Die Serie Twenty2 von Hindsgaul aus dem Jahre 1972

Die Einen schreiben „Twenty2“, wieder andere „Twenty two“; ich bevorzuge die originale Schreibweise „Twenty2“, wenn damit die wunderschöne Mannequinserie von Hindsgaul aus dem Jahre 1972 gemeint ist:

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flickr, Serge O, Hindsgaul Katalogseite Twenty2

Während im selben Produktionsjahr die Serien „Maxime“ und „Gazelle“ entstanden, die eher Frauen über Dreissig verkörperten, wollte man dem Trend anfangs der 70er-Jahre nachkommen und das junge Publikum ansprechen, bei denen Freizeit, Sport, Spiel und Spass im Vordergrund standen. Im Zuge der gesellschaftlichen Umwandlung, welche die Popkultur der 60er-Jahre mit sich brachten, begann sie sich im Grunde erst anfangs der 70er-Jahre zu etablieren und sich verbreitet ins Bewusstsein des Volkes (lat. „populus“, woraus „Pop“ abgeleitet ist) einzugraben. Dem Wesen nach wurden den bis Mitte der 60er-Jahre noch gültigen, konservativen Werten durch die neue Befreiungsbewegung eine deutliche Absage erteilt. Die Rolle der Frau bekam eine neue Definition und im Zuge der Emanzipationsbestrebungen wurde sie auch zunehmend selbst bestimmt. Durch die sexuelle Revolution, welche diese Zeit prägte, keimten parallel dazu neue Ideologien auf, die vom Durchbrechen herrschender Konventionen motiviert waren. Dazu gehörten vor allem Offenheit und Toleranz innerhalb demokratischer Strukturen, aber auch Trends, in denen es um ein Zeitempfinden ging. Popkultur ist demnach ein Begriff, der sich auf ein jeweiliges Gefühl der breiten Gesellschaft innerhalb der Grenzen industrialisierter Staaten bezieht, weshalb sie auch international und grenzüberschreitend in vielfältiger Hinsicht ist. Vergleicht man die Posen und die Gestik der Mannequins aus den früheren Serien mit denen der „Twenty2“ von Hindsgaul, sind grosse Unterschiede erkennbar. In der Serie „On the seaways“ von 1968 gibt es zwar auch schon eine lachende Figur, aber diese darf als Vorläuferin der darauffolgenden Entwicklung gesehen werden, die leider nicht lange anhielt. Viele der „Twenty2“-Schaufensterfiguren schmunzeln, oder lachen, wirken ungehemmt, fröhlich und aufgeschlossen. Das macht sie auch für Sammler sehr beliebt. Frühere Modelle präsentierten sich eher zurückhaltend, in einer statischen Pose verharrend. Die Figuren von „Twenty2“ sind (wie bei der „Gazelle“) Momentaufnahmen, zum Teil während einer Bewegung. Sie verkörpern den Zeitgeist des Aufbruchs in eine der spannendsten Epochen der Menschheit, in welcher der Glaube an eine Zukunft ohne soziale und technische Schranken vorherrschte, befreit von Konventionen, unbegrenzt.

Wikipedia, Thema „Popkultur“

Thema „Was ist Popkultur“

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Im Mannequinkatalog der Serie „Twenty2“ von 1972 ist eine Szene in einem Eisstadion nachgestellt, wo Eishockeyspieler als lebende Menschen zwei Schaufensterfiguren mit den Seriennummern 7106 und 7114 halten. Das gab es in vergleichbarer Weise bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Die Situation wirkt sehr dynamisch. Hinter der Bande sind Zuschauerinnen und Zuschauer, u.a. das Mannequin mit der Seriennummer 7109, die ich kürzlich in einem Inserat entdeckte und in meine Sammlung integrieren konnte.

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Sie lächelt und blickt über ihre linke Schulter, während sie aufrecht steht und das rechte Bein etwas angewinkelt ist. Die Beinstellung ist mit der Figur Nr. 7107, 7108 und 7110 identisch. Nur die Stellung der Arme, die Ausrichtung des Kopfes und der Ausdruck im Gesicht differieren. Wie bereits im Artikel über die Serie „On the seaways“ erwähnt, sind in dieser Periode der Herstellung von Schaufensterfiguren bei Hindsgaul, die einzelnen Teile untereinander kompatibel gewesen, weshalb manchmal von Dekorateuren diese beliebig vertauscht wurden. Es ist aus diesem Grund sehr schwierig, Mannequins mit den vollständigen Originalteilen zu finden, wie man an meinem sehen kann. Für die Aufnahmen wählte ich diese Armstellung, obwohl ich zwei unterschiedliche Sätze mit der Lieferung bekam, bei denen der linke, angewinkelte Arm dabei ist. Für die Fotos fand ich aber diese Variante schöner:

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Meine Hindsgaul „Twenty2“, aus dem Jahr 1972, mit der Seriennummer 7109

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„Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste……..“ Klar, sie ist wunderschön.

 

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Tolles Kleid, tolle Frau!

