Danke, dass Sie zusätzlich diesen Link hier angewählt haben. Sie erhalten hier natürlich noch weitere Informationen bezüglich der oben erwähnten Spendenaktion zur Rettung historischer Schaufensterfiguren, sog. Mannequins.
01.) Seit wann sammelt der Modefotograf und Künstler Cyrill Steiger Schaufensterfiguren?
Ein Bekannter in Winterthur musste 2008 Konkurs anmelden und besass zwei Schaufensterpuppen; eine männliche und eine weibliche. Weil letztere aus damaliger Sicht so aussah, wie eine verflossene Liebe, kaufte ich sie ihm ab, in der Absicht sie zuhause aufzustellen, in Erinnerung an sie. Doch bald fielen mir so manche Mannequins in den Schaufenstern dadurch eher auf als sonst und ich begann zu verstehen, wie enorm die Qualitätsunterschiede, sowohl in der Herstellung, wie auch in visueller Hinsicht sind. Eine Bekannte von mir leitete ein Dekorationsgeschäft; und so fand schliesslich bereits meine dritte Figur den Weg zu mir: eine liegende Almax aus Italien, wie ich durch meine Recherchen herausfand. Die zweite stand auch schon in der Wohnung, die ich zufällig in einem Brockenhaus, secondhand entdeckte und für CHF 100.- kaufte. Für die liegende Almax bezahlte ich CHF 290.-. Dann kam 2008 eine vierte und eine fünfte Puppe hinzu. Der Umzug mit acht Figuren war noch überschaubar; der Umzug 2009 mit etwa 15 Mannequins schon schwieriger. In meiner Wohnung wurde eingebrochen und das Mobiliar zerstört. Die Puppen blieben zum grossen Teil ganz zum Glück! 2014 erlitt ich einen Hirnschlag, den ich überlebte, aber mein Gedächtnis und das ganze Leben von Grund auf neu aufbauen musste. 2017 waren es weit über hundert, als ich in Winterthur eine Garage für 60 und ein Lager für weitere 60-70 Figuren mit geliehenem Geld anmietete, als ich wieder umziehen musste. 2018 fand ich eine Wohnung mit geräumigem Dachboden, wo ich nach dem aufwendigen Umzug über Monate hinweg bereits mit den Vorbereitungen für das geplante Museum begann. Diese weltweit einzigartige Webseite „Faszination Mannequins“ rief ich ins Leben und recherchierte Daten und Fakten zum Thema Schaufensterfiguren mit dem Ziel, den Sammlerinnen und Sammlern den Zugang zu wichtigen Informationen zu erleichtern. Neben über 600 im Zeitraum von etwa 2 Jahren erstellten, neuen Fotografien, die ich auf Social Media publizierte, gesellten sich im Laufe der Zeit über 170 Fachartikel auf der eigenen Webseite. Dann starben innerhalb kurzer Zeit eine Sammelkollegin und zwei Sammlerkollegen. Die zum Teil sehr seltenen Mannequins wurden zum Verkauf angeboten. Dies sah ich als grosse Chance, mein Museumsprojekt mit einzigartigen Unikaten auszustatten und kaufte mit einem Kredit 50 Figuren (von den rd. 730, die aus den Sammlungen insgesamt zum Verkauf standen). Ich mietete ein kleines Atelier, in der Nähe meines Wohnortes, das auch als Werkstatt dienen sollte, denn ich begann auch Mannequins zu reparieren.
2021 die vierte Katastrophe in jüngster Zeit in meinem Leben: ich liess mich gegen das Corona-Virus impfen und konnte vier Tage später nicht mehr aufstehen. Vorangegangen war ein Treppensturz auf dem Kellerabgang, wonach das obere rechte Sprunggelenk zertrümmert wurde und ich von 2019 bis 2020 etwa 3 Monate nach der Notoperation in der Rehabilitations-Klinik verbringen musste. Wenige Tage nach meiner Rückkehr brach die Pandemie (Corona) aus und ich verbrachte im Zeitraum von über einem Jahr, drei Mal jeweils drei Monate in der selbstgewählten Quarantäne, um meine Mitbürger zu schützen, sowie nicht angesteckt zu werden.
Der Zuzug eines Messies ein Stockwerk unter meiner Wohnung wurde zum Alptraum, da innert kurzer Zeit das ganze Haus wie eine Müllhalde stank. Ich suchte sofort einen Lagerraum für meine Mannequins im Keller, wobei auch wieder Mieten geleistet werden mussten, für die ich einen Kredit aufnahm.
