Mein kanadischer Freund und Sammlerkollege James Doiron hat vor etwa 3 Jahren auf der Webseite smugmug.com einen Blog für die Publikation von Mannequinkatalogen gegründet, nachdem das erste Hochladen in den sozialen Medien zu ungeahnten Problemen geführt hatte; u.a. musste man zum Beitrag lange und mühsam in den jeweilen Beiträgen herunter scrollen und man verlor sehr schnell die Übersicht. Neugierig und höflich, wie er ist, fragte er in die Runde (in der Vintage-Mannequin-Sammlergruppe), ob wir – das heisst also jene wenigen Sammler, die gerne ihre Lieblinge identifiziert haben wollen – überhaupt ein Interesse an altem Informationsmaterial hätten und ich war wenige Stunden nach seinem Post online. Kurz vor mir schrieben zwei Sammler begeistert: „Oh, das wäre super toll!“ Ich schloss mich sofort an und meinte, dass die Internetrecherchen sich manchmal sehr aufwendig gestalten würden und das für mich auch eine enorme Hilfe sei. Nicht alle Sammler wollen wissen, von welchem Hersteller eine Figur ist und zu welcher Serie sie gehört hatte. Doch ich bin jemand, der die Mannequins, diese schönen Geschöpfe, als Kulturgut versteht, als Zeitzeugen, als Spiegel eines Modeverständnisses, was ein Licht auf die jeweilige Epoche wirft. Es ist von mir beabsichtigt, mit der Gründung 2018 dieses Blogs „Faszination Mannequins“ einen Beitrag zur Technik-, Design- und Kulturgeschichte von Schaufensterpuppen beizutragen, natürlich in diesem Ausmass noch nicht ahnend, welch spannendes Feld sich mir damit eröffnen würde. Wie zum Beispiel beim italienischen Hersteller „Prifo“, gibt es im Internet kaum noch Informationen (ausser diejenigen, die von mir in aufwendiger Forschungsarbeit zusammengestellt wurden, da ich selber einige Figuren von „Prifo“ besitze), weil der Hersteller schon vor vielen Jahrzehnten die Produktion eingestellt hatte. Von den etwa 52 Herstellern, die es gemäss meiner Erkenntnis zwischen 1960 und 2010 gegeben hat, existieren noch etwa 10. Selbst einer der ehemaligen Marktleader „Adel Rootstein“ ist vor Kurzem Konkurs gegangen und wurde von der italienischen Firma „Bonaveri“ aufgekauft; wie vor Jahrzehnten die einzige Schweizer Firma „Schläppi“.
Je mehr Zeit verstreicht, desto eher geraten die Mannequins in Vergessenheit und nur wenige kümmern sich um ihre Geschichte. Diese ist aber mit meinen Artikeln hier und mit dem Zugang zu den alten Katalogen nicht zu Ende erzählt. Wie James Doiron, ehemaliger Chefdekorateur in Kanada, gab es Tausende von Frauen und mehrheitlich Männer rund um den Globus, die als Schaufenster- und Innendekorateur beruflich arbeiteten und ihrer Kreativität freien Lauf liessen. Dazu verwendeten sie auch Mannequins, je nach Thema; und wie James noch ein grosses Archiv an eigenen Fotos seiner Displays besitzt, gibt es auch noch das Fachmagazin „Inspiration“, in denen annuell zur Ideenfindung, die neusten und schönsten, interessantesten Dekorationen publiziert wurden.
Aktuell hat James das Magazin „Inspiration“ Nr. 47 auf seinen Blog geladen, das insbesondere erwähnenswert ist, da unter anderem eine Serie aus dem Hause „Schläppi“ um das Jahr 1972 vorkommt, von der selbst ich als Experte auf dem Gebiet der Schweizer Schläppi Serienproduktion noch nie etwas gehört hatte.
Von der Serie „Charleston“ mit der Seriennummer 2002, die in Form und Stil der Serie „500“ und der „2200“ von der Firma „Schläppi“ (Schweiz) sehe ich zum ersten Mal hier ein Bild.
Hingegen konnte ich diese für „Schläppi“ typischen avantgardistischen Figuren, die mir vertraut sind, sofort zuordnen. Sie waren damals revolutionär und im Umfeld des Modedesigners Pierre Cardin sehr beliebt. Sie bevölkern noch heute berühmte Museen, wie das Metropolitan Museum of Art in New York. Dieses Foto wurde um 1972 in der Grande Passage in Genf (Schweiz) aufgenommen.
Auch die Firma Karstadt in Deutschland verwendete diese „Schläppi“-Figuren, hier zum Theme „Bade-Rausch“.
„Auch die letzte Ausstellung präsentierte mit originellen Gestaltungsideen die Neuheiten in Display-Figuren der bekanntesten Fabrikate einem verwöhnten und anspruchsvollen Fachpublikum. Als dramatisierendes Gestaltungselement und verkaufsfördernder Träger der aktuellen Modetendenzen erobert die Display-Figur nicht nur alle Schaufenster, sondern mehr und mehr auch die Verkaufsräume.“
Für mich als Sammler sind solche Hinweise aus dem Jahr 1972 von grosser Bedeutung, da ich mich auch für Bilder aus jener Zeit enorm interessiere.
Man sieht hier im Vordergrund rechts eine sitzende, junge Dame, die sich hinter ihrem Rücken aufstützt. Es ist eine Hindsgaul „Twenty2“ mit der Nr. 7113 aus dem Jahr 1972. Weshalb kann ich sie trotz des von der Perücke verdeckten Gesichts und der grösstenteils durch die Kleider schlecht sichtbaren Haltung einwandfrei und unmittelbar identifizieren?
Weil ich selber stolzer Besitzer eine frisch restaurierten Hindsgaul „Twenty2“ mit der Nr. 7113 bin und es diese Figur meines Wissens weltweit nur noch ein einziges Mal gibt – und in einem Topzustand -: bei VAMD.
Seit 2021 hatte ich die Idee im Hinterkopf, von einer Inszenierung meiner sitzenden John Nissen Schaufensterpuppe auf einem alten Schlitten aus Metall, den ich in einem Brockenhaus fand und der mich an meine frühe Kindheit erinnert, als ich mit etwa 7 Jahren mit einem ebensolchen kleinen, roten Schlitten, wie die „Feuerwehr“ im Winter den kurzen, steilen Abhang vor dem Schulhaus „Heubeeribühl“ hinunter sauste. Als Jugendlicher wagte ich mich natürlich bereits auf die extra präparierte Schlittelbahn in Davos, bei welcher man schon durch einen extra präparierten Eiskanal schoss – oder eben dann mit 23 mit Freunden eher darum ging, wer als Erster im Zielraum am Ende der gewundenen Passstrasse ankam, die Wrestling-Attacken unterwegs auf den Schlitten „überlebend“.
