Sam Curtis von der Serie „Body Gossip“ mit der Nummer X12, des Herstellers Adel Rootstein

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Auf dem Foto ist ein Bildhauer aus dem Hause Rootstein zu sehen, dem gerade eine Frau Modell steht. Originalgetreu wird aus Lehm das Gesicht nachmodelliert.

Die Adel Rootstein-Serie „Body Gossip“ von 1980, besteht aus 12 Figuren, die 6 Personen verkörpern: Chanell, Kim Harris, Jonny, Joan Colins, Victoria und Sam Curtis.

Den Seriennummern zugeordnet (vgl. Katalogbilder unten) ergibt sich folgende Liste:

X01: Chanell / X02: Kim Harris / X03: Kim Harris / X04: Chanell / X05: Jonny / X06: Joan Collins / X07: Joan Collins / X08: Chanell (sitzend) / X09: Chanell (sitzend) / X10: Victoria / X11: Victoria / X12: Sam Curtis

 

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Die Gestik und Mimik umfasst einen Teil der Körpersprache. Mit ihr werden Botschaften vermittelt, die nicht in Worte gefasst sind, manchmal auch nicht durch sie ausgedrückt werden können. Durch die äussere Haltung, signalisieren wir eine innere Einstellung. Anfangs der 80er-Jahre fand diesbezüglich eine Wandlung statt, durch welche Frauen zu mehr Selbstbewusstsein und Eigenständigkeit aufgerufen wurden; von Frauen und auch von Männern, im Sinne der Gleichberechtigung. „Emanzipation und Gleichberechtigung der Frau bedeutet, dass die Frau in der Gesellschaft endlich die gleichen Chancen für die zwanglose Entfaltung ihrer Persönlichkeit erhält, wie die Männer (s. Link Ars Femina).“

Ars Femina. Die Frau: „Das sogenannte schwache Geschlecht“

Das damals noch häufig so genannte „schwache Geschlecht“, damit war die Frau ganz generell gemeint, stand häufig gesellschaftlich und politisch im Schatten der Männer. Sie traten in ihren Bedürfnissen zurück und fühlten sich so unterdrückt. Doch es regte sich Widerstand. Die „Body Gossip“-Serie von Adel Rootstein verkörpert diesen Anspruch auf Selbstverwirklichung in den verschiedenen Posen, aus welchen mit der Körpersprache, in einer herausfordernden, selbstsicheren Haltung auch Unabhängigkeit geäussert wird. Der Werbetext auf der letzten Seite des „Body Gossip“-Katalogs erteilt über die Absichten von Adel Rootstein genauer Auskunft, mit welchem Konzept diese Kollektion entwickelt wurde (s. Bild am Anfang des Beitrags und meine Übersetzung unten):

Es ist „eine Kollektion, dessen Körpersprache durch lange, dünne Linien, und schlanke, sinnliche Formen, selbstsicher, selbstbewusst, bestimmt und körperbetont ist.“

So heisst es weiter unten im Text: „Sie gruppieren sich neu, zu einer herausfordernden weiblichen Haltung; dem nicht attraktiv sein zu trotzen…. von ihnen angezogen, was sie tragen und wie sie es tragen.“

Suggeriert wird Eigenständigkeit, aber gleichzeitig ein Zusammengehörigkeitsgefühl: „Selbst in ihrer Gemeinschaft, sind sie voneinander unabhängig, ihrer selbst bewusst, fast schon narzisstisch veranlagt… Sie haben Kontakt zueinander, berühren sich, harmonieren… es gibt etwas, was sie (untereinander) wissen…“

Es soll ja auch in aller Munde sein, durch Klatsch und Tratsch verbreitet (deshalb der Begriff „Gossip“ = dt. „Tratsch“): „Ein kleiner Skandal, eine kleine Bosheit….“

Nicht ohne Grund wurde die mit dem Golden-Globe Filmpreis ausgezeichnete Joan Collins modelliert und in die „Body Gossip“ Mannequin-Kollektion aufgenommen. In der Serie „Denver Clan“ verkörperte sie eine rachsüchtige Intrigantin.

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Joan Collins (80er-Jahre)

Scala Regia: Joan Collins

Wenn man jemanden als „Gossip“ (Substantiv) beschreibt, meint man einen Menschen, der es liebt über die privaten Dinge (Affären) anderer Personen zu sprechen.