Dann kam im Dezember 2022 überraschend die Kündigung der Wohnung wegen Eigenbedarfs des Vermieters, was nur vorgeschoben war. Das heisst, ich ergriff Rechtsmittel gegen die illegale Kündigung, verpasste aber wegen einer falschen Auskunft von einem Gericht die Eingabefrist um nur 3 Tage! So hatte ich eine neue Wohnung zu suchen, musste den finanziellen Aufwand für ein Team fürs Zusammenpacken und für den Umzug erbringen, da ich selber an den Folgen der Corona-Impfung (PVS) leide und alles zu viel für mich alleine gewesen wäre. So viel als möglich machte ich trotz allem selber; aber beim Herunterholen von 211 bereits verpackten Mannequins vom Dachboden und zusätzlich etwa 130 aus Wohnbereich, Keller und Atelier, brauchte ich Hilfe. Es waren etwa 1’000 Säcke.
29 Mal fuhr ich vom alten Wohnort zum 129 km entfernten, neuen Wohnort, mit manchmal nur sechs, manchmal aber auch zwölf Mannequins. Nach mehr als 3 Monaten waren 226 in meiner geräumigen Wohnung und einige in einer angemieteten Garage. Der Umzug (mit Wohnungseinrichtung) kostete eine fünfstellige Summe, eingerechnet Miete und Benzin für rd. 6’800 Kilometer rein für den Umzug.
Auch aus logistischer Sicht, war das ein Mammutprojekt, mit dem Ziel, für die breite Öffentlichkeit ein Museum zu eröffnen. Es starben erneut ein Bekannter und ein Freund von mir. Doch das inzwischen bezogene Atelier in Beromünster, das ich als kleines Museum begann einzurichten, war bereits an die Grenzen der Kapazität gestossen. Ich nahm also nur noch ganz seltene Schaufensterpuppen in meine Sammlung; Unikate, oder solche, welche die vorhandenen Serien zu erweitern vermögen. Infolge meiner Post-Covid- / PVS-Erkrankung war ich zunehmend limitiert und bekam vor einem Jahr, im Oktober 2025, die Diagnose Polyneuropathie. Das ist eine Erkrankung der Nervenbahnen, die in den Armen und Beinen beginnt und zu Muskelschwäche und Lähmungen führt, was auf die Corona-Impfung zurückzuführen ist.
Nach 18 Jahren Aufbau der aussergewöhnlichsten Mannequinsammlung der Welt mit rd. 440 Figuren, darf ich mich schon zum eher kleinen Kreis der Profis zählen, die von Neuseeland bis in die USA über den ganzen Globus verteilt sind. Wir tauschen uns vorwiegend über eine öffentlich zugängliche Gruppe auf Facebook aus, bei der auch über 23’000 Passivmitglieder angemeldet sind.
Facebook-Gruppe, Vintage Mannequins
Nun erhielt ich aber wegen Eigenbedarfs die Kündigung vom Atelier, in dem ich auch eine grosse Reparaturwerkstatt eingerichtet habe. Bei der ersten Etappe, habe ich nun bis jetzt rd. 60 Schaufensterpuppen (!!) verschenken oder entsorgen müssen, um Platz zu schaffen. In diesem Schritt habe ich aus drei defekten Figuren (die ich noch reparieren wollte, mir nun aber die Zeit fehlt) eine gemacht, da ich inzwischen genug Kenntnis über die Figuren und deren Serien besitze, um die korrekten teile zusammenzusetzen. Dieser Schritt und der enorme Zeitaufwand wäre nun kaum nötig gewesen, wenn ich alle Figuren entsorgen müsste!!! Deshalb brauche ich dringend die Unterstützung, um die Figuren zu retten! Ich habe nur noch 4 Monate Zeit, bis Ende Februar 2027. Das ist sehr kurz!
02.) Aus welcher Berufsgattung kommt Cyrill Steiger und mit welchen Erinnerungen verbindet er seine Leidenschaft für dieses Thema?
