Wie entsteht ein Mannequin ? Die Evolution in der Herstellung von Schaufensterfiguren.

Vermutlich hat jeder sich einmal die Frage gestellt, wie ein Mannequin entsteht, nicht nur als leidenschaftlicher Sammler, sondern sicher auch als Passant, wenn Der- oder Diejenige vor den Schaufenstern steht, in dessen Auslagen die kunstvoll hergestellten Puppen Kleider und Accessoires präsentieren und einem zum Kauf animieren. Es gibt Sammlerinnen und Sammler im deutschsprachigen Raum, denen die Nackenhaare, zu Berge stehen, ob vorhanden oder nicht, wenn für die Mannequins der Begriff „Puppen“ verwendet wird. Akzeptabel sei, wenn man „Figuren“ sage, meinte einmal ein Sammler im Gespräch mit mir und erklärte, dass Mädchen Puppen sammeln… Dies ist für mich als ernsthafter Sammler einerseits nachvollziehbar. Andererseits etablierte sich hierzulande in der Schweiz seit jeher der Bezeichnung „Schaufensterpuppe“ und um dem gerecht zu werden, lasse ich selbstverständlich auch diese gelten und verwende sie zuweilen selber, was mir von der Sammler-Gilde hoffentlich verziehen sei. Man will ja diese Exklusivität der wunderbaren, kunstvoll gestalteten Geschöpfe aus Fiberglass nicht schmälern, sonst verfehlt man mit einer etwas abfällig erscheinenden Benennung damit den besonderen Liebreiz dieser edlen Skulpturen und verdürbe die Anziehungskraft, welche so wichtig ist für ein leidenschaftliches Sammlerherz. Man möge mir Glauben schenken, wenn ich aus Überzeugung behaupte, es gebe zwischen der „Puppe“ mit dem Namen HIII 50% und einer „Puppe“ aus der Manufaktur Adel Rootstein mit dem Namen Karen Mulder einige sehr markante Unterschiede. Erstere werden von Beginn an als sog. Crash Test Dummies konstruiert, um möglichst realistisch die Bewegungsabläufe eines menschlichen Körpers bei Unfällen zu simulieren und dabei die darauf wirkenden Kräfte zu messen. Letztere sehen zuweilen nach jahrelangem Gebrauch und vor allem unsachgemässer Behandlung so aus, als ob sie einige schwere „Verkehrsunfälle“ gehabt hätten. Sie wurden aber nicht so konstruiert, wonach man ihnen ein plötzliches Fallen aus dem Stand heraus zumuten könnte, oder sie schadlos unbedarfte Manipulationen von Dekorateuren überstehen. Zu oft begegne ich Schaufensterfiguren, die so aussehen wie meine Karen Mulder SD09, die ausgerissene Schulterkupplungen, oder verbogene Achselmanschetten besitzen, oder den bzw. die Finger gebrochen haben, die Nase, oder die Handgelenke. Vielleicht ist es so wie dieser Sammlerkollege meinte, wonach der Begriff Mannequin die Einzigartigkeit einer Schaufensterfigur deutlicher unterstützt und hervortreten lässt, als „Puppe“ und man deshalb mehr Aufmerksamkeit schenkt.… Ich weiss es nicht…. Eines ist ganz sicher: HIII 50% kann zwar den Arm lässig auf die heruntergelassene Seitenscheibe eines Autos legen, wie bei einer realistischen Situation, darf aber einen „dummen“ Gesichtsausdruck besitzen, leer und gleichgültig, muss nie lächeln und einfach nur den Aufprall abwarten. Das Migros-Magazin befragte kürzlich in einem Interview ein Crashtest-Dummy von der Firma Humanetics, der mit runden, schwarz-gelben Positionsplaketten ausgestattet ist.

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Lässig lehnt HIII 50% aus dem Auto, scheint sich aber am Gesichtsausdruck an zu urteilen, bei den Vorbereitungen zu seinem Testunfall eher zu langweilen…..