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Sehr sinnlich und sexy: „Schneewittchen“ mit rosa Satin-Nachthemd….

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Das Mannequin mit der Seriennummer 7115 habe ich ebenfalls in meiner Sammlung, aber sie ist in einem Zustand (so gekauft), bei dem ein Make-Over ratsam ist.

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flickr, Sergo O, Hindsgaul „Twenty2“, Nr. 7111 und 7115

Die Mannequins 7111 und 7115 sind auch im Originalkatalog sehr sinnlich und sexy abgebildet. Ich habe mir von einem Sammler sagen lassen, dass die Serienbezeichnung „Twenty2“ eine Herleitung aus dem Alter des Zielpublikums ist: Zweiundzwanzig Jahre alt. Man wollte die dynamischen Twens ansprechen.

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Bei diesem Prospektbild (oben) sind die Figuren seitenverkehrt abgebildet!

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Meine Hindsgaul „Twenty2“, Nr. 7115, welche eine Restaurierung benötigt….

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DSC_0569 - KopieWas ich an meiner sitzenden Hindsgaul „Twenty2“ so speziell finde, ist ihr feines, verschmitztes Lächeln, das ich gerne mit demjenigen von Leonardo da Vinci’s „Mona Lisa“ vergleiche. Dieses hat den geheimnisvollen Zauber in sich, welcher diese Figur umgibt. Hintersinnig lächelnd, scheint sie etwas zu wissen, oder zu ahnen, was sie aber nicht preisgeben will. Deshalb finde ich, bei einem Make-over müsste darauf geachtet werden, diese Individualität und Eigentümlichkeit im Gesichtsausdruck unbedingt zu bewahren, die vergleichbar auch bei der Figur 7111 zu erkennen ist. Mona Lisa’s Lächeln ist legendär und weltberühmt. Jenes von der Hindsgaul „Twenty2“, mit der Seriennummer 7115, ebenso unergründlich. Im Katalog sitzt sie paarweise links neben der männlichen Schaufensterfigur 758 und sie blickt in seine Richtung, scheint ihre Aufmerksamkeit ihm zu widmen. Hört sie zu? Was denkt sie?

Die Welt: Deutsche Mediziner lösen Rätsel um Mona Lisa’s Lächeln

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Die arrangierten Szenen im Katalog von 1972 widerspiegeln das Gefühl: „Mir macht das Leben Spass, ich bin glücklich.“

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Was könnte noch besser den Zeitgeist der ausklingenden 60er-, an der Schwelle der 70er-Jahre wiedergeben, als der Kultfilm „Easy rider“ mit Peter Fonda und Dennis Hopper? Hindsgaul’s Serie „Twenty2“ trifft genau die Lebensanschauung, mit den herrschenden Konventionen zu brechen, in der Motorradszene im Katalog von 1972 (s. unten). „Born to be wild.“ sang die Popgruppe „Steppenwolf“ im Film.

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Motorrad fahren wurde zum Freizeitspass und dieses Vergnügen nannte man „Sport“, was auch im Begriff „Sportflugzeug“, also zum Spass mit dem Kleinflugzeug am Himmel kreisen, gemeint ist. Die Interpretation von Hindsgaul, mit „Twenty2“-Mannequins:

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Starauftritt der Hindsgaul-Mannequins aus der Serie „Twenty2“ mit lebenden Menschen, beim Fototermin im Studio. Die absolute Trendfarbe anfangs der 70er-Jahre war orange.

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Eine sehr schöne, lachende „Twenty2“, neu restauriert, besitzt der Sammlerkollege Serge:

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flickr, Serge O., Hindsgaul „Twenty2“

Zudem die Quelle:

History of mannequins in pictures (Blog)

 

 

 

 

 

 

Das schönste, restaurierte Mannequin von Hindsgaul in der Serie „On the seaways“ 1968, mit der Nummer 8003

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Die Schaufensterfigur aus der Serie „On the seaways“ von Hindsgaul (1968), welche die Nummer 8003 trägt, finde ich eindeutig das schönste Mannequin dieser Modellreihe. 27944776604-on-the-seaway-jeanette.jpg Die Sammlerin Jeanette hat eine 8003, komplett restauriert. Ganz tolle Figur! (Link finde ich leider nicht mehr)

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„From stone to a lady“ Vom Stein zu einer Dame, nennt der Besitzer dieses Mannequins von „Dolls Village“ sein Make-over-, bzw. Umbauprojekt. Er restaurierte eine Nr. 8003 auf beeindruckende Weise, indem er u.a. ihr noch echt wirkende Augen einsetzte.

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„From stone to a stewardess“ nannte er dann sein Projekt, als er fertig war.

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flickr, Dolls Village, Hindsgaul „On the seaways“ vor und nach einer Restaurierung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Mannequin von Hindsgaul aus der Serie „On the seaways“, mit der Nummer 8008.

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Meine Hindsgaul „On the seaways“ mit der Seriennummer 8008 ist die Dritte im Bunde. Die Haltung finde ich nicht so überragend, aber ich denke, man kann sie sicher hübsch herrichten und restaurieren.