Auf meinen zehnten Geburtstag wünschte ich mir von meiner Grossmutter eine Fotokamera und schrieb auf den Wunschzettel die Begründung: ich wolle Dinge fotografieren, die es in der Zukunft nicht mehr gebe. Ich begann acht Jahre danach eine Lehre als Mode- und Werbefotograf, arbeitete unter anderem bei Achille Weider, Zürich (Mode), Alexander von Steiger, Basel (Werbung allg. / Swissair) und eröffnete 1985 ein eigenes Fotostudio in Zürich, im hinteren Teil des Hauses an der Bergstrasse, wo meine Grossmutter Flora Crawford-Steiger (Möbeldesignerin, Bildhauerin und Architektin) wohnte. Ich sass ihr bereits im Alter von 12 Jahren Modell und war begeistert von Doris. Diese bronzene Statue einer Bekannten von ihr, welches ein Fotomodell war, stand überlebensgross in ihrem Atelier und strahlte Anmut, Weiblichkeit, sowie Sinnlichkeit aus. Diese Eigenschaften dürften nicht zufällig von mir erfunden sein. Ich denke, meine Grossmutter hatte diese besondere Begabung, den Skulpturen eine Art „Leben“ einzuhauchen, die zumindest mich allen voran bei Doris enorm faszinierte.
Insofern kann ich Pygmalion in Ovid’s Sage sehr gut verstehen, der eine Statue schuf, in die er sich verliebte. Aphrodite hauchte ihr auf Bitten Pygmalions Leben ein. Ich bin überzeugt, dass jeder Künstler zu seinem Werk eine ganz spezielle Beziehung aufbaut, wodurch es dann zu strahlen beginnt. Das kann ein Bild, ein Musikstück, oder eine Skulptur sein.
Bei einigen Herstellern von Schaufensterfiguren waren am Entstehungsprozess zunächst auch Bildhauer, wie John Taylor von Adel Rootstein, beteiligt, bevor vom Original Abdrücke und von diesem, in Fiberglas, tausende von Mannequins in Serienproduktion hergestellt und gegossen wurden. Aus diesem Grund sind Schaufensterpuppen als sogenannte Gebrauchskunst zu bezeichnen.
03.) Weshalb ist es bedeutsam. nicht nur für VAMD, sondern für die gesamte Welt und dessen Kulturerbe, den Schaufensterpuppen ein eigenes museales Umfeld bereitzustellen?
Schaufensterpuppen verkörpern einen Zeitgeist und sind ein Spiegel ihrer jeweiligen Modeepoche. Seit den 60er-Jahren haben einige Hersteller sich menschliche Personen (überwiegend prominente Personen) ausgesucht, die wochenlang Modell gestanden haben, damit der Skulpteur/Bildhauer (damals John Taylor, bei Adel Rootstein) den Prototyp anfertigen konnte (Quelle Wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/Schaufensterpuppe).
Einer der Aspekte meiner Sammlung, welche ihre Aussergewöhnlichkeit im Vergleich zu anderen auf der ganzen Welt unterstreicht: VAMD besitzt von den berühmten Models und Schauspielerinnen das breiteste Angebot der Welt! So kann man Karen Mulder, Yasmin Le Bon, Violetta Sanchez, Jan Strimple, Pat Cleveland, Agyness Deyn, Khadija Adams, Dianne de Witt, Kate Moss und Erin O’Connor, sowie andere Berühmtheiten in einem einzigen, kleinen Museum bewundern, das für immer schliessen muss, d.h. müsste, wenn keine Hilfe kommt und die Figuren für alle Zeit verschwinden würden, wenn nicht so rasch als möglich finanzielle Mittel zur Verfügung stehen, um diese Sammlung zu retten!
„Was der Mensch sei, sagt ihm nur die (seine) Geschichte.“ Wilhelm Dilthey. Der von mir oft zitierte Satz möchte ich gerne hier zu diesem Thema einfügen, weil wir alle als Gemeinschaft Erbe kultureller Strömungen sind. Vielen ist dies möglicherweise zu wenig bewusst. Die heutige, immer dominanter von KI gesteuerte, schnelllebige, digitale Wegwerfgesellschaft hat ein Problem: sie misst sich nicht mehr an ihrer eigenen Geschichte. Viele junge Leute, die ich kennengelernt habe, Menschen aus der Gen Z, finden meine Installationen „megacool“ und finden Gefallen an meiner Art, Altes mit Neuem zu verbinden. Meine Generation, die in der Jugend die Aufbruchstimmung der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte, die Friedensbewegung, aber auch Tschernobyl, ist doch in der Verantwortung, den Spirit einer hungrigen Generation vermitteln zu dürfen. Spannend, wenn Installationen im Schaufenster die Betrachter zum Nachdenken bringt!
04.) Was bedeutet der Begriff VAMD; und ist es eine Abkürzung für eine Firma, oder ein Projekt?
VAMD ist die Abkürzung von „Vintage Art Mannequin Display“. Es ist keine Firma und bezeichnet lediglich das Tun und die Ausrichtung von meinem Projekt.