HIII 50%, Artikel im Migros Magazin vom Mai 2018

 

Dieser Beitrag ist im Aufbau…

 

Rootstein

Genesis

 

Das ist so eine Sache mit dem Daumen….

Bei den Zehen scheinen die Menschen noch eher zu wissen, wo der Grosse und wo der Kleine ist, was wohin gehört, vermutlich weil man eher Schuhe statt Handschuhe kauft. Aufgrund der Häufigkeit, im Verlauf des Lebens beim Schnäuzen oder Popeln an und sogar in die Nase zu fassen, finden wir intuitiv beim Schneemann den Ort mitten im Gesicht, wo stellvertretend für das Riechorgan die rote Rübe, die Karotte hingehört. Da lässt uns das Verständnis gegenüber der eigenen Anatomie nicht im Stich; aber wie war das schon wieder mit den Händen? Wo ist dieser verflixte Daumen schon wieder? Diese Frage zu beantworten scheint für einige unserer Mitmenschen sehr anspruchsvoll zu sein, denn sporadisch begegnen mir in den Mannequininseraten immer wieder Bilder mit komplett verkehrt zusammengesetzten Teilen. Eine Schaufensterpuppe besteht in der Regel aus 7, bzw. 8 Teilen: 1. Rumpf (Torso) mit Kopf, 2. zwei Beine, 3. zwei Arme und 4. zwei Hände (das 8. Teil am Oberarm nur bei älteren Almax-Figuren). Nun ist immer im Moment der Montage zu überlegen, welche Hand wohin gehört. Links ist der Daumen rechts und an der rechten Hand ist es umgekehrt. Denken und sich orientieren hilft beim Erkennen.

Vielfach sind es Inserenten, die auch sonst nichts über ihre Mannequins wissen, z.B. wie alt sie sind, oder aus welcher Manufaktur sie stammen und zu welcher Serie sie gehören. Da ich einige Figuren aus der selben Serie besitze, wie diejenige Figur im Bild unten aus einem Inserat auf dem Verkaufsportal „Anabis“, wusste ich sofort: es muss eine Almax aus der Serie Phase II sein, mit der Seriennummer 227 / E21 (?), ca. aus dem Jahre 1984.

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Almax, Serie Phase II., Nr. 227, entweeder mit E36. oder mit Head E21 (Quelle: Anabis). Unschwer zu erkennen, die falsch montierten Hände.

Die Physiognomien der Gesichter innerhalb einer Serie bei Almax und aber auch bei New John Nissen sind zum Teil so ähnlich, dass man sie kaum auseinander halten kann. Erst der eingravierte Stempel (bei dieser Figur) würde das Rätsel lüften, ob es sich hier bei der Nr. 227 um ein Mannequin mit E36- oder E21-Kopf handelt. Bei dem Foto sind die typischen Almax-Erkennungszeichen dieser alten Serien sichtbar:

  • Sog. „Smokey-Eye’s“ Makeup
  • Bemalte Fuss- und Fingernägel
  • Vom Werk her bemalte Brustwarzen
  • Kreisrunde Schulterkupplungen
  • Etwas „starke“ Oberarme, die mit den übrigen Proportionen nicht wirklich übereinstimmen
  • Kräftige Halsmuskulatur

Diese Figuren sind schwer und sehr robust, sind aber bei den Sammler nicht überaus beliebt. Der eigentliche Schwachpunkt und die „Achillesferse“ bei diesem Mannequin ist der Verbindungsbolzen für den Bajonettverschluss, mit dem man den Torso mit den Beinen koppelt. Er besteht aus nicht rostfreiem Stahl und weist bei rd. 75% der Figuren leichtere Flugrost-, oder gravierendere Rostschäden auf. Mit einer speziellen Stahlbürste und Rostschutzmittel, bringt man den Bolzen wieder einigermassen hin. Doch wenn der Rost schon zu sehr zugesetzt hat, ist die Figur praktisch wertlos. Original wird meist eine Metallstandplatte mitgeliefert, die der damaligen Zeit entsprechend eloxiert ist. Aber ist durch mechanische Einwirkung dieser Schutz beschädigt, hat auch dort die Feuchtigkeit Spuren hinterlassen und der Stahl zeigt überall Roststellen. Dies ist aber noch lange kein Grund eine Standplatte ins Alteisen zu werfen. Ich sammle so immer etwa 10-12 Platten und lasse sie professionell Sandstrahlen (so verteilen sich die Kosten). Danach sprühe ich sie mit einem transparenten Rostschutzlack ein, wonach sie wieder einsatzbereit sind.