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Ich kaufte sie mit zwei anderen Figuren zusammen und dachte damals, ich würde sicher einmal froh um Ersatzteile sein, oder die fehlenden Teile für sie finden. Damals wusste ich noch nicht, dass es sich um eine Rarität aus dem Hause Hindsgaul handelte. Weil sie aber die Seriennummer 8008 trug und ich bereits die 8010 und die 8011 besass, fand ich u.a. durch diese unvergleichliche Schaufensterfigur den Durchbruch beim Rätselraten, zu welcher Serie dieses Modell wohl gehören möge. Das war ein absolutes Highlight, als ich nach umfangreichen Recherchen entdeckte, dass ich bereits drei Figuren aus der sehr seltenen Serie „On the seaways“ aus dem Jahr 1968 besass. Eine Vierte, die Liegende mit der Nummer 8015, kam später noch hinzu.

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Die Figur links von der Hindsgaul Serie „On the seaways“ auf dem Prospekt abgebildet, sieht man die Nr. 8008 mit dicker Hornbrille und in einem hellblauen Blümchenkleid, das mir jedenfalls vor Schreck den Atem erschlägt. Noch dazu die grünen Strümpfe!!! Grauenhaft. Das muss der ultimative Liebestöter gewesen sein und würde fast Ton in Ton, wenn auch etwas weniger glänzend, zur Tischdecke einer Bekannten passen. Da sind ja noch die knalligen, orangen Hosen vom Mannequin 8011, oben in der Mitte viel besser, die aus heutiger Perspektive natürlich den Eindruck erweckt, sie arbeite bei den Stadtwerken in der Strassenreinigungsabteilung. Dieses Foto von 1968 zeigt, dass bereits Ende der 60er-Jahre in der Mode die künftige Trendfarbe Orange auftauchte, welche auf inflationäre Weise anfangs der 70er-Jahre die gesamte Welt eroberte.

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Kleider, Polstergruppen, Plattencover und sogar Autos, wie der VW K70 (mit Baubeginn 1970), waren orange.

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flickr, Serge O, Hindsgaul „On the seaways, Nr. 8008 (rechts)

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Der Sammler Steven Sheppard schreibt als Kommentar zu diesem Bild: „Love the look of the one on the right! : )“. Ist Geschmackssache…

 

 

 

Die lachende Hindsgaul „On the seaways“ von 1968, mit der Seriennummer 8010.

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Auf der Plattform einer Schweizer Internetbörse loggte ich mich vor einigen Jahren an einem Abend mal ein und schrieb im Suchfeld ein paar Begriffe, die mir die Angebote in Bezug auf gebrauchte Mannequins etwas einschränkten. Schon bald sah ich einen Torso einer Schaufensterfigur, die über das ganze Gesicht lachte und schön aussah. Ich nahm mit dem Verkäufer Kontakt auf. Es hiess: Nein, es gebe zum Oberteil keine passenden Beine und es seien nur die Hände im Lieferumfang, welche wie abgebildet auf dem Foto (s. oben) zu sehen seien. Natürlich überlegte ich erst mal, ob ich den Torso in diesem Zustand überhaupt kaufen sollte, entschied mich aber glücklicherweise dafür, wie ich rückwirkend hier anmerken will.

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Oberhalb des Gesässes ist eine originale Seriennummer angebracht: „Hindsgaul, 8010“. Ich begann im Internet zu recherchieren, fand aber monatelang nichts. Diese Nummer tauchte auch nicht auf der Liste der Seriennummern bei der Hindsgaul-Fanseite auf, die bis 1972 zurückgeht und hunderte von Mannequins verzeichnet sind.

Hindsgaul Mannequin Fanseite, Figuren Historie von heute bis 1972

Meinen Sammlerkollegen schickte ich per WhatsApp Bilder, mit der Bitte um Hilfe, doch alle waren mehrheitlich ratlos, oder meinten, es handle sich um eine Christel, denn nur Figuren aus dieser Hindsgaul-Serie hätten angeblich lachende Gesichter. Doch erstens fand ich bei der Christel von Hindsgaul aus dem Jahre 1975 kein vergleichbares Gesicht und die Seriennummern stimmten nicht überein, denn diese begannen mit einer „82“. Die von meinem Mannequin begann aber mit einer „80“. Immer wieder recherchierte ich, verteilt über Monate hinweg, bis ich eines Tages auf ein Bild auf der Webseite von „flickr“ stiess, auf welcher viele Sammler ihre Bilder hochladen, auf dem eine lachende Schaufensterfigur abgebildet war, die meiner extrem glich.

