Der „Belle“-Kopf mit dem zugespitzten Mund von New John Nissen, der sich anzuschicken scheint, gleich sein Gegenüber küssen zu wollen, finde ich mit Abstand der schönste von allen, die von der Auswahl zur Verfügung stehen.



Sammlertipps und Erwerbsinformationen
Der „Belle“-Kopf mit dem zugespitzten Mund von New John Nissen, der sich anzuschicken scheint, gleich sein Gegenüber küssen zu wollen, finde ich mit Abstand der schönste von allen, die von der Auswahl zur Verfügung stehen.



Inzwischen bin ich mit der „Beauties“-Serie von New John Nissen / Schläppi ziemlich vertraut, weshalb ich bei einer Schaufensterfigur wie dieser (siehe untenstehendes Foto) sofort sowohl den Hersteller, wie auch die Bezeichnung der Serie und der Name der Figur identifizieren kann. Nur die Seriennummer hatte ich vor der Abholung falsch geraten. Ich dachte es sei eine PW06 (aus der „Beauties“-Serie mit Leslie-Kopf, doch es ist ein PW21-Torso, wie ich dann vor Ort erkannte. Letztlich ist es aber der selbe Torso, wie bei der PW06:

Mit etwas geübtem Blick erkennt man aber sofort, dass die Proportionen nicht stimmen und die Beine scheinen auch eine Nuance dunkler zu sein. Wie von mir schon vor dem Kauf vermutet, handelte es sich um A6-Beine aus der „Liberty“-Serie von New John Nissen. Wie man anhand dieses Beispiels sehr gut erkennen kann, sind die Abschlusskanten der Torsen und der Beine serienübergreifend bündig, was den Schaufensterdekorateuren in jener Epoche die Freiheit verlieh, aus einer sehr hohen Kombinationsvielfalt eine Auswahl treffen zu können; ich bezeichne dies manchmal gerne auch als ein vielleicht von „LEGO“ inspiriertes Baustein-System. Doch die Modellierungen im Hüftbereich differieren, was bei angezogenen Mannequins wohl kaum aufgefallen sein dürfte. Doch Sammler sind da etwas anspruchsvoller. Nur die Kombination, welche jener im Katalog entspricht und deshalb original zusammengehört, besitzt den vollen Wert – und wenn wie hier die Arme fehlen, der Schädel gespalten ist und das eine, im Prinzip demontierbare Bein so vermurkst ist, dass es sich nicht mehr entfernen lässt, dann ist die Puppe sozusagen wertlos.


Den Torso versuche ich zu retten, den Rest habe ich entsorgt. Irgendwo liegen noch ein paar PW21-Beine und PW06-Arme im Lager herum – da werde ich bei Gelegenheit den Versuch unternehmen, ein Make-over (Restauration) zu starten.

Manche Schaufensterfiguren sind schwer zu identifizieren, weil es kaum eine in Buchform, oder im Internet verfügbare Informationsquelle gibt. Viele Sammler weltweit schreiben mir, wie professionell und informativ dieses Blog hier über Mannequins sei. Vor wenigen Tagen überschritt die Zahl der Besucher 36’000! Vielen Dank für euer Interesse! Mich ehrt dies besonders, da ich kein Mitglied von Facebook, Twitter & Co. bin; absichtlich nicht, um hier wirklich denjenigen Menschen Zugang zu verschaffen, die mit gezielten Sachbegriffen sich Wissen aneignen wollen, so umfassend wie möglich. Dieses Blog nenne ich auch eher scherzhaft, mit einem Schuss Eigenironie: „Püppipedia“– ein Wikipedia über Schaufensterfiguren.
Aber selbst ich komme nicht selten ins Grübeln, wenn ich auf einer Plattform im Internet Fotos ohne genauen Beschrieb entdecke, oder wie im vorliegenden Fall den Namen „Jasmin“ bei einer Rootsteinfigur als eher verwirrend ansah. Durch die im Inserat angegebene Serienbezeichnung und die Seriennummer „Frieze RF08“ war meine Verblüffung noch grösser, ging ich doch davon aus, dass es von „Yasmin le Bon“ nur einen Kopf gebe, der für verschiedene Bodys verwendet wurde. Ratlosigkeit. Das Internet gab die Identität des Mannequins nicht her; und da mein Freund Ralf Bischoff vor zwei Jahren verstorben war, der mir sofort hätte Aufschluss geben können, wartete ich bis nach den Ferien von Hasan, der sich wie kaum ein anderer in der Branche auskennt und meiner Ungeduld endlich ein Ende bereiten konnte: „Lisa Butcher“ heisst die Schöne. Sie war in den 80er- und 90er-Jahren eines der gefragtesten, britischen Models, sowohl auf dem Catwalk (Laufsteg), als auch für Fotoshootings. Die 183 cm grosse, schlanke Powerfrau wurde von einem Hofberichterstatter der royalen Familie achtungsvoll „The 6 feet Goddess“ genannt; die „6 Fuss grosse Göttin“.
Lisa Butcher startete nach ihrer Modelkarriere, die sie mit 15 Jahren begann, als TV-Moderatorin durch und betreibt heute ein auf buddhistischen Grundätzen basierendes Heilzentrum in England, namens Sakti.
https://www.sakti.co.uk/about-contact/




