Nachruf zum Tod von Ralf Bischoff

Eine der schillerndsten Persönlichkeit unter den Sammlern von Schaufensterfiguren ist am 31. Mai 2018 von uns gegangen. Die Nachricht hat mich erschüttert, nachdem ich sie gestern von einer Kollegin erfuhr. Es war nicht ungewöhnlich, dass wir über Tage, oder einige Wochen lang keinen Kontakt hatten, während es wiederum Phasen gab, wo wir uns praktisch täglich Bilder schickten und Informationen austauschten. Ralf wusste viel über Mannequins und arbeitete früher rd. 10 Jahre lang für einen der Marktführer in der Branche, für Adel Rootstein. Er war ein Perfektionist; in diesem Punkt waren wir uns in gewisser Weise ähnlich und er stylte seine Schaufensterfiguren sehr aufwändig. Wenn ich in unseren Gesprächen den Begriff „Schaufensterpuppe“ verwendete, zischte er „das sind keine Puppen… Das sind Mannequins!“, wobei er das „..uins..“ deutlich hervorhob. Als er bemerkte, dass ich ihn ab und an mit dem Begriff etwas necken wollte, gab er es auf mich zu korrigieren. Für ihn gab es einerseits die Laien und andererseits die Profis; und es störte ihn manchmal, dass ich als professioneller Sammler wie ein Laie den Begriff „Puppe“ verwendete. Natürlich gehört eine distinguierte Ausdrucksweise in die Branche der Schönen und Reichen, wo die bestbezahltesten Modells Gazellen gleich herumlaufen; und selbstverständlich wären diese Damen, welche von Rootstein kopiert und aufwändig in Kunstharz gegossen wurden, nicht sehr erfreut nur als „Doll“ (= Puppe) bezeichnet zu werden. Aber in der Schweiz hat sich der Begriff „Mannequin“ für Schaufensterpuppen noch nicht so herumgesprochen. Diese Geschichte hier verdeutlicht einen Charakterzug von Ralf, der ein deutliches Wesensmerkmal von ihm war. Je mehr man sein Vertrauen gewinnen konnte und je besser man ihn kennenlernen durfte, desto eher zeigte er auch langsam seine verwundbarste Seite. Korrektheit war ihm sehr wichtig. Zudem besass er einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Manchmal lauschte ich seinen Anekdoten, die er aus der Zeit bei Adel Rootstein zu erzählen wusste, wonach ich ihm vorschlug, er möge doch diese alle aufschreiben, um sie später in meinem Mannequin-Blog zu publizieren. Nun, nachdem er gestorben ist, mache ich mir ein wenig Vorwürfe, nicht mehr darauf gedrängt zu haben, denn die Geschichten waren spannend, manchmal sehr amüsant und allgemein unterhaltsam. Unlängst erklärte er mir am Telefon, anlässlich des Besuchs von Dianne Brill in Zürich diesen Frühling, wie er in den Besitz seiner Figur von Dianne Brill gekommen war. Leider kann ich diese tolle Geschichte nicht in der selben Authentizität und Frische wiedergeben, wie er es vermochte. Als er als junger Mann bei Adel Rootstein arbeitete, war er natürlich auch immer an den diversen Präsentationen von Neuheiten eingeladen. So war er auch an einer Veranstaltung anlässlich der Markteinführung der Schaufensterfigur von Dianne Brill, an welcher sie persönlich anwesend war. Sie stand wie ein Hollywood-Star im Mittelpunkt der Party und für viele war es schon ein Erfolg, ein Autogramm bekommen zu haben. Nachdem Ralf die begehrte Unterschrift erhalten hatte, schien sich diese umschwärmte Dame für den jungen Angestellten von Rootstein zu interessieren, von seinem Charme so angetan, dass sie am Ende ihm ein Mannequin von ihr schenkte (ich weiss aber nicht mehr, ob sie diese auch signierte), welche dann zu jenen Figuren verständlicherweise in seiner Sammlung avancierte, die er niemals und für kein Geld der Welt hergegeben hätte. Da gibt es auch diese Geschichte, wonach ein Designer mit dem möglichst realitätsnahen Szenario einer Pool-Situation beauftragt wurde. Dieser nahm dies so wörtlich und liess einen echten Swimming-Pool mit Wasser im Ausstellungsraum bauen, dass er das Budget um ein Mehrfaches überschritt, wonach er gefeuert wurde. Als Ralf mir erzählte, er sei in London bei einem Event einmal Rachel, der echten, 178 cm grossen, jungen Frau in Begleitung ihrer Mutter begegnet, machte er mich schon ein wenig neidisch….. (siehe meinen Beitrag zur Rachel im Blog).

