Inspiration-Magazin Nr. 47, aus dem Jahr 1972, von James Doiron, smugmug.com

Mein kanadischer Freund und Sammlerkollege James Doiron hat vor etwa 3 Jahren auf der Webseite smugmug.com einen Blog für die Publikation von Mannequinkatalogen gegründet, nachdem das erste Hochladen in den sozialen Medien zu ungeahnten Problemen geführt hatte; u.a. musste man zum Beitrag lange und mühsam in den jeweilen Beiträgen herunter scrollen und man verlor sehr schnell die Übersicht. Neugierig und höflich, wie er ist, fragte er in die Runde (in der Vintage-Mannequin-Sammlergruppe), ob wir – das heisst also jene wenigen Sammler, die gerne ihre Lieblinge identifiziert haben wollen – überhaupt ein Interesse an altem Informationsmaterial hätten und ich war wenige Stunden nach seinem Post online. Kurz vor mir schrieben zwei Sammler begeistert: „Oh, das wäre super toll!“ Ich schloss mich sofort an und meinte, dass die Internetrecherchen sich manchmal sehr aufwendig gestalten würden und das für mich auch eine enorme Hilfe sei. Nicht alle Sammler wollen wissen, von welchem Hersteller eine Figur ist und zu welcher Serie sie gehört hatte. Doch ich bin jemand, der die Mannequins, diese schönen Geschöpfe, als Kulturgut versteht, als Zeitzeugen, als Spiegel eines Modeverständnisses, was ein Licht auf die jeweilige Epoche wirft. Es ist von mir beabsichtigt, mit der Gründung 2018 dieses Blogs „Faszination Mannequins“ einen Beitrag zur Technik-, Design- und Kulturgeschichte von Schaufensterpuppen beizutragen, natürlich in diesem Ausmass noch nicht ahnend, welch spannendes Feld sich mir damit eröffnen würde. Wie zum Beispiel beim italienischen Hersteller „Prifo“, gibt es im Internet kaum noch Informationen (ausser diejenigen, die von mir in aufwendiger Forschungsarbeit zusammengestellt wurden, da ich selber einige Figuren von „Prifo“ besitze), weil der Hersteller schon vor vielen Jahrzehnten die Produktion eingestellt hatte. Von den etwa 52 Herstellern, die es gemäss meiner Erkenntnis zwischen 1960 und 2010 gegeben hat, existieren noch etwa 10. Selbst einer der ehemaligen Marktleader „Adel Rootstein“ ist vor Kurzem Konkurs gegangen und wurde von der italienischen Firma „Bonaveri“ aufgekauft; wie vor Jahrzehnten die einzige Schweizer Firma „Schläppi“.

Je mehr Zeit verstreicht, desto eher geraten die Mannequins in Vergessenheit und nur wenige kümmern sich um ihre Geschichte. Diese ist aber mit meinen Artikeln hier und mit dem Zugang zu den alten Katalogen nicht zu Ende erzählt. Wie James Doiron, ehemaliger Chefdekorateur in Kanada, gab es Tausende von Frauen und mehrheitlich Männer rund um den Globus, die als Schaufenster- und Innendekorateur beruflich arbeiteten und ihrer Kreativität freien Lauf liessen. Dazu verwendeten sie auch Mannequins, je nach Thema; und wie James noch ein grosses Archiv an eigenen Fotos seiner Displays besitzt, gibt es auch noch das Fachmagazin „Inspiration“, in denen annuell zur Ideenfindung, die neusten und schönsten, interessantesten Dekorationen publiziert wurden.

Aktuell hat James das Magazin „Inspiration“ Nr. 47 auf seinen Blog geladen, das insbesondere erwähnenswert ist, da unter anderem eine Serie aus dem Hause „Schläppi“ um das Jahr 1972 vorkommt, von der selbst ich als Experte auf dem Gebiet der Schweizer Schläppi Serienproduktion noch nie etwas gehört hatte.

https://jamesdoiron.smugmug.com/IInspiration-Magazine/INSPIRATION-47-1972

Von der Serie „Charleston“ mit der Seriennummer 2002, die in Form und Stil der Serie „500“ und der „2200“ von der Firma „Schläppi“ (Schweiz) sehe ich zum ersten Mal hier ein Bild.

Hingegen konnte ich diese für „Schläppi“ typischen avantgardistischen Figuren, die mir vertraut sind, sofort zuordnen. Sie waren damals revolutionär und im Umfeld des Modedesigners Pierre Cardin sehr beliebt. Sie bevölkern noch heute berühmte Museen, wie das Metropolitan Museum of Art in New York. Dieses Foto wurde um 1972 in der Grande Passage in Genf (Schweiz) aufgenommen.

Auch die Firma Karstadt in Deutschland verwendete diese „Schläppi“-Figuren, hier zum Theme „Bade-Rausch“.

„Auch die letzte Ausstellung präsentierte mit originellen Gestaltungsideen die Neuheiten in Display-Figuren der bekanntesten Fabrikate einem verwöhnten und anspruchsvollen Fachpublikum. Als dramatisierendes Gestaltungselement und verkaufsfördernder Träger der aktuellen Modetendenzen erobert die Display-Figur nicht nur alle Schaufenster, sondern mehr und mehr auch die Verkaufsräume.“

Für mich als Sammler sind solche Hinweise aus dem Jahr 1972 von grosser Bedeutung, da ich mich auch für Bilder aus jener Zeit enorm interessiere.

Man sieht hier im Vordergrund rechts eine sitzende, junge Dame, die sich hinter ihrem Rücken aufstützt. Es ist eine Hindsgaul „Twenty2“ mit der Nr. 7113 aus dem Jahr 1972. Weshalb kann ich sie trotz des von der Perücke verdeckten Gesichts und der grösstenteils durch die Kleider schlecht sichtbaren Haltung einwandfrei und unmittelbar identifizieren?

Weil ich selber stolzer Besitzer eine frisch restaurierten Hindsgaul „Twenty2“ mit der Nr. 7113 bin und es diese Figur meines Wissens weltweit nur noch ein einziges Mal gibt – und in einem Topzustand -: bei VAMD.

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