Ein weiteres Beispiel zum Thema „Das ist so eine Sache mit dem Daumen….“ bietet die Revel Nr. 5013 von Hindsgaul, die ich vor einigen Jahren kaufte. Die Vorbesitzerin kam mit den Händen irgendwie nicht zurecht und hatte sie falsch montiert. Natürlich muss man hier etwas mehr studieren als bei der Phase II-Almax; aber man kriegt dies hin.

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Meine Hindsgaul Revel 5013 vor dem Kauf. Auf den ersten Blick fällt die falsche Montage der Hände nicht auf. „Irgend etwas ist komisch, irritierend…“ denkt man, bis der Blick in den Katalog des Rätsels Lösung ist.

Beide Arme sind von hinten in die Hüfte gestützt, wobei die Daumen der Hände nach vorne schauen (s. Bild Katalog).

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Das Mannequin mit der Nummer 5013 aus der Serie Revel von Hindsgaul hat eine spezielle Armstellung. Die Hände sind in die Hüften von hinten so eingestützt, dass die beiden Daumen nach vorne schauen. Dass kann für einige Besitzer zu einer Herausforderung werden.

Die Jeanette, eine Sammlerin aus Deutschland, hat eine sehr schöne Hindsgaul Revel 5013 fotografiert und auf flickr hochgeladen.

Hindsgaul Revel 5013 von Jeanette auf flickr

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Eine Hindsgaul Revel 5013 mit korrekter Pose. Die Hände sind mit dem Daumen nach vorne in die Hüften eingestützt.

Lachender Mannequin-3/4 Torso von der Manufaktur Jung-Figuren

Lachende Mannequins sind sehr selten. Jene die Emotionen zeigen bereichern jede Sammlung. Aus Platzgründen war sie lange eingelagert. Nun ist sie in meiner Wohnung und bereit für ein Styling. Noch ist sie im „Eva-Kostüm“, wird aber bald erotische Wäsche tragen. 3/4-Torsos wurden genau zu diesem Zweck extra so hergestellt, weil sie nicht für die lange Garderobe gedacht sind. 3/4 Torsos wurden auf einem Podest, oder über den Wühltischen oder sonstigen Auslagen von Mieder und Unterwäsche aufgestellt. So wird meine „Maus“, die aus den frühen 80er-Jahren stammt und extrem rar ist, einen guten Logenplatz mit verführerischer Unterwäsche bekommen……

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Eines der typischen Erkennungsmerkmale einer Jung-Figur ist ein Vierkantsteckbolzen, der an der Schulterverbindung schräg nach unten in die Öffnung am Torso eingelassen wird. Bei älteren Serien ist die Montageblende und entsprechend das Profil des Armes an der Verbindung kreisrund, wie dies in jener Herstellerperiode auch bei Hindsgaul und Almax üblich war. Dies hatte den in diesem Blog schon erwähnten Vorteil, dass auch von anderen Figuren die Arme kompatibel sind und ausgetauscht werden konnten. Doch mit dem Nachteil ist der heutige Sammler von Mannequins konfrontiert, wenn nämlich die Arme einer Figur nicht mehr dem Original entsprechen und dies eine massive Einbusse in Bezug auf den Wert der Schaufensterpuppe bedeutet.