Nun hat der Wind seine Worte, seine Erzählungen hinweg getragen und uns bleiben die Erinnerungen an einen hilfsbereiten Menschen, der (wenn man es brauchte) auch mal ein offenes Ohr und Verständnis für ein persönliches Anliegen hatte. In diesem Sinne wünsche ich ihm den verdienten Frieden und seinen Angehörigen viel Kraft den Verlust eines geliebten Menschen zu überwinden.

In aufrichtiger Anteilnahme

Todesanzeige von Ralf Bischoff

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Ralf schickte mir am 20.05.2018 dieses Bild mit der Zypressenallée im Hintergrund und mit drei seiner Mannequins…… alle in Schwarz gekleidet… Eine Blonde, eine Rothaarige und die Angie in einer schwarzen Kurzhaarfrisur…

2 Kommentare zu „Nachruf zum Tod von Ralf Bischoff“

  1. Hallo,
    leider habe ich erst jetzt erfahren, das Ralf verstorben ist, ich bin zutiefst erschüttert und danke dir von Herzen für lieben Nachruf über Ralf ! Ja genau so war er, schillernd , kompetent und mit einem großen Herzen 💕!! Ein Herzmensch !!
    Bin total traurig und hatte in den letzten Jahren leider keinen Kontakt mehr zu ihm . Ich bin Susanne , eine Rootstein Make up Artistin und habe 16 Jahre für Rootstein gearbeitet und durfte einige seiner „Mannequins“ speziell nach seinen Wünschen schminken.
    Wir haben viele tolle Gespräche gehabt und es ging immer die Sonne ☀️ auf wenn er den Raum betrat.

    Ruhe in Frieden lieber Ralf, in liebevoller Erinnerung ,
    Susanne

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    1. Hallo Susanne
      vielen Dank für Deine berührenden Worte, die aus Deinem Herzen sprechen, wie sie auch vergleichbar aus unseren sprechen, denen Ralf fehlt und eine Leere hinterlassen hat! Vor meinem Pult stehen zwei seiner Mannequins, die Fiona und eine Young Look. So will ich mich auch täglich an ihn erinnern, will von dieser magischen Aura seiner Figuren umfangen werden, die mich inspirieren und Kraft geben. Sie erweisen ihm aber auch so die Ehre, die ihm gebührt, denn seine Mannequins gehören zu den Schönsten und Gepflegtesten, die die Welt gesehen hat. Ralf war einer jener versierten Sammler, der über das Internet, aber auch durch den persönlichen Kontakt mir (und sicher auch anderen) noch tiefer zu verstehen gab, dass Vintage-Mannequins wahre Kunstobjekte sind, die zu unserem kulturellen Erbe gehören. Noch zu seinen Lebzeiten eröffnete ich dieses Blog, um u.a. diese Botschaft in die Welt zu tragen. Die Make-up’s seiner Figuren sind unverwechselbar. Kürzlich war ich bei einem Sammler und binnen eines Wimpernschlags erkannte ich diejenige Schaufensterpuppe, welche er von Ralf gekauft hatte, unter mehr als 22 Figuren, aufgrund seiner „Handschrift“ (wenn man dies so sagen kann). Mir ist es eine ganz grosse Ehre, hier in meinem Blog einen Kommentar zum Nachruf bezüglich Ralf von Dir Susanne lesen zu dürfen, von jener grossartigen Künstlerin, die Ralf’s Ideen umgesetzt und seinen Mannequins diese magische Aura „eingehaucht“ hat. Ralf hat zwar auch selber (meines Wissens) Mannequins geschminkt (z.B. meine Mel Martin), aber die meisten ausser Haus kolorieren lassen. Ich hoffe, dass sich Dein Gefühl der Erschütterung über seinen Tod, als Schmerz, in Dankbarkeit wandelt, ihm begegnet sein zu dürfen.

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