Die Serie „Jeunesse“ (dt. „Jugend“) von John Nissen wurde gegen Ende der 70er-Jahre, Anfang der 80er-Jahre produziert und weltweit verkauft und hatte das Ziel, eher die junge Generation zu repräsentieren, während „Madame“ und die Serie „Fashionable“ eindeutig für die erwachsene Klientel entwickelt wurde.
Emotionale Gesichter und Gesten (oben Originalkatalogbilder von damals) sollte das Lebensgefühl der jungen Frauen verkörpern und anziehend wirken. Ich gehe davon aus, dass die Alterskategorie zwischen 18 und 23 liegen dürfte, was nur geschätzt ist und nicht überliefert. Leider sind auch die Kataloge nicht mehr in vollem Umfang auffindbar, weshalb nicht 100%-ig zweifelsfrei meine sitzende Figur (oben links mit den Stiefeln) die Seriennummer CT 18 trägt.
Was bei dieser Serie noch oft geschieht ist, dass irgendwann mit der Zeit und im Verlauf der Jahrzehnte von den jeweiligen Besitzern die Arme und Hände aus verschiedenen Gründen vertauscht wurden, oft weil man keine Referenzbilder aus Katalogen mehr hatte. Weil die Handgelenk- und Schulterverbindungen innerhalb der Serie und hier sogar serienübergreifend aus technischer Sicht kompatibel sind, hat man da vermutlich aus dem Lager einer Boutique einfach einen anderen Arm montiert, wenn einer kaputt ging, oder man sich die Zeit nicht nahm, gemäss der meistens bezeichneten (schwarzer Filzstift, von Hand) Seriennummern die Teile korrekt zusammenzusetzen, um auch dem Anspruch aus ästhetischer Sicht zu genügen.
So erkennt man spätestens beim Entwickeln von Ideen, wie man das Modell in Szene setzen will (hier links 2021 bei Probeaufnahmen mit dem roten Schlitten) und wo die ästhetische Problematik liegt, denn die Geste hat mit derjenigen im damaligen Originalkatalog nichts gemeinsam. Im angekleideten Zustand, stört dann in der Schulterverbindung auch der oft sichtbare Überhang in Bezug auf die Passgenauigkeit bei der Nut nicht, da ja dieser verdeckt ist. Doch für einen eingefleischten Sammler sind natürlich falsch angebrachte Teile sehr störend, es sei denn, man denke sich eine mögliche Geste auch während der Fahrt mit dem Schlitten aus: natürlich der unverzichtbare Blick auf’s Handy!
Aber genau dies ist das Reizvolle an der Kunst, weshalb mein Projekt auch „Vintage ART Mannequin Display“ heisst, wonach verschiedene Elemente zu einem Gesamtwerk zusammengefügt werden, nach meinen Vorstellungen von einem harmonischen Ganzen.
Natürlich muss der Schlitten schräg stehen, damit eine Dynamik in die Szene hinein kommt. Dieser Hügel und Abhang muss nur angedeutet sein, aber als schneebedeckt empfunden werden; stabil genug, dass der Schlitten mit dem Mannequin darauf auch in dieser Position hält. Mit Holzscheiten und einem weissen Tuch habe ich den Unterbau auf einem Salontischchen gebastelt und mit Stopfwatte den Schnee „verteilt“, der flauschiger und viel besser war zu verarbeiten, als normale Watte, aber etwas dunkler ist. Ich kaufte also eine Dose Glitter und schon sah dieser „Schnee“ wie echt aus, was vor allem von diesem Glitzereffekt her rührte. Dies funktioniert natürlich nur mit viel Licht und mit der idealen Positionierung der Lichtquellen. Bei dieser Arbeit kann ich auf die jahrelange Erfahrung als Werbe- und Modefotograf zurückgreifen, obwohl jedes Display wieder neue, ganz eigene Herausforderungen bietet. Ich liess vom vorangegangenen Display den Spiegel (links) stehen, sowie die Hauptleuchte am rechten Bildrand, die zwar ein Warmlicht ist, mir aber viel zu wenig von der gewünschten „Atmosphäre“ erzeugte. Also korrespondierend zum Bild im Hintergrund, das ich von einem Foto von mir vergrössern liess, brachte ich den weissen Lichterbaum mit dutzenden von kleinen LED-Lämpchen an. Dieser soll die LED-Hängelämpchen-Gardine an der linken hinteren Rückwand als Thema wieder aufnehmen und dem Ganzen einen „cozy touch“ geben, heimelig und gemütlich, noch etwas an Weihnachten erinnernd. Die Figur darf natürlich auf dem Schlitten in dieser Schräge nicht rutschen. Sieht kein Mensch: den blauen kleinen Streifen unter dem Hintern. Die Bodenschutzplatten vom Baumarkt aus einer Art festem Schaumstoff in der Grösse 50 cm x 50 cm geben den Dingen, die darauf gestellt werden einen rutschfesten Halt und lassen sich mit einer normalen Schere auf Wunschgrösse zuschneiden (und es gäbe sie auch in der Farbe grau). Die weissen Hosen stammen aus dem Brockenhaus in Reinach in der Grösse 34, mit einer Hosenbundkordel und einem Gummizug in der Hüfte, was bei sitzenden Schaufensterfiguren für eine gute Passform sorgt. Weiss und eher im moderneren Stil passt besser als irgendwelche Bluejeans oder Skihosen.
Eis, Schnee, Glitzer, Silber wird anhand der silbernen Winterjacke ins Thema integriert, die ich in einem Kinderkleiderladen in der Grösse XS zum halben Neupreis kaufte und sogar eher noch ein wenig oversized wirkt, was eh cool ist und sehr jugendlich wirkt.
