Manchmal gibt es Momente im Leben, in denen das intuitive innere Gefühl stärker ist als der rationale Verstand, nach dem ich eigentlich hätte nach Hause fahren sollen. Ich tat es nicht und fuhr einen kleinen Umweg, mit dem Ziel, bei einem Brockenhaus vorbei zu schauen, das ich gut kenne und seit Jahrzehnten Stammkunde bin. Aber diesmal habe ich nichts gebraucht, sondern bin einfach diesem Gefühl gefolgt, das ich inzwischen zu deuten wisse. Ich betrat das Geschäft und von weitem sah ich sie, angezogen in einer Tracht mit Schlapphut verhüllt. Schon auf diese Distanz erkannte ich sofort, dass es sich um eine New John Nissen / Schläppi aus der „Beauties“-Serie handelte, mit dieser sehr eigentümlichen Armstellung und Körperhaltung mit hohem Wiedererkennungswert. In meiner Erinnerung tauchte das Bild eines Schweizer Sammlers auf, der u.a. auch eine „Liberty“ A5 besass, welches ich im Juni 2017 im Internet entdeckte.
Die hier abgebildete New John Nissen-Figur wurde zum Verkauf ausgeschrieben, ohne Angaben über dessen Hersteller, oder der Serie, lediglich mit dem Zusatz: “ inhabituelle position cambrée“. Tatsächlich ist diese Position, wie oben erwähnt, sehr ungewöhnlich, nach hinten geneigt, mit hohlem Kreuz. Mangels detaillierter Kenntnisse nannte er sie „Angie“, in Anlehnung an die Ballade von der Popgruppe Rolling Stones, was auch die Gitarre und das Leibchen assoziieren soll.
Aus der Nähe erkennt ein versierter Sammler sofort das etwas ernste, kantige Gesicht der „Jenny“, mit den geöffneten Augen und dem geschlossenen Mund.
Mit der klassischen Herbst- / Wintermode von 1986 zusammen eher gewagt, aber sehr auffällig und gekonnt gestylt: die an den damals aktuellen New Wave Look angepasste Perücke (s. Bild oben). Die Frisuren waren wild und extravagant. Welches Mannequin könnte dies besser präsentieren, als die „Leslie“ mit der Nummer PW 6, von New John Nissen?
Schöne Katalogaufnahme von „Grace“ mit offenem Mund und geschlossenen Augen und einem echten, männlichen Model mit cooler Lederjacke. Sehr sinnlich und toll gestylt (PW 11)!
Leslie darf vorne auf dem Beifahrersitz mitfahren…….
Unter den kritischen Blicken ihrer neuen Freundinnen (links Gisela Mindt) präsentiert sie sich selbstbewusst. Kurze „Wareneingangskontrolle“ von mir: ausser einen wirklich geringfügigen Lackschaden am Kinn, seitlich der Nase und auf der Lippe, gibt es nichts zu beanstanden. Die 35 Jahre alte Figur ist in einem Topzustand und befand sich laut Aussagen der Verkäuferin jahrzehntelang in einem Schuppen.
Die Augen bestätigen diese Information. New John Nissen und Schläppi verwendeten in den späten 70er- und 80er-Jahren einen Klarlack als Überzug bei den Augen, der nicht UV-resistent war (wie ich in meiner These vermute und hier im Blog schon an anderer Stelle erwähnte. Deshalb sind Augenweiss bei Figuren, die im Schaufenster der starken UV-Strahlung des Sonnenlichts ausgesetzt waren mit zunehmendem Alter vergilbt. Die Leslie war in einem lichtgeschützten Schuppen. Deshalb die helle noch weisse Farbe in den Augen.
Meine New John Nissen / Schläppi Nr. L10 eignet sich hervorragend für das Tragen von erotischer Reizwäsche. Bei dieser Serie ist der Beckenknochen in der Hüftgegend sehr naturalistisch modelliert, so wie die Hände, Füsse und die Brustwarzen. So sieht dieser Straps-Hüftgürtel in Lack und Glanzoptik mit dem Mannequin zusammen sehr echt aus.
Im Vergleich mit dem Katalogfoto erkennt man sofort, dass die Hände nicht richtig sind. Sie stammen von einer anderen Figur, vermutlich von der L14, und wurden verwechselt, als sie von einem Vorbesitzer zusammengesetzt wurde. Obwohl diese gespreizten Finger in dieser Stellung unnatürlich wirken, stören sie mich nicht besonders….