 

Meine Almax Schaufensterfigur im Glückskäferchen-Kostüm

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Einige der Sammlerinnen und Sammler von Schaufensterpuppen bekommen gleich eine Gänsehaut, wenn man das Wort „Almax“ in den Mund nimmt und man nota bene vom Hersteller der bekanntesten Mannequins aus Italien spricht. Zu Unrecht, wie ich meine, herrscht allgemein eine gewisse Abneigung dieser Figuren gegenüber, es sei denn, die Sammler stammen aus dem Land, in welchem die in Frankreich geschützte Bezeichnung „Haute Couture“ schlicht „Alta Moda“ genannt wird. Die italienischen Designer, sind nicht minder berühmt, als jene in Paris. Mailand und Rom gelten geradezu als Mekka für die kreativsten Künstler im Schneiderhandwerk. Giorgio Armani, Gianni Versage, Laura Biagiotti. Wer kennt sie nicht, die klangvollen Namen dieser Designer, welche Damen und Herren in den edelsten Zwirn hüllten. Die am weitesten verbreitete Mannequin-Marke in den späten 70er und 80er-Jahre in Italien war die „Almax“. Während Adel Rootstein in England und Hindsgaul in Dänemark bereits äusserst naturalistische Figuren auf den Markt brachten, wirkten die von „Almax“ noch ziemlich puppenhaft und etwas stiefmütterlich. Die Gesten jener aus den frühen Serien wirken verkrampft, die Proportionen waren nicht lebensecht, um nicht zu sagen etwas utopisch. Auch die technischen Aspekte waren nicht ausgereift, was sich nun rd. 40 Jahre später zeigt: ich habe einige Vintage-Puppen von „Almax“, deren Bolzen bei der Bajonettverbindung zwischen dem Torso und den Beinen rostig geworden ist, auch wenn das Mannequin nicht besonders hoher Luftfeuchtigkeit ausgesetzt war. Zudem ist in den Handgelenken ein eingearbeitetes Stück PVC, welches den Metallgewindebolzen im Innern umschliesst. Es ist von so schlechter Qualität, dass es mit der Zeit an Festigkeit verliert und wie alter Zwieback in zum Teil winzigen Stücken herausbröckelt. Serien aus jüngerer Zeit wurden massiv nachgebessert. Dennoch gibt es einzelne Figuren, wie z.B. die „Gabriella“, die ich superschön finde. Ich werde in einem separaten Beitrag auf sie zurückkommen. Die hier abgebildete „Almax“ war eine meiner ersten Figuren in meiner Sammlung und als diese grösser wurde, erhöhten sich parallel dazu unweigerlich meine Ansprüche. Daraufhin wollte ich mich von einer meiner ersten „Almax“ wieder trennen, was mir schon etwas schwer fiel. Bei der Firma Bolli in Winterthur konnte ich sie gegen eine lachende Figur tauschen, die mir eindeutig besser gefiel. Die Vintage-„Almax“ war schwer einzukleiden und mir gingen nach einigen erfolglosen Versuchen die Ideen aus, was mir praktisch nie passiert. Knapp zwei Jahre später schlenderte ich die Steinberggasse hinunter, vorbei an den Schaufenstern der Firma Bolli. Die „Almax“ verbracht ihre bisherige Zeit im Innern des Geschäfts. Umso mehr freute ich mich, sie nun im Schaufenster zu entdecken, zwar immer noch bocksteif und etwas unnatürlich verkrampft wirkend, aber in einem sehr gelungenen Outfit: ein knallrotes Minnie-Maus-Kleid mit schwarzen Punkten darauf. Das Kostüm sollte einen Glücks-Marienkäfer darstellen, mit dem Hinweis auf viele Utensilien für die Fastnacht, die dort angeboten werden.

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Mein Almax-Mannquin stand nach meinem Tausch als Marienkäferchen im Schaufenster der Firma Bolli in Winterthur

 

 

 

 

„Schaufensterpuppe weiblich“ sucht…..