Bei Gelegenheit werde ich hier noch mehr Text und Bilder anfügen….
Folgendes Bild. Ich kaufte also eine Lisa Butcher, die wunderbar in meine Sammlung passt von Tanja‘ Mannequins (Bild Coyright).


1912 wurde von Ludwig Borchardt während einer Ausgrabung eine der bedeutendsten Funde seit der Forschungstätigkeit im Bereich der Altägyptischen Kultur gemacht: er fand die lebensgrosse Büste der Königsgemahlin von Echnaton, „Neferet iti“ (Nofretete). Das aus Kalkstein und Gips gefertigte Abbild dieser weltberühmten Pharaonin kann man im Mesum in Berlin bestaunen und gehört zusammen mit den Grabbeigaben von Tut Ench Amun zu den bedeutendsten Schätzen der Menschheitsgeschichte.
Schon ihr Blick, die Linien des Profils, ihre strengen und doch ästhetischen Gesichtszüge; sie war vielen Künstlern auch rd. 3’600 Jahre später eine Inspiration. John Galiano von Christian Dior kreierte ein opulente Modenschau zu diesem Thema und liess ein damals weltberühmtes Modell über den Laufsteg schweben (vgl. Fotos weitr unten).
Erin O’Connor als Königin „Nefertari“ (VOGUE, 24.11.2017)






Natürlich ist sie wie auf den ersten beiden Bildern oben kaum zu erkennen: Es ist Erin O’Connor, einer der Supermodels der 90er-Jahre. Auch sie ist der Firma Adel Rootstein für eine Kollektion Modell gestanden (im Schwarz-Weiss-Bild oben rechts, nebeneinander die echte Erin O’Connor und links ihr Ebenbild als Rootstein-Mannequin). Die eine Figur aus der Serie „Supermodels“ trägt die Nummer ER01 (mit derjenigen Pose, in welcher sie mit der rechten Hand sich an die Wange fasst). Wie eine Göttin, so schön ist sie…. (mehr Infos und Bilder hier demnächst….)
Der Serienname „Swoon“ (dt. „die Verzückung“) trifft so ziemlich genau mein Gefühl der Begeisterung für dieses Mannequin, als ich sie zum ersten Mal sah. Sie sass in der Ecke von einem Lager an einem Pult des Verkäufers in der Nähe von Stuttgart, der sie noch nicht im Internet ausgeschrieben hatte, dies aber beabsichtigte. Das kam für mich nicht in Frage und ich kaufte die Dame gleich vom Pult weg. Zwar sah ich, dass sie nur mit einer braunen Farbschicht neu koloriert und vorher hellbeige war, wonach auch nur der kleinste Abplatzer sichtbar werden würde. Egal, diese feurige Latina mit den langen, schwarzen Haaren kam mit, auch wenn mir nicht jedes Detail an der Figur gefiel. Ich hätte natürlich auch noch gerne gewusst, von welchem Hersteller sie stammte. Denn nirgends war die Seriennummer zu finden. Der Verkäufer meinte, er wisse es nicht und so hatte ich über Jahre hinweg nur den Verdacht, es könnte eine Patina V sein. Sowohl das Gesicht schien mir typisch, als auch jene dünne, vierkantige Bolzenverbindung an den Handgelenken mit den beiden Kügelchen zur Arretierung, technisch von höchster Qualität. Bis vor wenigen Tagen war ich mir unsicher, bis ein Sammlerkollege mich über die wahre Identität aufklärte. „Donna“ heisst sie und stammt aus der Serie „Swoon“ von Patina V und trägt die Seriennummer SW9 / DP, die an einem Handgelenk noch ganz schwach und sehr undeutlich zu lesen ist.
Da die Augen beim Make-over des Vorbesitzers etwas klein und zu gelblich geraten sind, klebte ich welche in einer Bernsteinfarbe hinein, die aus einem 3D-Drucker stammten.