Irritierend ist vielmehr die eingravierte Seriennummer im linken Arm. Da steht L5. Aber die L5 hat eine völlig andere linke Armstellung. Der rechte Arm ist korrekt, angewinkelt und mit der Nummer L1.(Punkt in der Mitte anschliessend) versehen, was einer 0 (Null) entspricht.
Betty, Belle, Bonnie und Britt heissen die Damen in Kunstharz, die zusammen in einer Serie namens „Liberty“ von New John Nissen und Schläppi auf den Markt gebracht wurden. Achtzehn Figuren in verschiedenen Stellungen sind es insgesamt. Man konnte sie mit vier verschiedenen Kopfformen bestellen……
Frei sein, frei denken wollen und dürfen – Freiheit im erweiterten Sinne auch als eine Befreiung und Emanzipation gedacht. So dürfte dieses Schlagwort der 70er und 80-er Jahre bei der Konzeption dieser Mannequinserie „Liberty“ von New John Nissen / Schläppi bewusst eingesetzt worden sein. Während Schaufensterfiguren aus den 50er- und 60er Jahren eher steif und wie Litfasssäulen dastanden, präsentierten sich damals die Mannequins der neuen Zeit entsprechend in emotionalen Posen. Die Figur Nr. A12 von der Serie „Liberty“ ist ein perfektes Beispiel, wie Gesten auf das Unterbewusstsein des Betrachters einwirken sollten. Hinter Glas, in den Schaufenstern, standen doch die Trägerinnen jener schönen Kleidung, welche Sehnsüchte auszulösen hatten. „The heart will go on…“ singt Céline Dion in einer der romantischsten Szenen der Filmgeschichte, während Kate Winslet die Arme ausbreitend am Bug der „Titanic“ steht und sich von Leonardo di Caprio haltend in sicheren Händen wähnt.
Frei sein wie ein Vogel! Die A12 hat gemäss Katalog eine (Flügel-)Spannweite von 1,67 Meter.
Nun ist eine meiner Figuren in der Schulterkupplung mit „A12“ angeschrieben. Die selbe Beinstellung finden wir bei der A01, A05 und A06. Die Ausrichtung des Kopfes ist bei der A05, A06 und A12 geradeaus, während der Blick bei der A01 etwas nach links gedreht ist. Für jede Stellung gibt es vier verschiedene Köpfe. Während die A12 im Katalog den Kopf von Brittbesitzt, wurde meine A12 mit dem Kussmund von Belleausgestattet. Doch die Arme sind falsch.
Links wurde ein Arm einer PW 18 oder PW 04 Figur aus der Serie „Beauties“ eingesetzt.
Auf dem rechten Arm steht ziemlich unleserlich PW 21. Dieser stammt ebenfalls aus der Serie „Beauties„.
Meine zweite Schaufensterfigur aus der Serie „Liberty“ von New John Nissen / Schläppi weist seitlich die Bezeichnung „A05“ auf, die aber durchgestrichen scheint. Es ist mit sehr grosser Wahrscheinlichkeit eine A05 mit Belle-Kopf.
Bei diesem rechten Arm wurde die Bezeichnung in rot „A5“ durchgestrichen; hingegen weist die Gravur „A6“ auf die ursprüngliche Bezeichnung hin.
Beim linken Arm wurde alles durchgestrichen und nur noch die Gravur „D9“ zeigt, dass es sich hier um einen Arm aus einer anderen (mir unbekannten) Serie handelt.
Wie schon an anderen Stellen hier im Blog erwähnt, haben die Dekorateure damals die Komponenten ausgetauscht, weil sie grundsätzlich innerhalb einer Serie, oder mehreren Serien, untereinander kompatibel waren.
Die New John Nissen / Schläppi Figur „Liberty“ A05 hält den linken Arm mit gespreizten Fingern in einer eher seltenen Pose hoch, weshalb bei meiner A05 ein komplett anderer Arm verwendet wurde. Im Katalog ist die A05 mit Britt-Kopf abgebildet. Das Mannequin von mir besitzt einen Belle-Kopf, wie bei jener Schaufensterpuppe von Dolls‘ Village.
