handeln könnte und sich ein Interesse lohnen würde. Das verschmitzt lachende Gesicht gefiel mir doch sehr gut. Ich nahm Kontakt mit der Verkäuferin auf, worauf sie mir weitere Bilder per Smartphone schickte. Anhand der besonderen Schulterkupplung, war mir schnell klar, dass es eine Schaufensterpuppe von Figuren_Jung sein müsste. Auch dieses lachende Gesicht, mit den schmalen Lippen und den sichtbaren Zähnen, waren für mich zweifelsfreie Indizien an eine Jung Figur zu denken. Doch der Preis war zu hoch, die Arme waren falsch, der Weg zur Abholung war ziemlich weit…. Ich schwankte. Doch die Preisverhandlungen verliefen gut, dieses schöne Lachen ging mir nicht mehr aus dem Kopf und ich beruhigte mich in dem Gedanken, ich würde eines Tages einmal die richtigen Arme für die Dame finden; wusste ich ja bereits, dass die Kupplung an der Schulter kreisrund ist und serienübergreifend kompatibel zu allen Armen jener Epoche vom Hersteller Figuren_Jung. Ich fuhr an die Windgfällstrasse im Südschwarzwald, wo nur rd. 200 Meter vom Haus entfernt noch verwüstete Waldgebiete vom Tornado von 2015 zu sehen waren und kaufte die Puppe: eine Jung Figur mit der Nummer SX 24 / SY 24 (links am oberen Gesässrand gestanzt). Im Sommer 2019 könnte ich günstig einige z.T. defekte Schaufensterpuppen ankaufen, bei denen auch Jung-Figuren dabei waren. Von einem dieser Mannequins erhielt meine Lachende zwei passgenaue Arme, in der selben Farbabstimmung, mit den Nummern SZ 16 (links) und SZ 53 (rechts).. Nun ist sie endlich komplett!

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Lächelndes Mannequin von Figuren_Jung mit der Seriennummer SX 24.

Mir ist bisher nicht bekannt, dass ausser Sergej (Serge O. in Moskau / Russland) und ich, jemand eine solche Figur mit der Seriennummer SX 24 besitzt. Sie ist aussergewöhnlich und selten; in der restaurierten Version weltweit ein Unikat.

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Sergej (Serge O.) in Russland hat seine Jung-Figur mit der Nummer SX 24 komplett restauriert (Make-over).

flickr, Serge O. _ Kyoya / Jung-Figuren _ Lachende

„Gorgeous face .. You are very gifted ..“ schrieb ein Sammler auf flickr.

 

Sitzendes Mannequin von der Firma Figuren_Jung mit den Seriennummern SX 39 / SY 39

Herbert Jung hiess die Firma in Nürnberg, welche bereits in den Nachkriegsjahren vor allem funktionelle Schaufensterfiguren mit z.B. mehrgelenkigen Armen herstellte. Nach meinem Wissensstand produzierte diese Manufaktur noch bis in die 90er-Jahre eine Reihe von Mannequinserien, die aber in China gefertigt wurden. Da es darüber kaum mehr Informationen gibt, gehe ich einmal davon aus, es handle sich später um die selbe Firma Figuren_Jung im bayrischen Fürth (s. Foto). Leider sind die Aufkleber mit den silbernen Labels bei den meisten Figuren abgefallen – hier noch ein Beispiel:

Jung Label

In meinen hier publizierten Artikeln spreche ich meist von der Firma „Jung Figuren“, im Gegensatz zu einigen, wenigen Sammlern, welche sich überhaupt noch für diesen Hersteller interessieren. Man möge mir verzeihen; mir liegt meine Version besser, da der Ausdruck Figuren_Jung-Mannequins, oder -Figuren eher zur Verwirrung beiträgt.

Eine der schönsten Mannequins von Figuren_Jung ist die sich mit beiden Armen das Knie haltende, entspannt sitzende SX 39. Diese Seriennummer ist oberhalb des unteren Randes vom Torso, auf der rechten Seite, auf Hüfthöhe eingestanzt und beim Oberrand des Beinelements findet man die Seriennummer SY 39 eingestanzt. Dies ist bei Jung so üblich: „X“ steht für Torso, „Y“ für Beine; die Zahl ist entscheidend bei der Kontrolle, ob alle Teile original sind. Obwohl die Arme original zu dieser Schaufensterpuppe gehören, weisen sie die Seriennummern SZ 85 und SZ 86 (links und rechts) auf, was kein Fehler ist.