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flickr, Serge O, „Please help!!!“ (er wusste noch nicht, dass es eine Hindsgaul „On the seaways“ ist

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2009 fand Serge O im Internet Bilder von seltenen Hindsgaul Mannequins, ohne aber deren Seriennamen und -nummern zu kennen. Deshalb schrieb er einen Hilferuf an alle Sammler: „PLEASE HELP me!!! If you have brochures and know what names at these girls inform me please! I very much require them. As if you have such dummies or parts from them I will be glad to buy them from you.“ Ein belgischer Sammler namens Jacpatre gab ihm erst 6 Jahre später eine Antwort, also 2015, nachdem ich meinen Torso bereits seit 1012 oder 2013 besass. Doch sein Kommentar, es handle sich hierbei um eine „On the seaways“, war für mich ein zündender Funke, denn ich hatte von einer solchen Serie zuvor noch nie gehört. Massimo schrieb: „Wer würde sie (dieses Mannequin) denn nicht wollen?!“ Dieses Lachen ist zauberhaft!

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Meine Hindsgaul „On the seaways“ mit der Nr. 8010. ich habe leider nur den Torso.
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Komplett restaurierte Hindsgaul „On the seaways“, mit der Seriennummer 8010 von Serge O (auch nur ein Torso).

flick, Serge O, Hinsgaul „On the seaways“ Seriennummer 8010, lachender Torso

Offenbar hatte Serge O relativ schnell nach seinem Hilferuf einen Hindsgaul-Torso von der Serie „On the seaways“ gefunden und sehr schön restauriert. Das Foto veröffentlichte er im Jahr 2010.

flickr, Serge O, Hindsgaul „On the seaways“ Nr. 8010 (die dort angegebene Nummer 8210 ist ein Schreibfehler)

In den Kommentaren zu diesem Bild liest man etwas Sehnsucht heraus. Die Sammler sind heiss auf  diese Figur, auch wenn sie unvollständig sei, schreibt Marco und fragt, ob Serge sein Mannequin verkaufe. Er lehnte strickte ab.

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flickr, Serge O, Katalogseite von Mannequin Hindsgaul „On the seaways“ mit der Seriennummer 8010 (lachende Figur)

Sämtliche Teile der gesamten Serie „On the seaways“ von Hindsgaul sind untereinander kompatibel, weshalb schon mal Arme und Hände, sowie Torsos und Beine vertauscht wurden und so Figuren zustande kamen, welche es in diesen Konstellationen seitens des Herstellers gar nicht gibt und im Katalog auch nicht gefunden werden können. Deshalb habe ich in einem andern Artikel hier im Blog, wo es um die Figur Hindsgaul „On the seaways“ mit der Seriennummer 2011 geht aufgezeigt, wie als Beispiel der Torso der Figur mit der Nummer 8010 perfekt auf die Beine des Mannequins 8011 passt (siehe Bild unten):

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Mein lachender Torso von der Hindsgaul-Serie „On the seaways“ mit der Seriennummer 8010, passt haargenau auf das Unterteil von der Seriennummer 2011. Die Komponenten sind innerhalb der Serie untereinander kompatibel (siehe auch Bild unten, Rückseite des Mannequins)

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Serge O kaufte 2009 einmal einen Körper ohne Kopf. Ich nehme an, er hatte damals keine Ahnung, dass der Torso die lachende Hindsgaul aus der Serie „On the seaways“ mit der Nummer 8010 ist und die Beine von einer Figur aus der selben Serie stammen (vom der Figur 8011). Diese Serie war ja auch völlig verschwunden und kaum jemand wusste über sie Bescheid. So modellierte er einen Phantasiekopf auf den abgebrochenen Hals:

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flickr, Serge O, Hindsgaul „On the seaways“ mit abgesägtem Kopf. Serge modellierte einen Phantasiekopf darauf

Gerettet!!! Die spannende Geschichte von einem Hindsgaul-Mannequin mit der Nr. 8011, aus der Serie „On the seaways“

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Dieses Mannequin der Manufaktur Hindsgaul, aus der Serie „On the seaways“, mit der Nummer 8011, aus dem Jahre 1968, fand ich im Container einer Entsorgungsfirma