Auf mich wirkte sie wie eine altägyptische Pharaonin, weshalb ich ihr einen goldenen Thron kaufte und einen passenden Halsschmuck mit Skarabäen umhängte. Bis dahin wusste ich ihren wahren Namen nicht. Obwohl keine meiner Figuren einen durch mich verliehenen Namen trägt, machte ich bei ihr eine Ausnahme und taufte sie Djet-cheb-neb-iret-nes, entsprechend einem altägyptischen Frauenname, was so viel bedeutet wie: „Die etwas sagt, was man dann für sie ausführt.“ Dieser fast 4’000 Jahre alte, kraftvolle Name passt zu meiner (la) „Donna“ (ital. „Frau“).
Der Körper mit der Seriennummer SW9 stammt aus der „Swoon“-Kollektion…..



…. und der Kopf ist derselbe wie Donna aus der Serie „The Look“.


Die New John Nissen Serie „Fascionable“, die auch von der Schweizer Firma Schläppi in Lizenz hergestellt wurde, lässt sich etwa ins Jahr 1974 datieren. Informationen sind rar, Kataloge kaum mehr erhältlich. Jedenfalls müssten sie geraume Zeit vor den „Beauties“– und „Chic“-Serien auf den Markt gekommen sein. Das sieht man an der Machart, an den Proportionen, die noch nicht anatomisch ausserordentlich stilsicher wirken. Ich besass aus dieser Serie zwei Figuren. Die Eine (Bilder unten) habe ich wieder verkauft und die Zweite diente als Ersatzteillager. Hier ein paar Bilder:


flickr, Serge O, New John Nissen, „Dorothy“ AW 24
Meine AW 24 ist die Figur links, mit leicht gesenktem Kopf…. (Bild oben).



Seltenes Doppellabel von New John Nissen und von Schläppi
Torso und Beine AW 24. Die Arme sind von einer AW 8….. sind innerhalb der Serie kompatible….


Unverwechselbares Gesicht. Seit zwei Tagen in meinem Besitz: eine weitere „Dorothy“ mit der Nummer AW02

Es folgen weitere Bilder, wenn sie geputzt ist….
Wie bereits in einem anderen Beitrag über die Kopie von der Figur SR11 von Patina V aus der Serie „Siren“ erwähnt, liess sich die Firma Figuren Jung in Deutschland ab und zu auch einmal von einer Konkurrenzmanufaktur inspirieren und brachte die beinahe baugleiche SX-21 auf den Markt, die geringfügige Abweichungen zum Original aufweist.
Die gesamte „Dangerous“-Serie von Patina V ist atemberaubend schön! Die DG01 zum Beispiel eine wahre Augenweide! Aber auch die DG 05 ist sehr speziell, in ihrer Haltung und im gesamten Ausdruck, weshalb ich sie schon seit Jahren in den Top-Ten auf meiner Wunschliste hatte. Die amerikanische Originalversion ist praktisch nicht zu finden. Die Figuren Jung-Kopie SX-21 schon eher.


Im Gegensatz zur DG 05 von Patina V, die einen ernsten Gesichtsausdruck hat, hat die Figur von Jung ein anziehendes Lachen. Auch die linke Schulterpartie zum Kopf hin, ist etwas mehr nach oben gezogen und die Arme so gestaltet, dass beide gewölbten Hände auf das leicht gebeugte, rechte Knie passt. So gesehen ist es keine identische Kopie, aber die DG 05 dürfte Ideenpatin gewesen sein.