Collins Dictionary: Gossip

Im oben erwähnten Werbetext von Adel Rootstein heisst es am Schluss: „Heutigen Frauen gefällt eine Sprache, die bereits sein Jahrhunderten bekannt ist.“ 

Die „Klatschtanten“ erlebten ein Revival und viele TV-Serien, wie „Friends“ oder „Gossip girl“ erfreuten sich grosser Beliebtheit. Es gibt sogar ein Ranking der beliebtesten Zitate aus der „Gossip girl“-Serie (ab 2007) – wobei wir wieder beim Kernpunkt der Thematik um die wunderschönen Mannequins angelangt sind: „Mode ist die mächtigste Kunst. Es ist Bewegung, Design und Architektur in einem. Es zeigt der Welt, wer wir sind und wer wir sein möchten.“ 

Lieblingszitate aus der Serie „Gossip girl“

Neben Joan Collins, Victoria, Chanell und Kim Harris gehört noch eine weitere, attraktive Frau zur „Body Gossip“-Serie von Adel Rootstein: Sam Curtis. Die Figur X12 mit der speziellen Pose und der Stellung des linken Armes, so als würde sie sich mit dem Ellenbogen auf die Schulter eines anderen Mannequins stützen, ist eine Seltenheit.

flickr, Philip Porter, Rootstein-Katalog, Body Gossip, Sam Curtis X12

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Ein User auf flickr schrieb sogar: „Ich würde meinen rechten Arm dafür geben, wenn ich eine vollständige, komplette X12 bekäme. Ich liebe diese Stellung so sehr!“

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Ganz toll gemacht: Styling von Sam Curtis aus der Serie „Body Gossip“ von Adel Rootstein, Nr. X12

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instazu, Rootstein, Body Gossip, Sam Curtis X12

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flickr, Chase Connery, Rootstein Mannequin, „Body Gossip“, Sam Curtis X12

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Sam Curtis komplett restauriert (nur Torso) von Dash-n-dazzle in den USA

flickr, dashndazzle, Rootstein, „Body Gossip“, Sam Curtis X12 (Portrait, nur Torso)

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Hier im Zwischenlager wartete meine neu in meine Sammlung aufgenommene Sam Curtis auf die Reinigung und das spätere Styling von mir.

Inzwischen ist sie geputzt, sowie neu gestylt und hat schon eine Freundin gefunden, an dessen Schulter sie sich anlehnen darf:

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Die futuristischen Mannequins von der Schweizer Firma Schläppi, als Antwort auf das anbrechende Space-Fashion Zeitalter der 60er-Jahre.

Seit dem Wettlauf um die Eroberung des Weltraums, der spätestens 1957 mit der Sonde Sputnik 1 begann, hat sich im Brennpunkt des aufkommenden Glaubens der 60er-Jahre, auch jegliche technische Grenzen überwinden zu können, ein Bewusstsein etabliert, das gleichermassen die Phantasie beflügelte. Grösser, weiter, schneller hiess das Motto und weckte Begehrlichkeiten über den Rahmen des bisher Möglichen hinaus. Die bisherigen Rahmen der Vorstellung wurden auf alle Seiten hin gesprengt, auf teils revolutionäre Art und Weise. Architektur, Kunst und Design drangen provokant in die Morgenröte eines Zeitalters vor, das in der Mode unter dem Namen Space-Fashion bekannt ist und als eine avantgardistische Antwort im Bereich der Kunst auf die Fiktionen der Nachkriegszeit zu erklären wäre. „Avantgardisten sind Leute, die nicht genau wissen wo sie hin wollen, aber als erste da sind“ soll der Schriftsteller Romain Gary einmal gesagt haben, was das hier ausgebreitete Thema sehr gut trifft.

Aventgarde, Wikipedia

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Biedere Mode in einem Schaufenster im Frühling 1958

Denholms Frühlings-Schaufenster von 1958

Während noch in den späten 50er- und frühen 60er-Jahren von naturalistischen Figuren in den Schaufenstern biedere Mode getragen wurde, wandelte sich der Stil schlagartig in schrill und bunt.

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Jane Fonda in einem sexy Outfit. Space-Fashion von 1968, Paco Rabane

Futuristische Mode von Paco Rabanne, mitte der 60er-Jahre

Paco Rabanne, Louis Féraud und Pierre Cardin waren Protagonisten dieses neuen Stils in der Mode.