Ein Eyecatcher im wahrsten Sinne des Wortes ist das originale Makeup von Ende der 70er-Jahre, mit dem dunklen ins Kornblumenblau hineinlaufende Lidschatten, was zum Discooutfit für den Samstagabend getragen wurde und hier ich auf jeden Fall nicht verändern wollte und eine Restaurierung die Figur in ihrem Charme verändert hätte. Dunkle Haare (auf jeden Fall kein Blond!) mit dunkler Wollmütze, dunkel getönte Vintage-Sonnenbrille, mit transparentem Gestell. Ich überlasse nichts dem Zufall, fühle mich einfach oft intuitiv in die Szene ein, was an Details noch fehlt. Ein Spot von hinten auf dem Gesicht, um die hübsche Silhouette herauszuarbeiten, sowie klare Licht-Schatten-Konturen bei den Portraits und ein seitlicher Hauptspot als Gegenlicht zum Strahler auf der rechten Seite, der dem Hintergrundbild die nötige Präsenz verleiht. Das Bild ist transparent, also musste ich die Deckenstrahler perfekt auf die Pannels auf der Rückseite ausrichten, damit die mittige Kreuzverstrebung des Holzrahmens nicht als Schatten sichtbar ist und das ganze Konzept zerstört.
Das Bild habe ich bei „Ifolor“ ab einem Handyfoto vergrössern lassen und extra noch vor dem Auftrag etwas aufgehellt, nachgeschärft und richtig erstrahlen lassen. Perfekte Arbeit, perfekte Ausführung in der passenden Grösse und es hat vom Gewicht her der in meiner Werkstatt auffindbare stärkste Silk gereicht. Die Ausrichtung und Position im ganzen Schaufenster muss perfekt sein; nicht zu dominant, aber vollkommen präsent. Die Lichtquellen und Strahler habe ich in meiner Werkstatt grösstenteils selbst umgebaut und mit LED ausgestattet, was nicht nur in Bezug auf Stromverbrauch, sondern auch hinsichtlich der Wärme die bei alten Leuchtmittel abgegeben wurde, ein absoluter Vorteil ist. Das Bild entstand in der Nähe meines Wohnortes Beromünster, in der Chüeweid, nahe dem Waldrand, wo am frühen Morgen die Sonne aufgegangen war, nach einer nebligen, kalten, windigen Nacht, was die Kristalle an den Bäumen gefrieren liess. Einfach wunderschön und so passend zum Display!
Schliesslich kamen noch die Details zum Zug, wie zum Beispiel die Eiszapfen am oberen Spiegelrand, der mit „Schnee“ bedeckt ist. Dann hatte ich einen Kampf mit meinem Bluray-Player, der nicht richtig laufen wollte und der TV-Bildschirm dunkel blieb. Nach aufwendiger Fehlersuche, wechselte ich den USB-Stick und wie durch ein Wunder funktionierte plötzlich alles….
Genauso aufwendig war die perfekte Positionierung des Ventilators, der nicht zu hoch ins Bild hinein ragen durfte, aber auch nicht zu weit weg von der Figur. Denn der Wind sollte ihre Haare etwas flattern lassen, aber der Winkel musste genau berechnet werden, sonst hätten sich die Lichtergirlanden bewegt, an der rückseitigen Pannele. So musste ich auch die Eiszapfen fest montieren, aber so, dass sie ohne den Spiegel zu beschädigen wieder demontiert werden können, sonst hätten sie sich auch hin- und herbewegt. Für einen Perfektionisten eine unmögliche Situation!
Dann sah ich bereits noch vor der Montage des VAMD-Schriftmotivs, welche Probleme ich zu lösen hatte. Die Schriftart musste derjenigen im Blog ähnlich sein. Die Schriftgrösse musste im Verhältnis zur Dimension des TV’s sein, die nicht dominieren durfte. Dann musste es einen Silberspray hoher Deckkraft und Qualität sein, um das Silberthema der Jacke und des Spiegelrahmens, sowie dem gesamten Thema Blau/Silber/Weiss zu entsprechen. Ich fand im Baumarkt Lettern aus Karton. Leicht musste es sein, also auch die Platte, auf die ich diese Buchstaben mit Holzleim aufklebte, bevor ich sie besprühte, denn die vor Ort durchgeführte Positionierung konnte erst vorgenommen werden, als alles schon praktisch fertig eingerichtet war; und wären die Lettern in einer Reihe angeordnet worden, hätten sie nicht silbern leuchten können, da nachts von draussen kein Licht hineinströmt. Ich hatte also die Idee sie versetzt auf der Grundplatte aus Presskarton aufzukleben, damit ich am Ende seitlich mit einem kleinen Spot von der angrenzenden Wand her so gebündelt Licht darauf geben konnte, sodass sie gut lesbar sind und von unten durch die kleine Alufolie einen Reflektor erhalten. Drei Tännchen noch daneben mit batteriebetriebenen LED-Minilämpchen und auf den Buchstaben etwas Watte, um den „Schnee“ auch in diesem Detail zu zeigen, stehen links neben dem VAMD-Schriftzug des Blogs.
English translation:
Since 2021, I've had the idea in the back of my mind of staging a performance featuring my seated John Nissen mannequin on an old metal sled I found in a secondhand shop. It reminds me of my early childhood, when, at around seven years old, I would race down the short, steep slope in front of the "Heubeeribühl" schoolhouse on a similar small, red sled, just like the "fire brigade" in winter. As a teenager, I naturally ventured onto the specially prepared toboggan run in Davos, where you could shoot through a specially groomed ice channel – or, at 23, when my friends and I were more interested in who would be the first to reach the finish area at the end of the winding mountain pass, having "survived" the wrestling-style attacks on the sleds along the way.
John Nissen's series "Jeunesse" (German: "Jugend") was produced and sold worldwide in the late 1970s and early 1980s and aimed to represent the younger generation, while "Madame" and the series "Fashionable" were clearly developed for the adult clientele.
Emotional faces and gestures (original catalog images from that time above) were intended to embody the spirit of young women and be appealing. I assume the age range was between 18 and 23, but this is only an estimate and not documented. Unfortunately, the catalogs are no longer fully available, which is why I cannot be 100% certain that my seated figure (top left with the boots) bears the serial number CT 18.
What often happens with this series is that, over time and decades, the arms and hands are swapped by the respective owners for various reasons, often because they no longer had reference images from catalogs. Because the wrist and shoulder joints are technically compatible within the series, and even across different series, it's likely that a different arm was simply fitted from a boutique's stock when one broke, or that the time wasn't taken to correctly assemble the parts according to the serial numbers, which are usually marked by hand with a black felt-tip pen, in order to meet aesthetic standards.
This is how you realize, at the latest when developing ideas for how to showcase the model (here on the left, 2021, during test shots with the red sled), where the aesthetic problem lies, because the gesture has nothing in common with the one in the original catalog from that time. When dressed, the often visible overhang in the shoulder joint doesn't bother you in terms of the fit of the groove, since it's concealed. But for a dedicated collector, incorrectly attached parts are, of course, very annoying, unless you imagine a possible gesture while riding the sled: naturally, the indispensable glance at your phone!