Nach längeren, ziemlich aufwändigen Recherchen habe ich heute nun eines der Rätsel um meine Mannequins gelöst, die teilweise namenlos bei mir im Lager stehen. Oft ist es vor allem bei älteren Schaufensterfiguren enorm schwierig den Hersteller, die Serie und die Seriennummer zu eruieren. Bei alten New John Nissen Figuren, die in Lizenz von der Firma Schläppi in der Schweiz ebenfalls herstellt wurden, offenbart sich diese Suche als eine ziemliche Herausforderung, da es im Internet kaum Informationen gibt. Findet man einen Online-Katalog, in welchem die eigene, gesammelte Figur abgebildet ist, dann hat man schon grosses Glück, weil ein Sammler so nett war die Bilder ins Netz zu stellen. Da vielfach Dekorateure beim Ein- und Auslagern der Schaufensterpuppen die Arme und Hände vertauschten, sind manchmal die Figuren nicht mehr mit ihren Originalteilen versehen, was ihren Sammlerwert mindert und dies auch zu skurrilen Posen führen kann. Umso mehr freut man sich über ein originalgetreues Mannequin, selbst wenn die Schäden gross sind.
Im Header von diesem Blog ist die liegende BG17 aus der Serie „Chic“ von New John Nissen / Schläppi mit Sarah-Kopf abgebildet und nun konnte ich gestern zweifelsfrei eine meiner Figuren dieser Serie zuordnen. Es ist die BG01, ebenfalls mit Sarah-Kopf.
Im Katalog ist sie mit dem Kopf von Daphne abgebildet (BG 01, links). Meine Version ist mit dem Sarah-Kopf ausgestattet.
Seit dem Wettlauf um die Eroberung des Weltraums, der spätestens 1957 mit der Sonde Sputnik 1 begann, hat sich im Brennpunkt des aufkommenden Glaubens der 60er-Jahre, auch jegliche technische Grenzen überwinden zu können, ein Bewusstsein etabliert, das gleichermassen die Phantasie beflügelte. Grösser, weiter, schneller hiess das Motto und weckte Begehrlichkeiten über den Rahmen des bisher Möglichen hinaus. Die bisherigen Rahmen der Vorstellung wurden auf alle Seiten hin gesprengt, auf teils revolutionäre Art und Weise. Architektur, Kunst und Design drangen provokant in die Morgenröte eines Zeitalters vor, das in der Mode unter dem Namen Space-Fashion bekannt ist und als eine avantgardistische Antwort im Bereich der Kunst auf die Fiktionen der Nachkriegszeit zu erklären wäre. „Avantgardisten sind Leute, die nicht genau wissen wo sie hin wollen, aber als erste da sind“ soll der Schriftsteller Romain Gary einmal gesagt haben, was das hier ausgebreitete Thema sehr gut trifft.
Während noch in den späten 50er- und frühen 60er-Jahren von naturalistischen Figuren in den Schaufenstern biedere Mode getragen wurde, wandelte sich der Stil schlagartig in schrill und bunt.
Jane Fonda in einem sexy Outfit. Space-Fashion von 1968, Paco Rabane
Die innovative Schweizer Firma Schläppi in Wollerau reagierte auf diese Trendwende in den 60er-Jahren und produzierte futuristisch anmutende Schaufensterpuppen, welche im Kontrast zu den damals noch üblichen naturalistischen Mannequins das Abstrakte in den Vordergrund rücken sollten. Der Entwurf stammte vom Künstler Lorenzo Piemonti und die inzwischen weltberühmte Schläppi-Kollektion wird immer noch von Bonaveri in Italien hergestellt und verkauft. Die radikale Wende in der Mode sollte sich in gleichem Masse im Äusseren der Schaufensterfiguren widerspiegeln. Sie erinnern an Skulpturen von Alberto Giacometti, sind aber entsprechend dem Space-Fashion-Stil hochglänzend.
Bei der Firma Schläppi in der Schweiz wurden die ersten futuristischen Schaufensterfiguren anfangs der 60er-Jahre hergestellt. Die glänzenden, abstrakten Mannequins sind mit einem Lack überzogen, in den Farben Rot, Schwarz, Weiss, Silber und Gold.