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Louis Féraud 1968

Mode im Jahre 1968 (flickr)

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Pierre Cardin revolutioniert ab 1966 die Mode in der Space-Fashion Ära. Avantgardistisches Design von ca. 1968.

Space Fashion Blog

Plastik und Lack findet Eingang in die avantgardistische Mode des Space-Zeitalters. So auch chromglänzendes Metall, Pailletten und Satin.

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Die hübsche Sängerin Francoise Hardy in einem goldenen Metallkleid von Paco Rabanne (ca. 1966).

Pinterest Francoise Hardy trägt Paco Rabanne (ca. 1966)

Die innovative Schweizer Firma Schläppi in Wollerau reagierte auf diese Trendwende in den 60er-Jahren und produzierte futuristisch anmutende Schaufensterpuppen, welche im Kontrast zu den damals noch üblichen naturalistischen Mannequins das Abstrakte in den Vordergrund rücken sollten. Der Entwurf stammte vom Künstler Lorenzo Piemonti und die inzwischen weltberühmte Schläppi-Kollektion wird immer noch von Bonaveri in Italien hergestellt und verkauft. Die radikale Wende in der Mode sollte sich in gleichem Masse im Äusseren der Schaufensterfiguren widerspiegeln. Sie erinnern an Skulpturen von Alberto Giacometti, sind aber entsprechend dem Space-Fashion-Stil hochglänzend.

Welt – Schläppi-Bonaveri-Mannequins

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Bei der Firma Schläppi in der Schweiz wurden die ersten futuristischen Schaufensterfiguren anfangs der 60er-Jahre hergestellt. Die glänzenden, abstrakten Mannequins sind mit einem Lack überzogen, in den Farben Rot, Schwarz, Weiss, Silber und Gold.

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Im Jahr 2016 liess der Uhrenhersteller Roger Dubois die Schläppi 2500 Kollektion wieder neu aufleben, als er, anlässlich einer Präsentation seiner neuen Uhrenkollektion „Velvet“ speziell für Frauen, die Aufsicht seinem Creative Directors Alvaro Maggini überliess. Das Motto hiess „ManusxMachina: Fashion in the age of technology.“

Roger Dubois, Schläppi 2500 Kollektion

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„The 2500 collection is athletic and spirited, using forms that engage with the space they occupy.“ (Die Schläppi-Bonaveri 2500 Kollektion ist athletisch und temperamentvoll; sie verwendet Formen, welche raumgreifend den Platz in Anspruch nehmen, der ihnen zur Verfügung gestellt wird.“ Das klingt wie eine Hommage an eine Diva, welche zeitlos auch nach fast 50 Jahren ihre Attraktivität in geringster Weise eingebüsst hat. Bei Sammlern und Sammlerinnen von naturalistischen Mannequins, sind diese Figuren wenig gefragt, weshalb die Ansprechpersonen eher im reinen Kunstbereich zu suchen wären.

Auch André Courrèges gehört zu den Modedesignern, die in den 60er-Jahren eine völlig neue Ausdrucksform in der Mode wählten.

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André Courrèges, 1969, gehörte schon anfangs der 60er-Jahre zu den avantgardistischen Protagonisten des Space-Fashion Zeitalters
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André Courrèges, 1961. Dieses Kleid wird von einer Schläppi 2500 Schaufensterpuppe im Museum für Technologie präsentiert. (Hinweis vom 25.09.18: die Webseite, die dieses Foto enthält ist vorübergehend nicht zugänglich)

André Courrèges (diese Webseite ist vorübergehend nicht zugänglich)

 

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André Courrèges „Woman’s ensemble“ 1965-67, Los Angeles County Museum of Art. Das silbern glänzende, mit Ärmeln versehene Bolero mit kurzem, glockenförmigen Reifrock repräsentiert die Space Age Mode der 60-er Jahre und wird hier von einem Vintage Schläppi Mannequin aus der selben Zeit getragen.