Bilder: Jeanette Wonneberger
flickr, Jeanette, 2016-05-07 (Jung, SX-21)
>> demnächst wird dieser Artikel noch mit eigenen Bildern ergänzt und Links eingefügt, wo möglich.
Von der gesamten, 12-teiligen Produktepalette innerhalb der Serie „Body Gossip“ von Adel Rootstein, sind 4 Mannequins mit Chanell bezeichnet; zwei Stellungen davon sind in stehenden (X01, X04) und zwei davon in sitzenden (X08, X09) Körperhaltungen. Unter folgendem Link kann die ganze Serie betrachtet werden. Da findet man auch den zur Übersicht notwendigen Katalog:
Blogbeitrag mit Katalog von der Serie „Body Gossip“
Dort entdecken wir auch den damaligen Werbetext zu dieser Kollektion, welche für die Zeit anfangs der 80er-Jahre schon beinahe etwas revolutionär anmutet, denn in den 60er- und 70er-Jahren war das selbstbewusste Auftreten einer Frau noch nicht in dem Masse salonfähig und normal, wie in der darauffolgenden Epoche, in der nur noch in ultrakonservativen Gesellschaftskreisen das weibliche Wesen als „schwaches Geschlecht“ betitelt wurde. Die Emanzipation begann sich in der breiten Öffentlichkeit Geltung zu verschaffen und diesem Spirit begegnet man auch in der Mannequinserie „Body Gossip“ von Adel Rootstein, wo es heisst, es sei: „…eine Kollektion, dessen Körpersprache durch lange, dünne Linien, und schlanke, sinnliche Formen, selbstsicher, selbstbewusst, bestimmt und körperbetont ist. Selbst in ihrer Gemeinschaft, sind sie voneinander unabhängig, ihrer selbst bewusst, fast schon narzisstisch veranlagt… “. Chanell steht ja in der Figur mit der Seriennummer X01 schon ziemlich provokant da, fast mit der identischen Haltung wie Victoria mit der Nummer X11 (s. Beitrag über Victoria):

Die Körpersprache einer französischen „Siégle“ -Vintage-Schaufensterpuppe aus den 50er-Jahren ist zurückhaltend. Die Form des Körpers mit Wespentaille, mit den breiteren Hüften und den weiblichen Rundungen, steht im Gegensatz zu den geraden Linien und dem muskulöseren Eigenschaften in der „Body Gossip“-Serie von 1983. Die etwas ältere Siégle besitzt ein liebliches, lächelndes Gesicht und so eine ernste, fast etwas hochmütig scheinende Miene wie die Chanell.

Chanell mit der Seriennummer X04 hat im Gegensatz zu den Posen bei X01, bei X02 und X03 (Kim Harris), bei X11 (Victoria) und X05 (Jonny), nicht nur einen Arm angewinkelt von der Seite her (einmal links oder rechts) in die Taille gestützt, sondern beide Arme sind mit hochgezogenen Schultern symmetrisch angewinkelt, wobei mit den geballten Fäusten (ein Erkennungszeichen für Figuren aus dieser Serie) eine noch provokantere Haltung eingenommen wird.