…. Abnehmer. So oder ähnlich lauten viele Inserate, vor allem von Laien, in denen weder die Marke, noch die Serienbezeichnung genannt wird. Das ist nicht weiter tragisch, denn arrivierte Sammler mit Kennerblick, finden oft auch bei mangelnden Angaben heraus, um welchen Hersteller es sich handelt. Findet man aber schlechte Handyaufnahmen vor, oder hat der Verkäufer des Mannequins dieses bis zur Unkenntlichkeit „eingepackt“ und „gestylt“, dann beissen sich selbst Profis sich an der Identifikation die Zähne aus. Als ich ende letztes Jahr untenstehendes Foto mit der Überschrift „Schaufensterpuppe weiblich“ im Internet entdeckte und die Figur zum Verkauf ausgeschrieben war, konnte ich zuerst überhaupt nicht erkennen, ob es sich lohnen würde, weitere Informationen einzuholen. Sie war von einem Verhüllungskünstler in Szene gesetzt worden (Bild unten).

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Meine Intuition sagte mir aber, es sei lohnenswert, da mir Kinn, Nase, Mund und die Knie irgendwie bekannt vorkamen.

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Ich fragte per Mail den Verkäufer, ob er mir Bilder vom nackten Mannequin schicken könne, am besten gleich zerlegt. Das tat er umgehend und daraufhin war ich mir zu über 95% sicher, dass es sich um eine seltene „Mitnacht“ handelte und ich kaufte sie. Bei der Abholung machte ich den Check und es war, bzw. ist eine „Mitnacht“.

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Die grossen Augen, der schön und sinnlich modellierte Mund, die nur bei „Mitnacht“ so in diesem Stil geformten Knie, die abgeflachte Schulter oben, die Brüste: die Merkmale waren eindeutig.

Doch erst zuhause, im direkten Vergleich, erkannte ich, dass ich von „Mitnacht“ dieselbe Figur gekauft hatte, wie ich bereits besass (s. Foto unten)…..

DSC_0775 - Kopie2.jpg Das „Schwesterchen“ meiner schönen Prinzessin von „Mitnacht“ hat eine andere Stellung der Arme und ist in einem dunkleren Teint koloriert.

Liebe Verkäufer von Mannequins, liebe Inserentinnen und Inserenten: ich nehme an, ihr würdet ja auch nicht euer Auto unter einer Abdeckplane fotografieren und das Bild so in das Inserat einfügen…. Es ist auch nicht unbedingt notwendig euer Auto, wie auf dem Foto unten gezeigt, vollständig zu demontieren.

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Zur einwandfreien Identifikation reicht es, wenn die Schaufensterfigur im Inserat nackt abgebildet wird und man auf einem Bild die Kupplung der Schulter und andere Details zweifelsfrei erkennen kann. Fotos von meiner zweiten „Mitnacht“ folgen bei Gelegenheit.

 

 

Patina V, Serie „Siren“, Nr. SR 11 vs. Jung-Figuren Nr. SX-19. Cat-Woman

Sirenen sind Fabelwesen aus der griechischen Mythologie, die mit ihren Stimmen auf Männer betörend wirken. Sinngemäss und entsprechend unwiderstehlich finde ich die Schaufensterfiguren von Patina V, aus der Serie „Siren“ (dt. „Sirenen“), auch wenn sie nicht singen können. Die Nr. SR 11 finde ich ganz speziell schön in ihrer Haltung, die ein wenig an jene einer Raubkatze erinnert.

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In den Kommentaren zum Post dieses Bildes vom Sammler „John“ überschlagen sich die von Verzückung getränkten Äusserungen: „Absolutely gorgeous!“; „She is amazing“; She ist breathtaking“.

flickr, John, Patina V Siren collection

Ja, sie ist atemberaubend, verführerisch ohne Frage.