But this is precisely what makes art so appealing, which is why my project is called "Vintage Art Mannequin Display"—various elements are combined into a cohesive whole, according to my vision of a harmonious whole.
Of course, the sled has to be tilted to add dynamism to the scene. This hill and slope only need to be suggested, but it should be perceived as snow-covered; stable enough that the sled with the mannequin on it stays in this position. I built the base on a small coffee table using logs and a white cloth, and "distributed" the snow with stuffing, which was fluffier and much easier to work with than regular cotton wool, but a bit darker. So I bought a can of glitter, and suddenly this "snow" looked incredibly realistic, mainly due to the glitter effect. This, of course, only works with plenty of light and the ideal positioning of the light sources.
In this project, I can draw on years of experience as an advertising and fashion photographer, although each display presents its own unique challenges. From the previous display, I kept the mirror (left) and the main light on the right edge of the frame, which, while a warm light, didn't create nearly enough of the desired atmosphere. So, corresponding to the background image, which I had enlarged from a photo of myself, I added the white light tree with dozens of small LED lights. This is meant to echo the LED hanging curtain on the left rear wall and give the whole thing a cozy, homey, and inviting touch, still reminiscent of Christmas. Of course, the figure mustn't slip on the sled at this angle. And nobody will see it: the small blue stripe under its bottom. The floor protection mats from the hardware store, made of a type of firm foam and measuring 50 cm x 50 cm, provide a non-slip grip to the items placed on them and can be cut to the desired size with normal scissors (and they are also available in grey).
The white trousers, size 34 (US 4), are from the secondhand shop in Reinach AG (Switzerland) near where I live. They have a drawstring waistband and an elasticated waist, which ensures a good fit on seated mannequins. White and a more modern style is a better choice than blue jeans or ski pants.
Ice, snow, glitter, and silver are integrated into the theme using the silver winter jacket, which I bought in a children's clothing store in size XS for half the original price and which even looks a little oversized, which is cool and looks very youthful.
A real eye-catcher, in every sense of the word, is the original makeup from the late 70s, with its dark eyeshadow blending into cornflower blue. This was worn with a disco outfit for Saturday nights, and I definitely didn't want to change it, as a restoration would have altered the figure's charm. Dark hair (definitely not blonde!) with a dark wool hat, dark-tinted vintage sunglasses with transparent frames. I leave nothing to chance; I often intuitively connect with the scene and sense what details are still missing. A spotlight from behind on the face to highlight the pretty silhouette, as well as clear light and shadow contours in the portraits, and a main spotlight from the side as a backlight to the spotlight on the right, which gives the background image the necessary presence. The image is transparent, so I had to perfectly align the ceiling spotlights with the panels on the back so that the central cross brace of the wooden frame wouldn't be visible as a shadow and disrupt the whole concept.
I had the image enlarged from a mobile phone photo by "Ifolor" and then brightened and sharpened it slightly before ordering, making it truly shine. Perfect work, perfect execution in the right size, and the heaviest silk I had in my workshop was sufficient in terms of weight. The alignment and position within the shop window had to be perfect; not too dominant, but fully present. I converted most of the light sources and spotlights myself in my workshop, equipping them with LEDs, which is a definite advantage not only in terms of energy consumption but also regarding the heat emitted by the old bulbs. The image was taken near my home in Beromünster, in Chüeweid, near the edge of the forest, where the sun had risen early in the morning after a foggy, cold, windy night, which had frozen the crystals on the trees. Simply beautiful and so fitting for the display!
Finally, the details came into play, such as the icicles on the upper edge of the mirror, which is covered in "snow." Then I had a struggle with my Blu-ray player, which wouldn't work properly and the TV screen remained dark. After extensive troubleshooting, I changed the USB stick and, as if by magic, everything suddenly worked....
Equally challenging was perfectly positioning the fan, which couldn't protrude too high into the frame, but also not too far from the figure. The wind was meant to make her hair flutter slightly, but the angle had to be calculated precisely, otherwise the strings of lights on the back panel would have moved. Similarly, I had to securely mount the icicles, but in such a way that they could be removed without damaging the mirror, otherwise they too would have moved around. For a perfectionist, this was an impossible situation!
Even before mounting the VAMD lettering, I could already see the problems I would have to solve. The font had to be similar to the one on the blog. The font size had to be proportionate to the dimensions of the TV, so it wouldn't dominate. Then I needed a high-coverage, high-quality silver spray to match the silver theme of the jacket and mirror frame, as well as the overall blue/silver/white theme. I found cardboard letters at the hardware store. It had to be lightweight, including the board I glued the letters to with wood glue before spraying them, because the final positioning on-site couldn't be done until everything was practically set up. And if the letters had been arranged in a row, they wouldn't have shone silver, since no light from outside penetrates the space at night. So I had the idea of gluing them offset onto the base plate made of pressed cardboard, so that I could ultimately shine a small spotlight from the adjacent wall onto them in such a focused way that they would be easily readable and would have a reflector from below through the small aluminum foil.
Three small fir trees next to it, with battery-operated LED mini-lights and some cotton wool on the letters to show the "snow" in this detail, stand to the left of the VAMD lettering of the blog.
Schon länger gehört eine Alison Fitzpatrick mit der Nummer BB08 von Adel Rootstein aus der Serie „Bar Belles“ zu meiner Sammlung und auch zu meinen Lieblingsfiguren schlechthin. Über ihre „Schwester“ mit der Nummer BB09 habe ich bereits vor einigen Jahren einen ausführlichen Artikel hier im Blog geschrieben:
Diese steht in meinem Vitrinenzimmer in der Wohnung und hat dort ihren Platz zugewiesen, den sie verteidigen würde, wenn ich sie dort wegnähme. Für mein Showroom mit der Bar Belles Gruppe, hatte ich vorerst eine BB09 mit einem defekten Ohr platziert. Doch nun habe ich nochmals eine BB08 von einem im Frühling verstorbenen Sammlerkollegen angekauft, wie auch meine neue Violetta Sanchez mit den Glasaugen (BB12).
In diesem Bild (unten) sieht man vorne an der Stange Violetta Sanchez mit der Nummer BB06, dann eine Alison Fitzpatrick BB08, eine Deborah BB10, eine Roxanna BB11 und eine Violetta Sanchez BB12 – und zu meiner Sammlung gehören noch drei BB09, eine zweite BB11 und BB12. Beim Poker würde man „Royal Flush“ sagen. Das höchste was man erreichen kann. Besser geht nicht!