Im Jahr 2016 liess der Uhrenhersteller Roger Dubois die Schläppi 2500 Kollektion wieder neu aufleben, als er, anlässlich einer Präsentation seiner neuen Uhrenkollektion „Velvet“ speziell für Frauen, die Aufsicht seinem Creative Directors Alvaro Maggini überliess. Das Motto hiess „ManusxMachina: Fashion in the age of technology.“
„The 2500 collection is athletic and spirited, using forms that engage with the space they occupy.“ (Die Schläppi-Bonaveri 2500 Kollektion ist athletisch und temperamentvoll; sie verwendet Formen, welche raumgreifend den Platz in Anspruch nehmen, der ihnen zur Verfügung gestellt wird.“ Das klingt wie eine Hommage an eine Diva, welche zeitlos auch nach fast 50 Jahren ihre Attraktivität in geringster Weise eingebüsst hat. Bei Sammlern und Sammlerinnen von naturalistischen Mannequins, sind diese Figuren wenig gefragt, weshalb die Ansprechpersonen eher im reinen Kunstbereich zu suchen wären.
Auch André Courrèges gehört zu den Modedesignern, die in den 60er-Jahren eine völlig neue Ausdrucksform in der Mode wählten.
André Courrèges, 1969, gehörte schon anfangs der 60er-Jahre zu den avantgardistischen Protagonisten des Space-Fashion ZeitaltersAndré Courrèges, 1961. Dieses Kleid wird von einer Schläppi 2500 Schaufensterpuppe im Museum für Technologie präsentiert. (Hinweis vom 25.09.18: die Webseite, die dieses Foto enthält ist vorübergehend nicht zugänglich)
André Courrèges „Woman’s ensemble“ 1965-67, Los Angeles County Museum of Art. Das silbern glänzende, mit Ärmeln versehene Bolero mit kurzem, glockenförmigen Reifrock repräsentiert die Space Age Mode der 60-er Jahre und wird hier von einem Vintage Schläppi Mannequin aus der selben Zeit getragen.
Im Paul Getty Center in Los Angeles, findet dieses Jahr seit dem 26. Juni eine Ausstellung über die Modefotografie von 1911 bis 2011 unter dem Titel „Icons of Style: A Century of Fashion Photography, 1911 – 2011“ statt. Sie dauert bis zum 21. Oktober 2018. In diesem weltberühmten Kunsthaus und Museum sind entsprechend der verschiedenen Epochen in der Modebranche einige Kleider aus dem Besitz des „Los Angeles County Museum of Art“ ausgestellt, die von originalen Schläppi Mannequins getragen werden. Mithin wird anhand dieser Präsentation deutlich, wie zeitlos diese Figuren sind. Am besten kommen sie in ihrem futuristischen Design zur Geltung, wenn sie entsprechend Space Fashion-Kleider von André Courrèges tragen (siehe Foto; auf der Webseite nach unten scrollen).
Der „Vater der Space Age Mode“ André Courrèges steht ganz in weiss gekleidet und mit glänzenden Gummistiefeln neben einem stilisierten Schläppi-Mannequin, das aber bereits aus der Schläppi-Bonaveri Collection stammen könnte.
Der Pariser Couturier André Courrèges revolutionierte in den 60er-Jahren des 20. Jh. die Mode und gilt als „Vater der Space Age-Fashion“, womit eine Epoche gemeint ist, in der ein futuristisches Design mit neuen Materialen zusammen entworfen wurden. In dieser Zeit, die von der Eroberung des Weltalls begleitet, sogar geprägt wurde, entwickelte die Schweizer Mannequin-Manufaktur Schläppi eine völlig neue, offenbar zeitlose Form von Schaufensterfiguren, um diesem damals modernen Stil gerecht zu werden. Courrèges ist im Januar 2016 in Paris 92-jährig gestorben. Frankreichs Kulturministerin würdigte in einer Rede sein Werk: „In the end, he invented a universe full of shapes and colors in which elegance could not be conceived without imagination, humor and a great freedom of expression and movement. Courrèges made the women he dressed happy…”
Anlässlich des „Commonwealth Fashion Exchange“-Events im Buckingham Palast in London, präsentierten Bovaveri-Schläppi Mannequins aus der 2200-er Serie die extravaganten Kleider
Auch in royaler Umgebung im Buckingham Palast in London, machten im Februar 2018 Schläppi-Bonaveri Mannequins aus der 2200-er Serie eine gute Figur (Bild oben).
Im Sala Bianca (Palazzo Pucci) ist in faszinierender Weise zu sehen, wie kreativ Schläppi-Bonaveri Mannequins als Kunstform interpretiert werden. Ihre abstrakte Formgebung eines Menschen mag für den einen oder anderen Künstler und Designer auf spezielle Art eine Quelle der Inspiration sein, was sie auch so attraktiv und einzigartig macht.
