Viele Anfragen auf meinem „Püppipedia“-Blog

Liebe Leserinnen und liebe Leser, liebe am Thema Mannequin interessierte Besucher dieses Blogs. Mich erreichen täglich immer mehr Anfragen, welche ich aus zeittechnischen Gründen nicht alle beantworten kann. Manchmal sind es für mich sehr einfache Fragen, die ich sofort (d.h. innerhalb von wenigen Minuten) beantworten kann und mich auch selber interessieren, selbst wenn sie vielleicht für viele – selbst Fachkundige – eine echte Knacknuss darstellen, da das Internet kaum Informationen über bestimmte Hersteller und Serien hergibt. In meinem Archiv befinden sich weit über 36’000 Dateien mit Fotos und Infos zu über 35 Manufakturen, die innerhalb der letzten 50-60 Jahre Schaufensterfiguren produzierten und täglich kommen neue Daten dazu.

Bei einer Anfrage einer Leserin ging es um diese sitzende Figur, die aufgrund einiger klarer Merkmale mir sofort bekannt vorkam und ich in meinem Archiv ein Bild aus dem Originalkatalog fand und ihr die gewünschten Angaben zur Verfügung stellte. In solchen Fällen helfe ich gerne. Demnächst werde ich hier einen Beitrag über Désirée schreiben – nur soviel sei verraten.

Viele Komplimente erreichen mich, worüber ich mich natürlich sehr freue! „Wenn man etwas über Schaufensterfiguren erfahren will, kommt man an Ihrem Blog nicht vorbei!“, oder „Wirklich sehr interessant geschrieben“, oder wie heute Abend von einer Leserin „Diese Seite wurde mir als absoluter Mannequin-Kenner empfohlen“…. Toll, vielen Dank! Das macht aber die Sache nicht einfacher; im Gegenteil. Ich hätte gerne mehr Zeit und Musse, auch um auf Fragen eingehen zu können. Das gelingt mir nicht (aus bestimmten Gründen); da bitte ich Sie um Verständnis.

Mir ist natürlich klar, dass dieses Blog weltweit einzigartig ist – ich wollte ja vor drei Jahren etwas aussergewöhnliches schaffen, in dem breit gefächerte Informationen über Mannequins in einem zusammenfassenden und sehr informativen Tool für alle (kostenlos) nachzulesen sind, was ich mit einem zwinkernden Auge – analog zu „Wikipedia“ – hier „Püppipedia“ nenne. Wie die vielen Anfragen und Rückmeldungen zeigen, sind viele Menschen zwischen Moskau, Sidney und den USA (natürlich einschliesslich Europa) begeistert. Es wäre denkbar, dass sich die bisherige Besucherzahl von aktuell über 51’000 Personen vervielfachen würde, wenn ich auf den sozialen Medien präsent wäre (Twitter, Facebook & Co.); dort halte ich mich aber ganz bewusst (vorläufig und solange aus rückständiger Perspektive der Zensur offensichtliche Kunstobjekte gelöscht werden, wie mir zu Ohren kam..) nicht auf.

Expertisen für Museen, Produktionen mit Fernsehanstalten, Publikationen von Bildern in Print- und Internetmedien, sowie aufwändige Recherchen, welche im Zusammenhang mit privaten Anfragen stehen sind kostenpflichtig. Alle maximal unter 10 Minuten beantwortbaren Anfragen sind – wie Offerten – gratis. „Faszination Mannequins“ behält sich vor, Fragen nicht zu beantworten, oder nur diesen Link zu schicken, vor allem, wenn es um Figuren geht, die als sogenannte „Make-over“-Unikate gelten, oder ihr Alleinstellungsmerkmal erhalten, weil z.B. – wie aus der Anfrage einer Leserin heute Abend ersichtlich ist – ein sogenannter „Head-Change“ (Austausch des Kopfes) durchgeführt wurde. Zudem behält sich „Faszination Mannequins“ vor, keine verbindlichen Angaben zur Preis- und Marktentwicklung (z.B. auf ebay zu machen), sowie nur bei kostenpflichtigen Anfragen einen etwaigen Schätzwert anzugeben. Man sieht sich hier mit derart starken Schwankungen konfrontiert, wonach man keine Prognosen abgeben kann. Zur Zeit werden sehr viele Figuren von der Edelmarke „Hindsgaul“ aus der Serie „Revel“ angeboten, wobei besonders hier der Zustand eine herausragende, den Preis bestimmende Rolle spielt. Man kann sich also schon für EUR 20.- ein Mannequin mit Gebrauchsspuren und/oder nicht ganz originale, passgenaue Teile nach Hause holen, oder aber EUR 400.- und mehr ausgeben, für makellose, frisch restaurierte Sammlerstücke, die weltweit Unikate darstellen.

