Neue „Sarah“, aus der Serie „Chic“ von der Manufaktur New John Nissen / Schläppi mit der Nr. BG7 (Torso) und BG15 (Beine)

Inzwischen habe ich mich mit dem Thema New John Nissen-Vintage-Serien intensiver auseinandergesetzt und mit den besonderen Merkmalen der einzelnen Figuren vertraut gemacht, sodass es mir letzte Woche beim Stöbern im Internet auf einem Verkaufsportal sofort gelang eine Schaufensterpuppe zu identifizieren, welche unter der gleichlautenden Bezeichnung ausgeschrieben war.

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Den Hersteller herauszufinden ist hier keine wirklich Herausforderung. Aber einen Moment lang grübelte ich schon über die Serie nach, war mir aber bald sicher, dass es sich um ein Mannequin aus der Serie „Chic“ handeln müsse und aus diesem Grund eine BG-(x)-Serienbezeichnung auf der Innenseite der Schulterkupplung auffindbar wäre. Die Spannung stieg; ich wollte erst nachher im Katalog nachsehen und recherchieren und so meine erworbene Kenntnis testen. Von der BG1 und der BG17 her, die bereits in meiner Sammlung sind, kenne ich die Eigentümlichkeiten der Figuren aus dieser Serie und habe mir die Unterschiede z.B. zur „Liberty“-Serie gemerkt.

Blogbeitrag ü meine BG1

Der erste Check bei der Abholung bestand natürlich darin, den Arm auszukuppeln – und da war sie die Nummer: BG7! Toll. Auf der Innenseite der Hüftkupplung stand BG15. So war da in grauer Vorzeit wieder einmal vermutlich ein Schaufensterdekorateur für den Umstand verantwortlich, dass die Teile nicht gemäss der Originalnummern und wie im Katalog zusammenpassen. Wie hier im Blog bereits mehrfach erwähnt, sind die Teile untereinander in gewissen Serien austauschbar und kompatibel. So kam es oft vor, dass die markierten Seriennummer unbeachtet blieben.

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mannequin-history-blog, New John Nissen Katalog „Chic“

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Im Vergleich mit dem Foto im Katalog (Sarah BG7, Mitte) erkennt man sofort, dass der linke Arm korrekt, der rechte Arm aber falsch ist.

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Dieser rechte Arm ist angewinkelt, statt gestreckt und trägt die Bezeichnung BG1, ist also die selbe Stellung wie bei der BG2, BG3, BG6, BG8, BG11 und BG15. Dabei wurde aber die Hand der BG7 verwendet, statt jene, welche die Finger so nach innen in die Handfläche hinein gebeugt sind, dass sie mit dem Handrücken in die Hüfte hinein gestützt wird. Die BG15-Beine sind mit denen von der BG7-Figur identisch, passen also zum Torso. Dieses „Puzzlespiel“ kann manchmal ziemlich knifflig sein.

Die Verkäufer waren sehr nett und erzählten, ihre Schaufensterpuppe habe sich nun rd. 30 Jahre lang in ihrem Besitz befunden und eine männliche Militäruniform getragen (weshalb sie vermutlich kaum Schäden aufweist…). Für Sarah wurde es also höchste Zeit wieder etwas weiblicher auszusehen und so bekam sie eine halblange Echthaarperücke von mir und ein leicht schimmerndes Bustier, das ihre Weiblichkeit betont. Geschmückt wurde sie mit einer Halskette mit Muschelperlmutt.

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Bald bekommt sie noch ein Wellness-Weekend, in dem sie geputzt wird und eine rechte Hand, die passt.

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Hinten prangt das Schläppi-Label…;

 

 

 

 

Sarah mit der Nummer 423, von der Firma Moch-Figuren in Deutschland

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Sie haben längst keine Löcher im Rücken, oder Feststellschrauben mehr, die Figuren aus der Mannequin-Schmiede und Traditionsfirma „Moch-Figuren“ in Deutschland. Es sind keine Gelenkbolzen in den Schaufensterfiguren mehr eingearbeitet, welche individuelle Neigungen des Torsos zulassen. Eine solche technisch-innovative Konstruktion ist heute nicht mehr gefragt. Alle konkurrierenden Hersteller warteten damals mit einfacheren Lösungen auf. Entsprechend eingeschränkter war der Bewegungsspielraum, was bei der Konkurrenz eigentlich niemand störte. Hände, Arme und mindestens ein Bein mussten abnehmbar sein und der Torso sollte von den Beinen separiert werden können. In der heutigen Sammlerwelt sind die Vintage-Moch-Figuren nicht gefragt. Bei einem Kollegen sah ich eine dieser Figuren:

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Von Adel Rootstein bis zu Window-Display: Die Palette der wichtigsten Manufakturen von Mannequins

Mehr als zwei Dutzend Hersteller von Schaufensterfiguren haben sich in den letzten 60 Jahren den Markt geteilt und jeder versuchte sich vom Konkurrenten abzuheben. Dabei entstand eine breite Palette von Mannequins, denen sogar lebende Menschen als Vorlage dienten (wie bei Adel Rootstein), oder andere Besonderheiten aufweisen, wie z.B. die erstaunlich naturgetreue Modellierung bei New John Nissen-Figuren. Sammler besitzen ihre Vorlieben; und so gibt es einige, die fokussiert Adel Rootstein-Mannequins, oder Hindsgaul-Figuren sammeln, weshalb man bei diesen Marken in der Regel tiefer in die Tasche greifen muss, als bei anderen Mannequin-Marken. Im teuersten Preissegment sind Schaufensterfiguren zu finden, die aber neu restauriert und in einem sehr guten Zustand sind. Da sich die Kosten für ein sog. Make-Over erst bei seltenen Mannequins sich wirklich lohnt, bleiben die eher weniger beliebten Figuren oft im Originalzustand und sind durch falsche Teile, Risse, Brüche, Kratzer und Abplatzer minderwertig. Meine Sammlung umfasst zur Zeit 14 verschiedene Hersteller, mit insgesamt über 140 Figuren, was sie schweizweit zur grössten und breitestpalettierten Kollektion macht. Die unten aufgeführte Liste folgt keiner bestimmten Logik, Chronologie, oder einem Alphabet, sondern stellt quasi hierarchisch die Reihenfolge meiner persönlichen Vorlieben dar, obwohl die „Grenzen“ nicht klar gezogen sind. Die Yasmin le Bon von Rootstein, die 8424 (Young Look) von Hindsgaul, die liegende Almax, die L9 Act 1 von New John Nissen: sie alle gehören zu meinen Favoriten und sind in diesem Blog beschrieben. Auf die „Sarah“ von New John Nissen habe ich rd. 7 Jahre gewartet. Gegen eine Mitnacht habe ich sogar eine sitzende Ira von Rootstein eingetauscht…. Schönheitsempfinden ist relativ….

Einige der Hersteller produzieren heute noch realistische Schaufensterfiguren, lassen sogar alte Serien wieder aufleben (z.B. „Classic“ bei Adel Rootstein). Wie man sich in diesem „Dschungel“ von Mannequins zurechtfindet, soll eines der Hauptziele dieses Blogs sein. Zudem gibt es von Loutoff z.B. billige Asien-Kopien von hochwertigen Hindsgaul-Figuren (z.B. „Angie“), die offiziell korrekt, aber von Privat auch schon als „echte Vintagepuppe“ im Internet angeboten wurde, was sie definitiv nicht ist. Hier erhält man auch Informationen, die der Bestimmung einer Schaufensterfigur dienen. Anhand der Kolorierung, der Schminke, der Körperproportionen, des Gesichtsausdrucks und der Hüft- und Handverbindungen, sowie Schulterkupplungen kann ein Hersteller eruiert werden, wenn eingestanzte, oder aufgeklebte Labels und Seriennummern (meist gestempelt) fehlen und die Identifikation so erschwert ist. Weitere Erkennungszeichen sind in den jeweiligen Beiträgen zu finden, wie z.B. die Schraube oder Flügelmutter am Rücken der älteren Moch-Figuren, oder dem Gewindebolzen am Handgelenk der Almax usw.

Hier die Liste (zur vorherigen Version vom Februar 2018 etwas abgeändert):

01 Adel Rootstein (England) / 02 Hindsgaul (Dänemark) / 03 New John Nissen (Belgien) / 04 Almax (Italien) / 05 Schläppi (Schweiz) / 06 Hans Boodt (Holland) / 07 Jung-Figuren (Deutschland) / 08 Patina V (USA) / 09 Vaudeville (USA) / 10 Moch (Deutschland) / 11 Decter (USA) / 12 Mitnacht (Deutschland) / 13 Greneker (USA) / 14 Bonami (Belgien) / 15 La Rosa (Italien) / 16 Wolf-Vine (USA) / 17 Filoso (Italien) / 18 Window (Frankreich) / 19 Muckle (Deutschland) / 20 Eurodisplay (Deutschland / Asien) / 21 Siègel (Frankreich) / 22 Loutoff (Asien) / 23 Euroton (Asien) / 24 Bergdorf (Deutschland) / 25 Obermeier (Deutschland) / 26 Levine (?)