Es ist nun schon einige Jahre her. Meine Sammlung von Schaufensterpuppen war noch viel kleiner als heute. Da erhielt ich einen Anruf einer Kollegin mit der Frage, ob ich so freundlich sei, ihr beim Entsorgen etlicher Waren aus dem Keller behilflich zu sein. Der Van war schnell gefüllt. Wir fuhren zur Kehrichtverbrennungsanlage und begannen den alten Hausrat in einen riesigen Container zu werfen, dessen Inhalt nachher geschreddert werden sollte. Da rief meine Kollegin mich plötzlich zu sich und zeigte mit der Hand auf einen Mannequin-Torso, der im Sperrgut lag. Wie elektrisiert grub ich weiter, als wäre ich bei einer archäologischen Fundstelle. Da die beiden Beine, hier noch ein Arm und dort noch ein Arm; ich spürte sämtliche Teile der Schaufensterpuppe auf. Diese befand sich generell in einem erstaunlich guten Zustand und als ich begann, sie aus dem Müll zu fischen, kam eine Mitarbeiterin des Recyclinghofes und wies mich in strengem Tonfall an, die Ware im Container zu lassen. Dies sei nun Eigentum der Firma und ich würde mit der Entnahme aus dem Abfall quasi Diebstahl begehen. Ohne überhaupt den Hersteller der Figur bereits nur schon zu erahnen, die ich soeben kurz vorher in den Händen hielt, spürte ich intuitiv, dass es eine alte, wertvolle sein musste, denn eine dieser modernen, asiatischen, dünnwandigen Billigpuppen, wäre bis dahin sicher schon in tausend Stücke zerbrochen. Die Stabilität und das Gewicht erinnerte mich eher an meine Almax aus den 80er-Jahren und so kämpfte ich wie ein Löwe um die Herausgabe dieses Mannequins. Es ging ja um „Leben und Tod“ und ich argumentierte, gestikulierte, wie wenn ich versucht hätte, die heilige Jungfrau Johanna von Orléans vor dem Scheiterhaufen zu retten. Als ich ihr erklärte, dass hier wichtiges, museumsreifes Kulturgut vernichtet werde, welches für das Verständnis unserer Menschheitsgeschichte notwendig sei, knickte sie ein und diese „heilige Jungfrau“ wurde begnadigt, indem diese dann sehr nett gewordene Dame mir einen legalen Weg aus dem Container erklärte. Noch gehöre sie demjenigen, der sie hier entsorgt habe, aber nur solange er noch nicht auf die Waage gefahren sei und das Gelände verlassen habe. Streng genommen, dürfe er sein Eigentum auch wieder mit nach draussen nehmen. Mehr durfte sie nicht verraten und meine Kollegin hatte zuvor gesehen, wie ein Mann die Figur aus einem weissen Lieferwagen herunter nahm, der etwa hundert Meter von mir weg stand. Der Mann schloss am Fahrzeug die Hebebühne, während der Motor bereits lief und die Fahrertüre offen stand, als ich losrannte. In der Zwischenzeit hatte er diese verriegelt und war auf dem Weg zur Führerkabine, wonach er beabsichtigte hinaus zu fahren. Ich rief „Stoopp!“, doch er reagierte nicht. Der Motor und die Maschinen rundherum waren zu laut. Mir blieben nur noch wenige Sekunden und ich glaube, ich hätte mich am Ende vor das anfahrende Fahrzeug gehechtet, so als würde ich als Torwart ein entscheidendes Goal in einem Finalspiel verhindern wollen. Der Lieferwagen rollte an, aber ich hatte mich in den vorangegangenen zwei Sekunden bemerkbar machen können. Das war knapp! Wir luden das Mannequin wieder auf, sie trat ein neues Leben an und gehörte nach der Waage beim Ausgang mir. Was für eine spektakuläre Rettungsaktion! Natürlich war ich neugierig und wollte wissen, wen ich da vor dem Schredder bewahrt hatte. Monatelang kam ich mit meinen Recherchen nicht weiter, liess es dann wieder bleiben, im Wunsch, eines Tages möge sich das Rätsel um diese geheimnisvoll lächelnde Figur lüften. Ich fand an ihr kein Label, keine Nummer, welche ihren Hersteller und die Serie hätte verraten können. Die eingestanzte Zahl am Hinterkopf mit zwei Buchstaben davor „NT 16“, war zu kurz, um im Internet fündig zu werden.

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Mit dieser am Hinterkopf eingravierten Nummer konnte ich zu Beginn meiner Recherchen nichts anfangen…

Anhand der beiden Kupplungen an den Schultern, sowie den Bajonettverbindungen an den Handgelenken, rückte die Firma Hindsgaul in den Fokus, alleine schon durch diesen, bei alten Figuren dieses Herstellers, noch vielfach typischen Gesichtsausdruck. So konnte ich sofort Adel Rootstein (Vierkantsteckverbindung an den Händen), New John Nissen (eigenes System bei der Beinkupplung), Jung-Figuren (konischer Bajonettbolzen), Moch  und weitere Manufakturen ausschliessen, fand aber im Internet unter den bekannten Figuren vor der Serie „International“ von Hindsgaul, kein vergleichbares Modell. Nach 1978 zu suchen war sinnlos, da von jenem Jahr an die Beine in der Mitte geteilt sind. Ich forschte mangels eindeutiger Ergebnisse nicht mehr weiter und beschloss zu warten, bis sich etwas Neues ergibt. Einige Monate später kaufte ich einen lachenden Torso mit dem Hindsgaul-Label auf der Rückseite, der die Seriennummer 8010 trug. Auch da kam ich monatelang nicht weiter (siehe Beitrag über die Hindsgaul „On the seaways“ 8010) und die Liste der Seriennummern auf der Hindsgaul-Fanseite verriet mir nur, dass die Figur vor 1972 hatte produziert werden müssen. Doch erst als ich in den Besitz der Hindsgaul mit der Nummer 8008 kam und umfangreiche Nachforschungen anstellte, kam ich der Lösung des Rätsels näher, bei dem sogar arrivierte Sammler, welche ich um Rat fragte, nicht weiter helfen konnten. Die Hindsgaul-Serie aus dem Jahr 1968 mit der Bezeichnung „On the seaways“ war den meisten unbekannt, da sie in Vergessenheit geriet. So sah ich mir die gerettete „Jeanne d’Arc“ mal genauer an und entdeckte auf der Oberseite von der Beinabschlussplatte, wo mittig der Verbindungsbolzen zum Torso angebracht ist, eine kleine, schwarz gestempelte Nummer „8011“. Das war sie, die Seriennummer, die ich suchte und die mich zur Lösung des Rätsels führte. Es ist eine „On the seaways“ aus dem Jahre 1968, nirgends gelistet, bisher den meisten völlig unbekannt und eine sehr seltene Schaufensterfigur, von der es vermutlich weltweit noch eine Hand voll Exemplare gibt, wenn überhaupt.