Schläppi-Bonaveri Mannequins gibt es in verschiedenen Posen, Grössen und Farben (Rot, Weiss, Silber und Gold)
Schläppi-Bonaveri Mannequins gibt es in verschiedenen Grössen. Leider ist die Webseite mit diesem Bild nicht mehr auffindbar…Diese sitzende, originale Schläppi Schaufensterfigur stammt aus den 50er-Jahren und wird z.Z. auf Ebay zum Kauf angebotren.
Eine sitzende Schläppi Schaufensterfigur wird zur Zeit für EUR 275.- in Ebay angeboten. Sie stammt aus den 50er-Jahren und besitzt eine spezielle Mechanik im Hüftbereich, die später nie mehr Verwendung fand. Die bereits etwas abstrakt wirkende Gesichtsform, in Zusammenhang mit den sehr schlanken Körpermassen mag zumindest ansatzweise als eine Art Vorläufer der späteren Serien betrachtet werden. Die modernen Figuren von Schläppi-Bonaveri kosten einige tausend Euro.
Von der Firma Schläppi (Schweiz) wurden die belgischen New John Nissen-Figuren in Lizenz hergestellt, wie ich in einem anderen Blogbeitrag bereits erwähnte, so auch die L9 aus der Serie „Act 1“. Mir gefällt an diesem Mannequin die ungewöhnliche Haltung mit der Arm- und Handstellung, die in einer Bewegung „eingefroren“ scheint. Zufällig entdeckte ich die L9 vor einigen Jahren auf der Webseite eines Verkäufers. Erst gestern aber führten wir Verhandlungen über den Preis, danach kaufte ich sie.
Ich hatte nicht genug Zeit sie gleich noch zu stylen.
„Oh lala, très chic, mon dieu!“ mag man damals begeistert ausgerufen haben, wenn man in den Schaufenstern die Haute Couture berühmter Stardesigner bestaunte, Kreationen mit dem Anspruch gehobener Schneiderkunst, welche eher für die reiche und vornehme Gesellschaft bestimmt war. Die Serie von der Schaufensterpuppenmanufaktur New John Nissen „Chic“ sollte dieser Eleganz noch deutlicher Ausdruck verleihen. Von der ganzen Serie hatte ich das Glück, die liegende Sarah BG17 zu erwerben, die sehr selten ist.
Vor rd. sieben Jahren sah ich sie in Zürich in einem Shop am Boden liegen. innerhalb der nachfolgenden Zeitspanne fuhr ich immer wieder hin und wollte sie erwerben, was mir erst vor einigen Monaten gelang, als sie aus Platzmangel auf dem Dachboden landete.
Ungewöhnliche Perspektive, bei der man erkennen kann, wie der linke Arm modelliert ist, der im Katalog hinter dem Körper ganz verschwindet.
Sexy Lady in exklusiver, schwarzer Moncler Daunenjacke.
> siehe Änderungen am Ende des Beitrages (Ergänzung)…
Seit rd. 5 Jahren gehört eine sehr seltene Schaufensterfigur von New John Nissen, die in Lizenz von der Firma Schläppi ebenfalls produziert wurde, zu meiner Sammlung und ist eine absolute Rarität. Für mich ist sie einer der Highlights während meiner Suche nach seltenen und schönen Mannequins.
Sie trägt hinten am Po sogar beide Labels gleichzeitig, dieses von New John Nissen und jenes von Schläppi (rechts), was sie noch aussergewöhnlicher und seltener macht. Bis vor etwa 1 1/2 – 2 Stunden war mir aber über Jahre hinweg nicht klar, zu welcher Serie sie gehört und ich forschte im Internet manchmal stundenlang und schickte Fotos an meine SammlerkollegInnen. Doch ausser dem approximativen Alter (ca. 1972), konnte niemand zweifelsfrei eine Zuordnung machen und es bestand die Möglichkeit, dass sie zu einer der „Junior“-Serien (Junior16) gehört. (Nachtrag vom 24.01.2019: dem ist so, siehe weiter unten. Danke Hasan!!).
Ich bin also gespannt, ob ich noch zu mehr Informationen in Bezug auf die Serie und meine Figur komme. Sie hat viele Kratzer und muss restauriert werden. Ich habe sie so gekauft.