Meine Alison Fitzpatrick mit der Nummer BB08 habe ich ein wenig in der Art von der Meerjungfrau „Arielle“ gestylt. Nachstehend ein KI Bild von mir…
Im Unterschied zu diesem Blog hier, der nun nach 7 Jahren sich einer grossen Beliebtheit erfreut (und ich leider in den vergangenen Monaten etwas wenig Zeit hatte Artikel zu verfassen), wollte ich zusätzlich einen Blog, in dem lediglich eigenes Bildmaterial zum Thema Schaufensterpuppen, bzw. von der eigenen, sehr umfangreichen Sammlung präsentiert werden kann.
Informationen zu den Hintergründen, den lebenden Frauen, die den Künstlern Modell gestanden hatten, zu den originalen Katalogen und zu ganz allgemeinen Themen findet man immer noch hier im Blog „Faszination Mannequins“. Nach wie vor kostenlos und ohne störende Werbung, was heutzutage eine Seltenheit ist.
Im Blog des VAMD-Projektes stelle ich meine kreative Seite vor, um auch den vielen Fragen zu begegnen, die mir gestellt werden, wonach vielleicht auch etwas besser verstanden werden wird, weshalb ich so minutiös sammle und worin der Unterschied zu einer Briefmarkensammlung ist. Ich erinnere mich sehr gerne an die Zeit zurück am Stubentisch mit meinem Grossvater, als im Hintergrund die alte Pendeluhr mit ihrem „Tick-Tack“ einem in die Gegenwart zurück holte, denn diese verging mit ihm so schnell, dass man in der vom Zigarrenrauch neblig gefüllten Stube wie in einer Art Zeitkapsel eingeschlossen war, ich mich aber wohl fühlte und diese ungern jeweils wieder verliess. Mit ihm war das Briefmarkensammeln das Grösste, auch wenn diese kleinen, farbigen Papierfetzen im Grunde nichts wert waren und wir mehr spielerisch durch Tausch versuchten unsere Sammlungen zu komplettieren. Ich lernte so viel über die Welt, über die Geschichte und mein Grossvater war nie verlegen. Er wusste auf sehr vieles eine Antwort; und ich war schon immer wissbegierig. Das Haus war komplett aus Holz, mit dünnen Wänden, kleinen, doppelverglasten Fenstern, mit Fensterläden, wie bei einem Lebkuchenhäuschen. Die heimelige Atmosphäre wurde durch den Kachelofen und der winzigen Stube, in dem ein grosses Buffet mit einem alten Radio stand, verstärkt. Der Esstisch wurde nur bei Besuch aufgedeckt; sonst ass man in der winzigen Küche, eingehüllt in den Duft einer wohlriechenden Gemüsesuppe.
Auch bei meiner Grossmutter väterlicherseits verbrachte ich viel Zeit, sass ihr Modell, so wie meine Schwester und viele die ich kannte. Da war dieses grosse Haus, mit diesen lichtdurchfluteten Zimmern, das mein Grossvater 1959 baute, als Architekt und Mitinitiator und Zeitzeuge der berühmten Bauhauszeit. 2024 erschien ein Buch über dieses geschichtsträchtige Bauwerk:
Dem zentralen, sehr geräumigen, wabenförmigen, zentral angelegten Raum, gliederten sich Nebenräume an, die teils funktional mittels Schiebewände gegenüber den anderen untertrennt werden konnten. Oft waren sie aber in gefaltetem Zustand beiseite gestellt, wonach je nach Jahreszeit die Natur um das Haus herum herein zu fluten schien.
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In einem gegen Westen und mit Zugang zur Terrasse ausgerichteten Raum, war ein Atelier für meine Grossmutter Flora Steiger-Crawford eingerichtet worden, in dem sie als Bildhauerin ihre Plastiken anfertigte. Es roch nach frischem Ton, der in feuchte Tücher gehüllt bis zur Fortsetzung der Arbeit modellierbar sein sollte; aufgetragen in Schichten, verstärkt durch skelettartige Drahtgestelle, die sie umhüllten. Überall standen auch Gipsmodelle. Wie meine Grossmutter mir erläuterte, Abgüsse der getrockneten Originale aus Lehm, wonach im weiteren Produktionsschritt teuer und schwere Abgüsse aus Bronze hergestellt wurden. Witterungsresistent standen sie um das Haus herum im Garten, oder neben der Fassade und warfen ihre Schatten auf die hellen Betonwände, oder in das Grün des englischen Rasens.
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Aber sie standen auch im Wohnbereich, teils dünn und dürr, durch Inspiration von den Skulpturen von Alberto Giacometti. Wieder andere waren üppig und weiblich; und von Doris (ein ehemaliges Fotomodell) war ich so begeistert, dass sie aus heutiger Sicht vermutlich in der quasi „Zeitzone des Urknalls für meine Begeisterung für Schaufensterfiguren“ zu suchen wäre.
In dieser kontrastreichen Welt bin ich aufgewachsen; und ich pendelte als Bub vom Beackern des heimischen Gartens meines Grossvaters mütterlicherseits, in die von feuchtem Lehmgeruch geschwängerten Hallen meiner Grossmutter, die später dann in meinem Leben eine ausserordentlich wichtige Rolle einnahm.
New John Nissen, „Fashionable“, MW 16, Marlene (Inseratfoto)
„Sehr schönes Gesicht… ästhetisch gealtert…. rissige Hautstellen…. viele Hicke…. Schaufensterpuppe ca. 30-40 Jahre alt….“: so las sich das Inserat auf der Schweizer Verkaufsplattform im Frühling 2020, als ich trotz gebrochenem Sprunggelenk, immer wieder mal im Internet die Fühler ausstreckte, um nachzusehen, was noch in meine umfangreiche Mannequinsammlung gehören müsste. Und genau so wünscht man sich ein Inserat von Schaufensterpuppen, in dem akkurat die Schäden und der Zustand angegeben wird, wodurch man bereits im Vorfeld sich darauf einlassen kann, was einem erwartet, wenn man sie kauft und vor Ort abholt. Leider wird immer häufiger gemauschelt und betrogen, werden gar keine, oder falsche Angaben gemacht. Hier war alles völlig transparent, verdeutlicht durch aussagekräftige Fotos von den (vor allem von Laien) erkennbaren Schäden. Dabei unterscheide ich zwischen zwei Arten von Schäden: den augenscheinlichen und jenen, welche lediglich von Profis festzustellen sind. Da bin ich bei einem Kauf oft dann nachsichtig, wenn ich grundsätzlich hehre Absichten des Verkäufers erkennen kann. Das war hier der Fall; ein sehr nettes, junges Paar.