Wie unterschiedlich Signale durch die Körperhaltung interpretiert werden können, zeigt ein Artikel mit dem Titel „Körpersprache: so (miss)interpretieren Sie.“ (Online-Artikel: Alles über Interviews).
Aber ich bin mir sicher, dass bei der Konzeption der Serie „Body Gossip“ von Rootstein, die Designer ganz bewusst die Modelle gewisse Haltungen haben einnehmen lassen, um bei den Kundinnen die Assoziation zu Stärke, Willenskraft, Dominanz, Selbstsicherheit, Stolz, Souveränität und weitere Eigenschaften zu erzeugen, um deren Unabhängigkeit als suggestiven Nährboden für die aufkeimende Emanzipation vor Augen zu führen. Damit wurden sicher auch deren positiven Entwicklungsprozesse unterstützt, wie sie auf dem Weg zu einer Gleichberechtigung von Mann und Frau unbedingt nötig sind, worin auch ein unabdingbares Selbstbewusstsein raumgebend für ein Selbstverständnis sein darf, in dem Unterdrückung in aller Hinsicht kein Platz mehr hat. Doch mit der Kampfansage an die Männerwelt vor vierzig Jahren, ging die Idee einher, im Konkurrenzverhalten jener Gleichstellungsproblematik zu begegnen. D.h. man bediente sich maskuliner Tugenden von offensiven Handlungsweisen, wozu auch beim männlichen Geschlecht, durch die Evolutionsgeschichte, ein potentiell aggressiveres Auftreten gehört, das sich die Frauen in den Fokus ihres Strebens nach Selbstbestimmung auf die Fahnen schrieben. Ob nun mit diesem Vorgehen die erklärten Ziele erreicht wurden, wage ich zu bezweifeln, denn: „Gleichberechtigung und weibliche Emanzipation können doch nicht daraus bestehen, dass wir das weibliche Prinzip — die polaren Eigenschaften, die man dem Weiblichen zuordnen kann — einfach abschalten, verleugnen, verdrängen, vergessen und verunglimpfen, …. Alle Menschen vereinen alle Facetten in sich, und sie dürfen sie leben. Die Wiederentdeckung der weiblichen Kraft in Frau und Mann versöhnt die Geschlechter. Ohne sie ist ein Frieden in der Welt nicht möglich.“
Quelle: Rubikon: „Die falsche Emanzipation“
Indem die Frauen versuchen die „besseren Männer“ zu sein, verlieren sie den Kampf gegen sich selbst. „Das Frausein ist etwas Wunderbares und zutiefst Kraftvolles – auf seine eigene Art. Es steht auf der gleichen Ebene wie das Mannsein. Eine innere Veränderung, der immer eine Veränderung im Außen folgt, ist das Wahrnehmen und die Selbsterlaubnis, das eigene, vollständige weibliche und männliche Prinzip zu leben.“
Natürlich ist die Gleichberechtigung heute viel fortgeschrittener wie damals. Dennoch sollte es einen kritischen Blick zulassen, vor allem angesichts des in diesem Blog immer wieder gestellten Themas sich zu fragen, welche Aufgabe Schaufensterfiguren in Bezug auf ihre Botschaft an unser Konsumverhalten besassen und darüber hinaus, welchen Einfluss nahmen sie auf unser Unterbewusstsein, in dem Samen von Ideen und Idealen gepflanzt und gesetzt wurden, die weitreichende kulturhistorische Entwicklungen nach sich zogen. Mannequins sind immer ein Spiegel ihrer Epoche und geben einen Zeitgeist ihres industrialisierten Umfeldes wider. Ich glaube den Wandel, vom Frauenbild des bis Ende der 70er-Jahre allgemein in der Gesellschaft geltenden „schwachen Geschlechts“ im Wunsch zum unabhängigen und selbst bestimmten, weiblichen Wesen, in den Figuren von Adel Rootstein in der Serie „Body Gossip“ erkennen zu können, weshalb sie für mich gesehen ein Zeitdokument darstellen. Schon Chanell’s offensive, provokative Haltung in beiden sitzenden Posen (X08 und X09) finde ich beachtenswert!


Consultingfirmen raten dringend davon ab, bei Bewerbungsgesprächen, oder Versuchen in einem Gespräch mit dem Vorgesetzten mehr Lohn zu erwirken, solche, oder ähnliche Körperhaltungen einzunehmen, wie Chanell (besonders in den sitzenden Positionen), da das fordernde Signal auf Ablehnung stossen könnte.
cvk_Consulting_Körpersprache (Sitzposition rechts oben in der Grafik)
Die X04 (Chanell) im Goldkleid, mit langen, blonden Haaren von „frauenzimmer1409“ ist aus meiner Sicht die bisher schönste Figur mit dieser Seriennummer (Bild unten).


eBay: Adel Rootstein, „Body Gossip“ Nr. X04
Ein Mannequinhändler aus Holland besitzt eine etwas angeschlagene Chanell, „Body Gossip“, X09 (Bild unten):

flickr, etelagenpoppenhuis.nl, Rootstein, „Body Gossip“, Chanell, X09
Dieser Sammler (Bild unten) besitzt auch eine X09. Mit schwarzen Lackstiefeln und in schwarzem Leder gekleidet mit Peitsche und ernster Miene, sieht die Chanell – trotz dem Ohrensessel mit Blumenmuster und Teddybär – ziemlich fordernd aus. Die sagt, wo’s lang geht, denke ich ;-).