Update, Nachtrag anfangs Januar 2019:
Ich fand in meinem Archiv ein Titelblatt eines alten New John Nissen-Katalogs mit der Überschrift „Junior16“. Auf der linken Seite ist ein Teil einer sitzenden Schaufensterfigur abgebildet, die den linken Arm gebeugt hält und die Hand zur Faust ballt, die an der Schläfe angelehnt ist. Das ist sie….
Link habe ich leider nicht mehr gefunden….
Update, Nachtrag 24. Januar 2019:
Ein absolut versierter Sammlerkollege fand in seinem Archiv noch ein Bild von diesem Mannequin und schickte mir die Aufnahme. (Meine ist die Figur am Fuss des nächsten Bildes, die DG 16A E168)….
Im Bild oben: die grosse, angeschnittene Figur rechts…
Mehr als zwei Dutzend Hersteller von Schaufensterfiguren haben sich in den letzten 60 Jahren den Markt geteilt und jeder versuchte sich vom Konkurrenten abzuheben. Dabei entstand eine breite Palette von Mannequins, denen sogar lebende Menschen als Vorlage dienten (wie bei Adel Rootstein), oder andere Besonderheiten aufweisen, wie z.B. die erstaunlich naturgetreue Modellierung bei New John Nissen-Figuren. Sammler besitzen ihre Vorlieben; und so gibt es einige, die fokussiert Adel Rootstein-Mannequins, oder Hindsgaul-Figuren sammeln, weshalb man bei diesen Marken in der Regel tiefer in die Tasche greifen muss, als bei anderen Mannequin-Marken. Im teuersten Preissegment sind Schaufensterfiguren zu finden, die aber neu restauriert und in einem sehr guten Zustand sind. Da sich die Kosten für ein sog. Make-Over erst bei seltenen Mannequins sich wirklich lohnt, bleiben die eher weniger beliebten Figuren oft im Originalzustand und sind durch falsche Teile, Risse, Brüche, Kratzer und Abplatzer minderwertig. Meine Sammlung umfasst zur Zeit 14 verschiedene Hersteller, mit insgesamt über 140 Figuren, was sie schweizweit zur grössten und breitestpalettierten Kollektion macht. Die unten aufgeführte Liste folgt keiner bestimmten Logik, Chronologie, oder einem Alphabet, sondern stellt quasi hierarchisch die Reihenfolge meiner persönlichen Vorlieben dar, obwohl die „Grenzen“ nicht klar gezogen sind. Die Yasmin le Bon von Rootstein, die 8424 (Young Look) von Hindsgaul, die liegende Almax, die L9 Act 1 von New John Nissen: sie alle gehören zu meinen Favoriten und sind in diesem Blog beschrieben. Auf die „Sarah“ von New John Nissen habe ich rd. 7 Jahre gewartet. Gegen eine Mitnacht habe ich sogar eine sitzende Ira von Rootstein eingetauscht…. Schönheitsempfinden ist relativ….
Einige der Hersteller produzieren heute noch realistische Schaufensterfiguren, lassen sogar alte Serien wieder aufleben (z.B. „Classic“ bei Adel Rootstein). Wie man sich in diesem „Dschungel“ von Mannequins zurechtfindet, soll eines der Hauptziele dieses Blogs sein. Zudem gibt es von Loutoff z.B. billige Asien-Kopien von hochwertigen Hindsgaul-Figuren (z.B. „Angie“), die offiziell korrekt, aber von Privat auch schon als „echte Vintagepuppe“ im Internet angeboten wurde, was sie definitiv nicht ist. Hier erhält man auch Informationen, die der Bestimmung einer Schaufensterfigur dienen. Anhand der Kolorierung, der Schminke, der Körperproportionen, des Gesichtsausdrucks und der Hüft- und Handverbindungen, sowie Schulterkupplungen kann ein Hersteller eruiert werden, wenn eingestanzte, oder aufgeklebte Labels und Seriennummern (meist gestempelt) fehlen und die Identifikation so erschwert ist. Weitere Erkennungszeichen sind in den jeweiligen Beiträgen zu finden, wie z.B. die Schraube oder Flügelmutter am Rücken der älteren Moch-Figuren, oder dem Gewindebolzen am Handgelenk der Almax usw.
Hier die Liste (zur vorherigen Version vom Februar 2018 etwas abgeändert):