Vor über 10 Jahren stiess ich auf die Webseite einer Sammlerin (my best mannequin) und war von dieser Figur sofort hingerissen. Dieser Blick, diese Augen, die Haltung; traumhaft auch das ovale, liebliche Gesicht, toll gestylt! Natürlich geriet sie sofort auf meine Wunschliste. Ich wollte exakt dieselbe Schaufensterfigur in meiner Sammlung haben, dachte ich mir.

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Relaxt sitzt diese junge Frau in einem Lehnsessel im sonnigen Garten. Mit dem entspannten Lächeln strahlt sie Frieden aus, in idyllischer Umgebung. Figuren_Jung SX39

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flick „My best mannequin“

Etwa ein, zwei Jahre später entdeckte ich sie bei Jeanette, einer Sammlerkollegin, auf ihrem Internet-Blog und die „alte Liebe“ flammte sofort wieder auf: unbedingt musste ich eine solche Figur haben! Doch sie ist so selten, dass man sie kaum findet.

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Sitzende Figuren_Jung Figur miit der Nr. SX 39 bei Jeanette Wonneberger

beauty schaufensterpuppen_figuren jung, Seite 2

Dann entdeckte ich sie plötzlich Jahre später in einem kleinen Inserat und kaufte sie der netten Dame aus dem Emmental (Bern) gleich ab. Seither sitzt sie auf einem weissen Sofa in bester Gesellschaft neben Dianne de Witt (Rootstein) und Grace (New John Nissen / Schläppi), frisch geputzt und gestylt und wartet auf den nächsten Fototermin, welchen ich mit ihr ganz sicher bei Gelegenheit einmal in einem Studio, oder draussen machen werde!

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Grace, Dianne de Witt und die Jung-Figur SX 39 als Sitzgrüppchen vor dem Cheminée….

Dieser Beitrag wurde komplett am 08.04.2020 überarbeitet….

 

 

Almax und das Baukastenprinzip bei der Mannequin-Serie „Phase II“ – Die Idee der Kombination von Körperteilen, am Beispiel von Nr. 238 (Torso), 224 (Arme) und Beine (229)

Mannequins von Adel Rootstein, Hindsgaul und New John Nissen sind bei Sammler generell begehrter, als solche von Almax, von Jung-Figuren und Moch. Das hat diverse Gründe. Ich werde diese bei Gelegenheit in einem separaten Beitrag etwas näher ausleuchten. So sind von den drei erstgenannten Herstellern Kataloge zugänglicher (z.B. im Internet), als von den Letztgenannten. Eine Almax zu identifizieren kann zu einer echten Knacknuss werden, da man ausser einem Label und einer Nummer sehr oft keine anderen Informationen zur Verfügung hat. Mit der Zeit lernt man die Merkmale zu erkennen, die auf eine bestimmte Epoche bezogen augenfällig sind, z.B. das Make-Up, die Gesichtsform, oder andere, auch technische Attribute, wie runde Schulterkupplungen usw.. Dieses schöne Mannequin (Bild unten) weckte sofort meine Neugierde, als ich es in einem Inserat im Internet entdeckte; eine Pose, wie ein Engel ohne Flügel, dachte ich. Noch am selben Tag erwarb ich diese Schaufensterfigur und ging anhand der Merkmale von der Annahme aus, es handle sich um eine Almax-Figur aus der Serie „Phase II“, von denen ich schon einige besass und deshalb bereits ziemlich gut kannte (und bis zu diesem Zeitpunkt gewisse Eigenheiten studierte).

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Anhand verschiedener Attribute, die typisch für Almax-Figuren aus einer bestimmten Epoche sind, ging ich beim Kauf (hier steht die Schöne noch beim Verkäufer) von einer Figur aus der Serie „Phase II“ aus, was richtig war. Dennoch musste ich genau recherchieren, da sie aus verschiedenen Figuren im Baukastenprinzip ursprünglich zusammengestellt wurde….