Ein aussagekräftiges Foto von den Schäden bei einer alten Schaufensterpuppe sagt viel über den Allgemeinzustand und den Wert der Figur, aber auch viel über die Ehrlichkeit des Verkäufers aus. Nicht selten werden Schäden nicht deklariert und in manchen Fällen verheimlicht. Beim Verkäufer dieser Figur war es genau umgekehrt: sehr transparent. Lackabplatzer und altersbedingte Haarrisse an Oberarmen und im Bereich der Brustpartie und angrenzende Zonen (Bild).
Über die Ästhetik einer Patina lässt sich natürlich streiten. Solche Haarrisse sind auch bei alten Gemälden vorhanden, die man ja extra so belässt. Kann man natürlich bei einer Schaufensterpuppe auch schön finden. Doch nach dem Kauf dieser wunderbaren und sehr seltenen New John Nissen-Figur aus der Serie „Fashionable“ mit der Nummer MW 16 und dem klangvollen Namen „Marlene“, wurde mir schnell klar, dass je nach Lichteinfall die Schäden im Brustbereich inakzeptabel für tolle Fotos sind und ich sie eines Tages nach eigenem Konzept professionell restaurieren lassen würde.
Je nach Lichteinfall können auch Haarrisse zu unerwünschten Schatten führen. Erste Fotos von „Marlene“ nach dem Kauf waren enttäuschend. So war die Idee geboren sie restaurieren zu lassen.
Der grosse Lackschaden am linken Fuss war zwar im Inserat nicht explizit erwähnt und ganz offensichtlich. Doch er war durch den Gesamtzustand erwartbar und vom Verkäufer nicht verheimlicht worden. Was dieser aber vor allem als Laie nicht erkennen konnte, dass das Modegeschäft, von dem er die Schaufensterpuppe vor Jahrzehnten gekauft hatte, die falsche rechte Hand montierte (siehe Bild), die nicht nur am Handgelenkt defekt war, sondern auch im Gesamtbild nicht wirklich ansprechend aussah.
Laien können nicht erkennen, dass – wie in diesem Fall – bei meiner Figur die rechte Hand von MW 13 („Rosalyn“) aus der selben Serie montiert wurde. Doch eine korrekte Hand, wie im Originalkatalog zu finden, ist nach rd. 45 Jahren eine grössere Herausforderung.
„Marlene“ (rechts im Bild oben / Originalkatalog) mit dem Seriencode MW 16 stützt ihre rechte Hand aus dem angewinkelten Arm heraus in ihre Hüften.
In meinem doch umfangreichen Ersatzteillager fand ich schliesslich die rechte Hand von „Barbara“ mit der Seriennummer MW 11 („Fashionable“), die meiner Meinung nach gut ins Gesamtkonzept der MW 16 passt. Und so wurde die Farbe für den Hautton gesucht, die gesamte Figur geschliffen und gespachtelt. Zuletzt kam das Makeup, wobei aber die Originalaugen von New John Nissen belassen wurden.
Ich fand diese Lippenfarbe von „Marlene“ im Originalkatalog nicht schön und hatte die Idee, ihr diese natürliche Frische der deutschen Schauspielerin Elke Sommer zu verleihen, die damals sehr berühmt war und ich in meiner Jugend natürlich kannte.
Freche, anziehende Ausstrahlung: so habe ich Elke Sommer in Erinnerung. Aber Virna Lisi schien mir während den wochenlangen Recherchen eine noch bessere Wahl zu sein. Ich tüftelte und sprach mich mit dem Restaurator ab. Ich wollte eine sinnliche Komponente hineinbringen, den Charme einer „Femme Fatale“, die einem mit ihren Reizen, mit dem Blick verführt. Dies mit einem Typus von Elke Sommer zu kombinieren und stets das Original von New John Nissen nicht aus den Augen zu verlieren, d.h. diese Ursprünglichkeit mit einzubeziehen, ist eine ziemliche Herausforderung. Das macht aber unheimlichen Spass, weil ich in dieser Zeit auch mal kurz von Virna Lisi abwich, dutzende Fotos von ihr im Internet fand und schliesslich auf sie zurückkam.
Virna Lisi in verführerischer „Femme Fatale“ Pose. Man erliegt ihrem Charme, verliert sich in ihren blauen Augen, die wie zwei kleine Seen am Fusse eines Gletschers einem darin versinken lassen, unendlich trunken, magisch. Aber ich wollte einen sinnlicheren, etwas modernere Lippenstift-Farbton, etwas weg von den damaligen Farben in den 70er-Jahren. Ich denke, das ist mir ganz gut gelungen. Gestern habe ich sie beim Restaurator abgeholt und die ersten Fotos gemacht.
Virna Lisi
Eines der coolsten Bilder, die ich von Virna Lisi im Internet fand! Eine klare Botschaft an die Männer der späten 70er-Jahre, die mehrheitlich üppige Körperbehaarung besassen und Bärte trugen.
Der Fund im Internet, der geradezu danach „schrie“ meine „Marlene“ MW 16 von New John Nissen restaurieren zu lassen: Broschüre mit „Marlene“ auf dem Bild, hinter einer männlichen Schaufensterpuppe mit Schnauzbart; typisch für diese Zeit damals – und sie schaut ihn argwöhnisch an.
Kurz nachdem ich damals, am 08. Juli 2019, über meine neu erworbene „Grace“ von New John Nissen aus der Serie „Beauties“ hier im Blog schrieb und sie als „Aphrodite“ bezeichnete, konnte ich noch nicht ahnen, dass im Dezember 2021 eine weitere PW12 aus dieser Serie in meine Sammlung einziehen würde, aber ich konnte auch nicht ahnen, wie meine „Aphrodite“ bei einem Sturz in der Wohnung schwer beschädigt wurde und komplett restauriert werden musste. Dieser Salto rückwärts mit unsanfter Landung wurde durch eine mir bekannte Person ausgelöst, worauf die Versicherung die Reparatur bezahlte. Vor kurzem kam sie zurück und ich machte ein paar Fotos, die ich hier gerne präsentiere. Ich verweise noch mit dem Link auf den Artikel über sie von 2019:
Es waren keine an der Sonne schmelzenden Wachsfiguren mehr, wie sie etwa in den 30er-Jahren in den Schaufensterauslagen anzutreffen waren. Nein, diese Mannequins der anbrechenden Epoche waren aus modernsten Materialien und technisch ausgefeilt. Während der Hersteller Adel Rootstein die Figuren nach real lebenden Menschen gestaltete und diese modellierte, und andere Hersteller ihre Mannequins ebenfalls so realistisch wie möglich produzierten, ging die in der Schweiz damals domizilierte Firma Schläppi Zürich schon in den 50er- und 60er-Jahren eigene Wege. Das Abstrakte hielt Einzug; es sollte avantgardistisch sein, die in die Space-Age verortbare Mode von Pierre Cardin repräsentieren, wonach die Serie 2200 entstand, welche nach dem Konkurs von der Fa. Schläppi als „Aloof“-Serie beim neuen, italienischen Besitzer Bonaveri bis heute ihren Fortbestand hat.