Schau-ein-fenster, Preusse1, Rootstein, „Body Gossip“, Chanell, X09 (bis „Chanel“ scrollen)
Die Schauspielerin Kim Harris spielte in einer Nebenrolle bei der Sitcom „Friends“ an der Seite von Jennifer Aniston einige Mal mit. Das reichte zwar nicht für einen „Oscar“-Preis, aber für eine Anfrage von Adel Rootstein Modell zustehen, um als Schaufensterpuppe in der Serie „Body Gossip“ als Merchandisingprodukt zu dienen. Im Werbetext heisst es:
Es ist „eine Kollektion, dessen Körpersprache durch lange, dünne Linien, und schlanke, sinnliche Formen, selbstsicher, selbstbewusst, bestimmt und körperbetont ist.“
Katalogseiten „Body Gossip“-Serie von Rootstein und Sam Curtis X12
Kim Harris gibt es in zwei verschiedenen Posen: X02 mit dem rechten Arm angewinkelt nach oben und X03 mit dem rechten Arm angewinkelt nach unten, die Faust in der Taille gestützt, bei der X02 berührt sie seitlich das Kinn:


flickr Katalogbilder Philip Porter

flickr Eric Z, Rootstein, „Body Gossip“, X02 und X03, Kim Harris
Nun ein paar Beispiele von Kim Harris bei diversen Sammlern:


flickr, James@studio136, Kim Harris


flickr, Doll’s Village, Kim Harris


flickr, Preusse1, Rootstein, Kim Harris
Und David (Dash-n-dazzle) in den USA wieder mit einer atemberaubenden Version von Kim Harris (X03), komplett restauriert und mit Glasaugen versehen (links Original, vor der Verwandlung; rechts nach dem sog. „Make-over“). Einfach hinreissend!

flickr, dashndazzle, Kim Harris (Make-over)

Meine Kim (X03) steht neben dem Eingang und macht Besucher unmissverständlich darauf aufmerksam, wenn sie eintreten: „Bitte, keine Bilder machen!“ Sinnigerweise ist das Leibchen mit der goldenen Aufschrift halb transparent. Aber es wirkt!
Diese Kim Harris bekommt einmal eine neue Perücke, frische Wimpern und bei einem künftigen Fotoshooting ein neues Outfit. Schwarzes Leder, strenge Brille, oder doch irgend ein elegantes Abendkleid?
Ein winziges Inserat erregte meine Aufmerksamkeit. Durch die komplett unscharfen Handybilder der Anbieterin konnte ich kaum erkennen, um welches Mannequin es sich handeln könnte und sich ein Interesse lohnen würde. Das verschmitzt lachende Gesicht gefiel mir doch sehr gut. Ich nahm Kontakt mit der Verkäuferin auf, worauf sie mir weitere Bilder per Smartphone schickte. Anhand der besonderen Schulterkupplung, war mir schnell klar, dass es eine Schaufensterpuppe von Figuren_Jung sein müsste. Auch dieses lachende Gesicht, mit den schmalen Lippen und den sichtbaren Zähnen, waren für mich zweifelsfreie Indizien an eine Jung Figur zu denken. Doch der Preis war zu hoch, die Arme waren falsch, der Weg zur Abholung war ziemlich weit…. Ich schwankte. Doch die Preisverhandlungen verliefen gut, dieses schöne Lachen ging mir nicht mehr aus dem Kopf und ich beruhigte mich in dem Gedanken, ich würde eines Tages einmal die richtigen Arme für die Dame finden; wusste ich ja bereits, dass die Kupplung an der Schulter kreisrund ist und serienübergreifend kompatibel zu allen Armen jener Epoche vom Hersteller Figuren_Jung. Ich fuhr an die Windgfällstrasse im Südschwarzwald, wo nur rd. 200 Meter vom Haus entfernt noch verwüstete Waldgebiete vom Tornado von 2015 zu sehen waren und kaufte die Puppe: eine Jung Figur mit der Nummer SX 24 / SY 24 (links am oberen Gesässrand gestanzt). Im Sommer 2019 könnte ich günstig einige z.T. defekte Schaufensterpuppen ankaufen, bei denen auch Jung-Figuren dabei waren. Von einem dieser Mannequins erhielt meine Lachende zwei passgenaue Arme, in der selben Farbabstimmung, mit den Nummern SZ 16 (links) und SZ 53 (rechts).. Nun ist sie endlich komplett!

Mir ist bisher nicht bekannt, dass ausser Sergej (Serge O. in Moskau / Russland) und ich, jemand eine solche Figur mit der Seriennummer SX 24 besitzt. Sie ist aussergewöhnlich und selten; in der restaurierten Version weltweit ein Unikat.

flickr, Serge O. _ Kyoya / Jung-Figuren _ Lachende
„Gorgeous face .. You are very gifted ..“ schrieb ein Sammler auf flickr.