Ich danke Ihnen für Ihr Verständnis und wünsche Ihnen weiterhin viel Freude und Spass beim Lesen meiner Artikel, derer hier hoffentlich (inflationär ;-)) mehr werden, wenn ich die dazu notwendige Zeit finde. Im Übrigen möchte ich bei dieser Gelegenheit auch mitteilen, dass mit wohlwollenden Spenden das „Püppipedia“-Projekt unterstützt wird und mir damit die Möglichkeit gegeben wird, diese Informationsplattform weiter auszudehnen.

Ihr „Püppipedia“-Betreiber.

Nachruf zum Tod von Jeanette Wonneberger

Jeanette ist am 25.02.2021 infolge ihrer schweren Erkrankung gestorben; dies erfuhr ich heute vor wenigen Stunden – und meine Gedanken sind bei den Hinterbliebenen, den um sie Trauernden, welchen ich mein Beileid aussprechen möchte. Aber ich lasse, ganz still in mich gekehrt, soeben die Bilder vor meiner inneren Leinwand bei geschlossenen Augen ablaufen und ich spüre etwas sehr Warmes, neben dem Klammen, das auch vom schmerzlichen Verlust zeugt, ein helles Licht…. ja, genau, diese sonnendurchflutete Veranda, wo sie wohnte, die sie mit liebevoll gestylten Mannequins besetzte, kunstvoll in Szene gesetzt und andere Sammlerinnen und Sammler von Schaufensterfiguren inspirierend. Es war August 2017……

2017-08-29_11-35-57 | Jeanette | Flickr

Auf diesem wunderschönen Bild, zwischen der vornüber gebeugten Jung-Figur mit der Seriennummer SX-21 (über die ich einen Artikel im Blog schrieb) und links daneben der Caroline von Adel Rootstein, lehnen sich weitere Rootstein-Girls vornüber, zurück und seitwärts, so perfekt und spannend, mit luftigen und sehr die Weiblichkeit betonenden Kleider ausstaffiert, dass einem diese Unbeschwertheit, mit dieser Üppigkeit an Entspanntheit und Farbenpracht buchstäblich ins Auge springt. Bei so manchen anderen SammlerInnen sind die Gruppierungen von Mannequins eher zufällig, wild zusammengewürfelt und nicht harmonisch aufeinander abgestimmt. manche behaupteten, man könne Figuren unterschiedlicher Hersteller kaum zusammen in einer Gruppe zeigen. Jeanette bewies eindrücklich, dass dies möglich ist. Sie hatte diese erstaunliche Begabung regelrechte Bildkompositionen zu schaffen, die mich immer wieder aufs Neue faszinierten, aber auch für die eigene Kreativität inspirierten.

Weihnachtsstube 2017 (5) | Jeanette | Flickr

Mit so viel Liebe dekoriert und umgestaltet: Weihnachten 2017. Vorne rechts wieder die Jung-Figur SX-21, dann hinten an der Wand die beiden Alessandra Signorelli’s LS07 und LS08, festlich und wunderschön gestylt….

Alessandra Signorelli aus der Serie Lipstick & Compact von Adel Rootstein mit den Seriennummern LS7 und LS8 – Faszination Mannequins – Schaufensterfiguren aus fünf Jahrzehnten (faszination-mannequins-schaufensterfiguren.blog)

Nur wenige Wochen später bekam Jeanette die niederschmetternde Diagnose, dass sie an einer unheilbaren Krankheit leide – schlimmer noch – nur noch ein paar Monate zu leben habe. Mit ihrer auch aus ihren Bildern sprechenden und mitunter mich sehr ansteckenden Lebensfreude wurden daraus drei Jahre, bis ihr Licht nun für immer erlosch.