Zu Bergdorf Goodman’s Zauberwelten schrieb ich im Dezember 2018 und zu den Space-Age Schläppi-Figuren im Juni 2018 jeweils einen Artikel, noch nicht ahnend, dass ich einmal Besitzer einer Schaufensterpuppe sein würde, welche vermutlich noch vor der berühmten Serie 2200 hergestellt wurde.
Doch der Reihe nach: Bergdorf Goodman an der 5th avenue in New York gibt es bereits seit Ende des 19. Jh. und ist auch wegen den wunderschönen, jährlichen Dekorationen zur Weihnachtszeit weltberühmt. Dieser liegt jeweils ein Thema zugrunde, wie z.B. „Karneval der Tiere“ (Carnival of the animals).
Da war zum Beispiel dieses Schaufenster zum Thema „Jazz“ (Jazzes up) mit opulenter Ausstattung und mit fantastischen Garderoben (Quelle: jazzes-up.)
Da waren 2011 diese Fenster zum Thema „Karneval der Tiere“ (Carnival of the animals) …einfach fantastisch! Karneval der Tiere – Link
Diese Schaufensterfigur ist komplett in goldene Gegenstände gehüllt, wobei man sie fast nicht mehr erkennt… joana miranda studio
„Sculpture“ heisst dieses Thema und zeigt die berühmte, römische Statue des „Diskobolos von Myron“, diesem Diskuswerfer, der in einer Art eingefrorenen Bewegung eine eigentümliche Dynamik und Kraft ausstrahlt. Myron habe „den einzigen Moment der Ruhe, gewissermaßen den toten Punkt“ gewählt, heisst es in der Erklärung in Wikipedia ( https://de.wikipedia.org/wiki/Diskobolos ). Ist das nicht etwas, was uns bei den Schaufensterfiguren von den frühen 60er-Jahren immer wieder auffällt, dass sie wie eigenständige Skulpturen im Raum stehen?
Dann entdeckte ich letztes Jahr ein Inserat im Internet, in dem eine Rootstein-Figur zum Kauf angeboten wurde, mit dem Hinweis, es seien noch mehr, die aber nicht abgebildet seien. Als ich in einer Ecke der riesigen Räumlichkeiten diese doch ein wenig traurig dreinblickende Schaufensterpuppe sah, musste ich natürlich nicht lange überlegen. Die drei für die zweifelsfreie Identifikation der Puppe notwendigen Merkmale sind gut erkennbar: 1.) diese für die Statuen der griechischen Antike typische Physiognomie der geraden Nase, wie sie zum Beispiel bei den Darstellungen der Göttin Artemis (Göttin der Jagd) verwendet wurde. 2.) die dünnen, in alle Richtungen gespreizten Finger, mit nur zwei, statt drei Glieder. 3.) die so nur bei Schläppi speziell geformten Füsse und Zehen, die auch im Schritt an Ballett erinnert.
Sie war voller fettiger Rückstände von Abgasen, Russ und Schmutz. Doch dieser riesige Aufwand sie komplett zu reinigen hat sich gelohnt. Sauber und gestylt, mit einem trägerlosen Polka-Dot Kleid im Stil der 60er-Jahre, trat sie ihr neues, zweites Leben an und guckt, so scheints, viel fröhlicher in die Welt! Fotos in der Galerie unten: Es ist eindeutig eine Schläppi Zürich, wie sie bei Bergdorf Goodman bei verschiedenen Themen eingesetzt wurde und sie macht eine innehaltende Bewegung, wie der Diskuswerfer. Die auf der Hüftverbindung ersichtliche Nummer 502 könnte die Seriennummer sein. Weil es aber von diesen etwa 60 Jahre alten Mannequins keine Kataloge mehr gibt, ist dies sehr schwierig zu beurteilen. Auch eine der Bergdorf Goodman-Figuren hat immer noch diesen dünnen Strich der hoch angesetzten Augenbrauen. Das Gesicht erhält dadurch zwar etwas maskenhaftes. Aber es ist insgesamt eine wirklich tolle und sehr seltene Figur, die möglicherweise Pate gestanden ist, für die etwas später auf den Markt gebrachten Schläppi 2200.
Als ich meine erste Hindsgaul-Schaufensterpuppe aus der Serie „Twenty2“ kaufte (Nr. 7115), suchte ich nach dem Katalog im Internet und fand einige aufschlussreiche Seiten, auf denen das folgende Bild einer Hindsgaul-Figur aus der Serie „Twenty2“ auffindbar war. Es ist eine 7102, die mit einem dicken, roten Mantel in einem Waldstück unterwegs ist mit einer männlichen Figur und einem Hund, der echt ist.
Links die Hindsgaul nr. 7102 aus der Serie „Twenty2“
Ich war von diesem Bild so begeistert, dass ich dieses Gefühl nicht in Worte fassen kann. Es hat so etwas magisches! Es scheint ein Moment, ein Augenblick eingefroren zu sein, in dem zwei Menschen unbeschwert und glücklich auf einem Weg im Frühling durch den Wald spazieren gehen und sie scheinen sich zu mögen. Er achtet auf sie und sie strahlt über das ganze Gesicht; eine ganz tolle Szene, wie ich finde – und man darf nicht vergessen, für die damalige Zeit (1972) etwas völlig neues. Mit langem gestreckten Schritt geht sie neben ihm, selbstbewusst, modern (mit Hosen) und blond gelockt, sehr weiblich. Ich sagte in einem Telefongespräch zu einer Bekannten: „Die ist so wunderschön und hat eine so tolle Ausstrahlung! Ich wünschte mir, ich könnte irgendwann einmal so eine finden.“ Doch so alte Figuren sind extrem selten, selbst wenn diese Serie zu einen der grössten dieses Herstellers zählt. 15 Frauen und 10 Männer sind sie alle zusammen. Doch Hindsgaul hat dutzende von Serien mit hunderten von Figuren über Jahrzehnte produziert. Ich sah es ja bereits als grosses Glück an eine 7115 erwerben zu können.