05.) Wieviel Zeit und Geld wurde bisher in das Projekt VAMD gesteckt und was war von Anfang an der Grundgedanke und die Triebfeder?
Was anfänglich sicher als ganz bescheidene, private Sammlung gedacht war, hat sich zur viertgrössten und aussergewöhnlichsten Kollektionen von alten Schaufensterpuppen der Welt entwickelt und in der Community, werde ich als einer derjenigen wahrgenommen, der zu den grössten Enthusiasten gehört. Diese Webseite „Faszination Mannequins“ mit breitgefächerten Informationen zum Thema, nenne ich liebevoll „Püppipedia“, weil umfangreich in den von mir kostenlos zur Verfügung gestellten Fachartikeln und gut recherchiert berichtet wird, sowie eine Art „Wikipedia“ für Schaufensterpuppen darstellt. Des Öfteren stelle ich fest, dass diese Datenbank auf der ganzen Welt genutzt wird. Was mir nicht gefällt, wenn in Inseraten ganze Textteile von meiner Webseite kopiert werden. Das Copyright liegt beim Autor.
Parallel habe ich VAMD ins Leben gerufen, eine Webseite, in der ich praktisch ausschliesslich mein Projekt der Schaufenster-Kunstinstallationen an der Fläcke 21 präsentiere; und wenn diese Zeit fatalerweise zu ende sein wird, wenn also zur Unterstützung zu wenig Spendengelder fliessen, wird sie nicht von der Bildfläche verschwinden, aber einen anderen Touch bekommen.
Ich investiere überwiegend viel Zeit in Recherchen, die in meinem Archiv mit über 75’000 Dateien abgespeichert sind. Viel Zeit verwende ich auch für die fotografischen Aufnahmen (inkl. Bearbeitung), aber auch für die Ausstattung meiner Schaufensterkunst. D.h. Kleider, Schuhe, Schmuck, Accessoires und Dekorationsmaterial zu beschaffen und zu lagern ist das Eine. Eine Idee und ein Konzept zu entwickeln das Andere. Das richtige Mannequin auszuwählen ist ein weiterer Schritt. Danach kommt das Technische: Hintergründe montieren und in der Werkstatt an den Dekorationselementen arbeiten; leimen, schrauben und malen. Ein wichtiger Schritt am Schluss ist die Lichtführung, bevor dann nachts von aussen das hell erleuchtete, fertige Schaufenster fotografiert werden kann.
Restauriere ich ein Mannequin, oder erteile einem Restaurator einen Auftrag, bei dem eine Spritzkabine unumgänglich ist, müssen sehr viele Vorbereitungen getroffen werden. Und genau da kommt wieder das Thema Galatea ins Spiel (als „Triebfeder“). Es macht einfach unfassbar viel Spass ein Gesamtkunstwerk zu entwickeln, durch alle einzelnen Stufen hindurch, welches dann lebendig wirkt, oder für einige Betrachter wirklich zu „leben“ beginnt, im Kopf, in der Fantasie, im sich ausbildenden Gedanken. Und die Frau, die Puppe, die Protagonistin, die als Figur in das gesamte Konzept hineingedacht wurde, beginnt ein Wesen zu werden, eine Geschichte zu erzählen, einfach so, kommentarlos, selbstredend, ohne Untertitel. Ich stand schon mitternächtig vor meinem hellen Schaufenster und dachte: hier habe ich mir eine Geschichte erzählt, vielleicht diejenige von einer Märchenfigur, vielleicht eine Aufforderung etwas Skurriles zuzulassen, mit einer sogar etwas provozierenden Botschaft, ohne belehrend zu wirken. Pygmalion ist ergriffen von Galateas Grazie. Schönheit ist ergreifend; darum ist sie leise. In unserer lärmerfüllten Welt ist es notwendig das Leise unter Leute zu bringen, damit sie kurz innehalten; ein Schaufenster, ein Public Museum…
06.) In einer Reihe mit Visionärinnen und Visionären: Pioniere schreiten voran, wagen Neues
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07.) Unerschütterlich, trotz enormer Rückschläge. Woher nimmt Cyrill Steiger die mentale Kraft?
08.) Zu welchem Zweck werden die Spenden eingesetzt?
09 Welche Spendenziele erzielen das gewünschte Ergebnis?












































