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Endlich ein klarer Beweis, dass es sich um eine Hindsgaul „On the seaways“ handelt: die Seriennummer 8011 ist auf der oberen Abschlussplattform der Beine original gestempelt

Es handelt sich dabei um das Mannequin mit grauem Pullover und oranger Hose, die ganz klein (deshalb in der Ausschnittvergrösserung leider unscharf) im oberen Feld des damaligen Katalogs abgebildet ist (s. Bild unten):

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Auch wenn das Bild mangels genügender Auflösung unscharf ist. Die Kopf und Beinstellung, sowie die gesamte Haltung ist gut zu erkennen. Es handelt sich hier eindeutig um die Hindsgaul „On the seaways“ mit der Seriennummer 8011, aus dem Jahre 1968 (vgl. auch Bild unten)

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flickr, Serge O, Katalogseite Hindsgaul „On the seaways“, mit Originalbilder der Nr. 8008, Nr. 8010 und Nr. 8011

Hindsgaul On the seaways_30-8010 & 8011 (Serge O)
Der russische Sammler Serge O kaufte einen kopflosen Körper einer Schaufensterfigur. Selbst für jemanden wie er, der sehr viel Erfahrung und Fachwissen besitzt, war die Identifikation dieses Körpers und die Zuweisung zu einem Hersteller, inkl. Name der Serie, bisher unmöglich. Meine Erläuterung des Sachverhalts legt nahe, dass es sich beim Torso um die Hindsgaul „On the seaways“ mit der Seriennummer 2010, und bei den Beinen um die Seriennummer 2011 handelt. Die Teile der gesamten Modellreihe sind untereinander kompatibel und wurden auch schon mal ausgetauscht…

Nun dürften bei dieser kopflosen Figur vom russischen Sammler Serge O die Beine ohne Zweifel von einer Hindsgaul „On the seaways“ Nr. 8011 stammen. Doch die Muskulatur des Halses zeigt die Ausrichtung des ehemaligen und abgeschnittenen Kopfes über die Schulter nach rechts an (vgl. mein Beitrag über die lachende Hindsgaul, Serie „On the seaways“, Nr. 2010).

flickr, Serge O, Hindsgaul „On the seaways“ ohne Kopf (Nr. 2010 / 2011)

Ich habe ihm entsprechend geantwortet: „Hi serge o. The point is: the torso had before the laughing head from the hindsgaul mannequin „On the seaways“ (Nr. 8010), wich perfectly fit’s together with the legs, wich I have with the original torso. The legs are also from the „On the seaways“ -Serie. Mine are stamped with „8011“. Es liegt im Bereich des Möglichen, dass der Vorbesitzer fatalerweise den Kopf abgeschnitten hat, von einer der seltensten Hindsgaulfiguren aus dieser Zeit!

 

Da nun alle Teile dieser Serie untereinander kompatibel sind, ist es möglich, ohne einen sichtbaren Unterschied in Form und Farbe, wie im Foto von Serge O (oben), einen Torso mit der Nr. 8010 (lachend) mit den Beinen einer Nr. 8011 zu verbinden. Zur Anschauung habe ich dies mit meinen beiden Figuren (s. Bild unten) gemacht. Da meine Mannequins nicht ganz die selbe Farbe aufweisen, erkennt man den Unterschied, doch die Teile sind untereinander kompatibel und passen perfekt.

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Zur Veranschaulichung habe ich meinen Torso mit der Seriennummer 8010 und die Beine der aus der gleichen Serie stammenden Hindsgaul „On the seaways“ zusammengebaut.
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Auf dem Prospekt von Hindsgaul aus dem Jahre 1968, hält die „On the seaways“ Nr. 8010 die Arme verschränkt. Allenfalls passen also die Arme von meiner Nr. 8011.