Dann entdeckte ich im Internet dieses Bild mit einer Schaufensterpuppe im Gegenlicht, mit einem Handy aufgenommen. Aber ich wusste natürlich sofort, das ist sie, die 7102, welche ich seit Jahren suche – und im ersten Augenblick wollte ich es kaum glauben, dass sie zum Verkauf stand, nur rd. 10 Minuten mit dem Auto von mir entfernt. Was für ein Glücksfall. Aber das Bein und die Arme waren kaputt und auch das Gesicht und die fahlen Augen zeugten von vielen Stunden, Wochen und Monaten, gar Jahren, in welchen sie einem direktem Sonnenlicht vermutlich ausgesetzt war. Sie war dreckig und hatte am Kopf ein riesiges Teppichband, womit man früher wohl Perücken festgeklebt hatte. Es gelang mir alles zu entfernen, sie sauber zu putzen und für die Restaurierung vorzubereiten.
Die alten Wimpern sind ausgekratzt, die Leimspuren und Kleber alle entfernt und bevor ich sie auf die Reise zum Restaurator Hasan Akpinar schickte, gab es noch ein Selfie mit ihr zusammen und obwohl mir die Trennung schwer fiel, hatte ich ihr versprochen, dass sie die schönste „Twenty2“-Figur auf der ganzen Welt werden würde – und wie man sieht, freuten wir uns darauf.
Das Makeup hatte ich mir ganz genau vorgestellt, wie es am Ende sein sollte. Doch liess ich Hasans Ideen und Vorschläge wie immer mit einfliessen, denn bisher hat er immer genau verstanden, was ich will und mit seinen Änderungen dann noch die Krone aufgesetzt. So wollte ich dieses freundliche Gesicht zum Strahlen bringen und sie sollte auf ihre Art Unbeschwertheit verkörpern, nicht luftig gedankenlos, schon erdverbunden, aber leicht, beschwingt, irgendwie sorglos, mit ansteckendem Lächeln. Gleichzeitig sollte es ein Makeup sein, das die beginnenden 70er-Jahre widerspiegelt, zeitgemäss bleibt, aber ebenfalls moderne Komponenten mit einfliessen lässt, als eine Art Interpretation auf die heutige Zeit adaptiert, in der seit kurzem die Mode der 70er-Jahre wieder voll im Trend liegt.
Dies bedeutete also helle, graublaue Augen, pastellfarbene Töne und nicht zu kräftige Lidschatten, wie dies in den 80er-Jahren aufkam. Ich wollte für die Lippen eine jugendliche, frische Farbe, die daran erinnert, dass „Twenty2“ – übersetzt „Zweiundzwanzig“) – von Hindsgaul eine Serie im Hinblick auf junge Käuferinnen und Käufer war. Twen’s eben, d.h. solche die schon nicht mehr im Teenageralter sind. Perlmutt Lipgloss war genau das Richtige, wie ich fand und ich war schon etwas überrascht, als ich las, dass dieser Style anfangs der 70er-Jahre tatsächlich total angesagt war.
Entscheidend war die Wahl der Farbe für den Lidschatten, den Lidstrich und die Brauen. Ich orientierte mich am dezenten 70er-Jahre Makeup, mit dem noch aussen im Spitz ausgezogenen Lidstrich.
Im ersten Foto unten sind die beiden Zeichnungen links gemeint. Das Makeup aus dem Jahr 1973 (Bild unten in der Mitte) hat zwar für die Zeit authentische Brauen, doch sie passen nicht zum Gesicht der Schaufensterpuppe. Rechts im Bild unten das typische 60er-Jahre Makeup von Jean Shrimpton. Das war mir zuwenig zeitgerecht.
Der Bewegungsspielraum war also ziemlich schmal und der Balanceakt in der Wahl der Vintage-Komponenten mit moderner Interpretation herausfordernd.
Sowohl die unteren drei Bilder waren für mich enorm inspirierend, die aus den frühen 70er-Jahren stammen…….
…als auch folgendes, modernes Makeup, das durch die Vintage-Komponente der 70er-Jahre einen faszinierenden, anziehenden Aspekt erhalten sollte. Mit dem Vorschlag von Hasan für den Lidschatten die lila Fliederfarbe mit weichem Rouge vermengt zu benutzen, klang für mich einfach überzeugend und perfekt. Und heute 12.03.2022 bekam ich von ihm bereits die ersten Bilder der noch nicht ganz vollendeten Figur zugeschickt. Ich bin so gespannt, wie sie am Ende nach den kleinen kosmetischen Feinheiten, die nun noch dazu kommen aussehen wird. Was für eine Verwandlung!
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„Wenn man sich über Schaufensterpuppen informieren will, kommt man an Ihrem Blog nicht vorbei! Super gemacht…. dort haben wir auch schon oft gestöbert.“ (Juni 2020, Tanja’s Mannequins). Nun, eines der Motive, welches für mich im Vordergrund steht dieses Blog zu publizieren ist, in einem Informationspool möglichst viele Daten zu sammeln, die ich in stundenlangen Recherchen im Internet (es gibt keine Fachliteratur!), oder in persönlichen Gesprächen mit Sammlern zusammengetragen habe. Irgendwann, in zehn, zwanzig Jahren ist das Wissen sonst verloren und die „goldene Ära“ der Mannequins nur noch als matt und fahl wirkende Erzählungen im Geschichtsbewusstsein der Menschen präsent, wenn überhaupt. Mit diesem Blog möchte ich die Geschichte lebendig behalten, den Laien diese Gebrauchskunst näher bringen, von der eine ganz spezielle Form der Ästhetik ausgeht, die Zeitzeugen von Modetrends, ja sogar von sozialen Strukturwandeln sind. Mannequins aus Kunstharz sind in ihrer Form und in ihrem Ausdruck als industrielles Erzeugnis dem Menschen, d.h. ihrem Schöpfer am ähnlichsten.
Aufgrund aktueller Ereignisse habe ich etwas wenig Zeit gefunden in den letzten paar Monaten weitere Artikel zu schreiben. Themen und Ideen habe ich genug. Die Nachfrage nach Informationen ist sehr gross.
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