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Patina V, Serie „Siren“, Katalog (auf der Seite etwas nach unten scrollen)

Zunächst wusste ich nicht, von welchem Hersteller das Mannequin war, als ich es zum ersten Mal in einem Zürcher Brockenhaus verkehrt herum aufgehängt sah. Natürlich konnte mir das Personal keine Auskunft geben, weil sie sich in dem Thema überhaupt nicht auskannten. Ich musste sie haben, das stand fest; und wenig später war sie bereits auf dem Weg in ihr neues Heim und wurde „untersucht“. Die Nummer SX-/ SY-19, die am Po eingraviert ist, kannte ich von älteren Jung-Figuren her, sowie die Abschlussplatte bei den Beinen aus Holz, in dem der Bajonettverbindungsbolzen montiert ist..

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Die Armverbindung war aber irritierend, weil sie keine Vierkantsteckverbindung ist, sondern auch ein Bajonettverschluss, was vom Prinzip her gegen eine Jung-Figur sprach. Ich schickte Fotos an Sammlerkollegen. Einer war sich sicher, es handle sich um eine Patina V aus einer Sonderserie mit Holzplatte., aber die Nummer fand er irritierend, so wie ich auch.

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Da diese Figuren extrem selten sind, gestalteten sich die Recherchen auch entsprechend schwierig. Inzwischen ist klar, dass es sich um eine Jung-Figur handelt, wie von mir zu Anfang vermutet, mit der Nr. SX-19 (die X steht immer für den Torso und die Y für die Beine). Sie ist aber täuschend ähnlich zur Patina V, „Siren“ Nr. SR 11, einfach verkehrt herum, mit dem Kopf nach links schauend und mit dem rechten Knie stärker gebeugt, sodass das rechte Bein entsprechend weiter nach vorne ausgerichtet ist, als das Linke. Beim genaueren Hinsehen entdeckt man, wie bei der Patina V die Differenz grösser ist, also die Fusssohle des linken Beins auf der selben Höhe ist, wie das Knie des rechten Beins. Ich finde beide fantastisch!

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Die beiden oberen Bilder zeigen eine Interpretation der Jung-Figur SX-19 bei „San Vision – Mannequins.de.

Die Figur ist verkauft und kein direkter Link mehr verfügbar, deshalb hier der Link generell zur Webseite:

Sanvision-Mannequins

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Sanvision-Mannequins, Patina V, „Siren“, SR 11

Bei den Fotos einer SR 11 bei Sanvision sieht man es deutlich: bei der Patina V lässt sich das eine Bein nicht vom Oberkörper trennen, wie bei der Jung-Figur SX-19. Die Patina V wurde komplett neu koloriert und bekam ein neues Make-Up. Dies Interpretation finde ich unglaublich schön. Die Latina mit sonnengebräunter Haut, sinnlichem Mund und Katzenaugen erinnert mich etwas an Ornella Muti in jungen Jahren:

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listal.com – Ornella Muti

 

 

 

 

 

 

Die Serie Deauville von Hindsgaul und ihre Schwachstelle bei der Gleitleiste

In der Regel besteht eine Schaufensterfigur aus 7 Teilen, aus einem Torso (Oberkörper mit Kopf), zwei Armen, zwei Händen und zwei Beinen, die je nach Hersteller in diversen Arten voneinander getrennt, bzw. zusammengebaut werden. Wie bei diversen anderen Konsumgütern, gibt es auch bei den Konstruktionen von Mannequins keinen Standard. Je nach Marke, treffen wir sehr unterschiedliche Systeme für deren Zusammenbau an. Der Verbindungsmechanismus der einzelnen Komponenten ist selbstverständlich ein Verkaufsargument, da nicht nur die Stabilität gewährleistet werden muss, sondern auch ein einfaches Handling. Dabei soll ein Innen- oder Schaufensterdekorateur möglichst alleine und speditiv die Bekleidung vornehmen können. Während bis zu den 60er-Jahren die Trennung zwischen den Beinen und des Oberkörpers noch nicht notwendig war, entwickelte sich danach – durch die Emanzipation der Frau hervorgerufen –  ein veränderter Bekleidungsstil, bei dem auch Hosen getragen wurden. Dieser Umstand zog die Lösung eines technischen Problems nach sich, welches die Firma Hindsgaul ab 1976 und der Serie „International“ mit einer sehr eigenwilligen Konstruktion bewerkstelligte (Beispiel Revel 5001, siehe Bild Hindsgaul Revel 5001).