Schläppi-Mannequins in einer aktuellen Ausstellung in den USA (LACMA)

Im Paul Getty Center in Los Angeles, findet dieses Jahr seit dem 26. Juni eine Ausstellung über die Modefotografie von 1911 bis 2011 unter dem Titel „Icons of Style: A Century of Fashion Photography, 1911 – 2011“ statt. Sie dauert bis zum 21. Oktober 2018. In diesem weltberühmten Kunsthaus und Museum sind entsprechend der verschiedenen Epochen in der Modebranche einige Kleider aus dem Besitz des „Los Angeles County Museum of Art“ ausgestellt, die von originalen Schläppi Mannequins getragen werden. Mithin wird anhand dieser Präsentation deutlich, wie zeitlos diese Figuren sind. Am besten kommen sie in ihrem futuristischen Design zur Geltung, wenn sie entsprechend Space Fashion-Kleider von André Courrèges tragen (siehe Foto; auf der Webseite nach unten scrollen).

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Der „Vater der Space Age Mode“ André Courrèges steht ganz in weiss gekleidet und mit glänzenden Gummistiefeln neben einem stilisierten Schläppi-Mannequin, das aber bereits aus der Schläppi-Bonaveri Collection stammen könnte.

Foto: der Couturier André Courrèges in seiner Boutique

WWD Fashion-News. Courrèges stirbt 92-jährig in Paris

Der Pariser Couturier André Courrèges revolutionierte in den 60er-Jahren des 20. Jh. die Mode und gilt als „Vater der Space Age-Fashion“, womit eine Epoche gemeint ist, in der ein futuristisches Design mit neuen Materialen zusammen entworfen wurden. In dieser Zeit, die von der Eroberung des Weltalls begleitet, sogar geprägt wurde, entwickelte die Schweizer Mannequin-Manufaktur Schläppi eine völlig neue, offenbar zeitlose Form von Schaufensterfiguren, um diesem damals modernen Stil gerecht zu werden. Courrèges ist im Januar 2016 in Paris 92-jährig gestorben. Frankreichs Kulturministerin würdigte in einer Rede sein Werk: „In the end, he invented a universe full of shapes and colors in which elegance could not be conceived without imagination, humor and a great freedom of expression and movement. Courrèges made the women he dressed happy…”

Space Age Couturier André Courrèges dies as 92 (Artikel)

In einem spannenden Artikel unter dem Titel: „Yuri Gagarin, André Courrèges und PVC“ sind einige Zusammenhänge in dieser Ära skizziert.

Yuri Gagarin, André Courrèges and PVC“ (Blog)

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Anlässlich des „Commonwealth Fashion Exchange“-Events im Buckingham Palast in London, präsentierten Bovaveri-Schläppi Mannequins aus der 2200-er Serie die extravaganten Kleider

„Commonwealth fashion exchange“ im Buckhigham Palast in London 2018

Auch in royaler Umgebung im Buckingham Palast in London, machten im Februar 2018 Schläppi-Bonaveri Mannequins aus der 2200-er Serie eine gute Figur (Bild oben).

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Sala Bianca bei Pucci

Im Sala Bianca (Palazzo Pucci) ist in faszinierender Weise zu sehen, wie kreativ Schläppi-Bonaveri Mannequins als Kunstform interpretiert werden. Ihre abstrakte Formgebung eines Menschen mag für den einen oder anderen Künstler und Designer auf spezielle Art eine Quelle der Inspiration sein, was sie auch so attraktiv und einzigartig macht.

Schläppi-Bonaveri Mannequins gibt es in verschiedenen Posen, Grössen und Farben (Rot, Weiss, Silber und Gold)

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Schläppi-Bonaveri Mannequins gibt es in verschiedenen Grössen. Leider ist die Webseite mit diesem Bild nicht mehr auffindbar…
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Diese sitzende, originale Schläppi Schaufensterfigur stammt aus den 50er-Jahren und wird z.Z. auf Ebay zum Kauf angebotren.

Ebay-Inserat einer sitzenden, typischen Schläppi-Schaufensterfigur aus den 50-er Jahren

Eine sitzende Schläppi Schaufensterfigur wird zur Zeit für EUR 275.- in Ebay angeboten. Sie stammt aus den 50er-Jahren und besitzt eine spezielle Mechanik im Hüftbereich, die später nie mehr Verwendung fand. Die bereits etwas abstrakt wirkende Gesichtsform, in Zusammenhang mit den sehr schlanken Körpermassen mag zumindest ansatzweise als eine Art Vorläufer der späteren Serien betrachtet werden. Die modernen Figuren von Schläppi-Bonaveri kosten einige tausend Euro.