Das gesamte Gesicht, die Stirn, die hohen Wangen, die Augen, das Kinn und der Mund, aber auch die Form der Knie, sowie der Brüste, die Art der Schulterkupplung und die Proportionen im Taillen- / Beckenbereich deuteten unzweifelhaft auf eine e.t. cranston / Almax Schaufensterfigur hin. Im Inserat stand nichts anderes als „Schaufensterpuppe“; das war nicht viel. Trotz meines Verdachts, der sich nach dem Kauf dann bestätigte, es handle sich um eine Almax aus der Serie „Phase II“, war ich trotzdem mit Recherchen beschäftigt, als ich diese Pose im Katalog von der Serie „Phase II“ nicht 1:1 fand.

Bereits von den anderen Figuren aus dieser Serie, die meine Sammlung bevölkerten, kannte ich dieses eigentümliche Baukastenprinzip der Mannequins aus den 80er-Jahren. Bereits Hindsgaul und Moch hatten ein System entwickelt, bei dem die Körperteile, wie Torso, Beine und Arme im Kupplungsbereich, wo sie miteinander verbunden werden so konstruiert sind, dass sie quasi wie Lego-Elemente austauschbar sind. Almax zog nach und kopierte dieses System, in der Hoffnung mit den Marktführern mitziehen zu können und konkurrenzfähig zu bleiben. „Phase II“ war damals eine der erfolgreichsten Serien von Almax international.

Von der Almax-Serie „Phase II“ gibt es insgesamt 28 verschiedene Modelle, wobei davon 7 in sitzenden und 21 in stehenden Positionen im Katalog abgebildet sind (s. Bilder):

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Beim näheren Hinsehen erkennt man, dass einige Bein- und Armstellungen, sowie die Körperhaltungen bei den Torsos identisch sind. Wir finden sowohl bei der Figur mit der Seriennummer 223, als auch bei denjenigen mit den Nummern 227 und 246, identisch geformte Beine und die angewinkelten, in die Taille hineingestützten Arme, mit den dort anliegenden Handflächen mit eingeknickten Handgelenken, sind bei den Modellen 222, 227, 228 und 238 beidseitig zu sehen, sowie beim linken Arm der Posen 220 und 237 und beim rechten Arm schliesslich bei der Seriennummer 252. Dank diesem neuartigen System, konnte man kostengünstig identische Bauteile herstellen, die untereinander für die grösstmögliche Kompatibilität sorgte. Bei den Bajonettverbindungen im Hüftbereich sind die Begrenzungslinien der Abschlussdeckplatten so geformt, dass sie passgenau sind und die meisten stehenden Figuren besitzen kreisrunde Schulterkupplungen, wonach so eine sehr hohe Zahl von Kombinationsmöglichkeiten entsteht, die natürlich nicht alle im Katalog aufgeführt sind. Almax bot überdies noch 8 verschiedene Köpfe an, die man als Kunde nach den individuellen Bedürfnissen bestellen konnte. So war es möglich mit nur einer Serie ganze Ladenausstattungen und Schaufenstermeilen trotzdem vielfältig zu gestalten.

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Die Kopfnummern E 20, E 21, E 30 und E 37 sind am Kopf eingestanzt und helfen bei der Identifizierung, wenn sie nicht standartmässig zu den Posen wie im Katalog, sondern auf Wunsch bestellt wurden.
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Manche Gesichtsausdrucke sind doch schwer auseinanderzuhalten. Bei der Identifizierung einer Almax Schaufensterpuppe aus der Serie „Phase II“ helfen die am Kopf eingestanzten, zweistelligen E-Nummern. Hier: E22, E33, E 34 und E 36.

Leider steht der Link zum Katalog nicht mehr zur Verfügung.

Meine unten abgebildete Figur ist eine Kombination aus den Beinen von Nr. 229 (Nr. 241 wären ebenfalls identisch), den Armen von Nr. 224 (von Nr. 248 wären auch möglich) und dem Torso mit der Nr. 238 / E 37 (Kopfnummer). Ich finde diese Kombination sehr schön, vor allem, weil sie in der sinnlichen Pose zum sanften Blick von E 37 gut passt.

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Bei Gelegenheit gibt es hier weitere Bilder und Infos. Zu den typischen Merkmalen bei Almax-Figuren aus den Serien „Americana“ und „Phase II“ kann man hier, beim Link, interessante Details nachlesen.