Heute Abend habe ich mehrmals ihr letztes Lebenszeichen mir gegenüber vom 07.11.2020 gelesen und fühle, dass ein wichtiger Mensch aus meiner Mitte mir nun fehlt. Auch wenn wir eher selten Kontakt hatten und wir uns persönlich nie begegnet sind, war sie täglich präsent. Vor Jahren kaufte ich ihr eine Hindsgaul Options & Assets ab, die bei mir seither Spalier steht, mitten unter all den VIP’s, im Vorraum der Küche, in die ich jeden Tag als Erstes meinen Kaffee mache und so mein Tag beginnt – vorbei an jener Figur von Jeanette, welche mich immer an sie erinnert.

Genau heute, fast zeitgleich mit der schweizweiten Schweigeminute, in welcher der seit dem 05.03.2020 vor einem Jahr gezählten 9’330 Coronatoten gedacht wurde, erhielt ich die Nachricht über Jeanettes Ableben. Ich sehe mir die alten Whatsapp-Nachrichten an…; 18 Worte voller Herzlichkeit und mindestens 12 Smilies mit Glückskleeblättern und Küsschen dazu. Niemals überschwänglich und übertrieben, sondern einfach Jeanette pur, mit ihrer gewinnenden Art die Menschen (die sie verstanden) an einem Ort abzuholen, wo sich der Wortschatz erschöpft und wo sich die Magie des Moments nicht mehr in Begriffe kleiden lässt. Dieser Zauber, der aus Jeanettes Bildern spricht, der ist unsterblich und wird uns alle überdauern. Wie er mich vor vielen Jahren gefangen nahm, als ich zum ersten Mal ihre Fotos auf ihrer Webseite und auf dem Portal „flickr“ sah, wird er womöglich auch andere Menschen begeistert haben und wenn ich über die ganze Sammlung von Schaufensterfiguren hinweg einen Begriff für diese im gesamten Kontext geben müsste, fiele mir „Manege – ein Fest für die Sinne“ ein.

2016-05-05_12-11-05 | Jeanette | Flickr

Schnörkellose, einfache Bildelemente; geniale Komposition ohne Namen, ohne Untertitel, selbsterklärend: der Kuss. „Maybe it’s the most logical end of the story ;-))“ schrieb Massimo als Kommentar, ein bekannter Mannequinfreund aus Italien.

Im oberen Bild wirft man einen Blick in Jeanettes Werkstatt. Sie war nicht nur eine Sammlerin, sondern auch Restauratorin ihrer eigenen Mannequins; d.h. schleifen, spachteln, mit Farbe grundieren, schminken….; und so sind viele ihrer Schaufensterfiguren Unikate – einmalig auf der ganzen Welt und tragen ihre weithin sichtbare „Handschrift“.

test (beepworld.de)

Als Beispiel hier die GF1, die Caroline von Adel Rootstein, die nach dem sog. „Make-over“, als der Restauration durch ihre Künstlerhand so ausgesehen hat:

Die von Jeanette Wonneberger restaurierte Adel Rootstein Figur GF 01 Caroline.

Für ihre Bilder im Atelier brauchte Jeanette kein Copyright. Jeder Sammler und jede Sammlerin zwischen Sidney, Moskau und Kalifornien wusste, seit sie ihre Fotos im Internet veröffentlichte: dieses typische Blumenmuster vom Vorhang im Hintergrund gehört zu ihrem Markenzeichen und bewundernd blätterte man durch ihre Galerien. Nicht nur Edelmarken wie Rootstein, Hindsgaul und New John Nissen bevölkerten ihr Heim, sondern sie besass auch Figuren von Moch, Almax und Jung-Figuren, weil für Jeanette Schönheit einen ideellen und nicht einen quasi materiellen Wert besass. Bei der Restauration einer Almax, für die auf dem freien Markt gerade mal EUR 20.- – EUR 30.- bezahlt werden, war sie genau so leidenschaftlich, wie bei einer Karen Mulder.

Vor knapp 10 Jahren bald, hatte ich noch wenig Erfahrung auf dem Gebiet des Sammelns von Mannequins, wenngleich die Leidenschaft vorhanden war. Eines Tages entdeckte ich im Internet dieses Bild (unten) und war hin und weg.