Je älter ein Mannequin ist und je kompatibler die Einzelteile untereinander sind, desto eher wurden, je nach Bedarf, von den Schaufensterdekorateuren Arme, Hände, oder Torsos ausgewechselt. 50 Jahre später ist es praktisch unmöglich eine Schaufensterfigur aus dieser Zeit in allen originalen Komponenten zu bekommen. Zudem ist erschwerend, dass selbst Kataloge rar sind. Die lachende Hindsgaul „On the seaways“ Nr. 8010, mit der Kappe und der schwarzen Umhängetasche, hat so weite (weisse) Hosen an, wonach man die Beinstellung nicht mehr rekonstruieren kann und das Foto auf Kniehöhe auch endet. Es bleibt also spekulativ, ob die Beine von der Seriennummer 8010 ähnlich, oder sogar identisch mit jenen der Serie 8011 sind. Eines ist hingegen sicher: die Arme meiner 8010 gehören zu einer anderen Schaufensterfigur und die jene von der geretteten 8011 sind nicht original. Es besteht aber eine relativ grosse Wahrscheinlichkeit, dass die geraden, etwas nach aussen stehenden Arme bei der 8010, zur 8011 passen. Die angewinkelten Arme (ohne die Hände) der 8011 sind vermutlich original passend zur 8010. Die Sache bleibt also spannend……

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Bei einer spektakulären Rettungsaktion auf einem Abfallentsorgungsgelände, wo dieses Mannequin bereits für den Schredder bereit lag, konnte ich dieser schönen, aus dem Jahre 1968 stammende Hindsgaul „On the seaways“, Schaufensterfigur ein zweites Leben und ein neues Zuhause schenken. Sie lächelt zufrieden; es scheint ihr zu gefallen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sitzendes Mannequin Nr. 8015 aus der Hindsgaul-Serie von 1968 „On the seaways“

 

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Im Verlaufe meiner Recherchen in Bezug auf die 50 Jahre alte Mannequin-Serie „On the seaways“ von Hindsgaul, die beinahe ganz und gar in Vergessenheit geriet, stiess ich auf dieses Schwarzweiss-Bild von einer Schaufensterfigur in einem Katalog, welche an einer Bar auf einem Hocker sitzt. Ihre Lippen sind verführerisch geöffnet, ihre ganze Haltung und der Gesichtsausdruck, sowie die Gestik, in welcher sie mit der Halskette zu spielen scheint, wirkt sogar etwas lasziv, wenn auch das edle Cocktailkleid mit dem Pelzmantel eher auf eine mondäne, elegante Dame schliessen lässt. Das Eine schliesst das Andere ja nicht aus und die Szene hinterlässt den Eindruck, las warte sie auf jemanden, den sie in Blickrichtung gerade kommen sieht, was auch der Barman mit weissem Smoking und Fliege soeben bemerkt. Wenn dieser linke Arm nicht so unnatürlich in der Luft hängen würde, wäre das Bild perfekt. Es hat sich in mein Gedächtnis gebrannt und ich fand die zweite Aufnahme aus dem Katalog auch sehr schön, trotz der komischen Armstellung:

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Einige Monate später sah ich wieder mal bei einer Online-Börse vorbei und entdeckte ein Inserat, mit dem Titel „Schaufensterpuppe sitzend“. Mehr stand nicht. Als ich das Foto studierte (siehe unten) fielen mir sofort die typischen Merkmale der Hindsgaul-Serien zwischen 1968 und 1972/1973 auf und in dieser Zeitspanne wurde nur eine sitzende Figur produziert, die das linke Bein über das rechte geschlagen hat. Ich war mir zu fast 100% sicher, dass es eine Rarität aus der Serie „On the seaways“ sein musste, mit einer zu erwartenden 8000er-Seriennummer. Die 8008, die 8010 und die 8011 hatte ich bereits. So war ich auf die Nummer gespannt, weil sie weltweit niemand gelistet hat.

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Ich hatte mit dieser etwas lasziven Dame ein „Date“ und als Allererstes suchte ich ihre oberhalb des Po’s angebrachte Seriennummer. Freudig flüsterte ich zu mir selbst: „Es ist die Nummer 8015! Toll! Meine vierte Figur aus der selben Serie, was weltweit nur zwei Sammler besitzen (u.a. Serge O aus Russland). Trotz einiger geringfügiger Schäden und der Tatsache, dass nicht alle Teile Original sind, ist sie generell in einem guten Zustand. Für ihr Alter von 50 Jahren, kann man da kaum meckern.

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Vor kurzem fand ich im Internet zwei Bilder von Schaufenstern aus den 60er-Jahren, in denen die sitzende Hindsgaul 8015 „On the seaways“ zu sehen ist.

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Russisches Schaufenster 1973 (Quelle Serge O flickr)

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Auf dem Bild mit der Weihnachtsdekoration und der Überschrift in Kyrillisch, steht auf einem Banner die Jahreszahl 1973. Von allen Armstellungen, die ich bisher sah, macht jene auf dem unteren Bild mit Niki Lauda’s Formel 1 Fahrzeug im Hintergrund und beider vorderen der beiden auf den Strohballen sitzenden Damen am meisten Sinn: den rechten Arm ausgestreckt und die Hand auf das linke Knie gelegt und der linke Arm so, als würde sie sich bei einer Armlehne aufstützen. Das Gesicht ist dasselbe wie bei der Serie Maxime von 1976.