Blogbeitrag „Von den Schwierigkeiten ein Mannequin zu bestimmen“ (Thema Almax)

 

 

 

 

Von Adel Rootstein bis zu Window-Display: Die Palette der wichtigsten Manufakturen von Mannequins

Mehr als zwei Dutzend Hersteller von Schaufensterfiguren haben sich in den letzten 60 Jahren den Markt geteilt und jeder versuchte sich vom Konkurrenten abzuheben. Dabei entstand eine breite Palette von Mannequins, denen sogar lebende Menschen als Vorlage dienten (wie bei Adel Rootstein), oder andere Besonderheiten aufweisen, wie z.B. die erstaunlich naturgetreue Modellierung bei New John Nissen-Figuren. Sammler besitzen ihre Vorlieben; und so gibt es einige, die fokussiert Adel Rootstein-Mannequins, oder Hindsgaul-Figuren sammeln, weshalb man bei diesen Marken in der Regel tiefer in die Tasche greifen muss, als bei anderen Mannequin-Marken. Im teuersten Preissegment sind Schaufensterfiguren zu finden, die aber neu restauriert und in einem sehr guten Zustand sind. Da sich die Kosten für ein sog. Make-Over erst bei seltenen Mannequins sich wirklich lohnt, bleiben die eher weniger beliebten Figuren oft im Originalzustand und sind durch falsche Teile, Risse, Brüche, Kratzer und Abplatzer minderwertig. Meine Sammlung umfasst zur Zeit 14 verschiedene Hersteller, mit insgesamt über 140 Figuren, was sie schweizweit zur grössten und breitestpalettierten Kollektion macht. Die unten aufgeführte Liste folgt keiner bestimmten Logik, Chronologie, oder einem Alphabet, sondern stellt quasi hierarchisch die Reihenfolge meiner persönlichen Vorlieben dar, obwohl die „Grenzen“ nicht klar gezogen sind. Die Yasmin le Bon von Rootstein, die 8424 (Young Look) von Hindsgaul, die liegende Almax, die L9 Act 1 von New John Nissen: sie alle gehören zu meinen Favoriten und sind in diesem Blog beschrieben. Auf die „Sarah“ von New John Nissen habe ich rd. 7 Jahre gewartet. Gegen eine Mitnacht habe ich sogar eine sitzende Ira von Rootstein eingetauscht…. Schönheitsempfinden ist relativ….

Einige der Hersteller produzieren heute noch realistische Schaufensterfiguren, lassen sogar alte Serien wieder aufleben (z.B. „Classic“ bei Adel Rootstein). Wie man sich in diesem „Dschungel“ von Mannequins zurechtfindet, soll eines der Hauptziele dieses Blogs sein. Zudem gibt es von Loutoff z.B. billige Asien-Kopien von hochwertigen Hindsgaul-Figuren (z.B. „Angie“), die offiziell korrekt, aber von Privat auch schon als „echte Vintagepuppe“ im Internet angeboten wurde, was sie definitiv nicht ist. Hier erhält man auch Informationen, die der Bestimmung einer Schaufensterfigur dienen. Anhand der Kolorierung, der Schminke, der Körperproportionen, des Gesichtsausdrucks und der Hüft- und Handverbindungen, sowie Schulterkupplungen kann ein Hersteller eruiert werden, wenn eingestanzte, oder aufgeklebte Labels und Seriennummern (meist gestempelt) fehlen und die Identifikation so erschwert ist. Weitere Erkennungszeichen sind in den jeweiligen Beiträgen zu finden, wie z.B. die Schraube oder Flügelmutter am Rücken der älteren Moch-Figuren, oder dem Gewindebolzen am Handgelenk der Almax usw.

Hier die Liste (zur vorherigen Version vom Februar 2018 etwas abgeändert):

01 Adel Rootstein (England) / 02 Hindsgaul (Dänemark) / 03 New John Nissen (Belgien) / 04 Almax (Italien) / 05 Schläppi (Schweiz) / 06 Hans Boodt (Holland) / 07 Jung-Figuren (Deutschland) / 08 Patina V (USA) / 09 Vaudeville (USA) / 10 Moch (Deutschland) / 11 Decter (USA) / 12 Mitnacht (Deutschland) / 13 Greneker (USA) / 14 Bonami (Belgien) / 15 La Rosa (Italien) / 16 Wolf-Vine (USA) / 17 Filoso (Italien) / 18 Window (Frankreich) / 19 Muckle (Deutschland) / 20 Eurodisplay (Deutschland / Asien) / 21 Siègel (Frankreich) / 22 Loutoff (Asien) / 23 Euroton (Asien) / 24 Bergdorf (Deutschland) / 25 Obermeier (Deutschland) / 26 Levine (?)