Dieses Foto von Jeanette, von einer Rachel PA06 von Rootstein, hatte mir auf einem Schlag eine ganz andere Sichtweise auf die Mannequins eröffnet, worin sie zu sprechen schienen, uns eine Stimmung vermitteln, gar eine Geschichte zu erzählen scheinen. Diese Aufnahme ist einfach ein Kunstwerk, verströmt eine ganz eigene Atmosphäre. Melancholie und doch innere Stärke und eine unverbrüchliche Seele. Erwartungs-, aber auch hingebungsvoll, eindeutig in ihrer Absicht und doch alles annehmend, was ihr vom Schicksal zugestanden wird – ein Kuss (wir erinnern uns, weiter oben). Das ist ihre unverkennbare und unnachahmliche Handschrift, mit welcher sie mich damals so inspirierte, dass es mir half ein ganzes Universum einer kreativen Ausdrucksweise zu verstehen, ohne die ich heute, viele Jahre später nicht mehr leben könnte. Inzwischen habe ich selber mehrere Rachels, habe meinen eigenen Stil entwickelt, der aber vom Spirit her, vom Geist, der dahintersteht u.a. auf Jeanette zurückgeht. Und so möchte ich mich vor Dir Jeanette in tiefster Dankbarkeit verneigen, Dich immer ehren, als jemand, der in meinem Leben ein Licht angezündet hat. Dieses wurde mir so vertraut, dass es mir in den dunkelsten Zeiten, in denen der Tunnel nicht zu enden schien, Hoffnung bereitete.

Jeanettes Engel sind legendär! Ihre zum Teil selber restaurierten Figuren weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt.

Ruhe in Frieden, sei umsorgt von Engeln – Adieu!

Ihr Lieblingslied war eine alte Rockballade aus DDR-Zeiten mit dem Titel „Am Fenster“ (von der Gruppe City), hier in einer schönen Version von Matthias Reim:

Matthias Reim – Am Fenster 2014 – Bing video

Exotisches NoName-Produkt – Mannequin ohne Label

Es nützt nichts. Selbst jemand, der sich in der Mannequin-Branche auskennt, kann stundenlang im weltweiten Netz googeln und findet über sie nichts. Die Rede ist von einer Schaufensterfigur, die ich nur als Billigprodukt aus dem fernen Osten kenne, möglicherweise aber auch eine Kopie einer Pose von einem Mannequin aus dem Hause Patina V sein könnte. Den einzigen Hinweis über sie fand ich auf flickr bei Super Mannequin, der sie kniend und im Originalzustand abgebildet hat:

No Name Schaufensterfigur auf flickt von Super Mannequin (8-teilig)

11214237_10153567159206869_3778040139785881209_n | Super Mannequin | Flickr

Während die meisten Schaufensterfiguren aus 7 Teilen bestehen, ist dieses Mannequin aus 8 Teilen zusammengesetzt: 1 Rumpf mit Kopf (Torso), 1 linkes Bein, 1 rechtes Bein in zwei Teilen, 1 Paar Arme und 1 Paar Hände = 8. Da aus unerfindlichen Gründen der Vorbesitzer meiner NoName-Figur, bei welcher weder ein Herstellerlabel, noch eine Seriennummer zu erkennen ist, sie durch eine Überarbeitung (Make-over) einige Körperteile mit Spachtelmasse verband, besteht sie heute lediglich aus: 1 Rumpf mit Kopf, sowie alle Teile der Beine mit diesem verbunden, 2 Paar Arme und 2 Paar Hände = 5. Aufgrund einiger Stellen am Körper, wie jener am Po, der ganz flach ist, damit sie stabil liegen kann, ist es für mich naheliegend, dass sie als liegende Figur mit lasziver Pose gedacht war und nicht als Kniende – obwohl sie so auch sehr gut aussieht, aber weniger stabil ist.

Die Schulterkupplung ist ähnlich wie der Loutoff (siehe 1. Bild unten) und auch anhand der Bajonett-Verbindung am Handgelenk, kann man von asiatischen Billigpuppen ausgehen:

Ein untrügliches Zeichen für eine Herstellung in einem fernöstlichen Land ist die Verarbeitung der Kniekehle:

Sie steht zum Verkauf…