Erkennungsmerkmale: 1. sehr hoher und strichförmiger Augenbrauenbogen. 2. smoked Eyes (Make up). 3. Kreisrunde Schulterkupplung. 4. Leicht dunklere, angedeutete Höfe im Bereich der Brustwarze.

 

Mannequin von New John Nissen / Schläppi, aus der Serie Attitude, mit den Nummern F6 (Torso) und F5 (Beine) und dem Kopf von Maureen

 

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Der deutsche DUDEN erklärt Attitüde wie folgt: „Bewusst eingenommene [gekünstelte] körperliche Haltung, affektiert wirkende Geste.“ Diese Beschreibung einer Pose trifft bei der Schaufensterfigur vom belgischen Hersteller New John Nissen Nr. F6, aus der Serie mit dem bewusst gewählten Namen „Attitude„, absolut zu. Wenn auf dem Laufsteg von Topmodels die neuste Haute Couture von Starmodedesignern präsentiert wird, ist sie meist in eine Gesamtshow eingebettet. Zu einer Inszenierung, welche dem Betrachter eindrücklich in Erinnerung bleibt, gehört eine gewisse Theatralik, weshalb die Models oft exaltiert auftreten. Sinngemäss wurde beim Mannequin Attitude von der Manufaktur New John Nissen eine übersteigerte Momentaufnahme in Fiberglas gegossen und vielen Sammlern gefällt weder der viel zu lang gestaltete Hals, noch der arrogante Blick. Sie ist ihnen zu hochnäsig. Ich finde sie aus verschiedenen Gründen eine absolut tolle Figur.

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Nur wenige Mannequins von den über zwanzig allgemein bekannten, verschiedenen Hersteller, weisen so viel Liebe zum Detail auf. Bei der F6 sieht man die feinen Risse in den spröden Lippen. In den jeweils identischen Haltungen gibt es sie mit verschiedenen Köpfen. Meine besitzt den Kopf von Maureen.

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Die Hände besitzen auf dem Handrücken Adern und Venen und auf der Innenseite sind Handlinien zu erkennen. Lebensecht wirken auch die modellierten Brustwarzen, welche etwas dunkler eingefärbt sind.

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Anm.: der nachfolgende Text vom März 2018 wurde nachträglich teilweise geändert und ergänzt

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Von der Serie „Attitude“ wurden nur 8 verschiedene Figuren hergestellt, sowohl von der Manufaktur New John Nissen, als auch vom Lizenznehmer Schläppi in der Schweiz. Die hier abgebildete Schaufensterfigur aus meiner Sammlung ist aber nicht ganz original, wie im Katalog, denn der Torso trägt die Seriennummer F6 und die Beine sind mit F5 angeschrieben. Beim Blick in den Katalog erkennt man dies sofort (die beiden Figuren unten links).

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Es gab diese Schaufensterfiguren mit 3 verschiedenen Köpfen und 6 Make-up-Varianten. Bei meiner F6 Attitude handelt es sich um Maureen, mit dem Make-up Nr. 270/20 (siehe Bild unten). Dominic, Sigrid und Maureen sehen sich zum Verwechseln ähnlich, was die Identifikation erschwert.

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Schon seit geraumer Zeit, also über ein Jahr bereits, ist eine Schaufensterfigur aus der Serie Attitude von New John Nissen mit der Seriennummer F6 auf eBay für anfänglich EUR 400.- und jetzt noch EUR 355.- zu erwerben. Die Figur weist einen Riss auf und die rechte Hand sei nicht original (von Hindsgaul). Ich halte es für möglich, dass in einem unbeschädigten Originalzustand jemand für diese Rarität über EUR 320.- ausgibt. Aber beschädigt……?!

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eBay New John Nissen, Attitude, F6

Nach den Angaben des Verkäufers handelt es sich hierbei um eine Maureen. Im Text zum Inserat schreibt er u.a.: „Sie ist ein absolutes Highlight in jeder Sammlung! Eine Diva die dich um ihren Finger wickelt. Ihre wunderschönen Augen fesseln Dich und du bist in ihrem Bann.“

Genau diese Augen sind bei den New John Nissen Figuren aus den Serien Attitude, sowie Liberty und Beauties ein Schwachpunkt. Bei der Herstellung und Kolorierung wurde ein nicht UV-resistenter, durchsichtiger Lack verwendet. Das Augenweiss gilbt mit der Zeit nach, wenn die Mannequins zu lange dem Tageslicht, oder der direkten Einstrahlung der Sonne ausgesetzt waren. Findet man Originalfiguren mit beinahe intaktem Augenweiss, dann kann man davon ausgehen, dass sie über Jahre hinweg in einem Ausstellungsraum mit Kunstlicht, oder in einem Keller, bzw. auf einem dunklen Dachboden gestanden sind.

 

 

Wenn die Figuren komplett restauriert und wie im Beispiel unten mit Glasaugen versehen werden, dann finde ich den oben zitierten Satz absolut zutreffend!

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