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Ab 1976 verwendete Hindsgaul eine komplett neue Konstruktion für die Montage der beiden Beine.

In der Mitte der beiden genau in der Hälfte geteilten Beine sind senkrecht zwei C-Profile aus Metall symmetrisch angebracht, wobei der schmale Teil der sog. Kunststoffgleitleiste längs in das Profil bis zum Einrastpunkt bündig zur Oberkante hineingeschoben werden muss. Die beiden Öffnungen links und rechts erleichtern das Handling. Der bei früheren Serien in der Mitte angebrachte Bolzen für die Bajonettverbindung zum Torso musste so auf die Seite weichen. Innerhalb des Zylinders befindet sich eine Stellschraube mit einer Feder und einem kleinen Kügelchen, das in einer kleinen Vertiefung des Querbolzens ruht, um ihn zu arretieren. Die Gleitleiste ist auf der breiten Seite mit dem Bein durch zwei Schrauben verbunden. Die schmale Seite wird ins C-Profil eingeführt. Nun ist dieses Kunststoffteil bei fast allen Serien von 1976 an identisch und kann ausgetauscht werden, ausser bei der Serie „Deauville“. Dort ist die Dicke der Gleitleiste viel geringer, wobei sie infolge einer zu grossen Belastung eher bricht, als bei den übrigen Modellen. Das ist eine „Achillesferse“ bei allen „Deauville“-Schaufensterfiguren, weshalb ich dringend rate, bei der Montage, bzw. Demontage besonders vorsichtig zu sein.

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Das Bein einer „Angie“ contra „Deauville“. Beim flüchtigen Hinsehen bemerkt man den Unterschied kaum.

 

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Die sog. Kunststoffgleitleiste in den C-Profilen der geteilten Beine bei Hindsgaul-Mannequins sind ausser bei der Serie Deauville alle identisch. Auf dem Bild eine viel dünnere Gleitleiste bei Deauville, was sie sehr viel anfälliger macht, auf einem Transport z.B., oder beim Demontieren der Beine kaputt zu gehen.
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Hier ist bei einem Beispiel am Bein einer Angie die viel dickere Kunststoffgleitleiste zu sehen, die wesentlich stabiler ist. Sie ist in sonst allen Modellen von Hindsgaul ab 1976 (Serie „International“) eingebaut und kann gut ausgetauscht werden, dient also auch als Ersatzteil.

Die Kunststoffgleitleiste ist bei der Deauville-Serie von Hindsgaul (Detailaufnahme oben) fast halb so dick wie bei allen übrigen Modellen, wie beispielsweise bei der Angie (Bild darunter).

Als ich eine meiner beiden Deauville’s 6424 kaufte, wusste ich dies noch nicht. Erst als ich zuhause war, entdeckte ich den Schaden, der mir der Verkäufer verheimlichte und ich vertrauensselig das Mannequin transportierte. Erst zuhause erkannte ich, weshalb er beim Verlad plötzlich nervös wurde und mir riet zur Schonung die Beine zusammen zu lassen. Offenbar sind auch andere Kunden in ähnlicher Art dort hereingefallen, was in einer relativ kleinen Community sich schnell herumspricht….

Tipp 1: Bei defekten und ausrangierten Hindsgaul-Beinen lohnt es sich immer die oben erwähnten Teile herausnehmen und als Ersatzteile zu verwenden, wenn nötig.

Tipp 2: Beim Kauf einer Deauville von Hindsgaul rate ich, den Zustand der Gleitleiste nachzufragen. So ist man vor unliebsamen Überraschungen verschont.